In Wünschendorf sah ich den Zug gerade abfahren, ich hatte also Zeit durch das schöne Elster-Tal bis Berga zu radeln. Dort setzte ich den nächsten Bahn-Hopp bis Weischlitz. Dort war wieder viel Zeit, sodass es wieder ein Stück auf dem Elster-Radweg bis unter die Pirker Autobahnbrücke ging. Der letzte Bahnhopp bis Bad Brambach, Ankunft 16:30 Uhr.
Auf dem kurzen Weg nach Plesna (Fleiß) wollte ich eine Abkürzung fahren. Ergebnis: Ich gelangte in den Ödnisstreifen der Grenze mit den mannshohen Giftdolden, ich habe mich dann lieber durch ein brusthohes Rapsfeld gekämpft. Ich konnte nämlich in gut 20m den korrekten Weg erkennen. So ein reifes Rapsfeld ist staubig und verfitzt. Ich musste mein Rad vorn bis auf Kopfhöhe anheben und dadurch einen Pfad in den Fitz schlagen. Ich hoffe, die holen den Jäger, um dieses Untier zu töten, das diesen halbmeter breiten Pfad durch das Feld gebrochen hat.
Nun in CZ werde ich von der ausgezeichneten Beschilderung des Radnetzes geführt. Zweistellige Zahlen bezeichnen Haupt- und Weitwege, vierstellige Bezeichnungen sind lokale Wege, die auch schon mal sehr rau werden können. Mich führt die "36". Neben einigen Kleinstädten führt der Weg durch alte deutsche Ortslagen, wo aber kaum noch 10% der Häuser stehen. Ein Heimatverein der Kraslitzer in Zusammenarbeit mit dem tschech.-deut. Zukunftsfonds hat in jeder Ortslage einen Stein mit einer zweisprachigen Tafel zur Geschichte aufgestellt. Ein kleiner Unterschied ist mir aber aufgefallen: Die Jahreszahl 1945 mit dem Hinweis der Vertreibung, in jeder Tafel gleichlautend (Srg-C, Str-V), fehlt immer im tschechischen Text.
Der Kammweg ist für mich schwer, es geht lange bergauf und dann verliert man wieder die schöne Höhe. Jetzt bin ich in Hirschenfang. Liegt in der Nähe von Johannstadt, aber auf böhmischer Seite, ca. 900m hoch, ein Hochmoorgebiet. Es sieht hier aus wie in Jizerka, nur noch weniger Häuser. In der Kneipe hängen viele Ansichtskarten aus alter Zeit, es war ein stattliches Dorf und Sommerfrische. Heute steht nur noch ein Haus, von vormals fast 60. Die Tschechen haben hier einen breiten Streifen als Grenzgebiet entvölkert und verödet. Jetzt bin ich in Bozi Dar in eine kleine Pension zur Übernachtung eingekehrt.
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