Dienstag, Juli 12, 2005

Resume

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Es ist dreiviertel Zehn in Podgoriza. Ich warte auf meinen Zug nach Belgrad. Noch ist es unklar, wie das mit meinem Fahrrad wird, aber es wird sich fügen.
Montenegro ist nun mein "Schönstes Land Europas". Alles Berge, bestes Wasser, grandiose Natur. Die Leute sind freundlich und immer hilfsbereit. Ich fühlte mich nirgends unsicher, beim Autoverkehr muss man aber sehr aufmerksam sein. Niksicko Pivo ist mit Sicherheit das beste Bier des Balkans und eines der besten Europas. Von den Preisen bezahlte ich cirka ein Drittel des Deutschlandpreises, aber eben immer in Euro. Einige Beispiele: Eine große Portion Fleisch (meist Hammel) vom Grill mit Schopska Salat: 5...7 Euro. Einen halben Liter Niksicko: 1...1,50 Euro. Vorsicht in Touristenkneipen kommt der drittel Liter auch mal 1,80 Euro. Man kann immer wundervoll draußen sitzen, meist in überaus bequemen Sesseln. Es regnet ja selten, also braucht man keine Plastestühle. Die sind sehr selten, doch einmal gab's welche. Und obwohl ich mich schon über einige Berge geschraubt habe, stellte der Wirt für mich vorsichtshalber zweie übereinander. Wenn man ohne Rad unterwegs ist, gibt es ein dichtes Busnetz. An den Straßen gibt es viele Quellen guten Wassers, die sind dann meist Verstorbenen gewidmet. Im albanischen Gebiet hat aber auch ein Brautpaar eine Quelle gestiftet.
Die Touristengebiete an der Adria, zum Beispiel Budva waren reichlich besucht, aber nicht überlaufen. Die Städte sind schön alt und urig, aber sonst gibt's da eben auch nur das übliche eines Strandurlaubs, nur dass der Strand aus groben Schotter ist.
Nun guck ich mal nach meinem Zug, fährt um elf Uhr, das mit dem Fahrrad organisieren. Das ist vorläufig der letzte Bericht dieser Tour.
Viele Grüße von Unterwegs
Eberhard Elsner

Montag, Juli 11, 2005

Die Heimreise hat begonnen

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Ich bin mittlerweile wieder in Montenegro, in Podgoriza. Ich fand gestern nicht den angegebenen Platz zum Campen am Shkoder-See. Das ist ein riesiger See mit blitzsauberen Wasser. Die Shkoder-Leute waren am Sonntag alle draußen zum Baden. Das Ufer ist entweder sehr sumpfig, ein Naturschutzgebiet mit Pelikanen und sonstigen Wassergetier oder übelst steinig. Das sind dann die "Badestrände" bzw. Zeltplätze. Als ich mir ein Plätzchen gesucht hatte, verscheuchten mich die Einheimischen. Besorgt um meine Sicherheit sehr freundlich. Ich bin dann doch noch in die Stadt rein, wie in Pakistan. Dreck, chaotischer Autoverkehr, laute balkanische Musik, Pferdegespanne und Mercedees Benz. Überhaupt ist das hier die vorherrschende Automarke. Heute morgen zum Frühstück, es hatte über Nacht ein Dauerregen begonnen, sagte ich mir: Wenn jetzt 5 Daimler hintereinander vorbeifahren, werde ich trotz Regen aufs Radl steigen. Es dauerte ca. 10 Minuten und entsprechende Anläufe uns es kamen sogar acht Daimler auf der Straße vor dem Cafe vorbei, hintereinander wohlgemerkt. Ich habe also in einem Hotelzimmer mit Klimaanlage für 10 Euro übernachtet. Eigentlich hatte ich mir noch einen Tagesausflug mit dem Rad ins Gebirge vorgenommen, aber dort draschte es noch länger. Gegen Mittag beruhigte sich der Regen nämlich, so habe ich nur einen 100km-Bogen durch Albanien gemacht, rund um den Shkoder-See eben.
Es gibt hier eine gute Verbindung mit der Bahn über Belgrad nach Budapest. Das steht jedenfalls so in der Zeitung. Da das bestimmt erheblich preiswerter ist als meine Idee mit der Fähre nach Bari, Italien und dort mit dem Zug habe ich mich jetzt hier in Podgoriza (former Titograd) in ein Hotel eingemietet und werde morgen es über Belgrad versuchen. Voraussichtlich bin ich also Donnerstag, wahrscheinlicher am Freitag in Saalfeld zurück.
Viele Grüße von Unterwegs
Eberhard Elsner

Sonntag, Juli 10, 2005

Bei den Söhnen des Adlers

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Ich koste gerade das zweite Premium Pils aus Tirana, ich bin in Albanien ungefähr 8 km hinter der Grenze aus Richtung Ulcinje. Wieder hat sich die Geschichte wiederholt, die Montenegriner rieten mir alle ab, nach Albanien zu fahren. Und nun stellt sich heraus, dass das hier auch nette Leute sind.
Ich bin noch bis Bar auf dieser nervigen verkehrsreichen Hauptstraße gefahren. Dann ließ ich mir den Weg nach Stari Bar zeigen. Das ist eine uralte, aber mittlerweile schon praktisch tote Stadt innerhalb einer komplett erhaltenen Befestigungsanlage. Den letzten Rest hat der Stadt das Erdbeben von 1979 gegeben. Und damit war ich auch schon in albanischem Siedlungsgebiet. Die schmale alte Bergstraße war wieder sehr anstrengend in der Hitze, ich brauchte entsprechend Treibstoff. 

Muslimischer Friedhof
Schon unterwegs identifizierte mich ein junger Mensch als Deutscher ohne ein Wort mit mir gesprochen zu haben. Er sagte zwar: "Die Deutschen sind alle sportlich", meinte aber: Ein bisschen verrückt. Er hatte eine bewegte Vergangenheit, prahlte mit den vielen Frauen, die er in seinem Leben schon "poppte (einschließlich dem entsprechendem Handzeichen)". Dann erzählte er noch, dass er 5 Jahre in Zweibrücken einsaß, weil er einen Schwarzen niedergestochen hatte. Auf seinem Unterarm sah ich dann auch etliche Narben. Irgendwie ließ mich das meine Lenkertasche etwas fester fassen. Hätte ich mir noch ein Bier ausgeben lassen sollen? Ich sollte doch noch ein paar Minuten warten, er hätte welches in den Kühlschrank der Kneipe stellen lassen. Ich bin lieber weiter...
Die Burg Rozafa bei Shkoder
Kurz hinter der Grenze zu Albanien traf ich ein Schweizer Pärchen, die mit den Rädern auf dem Weg nach Indien sind. Gerade sin sie an meiner Bierkneipe wieder vorbei gefahren. Von ihnen gibt's was nach zu lesen unter http://www.2bicycles1world.ch
Laut meiner Albanienkarte ist in wenigen Kilometern am Shkoder-See ein Zeltplatz, wollen wir mal sehen.
Viele Grüße von Unterwegs
Eberhard Elsner
Livebericht unter http://lebensreise.com/blog

Samstag, Juli 09, 2005

Warum ich nie nach Malorca will

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Da habe ich neulich die Kür angekündigt, immer schön an der Uferstraße die Adria entlang. Das geht aber ganz anders hier. Eben wie bisher immer, denkst du, du bist oben, geht es immer noch ein bisschen höher.
Nach dem herzlichen Abschied von Zoran, dem Torwarttrainer, lief es auch anfangs bestens. Auf einer kleinen Straße immer an der Bucht von Kotor entlang nach Tivat. Dann aber trafen etliche große Straßen zusammen und die Leutchen waren zum Sonnabendausflug aufgewacht. Alles zusammen ergab beträchtlichen Verkehr mit bisher nicht beobachteten Arschlöchern hinter dem Steuer. Aber die vielen kleinen Kneipen gaben viel Abwechslung. Ich suchte mir immer "nacionalni restoran" heraus, wo ich mich dann meist als Gast der Familie fühlen konnte. Zum Beispiel bei dem, beinahe hätte ich Op' gesagt, der hatte aber neben seiner schönen Tochter Sandra noch einen kleinen Nachzügler Mirko. Mit ihm habe ich das Kellnern geübt, wobei ich die Rolle des Gasts übernahm. Für mich unproblematisch, da der Op' ja die Bier bezahlte, die ich immer bestellen durfte. Budva erreichte ich gegen Mittag, ein tolle klitzekleine Altstadt als Festung. Aber eben auch viel Urlaubstrubel.
Den Fehler von vorgestern wollte ich nicht wiederhohlen, deshalb bin ich in Sutomore bei Bar dann gegen 20 Uhr dem Schild zum Hotel Mirela gefolgt. Vorher her habe ich immer wieder mir vorgenommen, nur den Pass da vorne. Es sind aber derer noch drei geworden, immer so Sechs-Kilometer-Auffahrten für das ganz kleine Kettenblatt (aber noch mit Reserven hinten). Hier bin ich nun wieder feinstens und ein bisschen oversized eingerastet.
Eine Frage habe ich: Ist denn der Mont Blanc gefallen?
Viele Grüße von Unterwegs
Eberhard Elsner

Freitag, Juli 08, 2005

Zum Glück gezwungen

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Der Uhrturm in Kotor
Der Glückstag gestern hatte noch ein überraschendes Ende. Denn einen Meter neben der Adria ist zwar Platz für ein paar Häuser, doch dann kommen eben wirklich die nächsten knapp tausend Höhenmeter nur Felsen. Es ist kein Platz für einen Campingplatz oder sonstiger Bofstelle. Das habe ich nicht bedacht, als ich Risan in der Dämmerung verlassen habe. Das nächste Kloster war ein Nonnenkloster, die wollten mich nicht in ihrem Garten haben. An den Häusern waren immer Schilder "sobe, rooms, Zimmer". Aber die wollten nicht für eine Nacht vermieten. In Kotor seien Hotels. Kotor war 18 km weiter und es war dann auch schon dunkel. Mein Fahrrad ist ohne Beleuchtung, ich hatte mir als Rücklicht meine Taschenlampe umgebunden. In den Hotels drei an der Zahl, alle von einer Gesellschaft, waren keine Zimmer mehr frei. Ich habe mich schon auf eine sehr raue Bofe eingestellt, so beispielsweise der Friedhof. Doch auch hier alles Stein und Beton. Die Ausfallstraße nach Tivat führte direkt in die Berge, da war in der Dunkelheit auch nichts zu finden. Also zurück in die Stadt, da räumte einer gerade seine Restaurantstühle rein. "Have you a room for one or two days?" Bevor er antworten konnte, rief eine Frau aus dem Hintergrund gleich: "Nur für zwei Nächte!" Und so loggte ich beim Torwarttrainer der serbisch-montenegrinischen Nationalmannschaft eben für zwei Nächte ein. Zoran Lemajic ist ein guter Kumpel, er gab mir noch ein Bier gratis zum Einschlafen.
Die Bucht von Kotor
Heute morgen habe ich mir seine Trophäen ansehen dürfen, immerhin war er mit Figo bei Sporting Lissabon in einer Mannschaft und gewann (wenn ich es richtig verstanden habe) den UEFA-Pokal.
So bin ich heute nur ein paar Kilometer zurück, was ich eben gestern nur in der Dunkelheit durchfahren habe. Die Burg von Kotor habe ich erobert, muss man wohl so sagen, denn es geht beträchtlich steil nach oben. Ich bin mir nun auch sicher, warum solche Burgen nie erobert wurden. Der Einzigste der oben ankam, kriegte das Burgfräulein für das Versprechen, zu erzählen, dass die Burg wieder nicht erobert werden konnte.
Viele Grüße von Unterwegs
Eberhard Elsner

Donnerstag, Juli 07, 2005

Ein Meter neben der Adria

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In Risan an der Adria
Ab jetzt geht die Kür los, ich habe die Adria erreicht. Und es ist wie auf den Prospekten, entgegen dem Wetterbericht. Der hat Gewitter vorausgesagt.
Es war eine komplette Etappe durch eine wilde Karstlandschaft. Natürlich erst einmal bergauf, aber moderat und auf einer größeren Straße ohne viel Verkehr. Nach ca. 40 km dann der Abzweig auf ein ganz kleines Sträßchen, nur eine Fahrspur und teilweise zugewachsen. Am Abzweig in einem Restaurant ein Riesenschnitzel gegessen und gleich danach ein Mittagsschläfchen. Damit war ich gut vorbereitet, was mir die Tante von der Agentur Summit in Zabljak versprochen hat, null Verkehr durch die Wildnis.
Die Bucht von Kotor
Wieder gab es diese Hochtäler, die von allen Seiten von Bergen eingeschlossen schienen. Aber heute war mein Glückstag, die Straße führte mit nur geringer, meist gar keiner Steigung, durch irres Labyrinth von Felsen ins nächste Tal ... 50 m tiefer. So ging's mit wenigen Halts für Erfrischungen den ganzen Nachmittag. Es war ein wunderbares Pedalieren. Die Dörfchen sind am aussterben, in Grahovo kann man einen Kriegsfilm drehen, dort ist jedes zweite Haus ruiniert. An einem Haus, in meiner Karte (1:800000) war das Dorf Han eingezeichnet, riefen ein paar Männer: "Hey, drink with us!". Einer rief immer "Deutschland, Deutschland", vom nächsten hieß es, dass er Obermeister in Deutschland war. Der sagte aber die ganze Zeit gar nix. Einer war auf einem Schiff, mit ihm konnte ich mich auf Englisch unterhalten. Sie waren erstaunt, dass ich immer noch so einen Bauch habe, wo ich doch von Budapest bis hier her geradelt sei. Aber sie hatten auch eine gute Botschaft: Noch 5 km bergauf, und dann geht es 15 km bergab nach Risan an der Bucht von Kotor.
Tatsächlich, nach einem harten Aufstieg, sah ich dann an der fünften Stelle der Hoffnung die Adria. Gleich daneben stand ein Kirchlein, der Strick zum Glockenläuten hing verführerisch nah. Hab' mich aber dann nicht getraut, sondern mich die Serpentinen nach Risan hinuntergestürzt. Nun sitze ich beim Bier eben wortwörtlich einen Meter neben der Adria.
Viele Grüße von Unterwegs
Eberhard Elsner

Mittwoch, Juli 06, 2005

Kategorie Gold

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Ich bin noch immer in Niksic und habe heute mit leichtem Gepäck eine Tour zum Manastir Ostrog gemacht. Leichtes Gepäck heißt eine Tasche am Vorderad und die Lenkertasche. Niksic liegt an dem Flüsschen Zeta, das laut Karte runter nach Podgoriza (former Titograd) fließt. Die gepunktelte Linie interpretierte ich als Versickerung, aber im Prinzip bergab. Das Kloster soll dann auf 900m in einer Felswand liegen.
Ich bin dann die Ausfallstraße Richtung Podgoriza gefahren, die Hauptstraße ging bei der Eisenbahn rechts weg und ich war auf einer kleinen Straße allein unterwegs, schön. Doch dann ging's bergauf und zwar ganz schön, also falsch. Ich bin zurück in die Stadt, zu einem großen Kreisverkehr, wo ich eines der wenigen Hinweisschilder gesehen hatte. Mit Verkehrsschildern haben's die Jugos nicht so, selbst die Verbots- und Achtungsschilder werden mit Reklame für Abschleppunternehmen oder mit proserbischen Losungen beklebt. Meist sieht dann niemand mehr, worauf man Acht geben soll. Mein Weg auf der Hauptstraße führte mich zu einem Straßentunnel, nun konnte ich auch wieder die Karte interpretieren. Die Umfahrung führte mich wieder auf das Sträßchen von morgens. So extrem hatte ich mir Karst nicht vorgestellt, dass der Fluss überhaupt keinen oberirdischen Abfluss hat. Sondern wirklich durch eine ca. 300 m hohe Gebirgskette durchfließt. Man muss sich dass vorstellen, die Saale fließt unter dem Kulm durch und dass Tal bei Rudolstadt ist zu. Von Saalfeld nach Jena muss man immer über die Katze.
Nach dem Pass landete ich auf einer alten, praktisch asphaltlosen Straße. Es ist sehr schwüles Wetter, nachts hatte es gewittert. Ich freute mich dann, dass am Wegesrand jetzt schon auf der Auffahrt zum Kloster ein Restaurant stand. Die Kneipe führte die nach eigener Aussage einzigste Sportfliegerin von Montenegro. Nach dem üblichen Woher und Wohin erzählte sie mir, dass die Mafia die Abtrennung anstrebt, um ihre Pöstchen zu sichern. Ein Elektronikingenieur an der Fakultät in Podgoriza kriegt 300 bis 400 Euro und im alten Jugoslawien war eh alles besser. Ich versprach, auf dem Rückweg bei ihr zu Essen.
Und nun begann eine Auffahrt der Kategorie Gold hoch zum Kloster, die aufmunternten Zurufe aus den Autos beflügelten mich. Das Kloster ist in eine Felswand hineingebaut, die Rückwand einer Klosterzelle ist immer die Felswand. Im ganzen ist das Gebäude höchstens 4 m "dick". Die zwei alten Kapellen liegen in Höhlen, die alle mit Ikonen ausgemalt sind. Drinnen sind offensichtlich wertvolle Devotionalen, jedenfalls haben die Serben laufend Kreuze geschlagen und die Devotionalien abgeküsst.
Die Abfahrt war natürlich großartig, wobei man sich hundertprozentig auf die Bremsen verlassen muss. Es gibt keine Leitplanke oder Bande, die Straßenkante bricht sofort 30 ... 50m senkrecht in die Felswand ab. Ich bin nach der Einkehr bei der Pilotin wieder die uralte Straße zurück, da ich mich nicht ohne Fahrradbeleuchtung durch den mehrere hundert Meter langen Straßentunnel traute.
Viele Grüße von Unterwegs
Eberhard Elsner

Dienstag, Juli 05, 2005

Göttliche orthodoxe Sicherheit

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Heute schlief ich im Schutz des Pivski Monastir. Mancher könnte Pivski im Zusammenhang mit Bier bringen. Ganz falsch, das Kloster liegt hoch über der Piva, die in Bosnien zusammen mit der Tara die Drina bildet. Jetzt bin ich aber in Niksic und damit über die Wasserscheide des Balkan drüber, jetzt fließt alles in die Adria, wohingegen die Drina über die Save letztendlich in die Donau mündet.
Es ging über mehrere Anstiege immer hoch über der Piva-Schlucht durch sehr abwechlungsreiche Landschaft, aber meistens wachsen hier Steine. Es ist eine von vielen Dolinen durchfurchte Landschaft, weshalb es auch immer wieder zu Anstiegen kommt. Die Weg führt immer wieder in so ein Trockental, wo dann auch lose Siedlungen zu finden sind.
Wie gesagt, gestern habe ich den Popen des Klosters gefragt, ob ich am Kloster bofen könnte. Er wies mir einen Platz zu, ich hatte Wasser, die Toiletten hoffte ich nicht benutzen zu müssen. Spät abends knurrte zwar ein Hund, aber ich habe sicher geboft.
Überhaupt fühle ich mich hier sehr sicher. Praktisch immer kann man zum Trinken und ab und zu mal Essen draußen sitzen, das Fahrrad unangeschlossen in Sichtweite. Wenn die Hiesigen in die Kneipe wollen, fahren sie bis fast an den Tisch, lassen Tür oder zumindest Fenster offen (der Zastava hat ja auch keine Klimaanlage) und den Schlüssel stecken. Mein Radl wird oft ein bewundernder Blick zu geworfen. Aber Habsucht ist nicht zu erkennen, eher "der arme Kerl, muss den Berg hochstrampeln". Nun, ich bin noch immer in Gegenden ohne Touristen, es bleibt abzuwarten, wie sich das am Meer gestaltet.
Viele Grüße von Unterwegs
Eberhard Elsner

Montag, Juli 04, 2005

Nacionalni restoran

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Es ist wieder Wochentag und jeder muss wieder den Weg seiner Bestimmung gehen. Ich bin wieder auf's Rad gestiegen, obwohl das Wetter nicht viel Hoffnung machte. Ich bin einer Empfehlung gefolgt und über den Sedlo (1907m) gefahren. Man muss berücksichtigen, dass Zabljak aber schon 1400 m hoch liegt. Trotzdem, es wurde zünftig, denn der von der Karte versprochene Asphaltbelag hörte schnell auf. Dafür besserte sich das Wetter und ein grandioses Hochgebirgspanorama öffnete sich.
Mir war klar, dass der Sedlo nicht der einzigste Huckel sein sollte, aber beim zigsten Anstieg (nach zugegeben einigen schönen Abfahrten) war dann doch mein Wasser fast alle. Wieder bahnte sich ein Anstieg an, noch diese Kurve mit Schwung und dann muss ich wohl doch wieder schieben. Doch diesmal war's wirklich nur wenig und es grüßten mich einige Kühe mit Häusern. An einem Haus erkannte ich sofort den typischen Anbau einer Kneipe. Das morrige Schild bestätigte: Nacionalni restoran Mirogan Trsa.
Drin war eine Männerrunde versammelt um eine Tafel mit Riesenhaufen Fleisch, Gemüse, Kartoffeln und Käse. Davon nahm sich jeder auf seinen Teller und sonst wurden laute und offensichtlich lustige Gespräche geführt. Nur zwei tranken alkoholische Getränke, es standen ja auch drei Autos vor der Tür. Ich bestellte ein Bier. Das Bier kam aus dem Fass, aus einem Fass voll Schnee, der die Flaschen kühl hielt. Bald erkannte einer mich von unterwegs und bestellte für mich das zweite Bier. Die Nicht-Alkoholischen löffelten aus Kaffeetassen eine Art Joghurt. So etwas habe ich mir auch bestellt, unglaublich viel Sahne drin, sehr wohlschmeckernd, nährend und bekömmlich. Das war so gegen zwei Uhr nachmittags.
Dann kam der Höhepunkt, eingeleitet durch eine schöne Abfahrt, kam ich an den Rand der Piva-Schlucht. Wieder eine knapp 1000m-Kante. Hinunter gings durch unzählige Tunnel, alle nur als Höhle und oft mit Kehren und mehrere Hundert Meter lang. Zum Glück immer gut asphaltiert und ohne Gegenverkehr. Unten ist die Piva aufgestaut, wie's aussieht reines Trinkwasser, jedenfalls glockenklar. Ein Emerald-Lake, smaragdgrün.
Wie es hier üblich ist, kann man sich aber nicht im Tal ausruhen. Die ganze Höhe von ca. 1000m Höhe musste ich wieder rauf. Unterwegs an einer Kneipe traf ich zweie aus der Runde vom nacionalni restoran wieder, es gab wieder ein Bier für mich.
Nachtrag von gestern: Ich habe die Bofe von Josip Broz Tito gefunden, dort hat er 1943 mit seinem Stab geboft. Muss wohl sehr unter Druck gewesen sein, sowas wäre uns nicht untergekommen.
Viele Grüße von Unterwegs
Eberhard Elsner

Sonntag, Juli 03, 2005

0-Tag

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Das Erzwingen hat auch nicht geholfen. Ich bin bis Mittag ein bisschen in den Bergen rumgelaufen, nichts gesehen, nur pitschnass geworden. Ist aber alles nicht so schlimm, es trocknet alles schnell in einem Hotelzimmer.
Ich habe mir heute Nachmittag eine Zeitung gekauft. Laut Wetterbericht ist die Regenperiode am Montag zu Ende. Das verspricht auch der Bericht im Fernsehen. Ggf. kann ich mich ja bei den Wetterleuten beschweren, eine Station ist hier im Dorf.
Es gibt also wieder nichts zu berichten, außer dass ich nun in jeder Kneipe von Zabljak mindestens ein Bier getrunken habe.
Viele Grüße von Unterwegs
Eberhard Elsner

Samstag, Juli 02, 2005

Wetterumschlag

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Crno jezero
Ich bin immer noch in Zabljak am Durmitor. Die Hoffnung auf das Befahren des Canons ist leider geplatzt. Ich vermute, wegen einem einzigen Teilnehmer machen die nix. Das Wetter hat umgeschlagen von 31°C auf 13°C. Und ständig regnet es, ein paar kleine Ausfahrten gab es. Ansonsten habe ich vor dem Fernseher rumgefault. LiveAid geguckt, dabei muss ich aber immer die Zimmerantenne festhalten. Ich will es morgen nochmal zu einer Tour in die Berge zwingen. Auf jeden Fall geht's am Montag weiter.
Viele Grüße von Unterwegs
Eberhard Elsner

Freitag, Juli 01, 2005

Ruhetag

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In Zabljak
Wirklich ein Ruhetag. Heute Vormittag bin ich zu einem kleinen Spaziergang aufgebrochen, nur mit Foto und ohne Wasser. Damit war ich begrenzt auf leichtes Lustwandeln. Rausgekommen ist eine Umrundung des Schwarzen Sees mit Einlage. Praktisch sind es zwei Seen, die von einer bergigen Halbinsel getrennt sind. Auf dieser Halbinsel gab es einen schönen Wildpfad, dies als Einlage.
Der Himmel hat sich bezogen und am Mittag gab es einen Regen, der mich noch zu einem vierten Bier an der Kneipe am See verführte. Das ist ein großes Holzhaus, wo mitten im Gastraum unter vier Abzugskaminen lustige offene Feuer brennen. Für's zünftige Grillen.

Tara-Raft - das steht noch aus
Gerade komme ich von einer Outdoor-Agentur, wo ich mich nach dem großen dreitägigen Tara-Raft erkundigt habe. Ich werde morgen erfahren, wie es weitergeht: Zur Küste und nach Albanien oder ich bleibe einige Tage hier zum großen Raft.
Meine gestrigen Schätzungen zur Schlucht waren etwas konservativ: Durchgängig 1000 m tief, maximal 1300 m tief und 80 km lang. Meistens unbegehbar, "without anyone trace of civilisation". Ich möchte es überprüfen, ob ich nicht doch eine der sonst allgegenwärtigen Plasteflaschen finde. Kostenpunkt all incl. für die drei Tage: 220 EUR. Ja, tatsächlich ist hier in Montenegro Euroland. Ich konnte bisher noch nicht meine serbischen Dinar zurücktauschen.
Gestern hat der hiesige Republikschef für September das Referendum zur Abtrennung von Serbien angekündigt. Das scheint in dieser Gegend aber nicht gut anzukommen.
Viele Grüße von Unterwegs
Eberhard Elsner

Donnerstag, Juni 30, 2005

Das hat er sich verdient

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Im Hintergrund der Durmitor
Ein schwerer Tag. Gestern ging es noch hoch her. Ich durfte direkt neben einer Kneipe bofen. Dort waren offenbar etliche Leute, die mich schon auf der Straße gesehen haben, zum Beispiel in Zlatibor. Da kam andauernd ein neues Bier an meinen Tisch. Zum Abschluss gab es noch das Finale vom Confed-Cup. Nach dem 3:0 der Brasilianer waren meine Bier aufgetrunken und ich bin in die Bofe. Am morgen gegen sieben mit einer halben Packung Waffeln losgefahren. Dass es erstmal hoch ging war klar und ich kurbelte auch fleißig hoch. Da ich mittlerweile alle Mützen verloren habe, musste ich mir ein T-Shirt als Turban binden. Auf der Hochebene, man ist eben nicht einfach oben, ging es schwer gegen den Wind. 

Die Brücke über die Tara-Schlucht
Endlich dann die Abfahrt in den Tara-Canon. Grandios! Marke Verdon, so wie ich das von den Fotos kenne. Die Straße führte über eine Brücke, ich tu mich mit Höhe schätzen schwer, sage aber mindesten 100 m. Ganz unten die Tara, ein glockenklarer Wildwasserfluss. Als Sensation wirde hier selbstverständlich ein Rafting durch die Schlucht angeboten. Die Schlucht ist ca. 50 km lang und unbegehbar, wirklich keine Chance. Der Canon ist reichlich 800 m tief. Denn diese Höhenmeter musste ich mich wieder hochkurbeln, zu den restlichen Waffeln nur ein Sandwich mit hart gerbratenem Fleisch (unkaubar) und Käse. Nach drei Stunden oben endlich angekommen ging es durch Prärie oder besser Pampa mit schwerem Gegenwind. Im Hintergrund der Fiz Roy pardon der Durmitor, die Ilusion von Patagonien war perfekt. Und ich ständig am Abnehmen, tatsächlich habe ich mehrmals geschoben. Dann das Ortsschild "Zabljak" garniert mit einem Haus und dem großen Schriftzug "Restoran". Alles nur eine Fata Morgana, es waren noch etliche km vorbei an übelsten Roma-Lagern hinein nach Zabljak, die Verheißung.

Glockenklare Tara
Ich war vor einigen Tagen in Zlatibor, ein äußerst hübscher Ort. Hier sieht alles aus wie Abriss. Naja, Restorans und Hotel gibt es. Und an manchen Stellen ist es auch sehr schön. Über allem thront der Durmitor. Den werde ich morgen angehen, ich gönne mir hier zwei Ruhetage. Der Wolf ist nämlich auch noch nicht weg.
Viele Grüße von Unterwegs
Eberhard Elsner

Mittwoch, Juni 29, 2005

Noch nicht ganz oben

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Prijepolje im Tal des Lim
Gestern ging noch was: Statt zu den Anglern am Stausee bei Kokin Brod unmittelbar bei einer Kneipe zu campen, bin ich noch ein Stückchen gefahren ... Ein Stück heißt es wohl besser. Eine Auffahrt stetig und machbar brachte mich nach 6 km auf einen Pass mit der Industriestadt Nova Varos. Und dann ging's aber ab, nach 15 km durch ein wildes Tal. Hier haben sie die F-Straße durch die Felsen einer Schlucht geschlagen. Ich befürchtete schon gar keine Bofstelle zu finden. Gab's dann aber.
Heute habe ich mich mächtig verfahren. Nach der Passauffahrt aus dem tiefen Tal des Lim, bestimmt knapp 1000 Höhenmeter bin ich falsch abgebeogen. Die Himmelsrichtung nach der Sonne bestimmen ging nicht, mein Schatten ist genau unter mir. Also bin ich auf dem karstigen Hochplateau eine Stichstraße nach Norden abgekommenj. Erst als die Straße am Ende ihrer Bestimmung in Gornje Babine war, hat der überhebliche Ebs gefragt ... Wieder 15 km über einige zünftige Huckel retour und mein Schatten war immer noch genau unter mir. Nur wenige Bäume werden hier so groß, dass sie viel Schatten für mich spenden können. Und nie bin ich ganz oben, es gibt immer noch einen kleinen fiesen Huckel dazu.
Aber es gibt bei einer Ansammlung von mehr als 10 Häusern immer ein Lädchen. Das ist sehr wichtig, so kann ich meinen Flüssigkeitsspiegel halten. Alle diese Lädchen haben im Kühlschrank Erfrischungsgetränke, darunter immer Bier. Meist die wirklich schmackhafte Marke "Jelen Pivo" - Hirschbier aus der Vojvodina.
Die Leute hier sind alles mächtige Menschen, oft muss sogar ich nach oben gucken. Kein Wunder dass die Serben viele excellente Basketballer haben, auch in der NBA. Was aber noch beeindruckender ist, die Mädels. Die Beine sind X-large und sie laufen extrem aufrecht und stolz. Und in jedes Lädchen gehört ein solches Mädchen.
Jetzt bin ich Pljevija in Montenegro, eine Stadt, wo ich drei Moscheen gesehen habe. Auf der Straße ist alle Nasen lang Polizei und kontrolliert die Fahrzeuge. Bin ich hier in einer albanischen Gegend? Von der Sprache kann ich keinen Unterschied feststellen. Auf mein "Dober Dan" kommt die entsprechende Antwort. Aber die Häuser scheinen hier ein bisschen ärmlicher zu sein.
Viele Grüße von Unterwegs
Eberhard Elsner

Dienstag, Juni 28, 2005

Golfplatz für Riesen

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Großgemeinde Kremna
Heute ging's durch eine herrliche Landschaft. Allerdings musste ich ersteinmal hinkommen. Eine ordentliche ca. 15 km lange Passauffahrt musste überwunden werden. Zum Glück war die Straße perfekt ausgebaut, stetige Steigung, sogar einen Tunnel haben sie neu in den Berg gepickert. Das ist die einzigste Straße an die Adria für die Serben, ohne Feindesland durchqueren zu müssen. Trotzdem hält sich der Verkehr in Grenzen. Oben dann eine lichte Steppenlandschaft zwischen den Bergen mit einzelnen knorrigen Kiefern. Bilder aus Montana zeigen eine ähnliche Landschaft, nur dass hier Rindviecher statt Bisons rumlaufen. Vor denen wird auch laufend per Verkehrsschild gewarnt. Die Straße führte allerdings laufend über Huckel, die ganz schön geschlaucht haben.

Gastliche Stätte im Zlatibor
Irgendwie werden die Leutchen immer freundlicher. Heute hab, ich "refugees" aus Bosnien getroffen. Die sind als Serben aus dem muslimischen Gebiet (Tuzla) vertrieben worden und kamen aus Schweden. Ihr Ziel ist Budva an der montenegrinischen Adria-Küste. Vielleicht treffen wir uns nochmal, wäre schön für mich, der Vater hat mir nämlich gleich ein Bier ausgegeben. So ist das heute eine sehr bierreiche Tour geworden. Beim Essen war der Koch über die Tour so begeistert, da gab's auch gleich ein Bierchen auf's Haus.
Das Wetter ist wieder besser, eine leichte Brise erfrischt den Radler und putzt den Himel. Glockenklare Sicht und Photowolken, heute hat permanent die Motivklingel gebimmelt.
Viele Grüße von Unterwegs
Eberhard Elsner

Montag, Juni 27, 2005

Zwei Versuche

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Das Gewitter hat nicht richtig die schwüle Hitze vertrieben. Schon bald merkte ich, dass heute es sehr schwer werden würde. Ich muss aus dem Drina-Tal raus, was bedeutet einen 1000m-Pass zu überwinden. Ich bin früh ans "Ende" des Drina-Tals gefahren. Hier wird der Fluss am Ende des Drina-Canon aufgestaut. Hier steigt die Straße in vielen Kehren eine Wand auf, ich schätze über 600 Höhenmeter. Hat mich sehr beeindruckt und nach ca. einem Drittel der Höhe und mörderischer Hitze auch abgewiesen. Ich hatte die Schnauze voll. Also wieder zurück nach Bajina Basta und die zweite Möglichkeit angegangen. Naja, nun war erst recht Mittag. Wenigstens gab es nach der Hälfte ein Dorf und damit eine große Pause mit zwei Kola und einem Bier. Trotzdem habe ich immer mal wieder geschoben.

Oben am Pass gab's dann ein gutes serbisches Essen, Fleisch und Gemüse. Meine Frage nach was zu Essen, hat die Tochter des Hauses sofort bestätigt. Doch dann hat sie mit ihrer Mutter diskutiert, was man nun mit dem Ausländer macht. Mehrmals fiel das Wort Ciorba, also Suppe. Letztendlich kriegte ich doch noch die Speisekarte zu sehen. Meine Bestellung löste begeisterte Erleichterung aus, man konnte zünftige serbische Küche vorführen und ich war der Freund der Oma. Bald darauf brutzelte es hinten und ich konnte dem Op' und den Gästen mein Rad zeigen. Die Oma hat mir dann noch ein Fladenbrot mit Schafskäse eingepackt, für wetscher - abends.
Nach der schönen Abfahrt sitze ich in Kremna in der Kneipe und werde gerade vom Förster mit dem zweiten Slivovic traktiert - ihr seht, langsam komme ich in Gegenden mit herzlichen Serben. Dieses Kremna sieht aus wie die Saalfelder Höhe nur mit noch mehr kleinen Häuschen besiedelt. Verblüffenderweise gibt’s auch eine ordentliche Mobilfunkverbindung, so dass ich diesen Bericht senden kann.
PS.: Ich habe ein mächtiges Wölfchen von den vielen scharfen Paprikaschoten zum serbischen Fleisch.
Viele Grüße von Unterwegs
Eberhard Elsner

Sonntag, Juni 26, 2005

Spricer

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Die Temperaturen gehen immer höher, es ist nur ganz früh und auf der Fahrt auszuhalten.
Ich bin immer noch im Tal der Drina, immer noch ist das andere Ufer Bosnien. Gekommen bin ich bis Bajina Basta in der Nähe des Tara-Nationalparks. Drüben in Bosnien donnert und blitzt es, die Schwüle des Tages entlädt sich in einem Gewitter. Ich fand, dass das eine geeignete Ausrede ist ins Hotel zu gehen. Alles klebt, und so war ich heute auf Heinrichs Spuren als Waschfrau.
Gestern Abend hat mich jemand gefragt, ob der Serbische Mann böse ist. Und hier steht an der Wand: Mladic Cheroj - Mladic Held. Den kleinen Leuten beschäftigt es offenbar, wie sie in der Welt angesehen werden. Aber die Berichterstattungen in den Medien ist einseitig. Gestern konnte ich zwar im ZDF die erste Halbzeit von Deutschland vs. Brasilien gucken, aber die einfachen Leute kennen keine Fremdsprachen und gucken nur ihre eigenen Sender. Wenn sich herausstellt, dass Einer in Deutschland oder in Österreich war, kann er nur wenig deutsch, so eben auch das Bäuerchen, das schon um sein Ansehen besorgt schien. Heute vormittag habe ich einen kleinen ca. 7km langen Abstecher in die Berge gemacht und das Monastir Soko Grad besucht. Ein modernes und nobles Kloster mit Übernachtungsbetrieb. Viele der Einheimischen machten mich auf dieses Kloster aufmerksam, toll gelegen zwischen hohen Felswänden.
Nun kann ich auch wieder meinen speziellen Durstlöscher bestellen: Weinschorle heißt hier Spricer.
Viele Grüße von Unterwegs
Eberhard Elsner

Samstag, Juni 25, 2005

Jetzt haben die Loküsse nur noch Löcher

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Heute hat mich die Sonne wieder ordentlich früh geweckt.
Langsam bin ich auf dem Balkan angekommen. Die Loküsse haben nur noch Löcher und am Baum vor der Kneipe hängen die Häute der Tiere, die auf der Speisekarte stehen. Im Ernst, im Grill vor der Kneipe dreht sich nicht ein Schwein, sondern ein Hammel. Sein Balg hängt als "Reklame" (O-Ton des Kneipers) am Baum an der Straße. Ich habe mir ein halbes Kilo anrichten lassen, mit Schopski Salat (heißt hier auch so) und Brot.
Ich bewege mich jetzt im Tal der Drina, direkt an der Grenze zu Bosnien. Srebrenica ist nicht weit. Keiner der Serben hat mich bisher gewarnt rüber zu fahren. Ich habe aber zuviel Schiss wegen Minen, ich muss mir ja 'ner Stelle zum Bofen suchen. Sehr gesprächig sind die Leutchen hier nicht, nur so woher und wohin. Mit dem Wirt habe ich ein bisschen mehr gequatscht, aber difizile Themen hat keiner von uns angefangen. Ansonsten ist das hier jetzt eine ärmere Gegend als in der Vojvodina.
Ich bin jetzt richtig in den Bergen drin, fast eine kleine Schlucht hier.
Viele Grüße von Unterwegs
Eberhard Elsner

Freitag, Juni 24, 2005

Verschlafen

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Dorf in der Fruška Gora,
Ja, heute verschlafen: Ich hörte früh Stimmen, von denen ich glaubte, die müssten mich wecken. Die wollten die Zimmer machen, möglicherweise. Die Uhr zeigte 1/2 9 Uhr. Ich habe dann sehr schnell gepackt und weg.
Nun galt es den Übergang über die Donau zufinden. Ich hatte bisher noch keine Anzeichen der amerikanischen Angriffe von 1999 gesehen. Sie haben ja alle Donau-Brücken zerstört. An einer Flussschifffahrtswerft (richtig geschrieben?) waren sehr viele Kräne am Wirken, direkt daneben ein Armeeobjekt mit einem Anker als Kennzeichen. Diese Gebirgsmarine zu Fuß war sicher ein Ziel. An der großen Autobahnbrücke wird noch gebaut. Eine kleinere Brücke gibt’s zwischen Novi Sad und Petrovaradin, wo der LKW-Verkehr drüber geht. Ich bin über die Behelfsbrücke aus Pontons, die die komplette Donau absperrt. Ich konnte nicht erkennen, dass man da was öffnen kann, um die Donaudampfschifffahrt durchlassen zu können.
Dann ging es in den Fruska Gora - der heiligen Fruska Gora mit mehr als einem Dutzend mittelalterlichen serbischen Klöstern gilt als einer der drei heiligen Berge in der christlich-orthodoxen Welt. Und heute viel Armee: Ich glaube es gibt auch wieder einige Radarstellungen. Hier hatten die Amis viele Ziele identifiziert, sogar einige Klöster. Eine Baustelle an einem Kloster habe ich gesehen, ob's aber ein Treffer war? An den Armeeobjekten konnte ich keine Schäden erkennen.
Der erste Weg, den ich über die Berge nahm, war ein Irrweg. Aber ein wertvoller Irrtum, ich kam an einem phantastischen Bergsee - ein alter Steinbruch. Das Wasser wurde dem See über zwei Wasserfälle zugeführt. Grandios! Und eine tolle Rettungsschwimmerin war da, Model ++. Nur musste ich umkehren und die ganze gewonnene Höhe bei 10% Steigung in der Mittaghsitze zurückgewinnen. So bin ich heute nur bis Sremska Mitrovica gekommen, wo ich noch über die Save möchte und dann einen Platz zum Zelten finden. Morgen geht es dann langsam an der Drina ins Gebirge.
Viele Grüße von Unterwegs
Eberhard Elsner

Donnerstag, Juni 23, 2005

Neuland unterm Pneu

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Die Donau bei Mohacs
Der Platz zum Zelten war noch ein ganz Außergewöhnlicher, aber auf solchen Touren eigentlich normal. Ich bin bei Mohacs noch mit der Fähre über die Donau und auf kleinen Straßen bis auf 10 km an den Grenzübergang nach Szombor gekommen. In einem gottverlassenen Dorf fragte ich bei der Kneipe nach einem Platz zum Zelten. "Was brauchst Du zum Zelten, hier ist Platz immer!" Ein Schwab, der Herr Mühl, ca. Mitte Dreißig, war der Wortführer der Truppe. Das war eben der ungarische Schwab, fünf Jahre auf Schwarzarbeit in Deutschland, der Intellektuelle, der immer englisch mit mir parlieren wollte (war auf zwei Universitäten, hat aber seinen Gripps wieder versoffen) , ein Jud, kannte nur Jiddisch und Ungarisch und noch ein paar Typen. Das erste Halbe hab, ich noch bezahlt, dann kam immer wieder ein Neues von ganz alleine. Nur eine kleine Unterbrechung zum Zelt aufbauen. Schwerer Abend.
Trotzdem konnte ich früh nach Serbien starten. Die Ungarn waren ob dieses Vorhabens genauso konsterniert, wie ihre Landsleute in Mateszalka, wenn man nach Rumänien wollte. Der Ungar an sich kennt seine östlichen ärmeren Nachbarn nicht so gut und traut ihnen deshalb nicht so richtig über den Weg. Trotz, dass dort auch viele Ungarn leben in der Vojvodina.
Durch dieses landwirtschaftliche Gebiet ist es unspektakulär zu fahren. Und mit dem Rückenwind werde ich wohl heute noch bis Novi Sad kommen.
Mancher hat sich vielleicht schon gewundert, es gab noch nicht viel übers Essen. Habe ich mir extra für Serbien aufgehoben. Schon oft gesehen, aber noch nicht probiert, die Schweine am Spiess am Wegesrand. Fast jede Landkneipe hat einen großen Feuergrill vor der Tür an der Straße stehen.
Bei mir gab's heute was aus der Überraschungsliste. Die Speisekarte war in eienm ganz altertümlichen Kyrilisch geschrieben, ich konnte nur entziffern: Ciorba und Speise frisch zubereitet. Also gab es gute Suppe, im ersten Moment dachte ich an Pilze, wird aber Euter oder ein anderes lebenswichtiges Organ einer Kuh gewesen sein. Das Hauptgericht war ein riesiges Mici (Vorsicht Wortspiel: Bedeutet sehr großes Kleines). Will also sagen: Knapp 20 cm langes und 4 cm im Durchmesser gefülltes gegrilltes Gehacktes - sehr gut.
Noch in Novi Sad eingetroffen. Was ich als Zeltplatz erwartete erweist sich als Hotel. Nun die Donau sieht mich frisch geduscht, bin eben dann ins Hotel.
Viele Grüße von Unterwegs
Eberhard Elsner

Mittwoch, Juni 22, 2005

Und er lebt noch

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Die Burg von Siklos
Nun regiert wieder der Ernst der Tour, das heißt, es gilt das Gepäck wieder bei großer Hitze über die südun- garischen Hügel zu bewegen. Ich bin nach dem kleinen Frühstück bei dem Ömchen in Richtung Harkany gefahren. Das ist ein berühmtes Rheuma-Bad. Laut Blutbild und -senkung von meiner Doktorn brauch ich da nicht rein, also weiter nach Siklos.
Der Kapitän vom Tenkesberg, er lebt noch
Ja, er lebt noch, der Kapitän vom Tenkesberg mit seinen Kuruzzen. Eine ganze Sektion auf der Burg von Siklos ist ihm gewidmet. Leider ist der Autor schon gestorben, es gibt also keine Fortsetzung. 

Weinkeller in Vilany
Aber guten Wein, denn hier ist die Weinstraße von Vilany. In den Kellern konnte ich einige Dezi kosten, zum Glück waren die Anstiege nicht mehr ganz so steil, aber die Hitze.
Bin jetzt in Mohacs und werde hier an der Donau einen Platz zum Zelten suchen.
Viele Grüße von Unterwegs
Eberhard Elsner

Dienstag, Juni 21, 2005

Man gönnt sich ja sonst nichts

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Als ich gestern einen Taxifahrer nach dem Zeltplatz in Pecs fragte, grinste er über alle Backen: "Immer hoch auf den Berg!" Und ich schob mein Rad mit dem Gepäck schon. Also konnte die Devise nur heißen, durchhalten! Nach einigen hundert Metern bemerkte ich ein "Hallo" hinter mir. Ein Ömchen, ganz außer Atem, wollte mir ihre Pension anbieten. Alles war so schön, dass ich zwei Nächte bei ihr buchte.
Heute morgen bin ich ohne Gepäck hoch ins Gebirge. Gebirge möchte man schon sagen, ich war auf dem Gipfel bei 611 m. Wieder fand ich einen schönen aber steilen Waldweg zum Gipfel. Bergab gings dann über einige Kuppen locker bergab. Die Straße war zwar für Radler verboten. Mir war das aber unklar, die maximale Geschwindigkeit von 60 km/h kann ich doch bergab locker halten.
Gerade bin ich vom Abendspaziergang durch die schöne Stadt Pecs zurück. Hier gibt es ein Weltkulturerbe: 2000 Jahre alte christliche Grabstätten. Blasphemisch könnt' man sagen: Die haben gleich nach Himmelfahrt sich von Jerusalem aufgemacht, um hier zu sterben. Sopianae heißt dieser Ort in der lateinischen Geschichte - wirklich sehr beeindruckend. Es sollen mit die ältesten christlichen Fresken sein. Man errichtet mit großem technischen Aufwand, zum Beispiel klimatechnisch, ein Museum. Die Grabmähler liegen mittlerweile schon anderthalb Meter unter der heutigen zivilisatorischen Oberfläche.
Da ich für 1000 HUF ein Special Ticket erworben habe, durfte ich noch im bischöflichen Weinkeller einige Tropfen verkosten ... Oh, ohne mittäglicher Grundlage. Aber dafür war Abhilfe nicht weit. Es findet gerade ein Folkfestival in Pecs statt. Dazu gehört auch eine schöne Fressgass mit einheimischen Spezialitäten. An der großen Pfanne kennen die mich schon von gestern Abend.
Morgen wird es wieder ernst. Es geht über Harkany und Siklos nach Mohacs. Das sind viele Sehens- und Kostenswürdigkeiten ... Warten's wir mal ab.
Viele Grüße von Unterwegs
Eberhard Elsner

Montag, Juni 20, 2005

Im Mecsek

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Ja, jetzt wird es ernster. Ich bin im Gebirge. Nach einigen Kilometern zum Einrollern ging's die ersten Steigungen hoch. 10% stand dran. In Nadasch (Meszeknadasd) habe mal wieder ein erfrischendes Getränk zu mir genommen. Es war eines der vielen Dörfern mit zusätzlichem deutschen Ortssschild. Der Wirt war einer der Donau-Schwaben und hatte viel zu erzählen. Ca. 19% beträgt der Anteil der Schwaben an der Dorfbevölkerung. Wir müssen mal im Mai oder zum 20. August hin. Dann wird nämlich gefeiert: Ein Paprikasch-Fest wo aus 120 Töpfen aufgetragen wird - das schwäbische Gericht Paprikasch vom Schwein. Im August ist Kirmes, da geht es hoch her mit 4000 Gästen. Der Wirt sah wie ein guter Koch aus, ich glaube das lohnt sich. Bei einem Durchschnittsverdienst von umgerechnet 400 EUR findet er aber trotzdem niemanden der für ihn in den Weinberg geht oder auf's Feld. Die Preise sind aber fast so hoch wie bei uns: Der Diesel kostet hier auch schon knapp über einem Euro.
Nach der Stärkung aus seinem Weinkeller wurde es ernst. Laut Karte endet der Weg in Obanya (Altglashütte). Der Wirt bestätigte aber, dass ein Weg hoch ins Gebirge führt: "Du musst aber dein Rad tragen!" Es wurde eine richtige Schlucht mit diversen Watstellen und auch Wasserfällen. Doch dort führte der Weg zum Glück immer drum rum, also wenigstens keine Leitern oder ähnliches. Ich hab fürchterlich geschwitzt, deshalb muss ich gerade wieder mit "Dreher classic" - ein Bier, das seiner grünen Flasche voll gerecht wird - wieder nachfüllen. Zum Glück findet sich immer ein kleines Lädchen. Ein gutes DREHER kostet 220 HUF, einen knappen Euro.
Pecs - Fünfkirchen: Eine davon war mal 'ne Moschee
Nun Kommt die Belohnung: Ein Turnedo-Steak medium. Noch weiß ich nicht, was das ist, aber es klingt gut. Aber der Weg hierher war schon bestens, kleine Sträßchen durch den Wald, aber immer auf und ab. Das hat großen Hunger gemacht, der jetzt in einem edlen Restaurant in Pecs gestillt werden soll. Neben mir sitzen ein paar Hamburger, offentlich von Reemtsma. Waren offensichtlich auf Einkaufstour bzw. Verkaufstour in der ganzen Welt: Singapur, Shanghai, Südafrika, Kuala Lumpur ...
Ich möchte mich schon mal bei meinen SysOp Helmut Elsner bedanken. Er schaltet meine Ergüsse immer frei.
Übrigens will ich es mal wieder zwingen und spiele Lotto - die erste SMS ist schon gekommen, 10 Euro.
Viele Grüße von Unterwegs
Eberhard Elsner

Leichtes Pedalieren

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Auf der Insel Csepel in der Dona
Gestern Abend war es schon zu dunkel als ich auf den Zeltplatz bei Szekszard einrückte. Leider sah alles ganz verwaist aus, das schöne Restaurant war verrammelt. Nach einer Runde über das Gelände hörte ich ein Hallo. Ich durfte doch noch meinen Obulus von 1500 HUFen (entspricht 6 EURonen) entrichten. Dafür erhielt ich einen Schlüssel für eine Hütte, damit konnte ich duschen und auch ordentlich den Thron besteigen. Kurz darauf hörte ich ein Auto ... Nun hätte ich gleich ganz unter den Moskito-Baldachin ins Bettchen kriechen können. Aber das Zelt stand schon und allein, was solls.
Ich lasse es sehr ruhig angehen. Nach derm großen Gespritzten zu Mittag bei Kalosza legte ich mich zur Siesta nieder. Und auch sonst so werden die Gelegenheiten für ein erfrischendes Getränk oder einen guten Espresso genutzt. Heute sehe ich nun erstmals Berge, ich bin am Meszek-Gebirge. Die Straße hier ist als Weinstraße gekennzeichnet.
Viele Grüße von Unterwegs
Eberhard Elsner

Samstag, Juni 18, 2005

Langsam angefangen, trotzdem ueber den Plan

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Bei Dunaujvaros: Ich bin noch auf der großen Donau-Insel Csepel. Die Nordspitze ragt fast in das Zentrum von Budapest, während die Südspitze schon ein Drittel des Weges bis zur Grenze bedeutet. Und da bin ich jetzt, am Südzipfel der Insel auf einem Anglerzeltplatz auf einer kleinen Flussinsel. Das Wetter ist bestens. Der ständige Wind hat den Himmel blank geputzt und die Mücken in ihren Verstecken gelassen. Der Wind kommt von der Seite, ja fast von hinten und stört kaum.
In Budapest gibt es zwar Radwege, aber entlang von Hauptstraßen, nervig. Aber bald fand ich einen kleinen Pfad entlang der Kek Dunaj, der kleinen, naturbelassenen Donau. Vielleicht interessiert sich noch jemand für den Bierzähler: Drei plus nachher noch eins. Also mit dem Ebs läufts, wenn ich auch noch furchtbar kutze. Im Zug heut Nacht habe ich mir keine Freunde gemacht. Wird wohl auf dem Zeltplatz auch so sein.
Viele Grüße von Unterwegs
Eberhard Elsner

Freitag, Juni 17, 2005

Test der Technik

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Bin in München und warte auf den Zug nach Budapest. Neben mir steht ein halbleeres Bierglas, das zweite schon.
Viele Grüße von Unterweqs
Eberhard Elsner

Montag, Juni 13, 2005

Start eines Blogs

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Hier sollen einigermaßen regelmäßige Kurzberichte von meinen Touren veröffentlicht werden.
Der Testfall wird die Solotour auf den Balkan sein. Seid nicht zu hoffnungsvoll, ich will hiermit lernen, solch einen Blog zu schreiben.