Montag, Juli 17, 2006

Ueber Bulgarien nach Mazedonien (heute in Prilep)

Am Grenzübergang Ribarci nach Bulgarien
12.7.06
Der Höhepunkt in Serbien war mit dem Vlasina-Stausee erreicht. Wenn wir jetzt nur noch bergab rollern, kommen wir nach Bulgarien. Auf geht's!
Ein kleiner Pass (1325 m) vorbei an Enzian-Wiesen preschen wir in Richtung Basilograd hinunter. Zur Grenze hin wird es immer menschenleerer, der Grenzübergang ist sehr einsam. Nun in Bulgarien sieht es nicht anders aus, die Orte meistens verlassen, die Obstbäume nicht mehr abgeerntet und die Häuser verfallen. In Kjustendil, dem Gebietszentrum, gibt es wieder etwas Leben. Die Hotelwerbung verführt uns zu einer Hotelübernachtung.
Dorf Rila: Im Keller von Mikola
13.7.06
Auf dem örtlichen Markt gab es ein gutes Frühstück, der Betreiber war früher Agent von Balkantourist in Ostberlin und konnte gut Deutsch. In Negestino besichtigten wir eine 500 Jahre alte Türkenbrücke über die Struma, die dann durch eine tolle, tief eingeschnittene Schlucht uns Richtung Kotscherinowo führte. Dort wollten wir eine günstige Fuhre (ohne Fahrrad) zum Rila-Kloster haben. Leider brachte uns der Bus nur ins Dorf Rila zu unserem Freund Mikola. Der saß vor seinem unscheinbarem Häuschen an der Hauptstraße, wir kamen ins Gespräch und so kam es dass, er uns sein kleines Paradies zeigte. Es stellte sich heraus, dass sein Sohn eine spanische Firma für swimming pools vertritt. Das Muster für so einen Pool zeigte er uns im hinteren Bereich seines Anwesens - eine grosse Überraschung. Dann gab es noch eine Kostprobe aus seinem Weinkeller. Der Roséwein war ausgezeichnet, dazu brachte er noch ein Pfund Speck und Brot. Den größeren Teil konnten wir mitnehmen für unsere Bofe am Rila-Bach.

Rilakloster (Foto: RP Haun)
14.7.06
Ralf brach gegen 5 Uhr mit dem Rad ins Rilakloster auf, ich blieb einfach liegen.
Die Fahrt durch das stille und kühle Rilatal zum Kloster hoch zog sich doch recht endlos lang. Angekommen erwachte gerade das Klosterleben, noch fast keine Touristen waren da. Leicht konnte man sich einige Jahrhunderte zurück versetzen lassen. Rückfahrt war ein lockerses Pedalieren bei Sonne und Wärme.
Eine willkommene Erfrischung war das Bad im Rilski Reka, neugierig beobachtet von den Pferdchen, auf dessen Wiese wir gezeltet haben.
Gegen Mittag Aufbruch nach Blagoewgrad. So kam es, dass der Aufstieg zur Grenze anfangs durch eine mörderische Glut verlief. Zum Glück gab es mehrere Einkehrstellen für ein kühles Bierchen. Wir mussten uns fast 800 Höhenmeter hoch strampeln. Nach den ersten Schildern, die die Grenze anzeigten, sah ich endlich Ralf's Radel wieder, vor einem scheinbar verlassenen DutyFree-Shop. Näher kommend winkte mich Ralf hinein, und tatsächlich gab es einen Wirt aus dem Lande des schadhaften Lächelns, der ein erfrischendes Getränk anbot. Weitere Gäste waren nur einige Grenzpolizisten.
Mazedonien begrüßte uns mit einer langen Abfahrt hinunter nach Deltschvo. Vorher konnten wir noch die übrigen Leva gegen Euro zurück tauschen. In Deltschevo gab es das angeblich schönste Geld Europas einzutauschen. So war uns möglich noch die Küche und das Bier Mazedoniens zu kosten. In der Dämmerung fanden wir noch eine gute Bofe.

Frühstück in Trabotiviste (Mazedonien)
15.7.06
Königsetappe! Diese Route ging durch den Osten Mazedoniens über Berovo nach Strumiza. Für den ersten Pass konnten wir uns durch ein wunderschönes Frühstück vor einem Dorfladen stärken. Wir saßen praktisch mitten auf dem Dorfplatz und die Leutchen haben an unserem Frühstück teilgenommen. Sehr nette Leute, müssen unbedingt denen die bilder schicken. Es gab zwar im Dorf eine Moschee, aber in dieser Gegend wohnen ausschließlich Mazedonier. Nur ein Ziegenbock traute sich in die Reste der ruinierten Moschee.
Gute Wegzehrung für Ralf gab es durch die vielen Sauerkirsch-Plantagen. Wir brauchten nun auch immer wieder Anlässe, um eine Pause zu machen, denn Dörfer vielleicht sogar mit Laden gab es nicht mehr. Aber 3 lange Auffahrten über das Plackovica Malesevski Planina und das Ograzden-Gebirge. 

Ograzden: Hinunter ins Tal der Strumiza
Besonders die dritte Auffahrt zog unseren letzten Nerv, obwohl in einm kleinen Dorf voller wunderhübscher Wochenendhäuser wir doch endlich ein Skopsko Pivo bekamen. Dann lag die Breite Ebene von Strumiza vor uns, die sehr steile Abfahrt mussten wir immer wieder unterbrechen, damit unsere Felgen wieder abkühlen konnten. Aber auch in der Ebene mussten wir weiter kämpfen - starker Seitenwind.
In Strumiza im Restaurant "Dukat" lassen wir uns von der vielfältigen einheimischen Küche überraschen. Dabei ist mir Ralf schon mindestens zwei Gerichte voraus, da ich doch oft konventionell bestelle. "Makedonka" ist ein sehr leckerer Bratklops mit Käse eingemischt - muss ich unbedingt noch kosten.

Demir Kapija: Das Eiserne Tor Mazedoniens
16.7.06
Vor dieser Etappe habe ich mich gefürchtet, aber es war dann nicht so schlimm. Obwohl nun der Seitenwind für uns direkt von vorn gekommen ist. Den ersten Pass bekamen wir fast geschenkt: Zur Belohnung gab es sogar oben ein Dorf für unser Frühstück. Dies besteht mittlerweile sehr landestypisch aus einer großen Menge Joghurt.
Weiter in Richtung Demir Kapija bei heftigen Gegenwind. Das sogenannte Eiserne Tor von Mazedonien ist eine gewaltige Felswand, die fast vollständig das Vardar-Tal verschliesst. Viele Eroberer sollen sich hier versucht haben, Wilhelm Zwo hat eine Bahnlinie zu seinem Freund dem Pascha von Istanbul erbauen lassen. Die EU baut in MK viel neue Straßen, so konnten wir auf der alten Hauptstrasse ohne Verkehrtsbelästigung nach Negotino fahren. Der Verkehr nutzte schon die neue Autobahn, für uns bestand die Schwierigkeit nun durch die brennende Sonne und den noch immer vorhandenen leichten Gegenwind. Bald verloren wir die Nerven und verliessen die Strasse über einen ausgefahrenen Feldweg und erreichten endlich Negotino und damit diverse Erfrischungen. Die Orte hier im Tikves-Gebiet dem Weinanbauzentrum von MK bestehen fast ausschließlich aus neuen Häusern, wo viel Beton verbaut wird.
Im Zentrum Kavadarci passierte mir ein grosses Maleur: Endlich ein Sitzklo gefunden und nicht beachtet, dass das Papier fehlte. Dadurch konnte ich eine Hoteluebernachtung zum Saeubern herausschlagen.

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