Sonntag, Juli 05, 2015

Daten&Fakten als Resümee

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Fazit zur großen Balkan-Tour Belgrad - Plowdiw:
Hervorragende Busverbindung von und nach Bulgarien mit Racic Eurobus BG. Dabei ist Fahrradtransport möglich, bestimmt auch bis zu drei Stück. Es waren vier Fahrer an Bord, es werden ausreichend Pausen gemacht ... einwandfrei und empfehlenswert. Man hat ein großes Gepäckstück frei. Ich habe mein vollbepacktes Fahrrad ins office geschoben, das galt dann als das eine Gepäckstück.
Die Daten: Nur knapp 1500 km, aber fast 22.400 Höhenmeter geleistet.
Motto der Tour:
Kopf hoch & langsam: Vorbild für den Stil des Vorankommens während der Tour.
Mehr Bilder zur Tour gibt es hier, auf dem Bilderberg.

Freitag, Juli 03, 2015

Der letzte Tag

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Es gibt nun nicht mehr viel zu berichten. Ich bin in der alten Stadt Philippopol, heute Plowdiw.
Philippopol, Fundament für das heutige Plowdiw
Erstes Ziel war gestern der Busbahnhof "Jug" (Süden). Morgen vormittag startet dort der Bus nach Dresden.
Heute mehrere Stadtrundgänge in Plowdiw mit vielen wunderbaren Kostproben der bulgarischen Küche.
Gebackener sirene und pomaki

Donnerstag, Juli 02, 2015

Reinrollen nach Plowdiw

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Krichim am nächsten Morgen

Da es eine einfache Etappe ist mal was über das Essen. Als ich letztens die Shkembe-Suppe probierte war ich schon enttäuscht, sehr lasch. Ich habe zwar von allen Ingredenzien, die mir hingestellt worden, was rein getan. Aber zu wenig. Jetzt habe ich schon viel mehr gelernt. Der Bulgare an sich will individuell nach würzen. Das geht beim Salat los, und das gilt besonders für die Shkembe.
Würze für die Shkembe
Hauptzutat ist der mit Knoblauch-Spänen versetzte Essig. Dann noch Salz und Pfeffer. Wenn man von dem Essig ordentlich dazu tut, schmeckt es aber wie unsere saure Flecke. Nach dem heutigen Versuch also künftig abgewählt. Zum Shkembe-Frühstück gehört noch ein großes Glas Joghurt, was wirklich lecker ist. Bei dem reichlichen Fleischgenuss gehört nämlich ein Katalysator in den Verdauungsreaktor. Insgesamt darf ich schreiben, immer weiter nach Osten wird die Küche komplexer. Hier in Bulgarien gibt es für den Kartoffelfan wohlschmeckende Zubereitungen mit sirene, dem Weiskäse. Es gibt viele Pfannengerichte und scharf angebratenes Geschnetzeltes. Bestimmt wird kein Teil eines bulgarischen Huhnes nach Afrika exportiert. Ich habe heute in einer wunderbar würzigen Pfanne diverse innere Organe vom Flugvieh verspachtelt.
Jetzt gegen 11 Uhr abends leiste ich mir aber ein wenig Dekadenz: Ich besuche die Whisky-Library in Plowdiw und gönne mir einen Islay Single Malt 15 YO Bowmore. Morgen wieder!

Mittwoch, Juli 01, 2015

Stausee-Etappe

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Gestern saß ich noch mit einem Paar aus Thüringen, große Wanderer vor dem Herrn. Wenn die Frau mal nach Venedig will, wird von Stadtilm aus los gelaufen. Hier sind sie von Erfurt nach Varna geflogen, mit Bus nach Asenovgrad getreidelt und von dort durch die Rhodopen marschiert. Sie haben beide jeweils einen ca. 12kg-Rucksack und sind super gut drauf.
Stausee des Tsankov Kamak Wasserkraftwerk der Vatscha-Kaskade
Für einen Wanderer oder Radler kann ein Stausee ganz schön nerven. Wer erinnert sich nicht gern an die große Heldentat des einzig lebenden Helden, als er am Cerna-Stausee jede Mitfahrgelegenheit ausschlug und vor dem magazin mixt in Cerna Sat zusammenbrach, 20 m über den Fluss wies und meinte: "Dort wird gezeltet!" Heute lagen drei Stauseen auf der Strecke im Vatscha-Tal nach Krichim bei Plowdiw. Gleich nach Devin ein Anstieg auf einer nagelneuen Straße. Diese führt bis auf eine Höhe von 1.080 m und beinhaltet den 880 m langen Lyaskovo-Tunnel. Dann folgte die Belohnung, eine großartige Abfahrt, die mit der Tunnel Durchfahrt oben beim Dorf Lyaskovo startete und hinter dem Tsankov Kamak Damm fast den Talboden erreichte.
Damm "Vacha" / Язовир "Въча"
Die nächsten beiden Stauseen waren ein lockeres Pedalieren durch ein faszinierendes Felsental, nach den beeindruckenden Staumauern immer mit einer tollen Abfahrt.
Damm "Krichim" / Язовир "Кричим"
Vor den Rhodopen in Krichim
Ich muss noch was zu den aktuellen Eigenschaften des rakija sagen. Ich habe mir einen bestellt, Peschtchera, die Nachbarortschaft und offensichtlich ein Weinanbaugebiet. Das sind die führenden Marken beim rakija: Karnobatska und eben Peschtchera. Das sind ganz feine milde Brände, goldgelb. Nur etwas ist merkwürdig, man kriegt Eiswürfel dazu. Damit's länger reicht?

Dienstag, Juni 30, 2015

In den Schluchten der Rhodopen

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29.6.2015 Trigadski Kanjon
Wieder ein Superlativ. Es ist die beeindruckendste Schlucht, die ich bisher durchfahren durfte, fantastisch. Ich weiß, dass ich diesen Satz neulich schon mal gebrauchte, bei der Rugova-Schlucht. Dort war es die Mächtigkeit der Wände, hier ist es die Wildheit, die Ursprünglichkeit. Die Schlucht ist nämlich noch nicht fertig: Am "Schlund des Teufels" verschwindet der Fluss Trigadski reka, um knapp Hundert Meter tiefer nach einigen steilen Serpentinen wieder zu Tage zu treten. Dieser Schlund ist begehbar, vorhin war nur kein Strom da und geschlossen. Mal sehen, wie es nachher wird. Ob schon Alles zusammengebrochen ist und die Schlucht fertig ist? 
Im Schlund des Teufels
In der Tat, es ist eine mächtige, ja teuflische Kraft am Wirken, das Wasser. Ich durfte nach 5 Leva Eintritt noch einer Gruppe den Tunnel hinterher. Man kommt dann in einen großen bestimmt 50 m hohen Dom raus, wo das Arbeiten des Wassers immer zu hören war, ich aber nur an einem Punkt in ca. 10 m Tiefe den rauschenden Trigadski reka sehen konnte. Dann führte eine steile Treppe aus Betonstufen steil den Teufelsschlund hinauf. Unten wurden die Leute mit diversen Krankheiten einschließlich Höhenangst noch gewarnt. Mit mir war eine deutsche Reisegruppe in der Höhle, da ist ja immer ein Buchhalter dabei, der die Stufen zählt: 288. Nach knapper Hälfte konnte man ganz oben dann auch die ersten Löcher zum Tageslicht sehen. Beeindruckend!
Moschee und Baumhaus in Gjovren
Unten in Gjovren hat Einer eine 200 Jahre alte Mühle zu einer schönen mechana ausgebaut, mit Baumhaus und Wasserfall. Dort konnte ich mich mit einem Waldtechniker (ausgebildet am Technikum in Velingrad) unterhalten. Sein Name war Djamil, er bezeichnete sich als Türken. Hier in den Rhodopen bekennen sich wohl fast alle zur türkischen Nationalität. Gjovren 100%, Borino 80%. Es ist aber alles cool, er bestellte für uns beide vier kjoefte (bitte wieder nachschlagen, danke). Alkohol trank er keinen.
Er weiß schon, wie man sich zuprostet
Eine Spezialität hier, und überall an den Souvenirständen angeboten, ist die reichhaltige Auswahl an Kräutern. Ich konnte mehrmals Kräuterweiblein beim Sammeln treffen und nach den Wirkungen befragen.
Sie sammelten Rotklee ...
... gegen Frauenleiden in den Wechseljahren
Sie sammelte Johanniskraut gegen Depressionen

30.6.2015 Bujnovski Kanjon
Heute bin ich in die zweite Schlucht aufgebrochen, wieder atemberaubend, und zwar gleich von Anfang an. Und dann weiter hoch nach Bujnovo.
Bujnovo
Hier erzählte mir der Kneiper Wladimir aus seiner Jugend. Als er noch ein Junge war, hieß es einmal, Banditen seien im Dorf. Die Grenzer schwärmten aus und fingen einen Ostdeutschen (istotschni). Es sind nur noch drei km auf den Bergkamm zur Grenze nach Griechenland.
Pause beim Wasser
Es ist ein regnerischer und recht kalter Tag. Wieder muss ich mich untersetzen und ein Bier trinken, Zagorka retro, mein hiesiger Favorit. Der junge Wirt Kostadin hier spricht sehr gut Englisch und hat mir einiges von der spektakulären Hydrogeologie erzählt. Es ist garnicht derselbe Fluss vom Teufelsschlund, der unten im Trigadski Kanjon rauskommt. Holz, das in den Siphon unten im Teufelsschlund verschwindet, ist bisher garnicht rausgekommen, mit Farbe gekennzeichnetes Wasser nach zwanzig Tagen! Er meint, das ist hier alles sehr komplex.

Sonntag, Juni 28, 2015

Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert

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Also das wäre gestern eine verdammte Fehleinschätzung gewesen. Dospat im Tal an einer Staumauer hinter mehr als sieben Bergen liegt auf knapp 1300 m Höhe.
Schöne Rastplätze allenthalben: Quelle, Dach, Grill, Schaukel ...
Nach dem ersten Sattel am Morgen gibt es jede Menge idyllische Schutzhütten immer mit Quelle, das wäre dann die Wahl gewesen. Aber die zwei Roten und die großartige Folklore bei Quasimodo gestern im Hotel waren viel besser zum Einschlafen.
Lichte, lockere Landschaft
Das ist jetzt hier eine wunderschöne lichte Pinienwaldlandschaft mit ein paar kleinen Almen. Aber trotzdem noch anspruchsvoll hucklig.
Dospat
Dospat hat Ramadan gefeiert, jedenfalls hatten beide Gaststätten, die ich besuchte, kein Bier im Angebot. Ich bin jetzt in Borino bei einer Shkembe-Suppe (bitte nachschlagen) auf dem Weg nach Teschel, wo ich schon zu Hause mindestens einen Knoten ohne Gepäck geplant habe.
Die Rhodopen sind erreicht
Es war nur noch ein kleiner Buckel, dann ging es hinein in die grandiosen Schluchten der Rhodopen. Das Hotel Orfei bei Teschel, gefunden bei Panoramio, ist korrekt und wird mich noch drei Nächte beherbergen, bevor es den Fluss Vatscha abwärts auf den Heimweg geht. Es liegt perfekt für Ausflüge in die Schluchten der Rhodopen. Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert.

Samstag, Juni 27, 2015

Der Alibotusch steckt noch in Knochen

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Eine Nacht mit ein paar Anfällen von Krampf. Ich muss heute mal wieder mehr auf die Mg-Anteile beim Mineralwasser achten. Das Wasser aus den zahlreichen Quellen ist wohl doch arm an Mineralien und das Bier reicht nicht.
Zeitig bin ich los gekommen, gegen 11 Uhr war ich in Goze Deltschev, wo ich das Mittagessen, eine Polenta mit Schweinefleisch probierte. Als das scharf gebratene Schweinefleisch alle war, war der Rest des mamaliga zu trocken. Kennt man ja aus Rumänien. Hier heißt das kacamak.
Letzter Blick auf den Alibotusch
Der kleine Sattel am Morgen hat mich den gestrigen Tag spüren lassen, ich hatte sogar Muskelkater. Doch der lange Aufstieg nach Satovca hat mir gereicht. Möglicherweise geht es morgen nach Dospat großteils nur bergab. Ich hoffte inständig hier ein Hotel zu finden. Es gab Reklame für zwei Etablissements, das Erste war zu, das zweite ohne Bedienung, aber mit einer offenen Bar. Das ließ mich hoffen und ich wartete ein halbe Stunde. Als ich gerade mit der geringen Hoffnung auf eine ausschließliche 20km-Abfahrt nach Dospat weiter wollte, kam grinsend ein Mann, er ließ mich ein und gab mir ein Zimmer. Jetzt sitze ich bei seinem Bruder Quasimodo bei großartiger bulgarischen Folklore und dem zweiten Roten. Alles ist wieder gut.
Arbeitsplatz der Steineklopfer
Hier bin ich in der Gegend der Steineklopfer. Am Straßenrand wird von einem LKW frisch gebrochenes Gestein (z.b. aus einem Bruch oberhalb von Dolno Drjanevo) abgekippt. Auch von anderen Brüchen wird anders farbiges, aber immer spaltbares Material herangefahren. Das ist dann der Arbeitsplatz der Steinespalter. Sie spalten es zu Pläner (Platten) und stapeln es wie bei einer Trockenmauer fein säuberlich auf eine Holzpalette. So entstehen am Rande der Straße mitten im Wald Dutzende Arbeitsplätze. Am Baum hängt auf einem Schild die Mobilfunknummer des Unternehmers als Kontakt für den Kunden.
Er sei so alt wie ich
Eine Listung bei einem Baumarkt hat hier wohl der wenigste, teilweise stehen auf verlassenen Arbeitsplätzen Paletten mit Pläner, die schon die Patina von zwei Wintern haben. Der Preis (wenn ich es richtig verstanden habe) schwankt zwischen 100 und 200 Leva pro Palette. Bei großem Glück finden die Spalter ein versteinertes Blatt aus der Vorzeit. Einige Platten mit solchen Fossilien sind in der Vitrine im Hotel Zenit in Satovcha zu bestaunen.
Traditionelle Bauweise mit solchen Plänern

Freitag, Juni 26, 2015

Im Banne des Alibotusch

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Das ist sie nun, die letzte Aufgabe der BalkanTotal-Tour, die südliche Überquerung des Pirin auf dem Iron Curtain Trail. Ich hatte vom Abt einige Bilder im Kopf, er hat ja damals hier das ganze Gebiet intensiv erforscht. Kein Wunder: Damals ließ er sich noch Alibotusch nennen. Die höchste Erhebung des Slavjanka-Massivs ist der Gotsev Vrach (2212 m), oder der türkische Name Alibotusch, der Stiefel des Ali. Dieser Abschnitt ist tatsächlich Teil des EuroVelo 13, des Iron Curtain Trail. Aber der Reihe nach.
Karlanovo: Bei Petr (GSM 0878 70 71 09)
Früh bei Petr in Karlanovo los gefahren, da ging es ja erst mal runter nach Melnik, wo noch alles in der Morgenstarre war. Den Weg nach Katunzi auch gefunden, das war mit hoher Sicherheit auch unser Weg nach Kulata damals 1993 mit Mu.
Letzter Blick zum Pirin: Winogradi (bulg. Виногради)
Dann ging es los, ein längerer stetiger Aufstieg nach Petrovo. Die Leute in der Kneipe dort wunderten sich, dass ich in die Berge wollte. Sie boten mir eine Fahrt mit dem "Ökonomen" an. Petrovo liegt am Rande des Gebirges. Es ist aber alles noch eine hoffnungsvolle Asphaltstraße.
Im Banne des Alibotusch
Bald bin ich an der Hütte Isvora, es ist gegen 14 Uhr Ortszeit. Ich klinke behutsam und in der Tat, ein Frau führt die Hütte, ich bekomme ein Bier und bald stellt sie mir einen großen Teller ihrer eigenen Käsespezialitäten hin. Das ist, wenn man von einigen Plätzchen aus meinem bescheidenen Vorrat absieht, die einzigste Mahlzeit des Tages. Sie warnt mich vor meinen Plänen, noch bis nach dem Dorf Paril zu fahren. Aber hier an der Hütte bin ich ja noch nicht mal über dem Pass. Also weiter immer noch auf Asphalt. Dann erreiche ich den Pass und nach einer kurzen Abfahrt das Dorf am Ende der Welt Goleshovo.
Brunnen in Goleshovo
Hier versuche ich durch meine Anwesenheit jemanden zu veranlassen, das Geschäft zu öffnen. Es stehen nämlich drei leere Flaschen Pirinsko auf dem Tisch vor dem Laden. Das Haus, wie die meisten der Anderen, ist schon verfallen, im Erdgeschoss scheint es aber noch trocken genug für ein Lädchen zu sein.
Nun kommt der Abschnitt bis zum nächsten Dorf Paril auf dem EuroVelo 13, der nur ein Attribut verdient: Unfahrbar. Es sind ungefähr ein Dutzend Kilometer.
Parilski pereval
Dazwischen der Pass auf ca. 1450 m. Wer behauptet, den EuroVelo komplett gefahren zu sein, muss mir das durch das Foto des Passes beweisen können. Auch abwärts muss ich meistens schieben, zu steil, zu hulprig, mit Auswaschungen so tief, dass ich mein ganzes Rad reinstellen kann. Im Dorf Paril ist nichts, außer wohl ein paar Liebhaberobjekte für das Wochenende, aber am Dorfende beginnt eine schöne asphaltierte Rollbahn bergab. Es ist schon weit nach 20 Uhr, ich nutze den Abzweig nach Nova Lovtscha in der Hoffnung, dass hier einige Einheimische für den Freitagabend eine Kneipe haben. Dort kaufe ich mir zwei Bier, eines zum Mitnehmen.
Zelten am Rand des Reservats Alibotusch: Dorf Nova Lovtscha
Vor dem Dorf finde ich eine Stelle für das Zelt. Das größte Radabenteuer meines Lebens hat ein gutes Ende genommen.

Donnerstag, Juni 25, 2015

1977 - 1993 - 2015

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23.6.2015 Der Weg nach Bulgarien
Die Gemüsetafel Mazedoniens, im Hintergrund Strumica
Heute nur eine kleine Etappe von Strumiza über die Grenze nach Petritsch in Bulgarien. Ich habe versucht heraus zu bekommen, wann das mit dem nickenden Verneinen und dem zustimmenden Kopfschütteln kommt. Es muss wirklich an der Grenze liegen.
"Dobro slika", meinten die Einheimischen: Solche Fahnenmasten stehen an vielen zentralen Plätzen im Land
Die Festung des Samuil, wo er gegen die Byzantiner verloren hat, war nicht so spektakulär, wie auch die gesamte Etappe heute durch die Gemüsetafel Mazedoniens und Bulgariens.

24.6.2015 1977 - 1993 - 2015: 3mal Melnik
Bisher waren es immer neue Wege, wenn ich auch mal eine Route von früher gekreuzt habe (2006 mit Ralf in Mazedonien). Jetzt bin ich auf alten Wegen nach Melnik! Ein Moment der Erinnerung unter dem Motto "Früher war Alles besser!"
Damals
Ich sitze in der Kneipe ganz unten in der Stadt an der alten Platane, man sagt, sie steht da seit ca. 800 Jahren. Es ist gegenüber dem Lebensmittelladen, wo Schlottek damals den Joghurt holte, der so erfrischte. Dieses Melnik war für mich damals der Inbegriff des Orient. Die heutige Zeit tut dem Karma von Melnik nicht gut. Heute könnte ich mir den Orient kaufen, ab 20.250€ verkauft hier der Entwickler des Château Melnik Apartments in einem 5*-Hotel.
Soll ich?
Ich habe mein Rad der scharfen Wirtin der Kneipe anvertraut und einen Fotospaziergang durch das heutige Melnik gemacht. Es sind die meisten Gebäude sehr gut hergerichtet. Ich kann nicht erkennen, was alte Substanz oder was nachempfundener Neubau ist. Ich steige hoch zur Ruine der Burg und komme auf dem Weg zum repräsentativen Kordupulov-Haus an einem Weinkeller vorbei. Nach den zwei Dezi verkosteten Roten werde ich sentimental und verrate dem Wirt, dass ich schon 1977 hier war. Darauf stoßen wir zusammen mit seinem speziellen Hauswein an.
Kirche Sweta Nikola Mirlikijski
Sie war die älteste christliche Kirche der Stadt und wurde während der Balkankriege 1912/1913 verwüstet. Im Südwesten der Kirche wurde ein frei stehender hoher Glockenturm errichtet. Der Glockenturm war viereckig, 4 mal 4,5 Meter, mit 1 Meter dicken Wänden.
Fachwerk in Melnik
So kommt es, dass ich mich vom Wirt der mechana und Pension "Vodenizata" in Karlanovo überzeugen lasse, hier mein Lager auf zu schlagen. Petr beschreibt den Weg nach Roshen sehr einprägsam als mächtig steil. Er vergleicht es mit dem Anstieg ab Chotovo, er muss mich wohl beim Quälen vom Auto aus beobachtet haben. Dieses Roshen, mein eigentliches Ziel ist auf dem Weg zur Slavjanka mit dem Alibotusch über den Parilski pereval wohl eher eine Sackgasse für den Radler mit Gepäck. Ich werde morgen ohne Gepäck eine Runde um Roshen und zum Kloster machen und mich am Freitag der letzten Herausforderung stellen. Nach dem nahrhaften Kavarma aus Schweinefleisch habe ich mir zur gepflegten Verdauung einen rakija bestellt. Er empfahl mir seinen domaschno rakija, das ist wieder ein klarer Tresterschnaps, aber angenehm mild.

25.6.2015 Der Tunnel
Heute also der Knoten in die Hügel von Roshen. Der Bulgare an sich ist kein Frühaufsteher.
In Lyubovishte: Der Hirtenhund ruht noch, die Tiere sind noch im Pferch
Niemand ist gegen 8 Uhr schon auf der Straße von Karlanovo zu sehen. Nach dem kleinen Buckel hinüber nach Roshen sieht es genauso aus, nix mit einem Kaffee zum Start des Tages. Der Himmel hat sich über Nacht total bezogen.
Portal des Kloster Roshen
Zuerst schiebe ich mein Rad hoch zum Kloster. Ich bin für den Besuch des Klosters Roshenski manastir dummerweise schlecht gekleidet, kurze Hosen. Ich traue mich nicht rein. Draußen gibt es auch keine richtige Stelle, um das Rad zurück lassen zu können und einen Spaziergang zu dem Pyramidy zu machen.
Unten im Dorf ist immer noch nichts los. Außer zwei jungen Familien, die ein altes Haus fit machen für die Saison. Ich breche auf zum Ausflug hoch in die Sandhügel dieser Gegend nach Ljubovishte und drüber hinaus. Schnell komme ich zu dem vom Abt entdeckten Sandtunnel.
Der Tunnel
Die Straße wird aber immer buckliger, mit Gepäck werde ich diesen Weg nicht leisten können. Das wird mir nun klar.
Wegweiser?
Auf dem Rückweg winken mich drei Leutchen hinein zum Camping von Lyubovishte, es gibt ein kaltes Bier und einen domaschno rakija. Der ist echt der Hammer, der Eine will mich locken, dass ich nach einem Zweiten umfallen würde. Es ist erst Mittag, ich habe bisher nix gegessen, vorsichtshalber lasse ich mich diesmal auf diese Wette nicht ein. Diese Zeilen schreibe ich bei Blagoj.
Bei Blagoj
Es ist die Kneipe, wo sich 2012 die Freunde nach dem Abstieg von der Pirin-Hütte wieder trafen. Hier gab es dann ein zünftiges Mahl. Blagoj macht in seiner Pracht aber auch eine gute Reklame für seine Küche. Jetzt werde ich unten in Melnik noch ein wenig elektronische Post erledigen und relaxen. Morgen muss ich stark sein, die letzte Herausforderung wartet.

Montag, Juni 22, 2015

Strauchsteppe

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Strauchsteppe
Auf den Hügeln hier im Süden Mazedoniens im Tikves wächst es nicht hoch. Es sind eine Vielzahl von blühenden Kräutern, Disteln und kratziges Gesträuch, weiter oben in günstigen Lagen ein paar Kiefern. Ich muss ja öfters halten, denn es geht wieder zünftig bergauf, ich kann man mich ein wenig der Botanik und dem was drauf rum kräucht widmen. Größere Säugetiere wird es wohl wenig geben, in den Erosionsrinnen  fließt nur Wasser nach den Regenfällen wie gestern, dann ist alles wieder weg und trocken. Es gibt hier auch viel weniger Greifvögel wie bei uns, einen Milan habe ich heute kreisen sehen. Bleiben die Kriechtiere und die Insekten. Die Eidechsen sind immer so schnell weg, die kriege ich nicht auf die Linse. Schlangen und Schildkröten habe bisher nicht gesehen, muss man wohl früh raus.
Vor dem Serta-Pass
Es war ein länger Abschnitt ohne Logistik von Negotino bis hier her nach Radovish über den Serta-Pass. Entgegen meiner sonstigen Vorgehensweise bin ich gleich beim ersten Kneiper ran, ist ein Guter, sitzen viele einheimische Gäste hier. Es ist interessant die Eigenschaften des rakija zu beobachten, von Belgrad bis hierher. Im Norden war es immer ein Obstler, dann fragten sie häufig nach: Slivovitz oder von der Traube. Bei den Muslimen war es immer ein klarer Tresterschnaps, hier in Radovish ist es ein Weinbrand, gelagert, golden. Bald bin ich in Bulgarien.
Verkehsgeschehen in Podaresh, bei Radovish
Heute habe ich meinen ersten verifizierten Hunderter geschafft, in Negotino war Strumiza mit 107km ausgeschildert. Nach Radovish habe ich noch eine Schleife auf einer Nebenstraße durch eine Gegend mit dem Stand von 1990 gefahren, mal von den Handies der Teenies abgesehen. Die Anzahl der Autos und Pferdefuhrwerke hielten sich die Waage.
In Podaresh
Deutlich ist der abgestorbene Tabakanbau, nur langsam werden die alten Darren für die Tabakpflanzen durch Foliengewächshäuser ersetzt. Das Polje zwischen Radovish und Strumiza ist sehr fruchtbar, da werden sich doch Alternativen finden lassen. Der Boden ist durch die Verwitterung der weiter vorn beschriebenen Landschaft sehr Mineralien reich. Vom Ograshden-Gebirge herunter kommende Bäche werden geschickt aufgefangen und über zahlreiche Kanäle verteilt, sehr interessant.
Vom Dach meines Hotels in Strumica - Die Baba Wanga (1911–1996), bulgarische Prophetin ist hier geboren
Jetzt hier in Strumica ist die Kluft zwichen Dorf und Stadt schon bemerkenswert. Strumica ist bei Karl May als Ostromdscha bekannt. Im Amtsgebäude des Ortsrichters Kodscha Bascha findet eine Verhandlung statt
Der Hof war außerordentlich schmutzig. Nur der Teil längs des Hauses war einige Meter breit mit einer Vorrichtung versehen, welche jedenfalls ein Pflaster vorstellen sollte. Doch sah dieses Trottoir grad so aus, als ob es aufgerissen worden sei, um als Material zu einem Barrikadenbau zu dienen. Vor der Türe stand ein alter Lehnstuhl, welchen ein vorweltliches Polsterkissen zierte.

Heute ist das ganz anders. Das Zentrum von Strumica ist praktisch zweistöckig, unten die Autos, oben die Leute, spektakulär!

 

Sonntag, Juni 21, 2015

Ein Weinwochenende

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20.6.2015 Eine Verbindungsetappe bis Negotino
Heute bin ich dem größten Fluss Mazedoniens dem Vardar abwärts gefolgt. Diese Route nimmt auch der Highway Alexander von Mazedonien, wo ein Radler nix zu suchen hat.
An der alten Straße hoch über dem Vardar-Tal zwischen Shkopje und Veles
Aber es gibt ja noch die alte Straße. Es gab aber vor Veles eine Einlage, ein ordentlicher Anstieg mit zahlreichen Kurven auf einer fast zugewachsenen Straße. Ich habe sicherheitshalber zweimal geguckt, ob ich richtig bin. Die Wegweiser zeigten nur noch zu diversen Klöstern und Kirchlein.
Im Tal des Vardar: Kirche St. Nikolai
Nach Veles war dann die alte Straße neben der Autobahn in einem ordentlichen Zustand. Ich kam an einen Hügel mit einer großer mazedonischen Flagge, erst dachte ich, da auch Mauern zu sehen waren an eine Festung. Es war die antike hellenische Stadt Shtobi. Ein alter Mann bewachte aber nur ein paar Fundamente und einige zerbröckelte Säulen in einem riesigen eingezäunten Gelände.
Vardar bei Negotino
Erreicht habe ich die Stadt Negotino. Hier war ich schon mit Ralf 2006. Ich werde morgen die hier ausgewiesene Straße nach Strumiza nehmen, um nicht in alte Furchen zu geraten. Damit wird es wieder in die Berge gehen.
In mitten eines großen Kindergeburtstags bei einem ordentlichen Gewitter gab es gerade eines meiner balkanischen Lieblingsgerichte: Gegrillten Schafskäse, petschene siren.

21.6.2015 Ein regnerischer Sonntag
Es ist nix geworden mit dem Weg über die Berge, bin hier geblieben im "Kraichgau" Mazedoniens.
Weinland Tikves
Das ist hier das Weinanbaugebiet Tikves, also auch eine Gegend für einen relaxten Sonntag. Gegen Mittag hatte es sich ausgreregnet, jetzt gegen 17 Uhr ist es genau richtig zum Draußen sitzen und die Weine des hiesigen Gutes "Rovin" zu verkosten.
Frühschoppen, ein Sonntag in Negotino, Backgammon
Sie spielen hier enthusiastisch Backgammon. Dieses Spiel wurde mir 1977 in Bulgarien auch beigebracht. Durch setzen, würfeln und gegnerische Steine blockieren muss man in einem so mit Spitzen illustriertem Spielfeld als Erster die andere Seite besetzen. Es wird mit zwei Würfeln gespielt, so dass man die Augenzahl taktisch klug aufteilen muss, was für die zahlreichen Kiebitze leidenschaftlichen Gesprächsstoff ergibt.