Sonntag, April 20, 2014

Ostersonntag

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20. April 2014, Hidasnemeti
Eine große Ruhe ist eingetreten, es ist Ostern. Könnt Ihr Euch an die Geschichte vom Teufelsfelsen erinnern? Aber ob es der Teufel wirklich auf all die Ungläubigen in den winzigen Ausschanken hier in den Dörfern abgesehen hat? Hier bin ich in so einer einsamen söröző, der letzten vor der Grenze zu den Slowaken. Bis gerade war tiefe Ruhe, drei Alte mit einer Flasche Bier und einem Palinka schauten aneinander vorbei. Da kam ein jüngerer Zeitgenosse mit den gleichen Getränkewünschen, er gab allen zum Gruße die Hand und schwätzte rum, eine Hektik. Ein Op' verließ die Kneipe. Die Kneiperin hat 2008 das Abitur gemacht, das Madlotschka spricht vier Sprachen. Das Slowakische sei von der Grammatik her sehr schwer. All diese Ungläubigen sind Verlierer, die brauchen keine Angst vor dem Teufel zu haben.
Nach meiner gestrigen Schlemmerei vom Schwein und dem knappen Liter Furmint habe ich auf dem Gelände des Tokaijer Paddelklubs an der Theiss gut geschlafen. Mit meiner Schlemmerrechnung ist mein Zeltplatz und meine Morgentoilette abgegolten. Nun aber muss ich mich unter die Ungläubigen mischen. In Tokaj hat nur die Kelleroma eine gastliche Stätte gegen 7 Uhr geöffnet. Alle, wirklich alle, einschließlich der Kelleroma sind hier schlecht rasiert. Der Brodem in der Kneipe lässt sich zusammenfassend als sauer bezeichnen. Ich lasse mir einen Kaffee machen, schwarz und heiß wie die Hölle.
Mad
Vorhin in Tallya war ein wenig mehr action unter den Ungläubigen, der Mann von der Kneiperin freute sich, dass seine Enkel ACDC sich aus der Musicbox auswählten. Der Platzhirsch hatte eine schöne Glatze. Da schlich sich ein Typ mit einer klassischen Mönchstonsur von hinten an und klatschte auf Dem seine Glatze. Er packte ein Schachspiel aus und forderte den Platzhirsch heraus. Wie dieses Duell ausgegangen ist, weiß ich nicht ... ich hatte von den vier Dezi Furmint den Stecker drin.
Die Rinderschergen machen doch tatsächlich Alkoholproben zu Ostern. Ich habe gesehen, wie sie die Fahrerin eines Skoda Fabia in das Instrument blasen ließen. Doch als Radler halten die Bullen mich nicht an.
Ein Veranstaltungshinweis
Jetzt gegen 16 Uhr bin ich in Kosice, endlich was zum Frühstück: Cesniakova und Halusky. Es ist Ostern. Nachher gönne ich mir noch einen borovicka

Samstag, April 19, 2014

Auf alten Wegen

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18. April 2014, Derecske
Waren es die zarten Brüste des Karpaun und die Karbanossi aus dem wilden Eselsfleisch der Puzsta, die das Gewand für einen Gaumenschmaus bildeten? Wohl nicht, denn die allseits hier beworbenen Fungizide der BASF sollten die edlen Hühner schon längst den Garaus gemacht haben. In Rumänien habe ich immer wieder einige aufgescheucht, dort ist das Exportgut aus dem Westen wohl noch zu teuer. Es waren Hühnerbrüste gefüllt mit Karbanossi vom Schwein und Käse, das Ganze paniert und gebacken, wie es unnachahmlich nur die Ungarn können. Für mich, dem man nachsagt, dass er auch einen panierten Scheuerlappen verkasematuckeln würde, war es die erwartete Köstlichkeit ... und das schon zum 2.Mal heute.
Zwei Scheiben vom dicken Eisbein mit Schafskäse im Rohr gebacken. Das wird wohl auf lange Zeit mein größtes Gaumenerlebnis sein. Köche in Franken hört die Signale!

Heute morgen bin ich durch Oradea geradelt. In einer der Hauptausfallstraßen mit Gebäuden rechts&links, die wie in Alt-Havanna jeden Grad des Verfalls darstellten, mal wieder ein Highlight. Die Nase hat es gemeldet - eine Bäckerei. Der Raum maß wohl nur 12qm, drei Leutchen bereiteten die vielen Spezereien zu, ein kleines Madlotschka übernahm den Verkauf. Es ist feinster Teig vom Weizenmehl, woraus mit Nüssen, Früchten, Schokolade und Eierschnee lauter Wunder vollbracht werden. Sie machen dort (wie es jetzt modern ist) ganz kleine Stücke in der Größe von einem dicken Daumen. Der Preis für diese Teilchen ist eigentlich angesichts der Arbeit ein Witz.
Da ist er: Der Berg von Tokaj
Hier in Ungarn sind die großen Landstraßen meist für Radler gesperrt. Früher gab es eigentlich keine Alternativen, heute hat es hier fast immer Radwege, aber leider noch neben der Landstraße. Hinter Debrecen werde ich mir für morgen Richtung Theiss mal auf meiner elektrischen Karte ein paar Nebenstrecken ggf. Umwege suchen.

19. April 2014, Tiszavasvari, Tokaj
Ich schließe ein Kapitel ab. Dadurch, dass ich alte Wege fahre. Ich habe den Weg nach Kosice gewählt. Detlef hatte ihn mir ja schon 2011 empfohlen. Ich baute gestern mein Zelt auf dem Platz "Castrum" in Hajduboeszoermeny auf. Neben mir ein Camper mit Berliner Nummer, der hier offensichtlich (aufgebockt) ueberwintert hat. Es ist ein Paradies für Pensionäre, gleich nebenan ist ein Thermalbad. Ich wehre mich noch, dass das meine Zukunft sei. Nimmt man hingegen an, dass das Speisen der Sex der alten Männer ist, haben wir hier in Ungarn das Paradies.
Sie bereiten in den Csardas diverse Gerichte zu den Osterfeierlichkeiten vor. Gestern abend hörte ich die Muttls diverse Knoedl oder ähnliches. formen. Es patschte, wie beim Formen der echten Thüringer Klöße. Heute morgen in der Bäckerei holten die Leutchen ihre gelisteten Osterbrote ab. Das sind sehr mit Butter eingepinselte Gebäckstuecke, toll anzusehen. Ich habe mir wieder die kleinen Kiffeln aus Blätterteig ausgewählt, mal mit Nüssen, mal mit Pflaumenmuss. Zum schwarzen Prezsso ein Gedicht.
Die Strecken bis zum nächsten Dorf sind immer in zweistelligen Kilometerbereichen, das sind auch die Abstände, wo der Bierdurst entsteht. Vor der sorozo im naechsten Ort standen zwei Kunden, die mich Stutzen ließen ... in der Tat, als ich mein Bier ausgetrunken hatte, kamen wir ins Gespräch. Oh, aus Deutschland sei ich: "Ich bin ein Nazi!", mit diesen Worten zeigte er mir sein Hakenkreuz-Tatoo auf dem Schienbein und den frisch angenähten Daumen, dessen Verlust er sich bei einer Messerstecherei mit Zigeunern zugezogen haben will.
Ungarn in den Grenzen von 1914
Hier in Tiszavasvari überlebe ich gerade einen Hagelschauer in einer sörözö, wo eine interessante Karte von Ungarn um 1914 hängt, aber das Klientel ist etwas ziviler. So habe ich mir mir den dargebotenen palinka schmecken lassen.
Hier in der Puszta hat man ja einen weiten Blick, ich sehe schon den Tokaj-Berg. Aber woher dieser mächtige Hagelschauer mit Gewitter gekommen ist? Vor 30 Minuten war davon nichts zu sehen.
An der Fähre über die Theis bei Tiszalök
Nun habe ich Tokaj erreicht, mir das erste Viertelche Furmint zapfen lassen.

Donnerstag, April 17, 2014

Wenn der Spass vorbei ist

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17. April 2014, Tileagd
Im vorletzten Dorf hatte ich mal wieder Durst, es fand sich auch ein magazin mixt mit ein paar anständigen Bänken vor der Tür. Ich hockte mich mit meinem Bier hin. Ein Schwaden der Gülle vom Schweinestall lag in der Luft, der Stammgast blubberte mich auch gleich an. Die gute Kneiperin rief ihn zur Ordnung und er trollte sich. Der Lebensradius des Stammgasts ist aber nicht groß, er war bald zurück. 

Ich schaffe es nicht mehr. Der berühmte von Gudrun entdeckte und diagnostizierte Rumänien-Virus ist bei mir überwunden und ausgestorben. Mir reichts! Wie damals 1986 freue ich mich auf ein ordentliches Schnitzel in Ungarn.
Im Tal der Schnellen Kreisch
Es war heute ordentliches Wetter, in den Schluchten der Schnellen Kreisch gibt es einige bedeutende Höhlen.
Ich war an der pestera ungara mare.
Aber es inspiriert mich hier nichts mehr. Ich brauchte heute nicht mehr auf der E60 zu radeln, sondern ich fand eine Nebenstraße mit etlichen Abstechern. Mehrmals zeigten die Wegweiser hinüber nach Beius, wo ich einen Restart meiner Tour hätte versuchen können. Aber der Rückenwind trieb mich bis hierher in die Gegend von Oradea. Ich werde morgen die Heimreise starten. Die Lebensreise soll in erster Linie Spass machen. Die Musik zu diesem Post kommt von HoraTV.

Mittwoch, April 16, 2014

Vorwärts, es geht zurück

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16. April 2014, im Tal der Schnellen Kreisch, "Route 60"
Wieder einmal hat mich das muntii apuseni abgewiesen. Es graupelt Eiskörner vom Himmel, es sind knapp 5°C, mein Rad muckert - ich habe die Querung des Vladeasa über DN1R nach Albac abgebrochen.
Das wäre wohl ein mehr als 1000-Meter-Pass gewesen, dort ist in den letzten Tagen immer Schnee gefallen. Ich fahre jetzt die Höllen-Route E60 Richtung Oradea, es geht bergab und ich habe mich an die LKWs gewöhnt. Vorteil: Die gute Logistik.
Vor geraumer Zeit sprach mich mal ein wildfremder Mann an, ob ich der EbsEls von lebensreise.com sei. Ich würde mich dort als Feinschmecker darstellen. Das ist ja mal kein schlechtes Image, was ich auch weiter pflegen werde. Bis gestern hat Rumänien mich keineswegs veranlasst, hierzu was zu schreiben. Die Pizzas, die es überall gibt, sind ordentlich und bieten dem Radler eine gute Grundlage. Ja, der Teig ist sogar richtig knusprig. Ansonsten regiert in den Restaurantküchen der Küchendichter, weniger die Köchin bzw. der Koch. Die haben lange Menues mit französisch lastigen Namen wie escalopes (dachte schon das sind Schnecken), aber i.d.R. tut die Küchenangestellte was aus den Töpfen lauwarm auf die Teller und gut ist. Nun sei aber gesagt, dass in den Töpfen sich manch tolle Leckerei verbirgt, ich sage nur ciorba, die Suppe. Das ist für mich die absolute Spezialität der rumänischen Küche! Heute habe ich zweimal eine Suppe probiert, einen Gulasch und eine ciorba taranesti cu porc, eine bäuerliche Suppe vom Schwein. Immer schön mit Sahne zum Drüber löffeln. Als Beilage bestellte ich mir hier immer cartofi taranesti, das sind Bratkartoffeln schön mit Paprika gewürzt. Wenn in der Küche mehr Elan von den Besitzern honoriert würde, könnte man noch das Ganze mit Lauch oder anderen grünen Gewürzen verfeinern.

Dienstag, April 15, 2014

Ich sehe Schnee auf dem Vladeasa

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15. April 2014, Huedin
Ganz langsam komme ich wieder in Rumänien an. Es fallen mir wieder einige wichtige Worte ein, wie: "Wo ist... - în cazul în care este". Aber ich habe auch ein elektronisches Helferlein. So konnte ich mich mit dem Op' oben auf dem letzten Buckel vor der Abfahrt hinunter ins Tal der Schnellen Kreisch unterhalten. Er prophezeite mir bald Asfalt und eine repede Abfahrt. Es war genau auf dem Buckel ein magazin mixt, es gab ein bere Timisoreana und Chips. Für die Leute vom Dorf halten sie nur große Beutel mit geschnitten Weißbrot vor.
Der Haltepunkt hat eine Uhr aus der Grand Central Station in New York
Unten im Tal ist dann die Hölle los, LKW-Verkehr wie auf der A2, nur eben auf einer normalen Landstraße. Das musste ich mir dann 18km bis Huedin antun. Mittlerweile muss man Rumänien als Radtourenziel abwählen, es sei denn man ist bereit kleinste Dorfstraßen und Feldwege zu fahren. Dort findet man dann aber keine Logistik in Form von Gaststätten oder Pensionen. Hier möchte ich nun mal in eine Pension einreiten. Mein Fahrrad macht Zicken, ein Holm vom Sattel ist gebrochen und im Antrieb knackt es auch. Hier kündigt sich wohl ein neuer Freilauf an. Ich hoffe schon hier auf einen neuen Sattel, weg mit dem bourgeoisen BROOKS-Ledersattel.
Ich sehe Schnee auf dem Vladeasa, aber da will ich hin ...
Der Zigeuner an sich ist ein begnadeter Feinblechner. Wenn er sich ein Haus baut, findet er am Dach viele Aufgaben für sein Talent. So wird das Dach das Schmuckstück des Hauses. Aber wie beim Fußball: Talent reicht nicht allein. So reicht die Ausdauer und das Geld selten bis zum Einzug in den Prachtbau.
In Huedin

Montag, April 14, 2014

Die ersten Berge

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14. April 2014, Nusfalau
Ich bin gestern noch bis zu dem Erholungsort Padurea Neagra, Schwarzwald gekommen.
Das ist eigentlich ein schönes Stück Natur
Das ist eigentlich ein schönes Stück Natur, aber wohl nur unter Nicolaus. Jetzt hat der Kapitalismus das Fleckchen mit jeder Menge Bungalows und Datschen voll gebaut. Dabei ist zu bedenken, dass der Rumäne an sich (wie eigentlich sonst auch unter den anderen Nationen) immer den Größten haben will. Das hat zur Folge, dass die Datschen praktisch 80% der gekauften Grundstücksfläche ausmachen. Von der Natur ist nichts mehr zu sehen.
Mein Lagerplatz
Ganz hinten geht ein Steig über den Bach zu einem kleinen Lagerplatz, hier fand mein Zelt Platz. Mit meinem Eindruck war ich wohl nicht allein. Ein Schild stand am Lagerplatz: Wohl ein Gebet für den Erhalt der Natur, das was der Schöpfer (creator) uns übergeben hat.
Rumänischer Frühling
Heute stand nun die erste Herausforderung an, hoch auf die nördlichen Berge des Apuseni.
Der erste Abschnitt bis hoch auf die Einbiegung auf die Straße von Oradea nach Zalau (1H) war ordentlich, dann oben auf dem Bergrücken ging es ständig auf&ab. Das Dorf auf dem Bergrücken heißt auf rumänisch Şinteu. Der zweite Name auf dem Ortsschild war Nowa Huta. Es stellte sich heraus, dass hier Slowaken siedeln. Für meine Abfahrt wurde extra der Straße ein neuer Belag verpasst, es war wie Fliegen.
Hier in Nusfalau nun eine Pizza, freies WLAN und bere la halba. Leider auch hier in Rumänien macht sich die Unsitte der 0,4l-Gläser breit. Mit der Straße wurde auch das Wetter schlechter. Nun sitze ich in einer Kneipe in Sig und hoffe auf ein Wunder, es drascht. Die schlechte Straße deutet daraufhin, dass es keine Touristen Gegend hier ist. Unten der Ort Boghis war ein Badeort, tolle Pensionen und das Dorfzentrum eine komplette Free-WiFi-Zone.
Nur ein kleines Wunder, nach zwei Cuic gab es eine Regenpause, um einen geeigneten Platz zum Zelten hinter dem Dorf zu finden. Durch die vielen Pfützen auf der Dorfstraße schob ich bis zum Ortsausgang. Nach wenigen hundert Metern fand ich einem Platz. Es war höchste Zeit, beim Aufbau nieselte es, beim Hineinschlüpfen in den Schlafsack begann der rainstorm. Mein Hubba Hubba hat sich wacker geschlagen.

Sonntag, April 13, 2014

In Marghita

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13. April 2014, Marghita
Die Anreise war strapaziös, aber auch so geplant. Am Freitag haben wir noch bei Gert ein schönes Gackerle gemacht und dazu gegrillt. Außer dass der EC  wegen der diversen Sonderfahrten anlässlich des Jubiläums der ersten deutschen Fernbahn Leipzig-Dresden von einem anderen Bahnsteig abfuhr, lief es bei den beteiligten Bahnen wie am Schnürchen. Nach der Ankunft in Budapest habe ich gleich einen Anschluss nach Szolnok gekriegt. Die Sicherheitsleute der MAV auf dem Bhf Szolnok wiesen mir einen leeren Waggon zum Boofen zu. Und die Kollegen der Frühschicht weckten mich gegen 4.00 Uhr. Das waren gute drei Stunden tiefer Schlaf, super. Kurz vor halb Sieben startete ich meine Tour vor dem Bahnhof von Debrecen ohne Umwege in Richtung Grenze.
Es ist leicht, sich in Rumänien zu orientieren
Jetzt kann ich im Dunst des Horizonts schon das Muntii Apuseni erkennen. Dort wird es morgen die ersten Herausforderungen geben, im Schwarzwald, padurea neagra. Diese erste Etappe war zum Einrollen, noch gibt es nichts weiter zu berichten. Es gibt gerade freies WLAN, ich lade es trotzdem hoch.
Ach So, vielleicht das: Nur drei Bier habe ich heute getrunken, ein Borsod, ein Ciuc und ein Timisoreana.