Sonntag, Juni 18, 2017

Die erste Etappe, sehr schwer

Für die erste Etappe auf dem Rad habe ich mir den Wecker auf 04 Uhr 50 gestellt und als er schellte, gleich noch eine Stunde weiter. Aber auf so einer Tour gibt es schon ein paar Pflichtaufgaben. Die Römer hatten schon ihren Sommer gehabt, das Gras ist vollständig strohgelb, und dieser Sommer scheint anzuhalten. Es ist also ratsam zeitig loszufahren, wenig Verkehr, noch Schatten hier&da. In den Schlafsäcken und Wurfzelten rund um die piazza san pietro ruckelten sich auch die ersten Lebenskünstler wach. Ich konnte in aller Ruhe ein paar Pflichtaufnahnmen von St. Peter und der Engelsburg (“Hier war ich auch!”) schießen.
Der Petersdom
Die Engelsburg: Einst ein Mausoleum für Hadrian, von den Goten zum Kastell umgebaut
Als Leitfaden hatte ich mir einen GPX-Track nach Viterbo über optimistische 88 km herausgesucht. Das ist besonders wichtig, um aus dieser unfassbar engen Stadt rauszukommen. Auf der Ausfallstraße waren dann auch einige Radler mit dabei, alle auf teuren Rennrädern, aber immer freundlich und aufmunternd grüßend. Das war auch nötig bei mir, was habe ich mir bei der Tourplanung nur gedacht? Es fällt mir wirklich sehr schwer. Es ist eine hüglige Landschaft, alles eingemauertes und eingezäuntes Eigentum. Kein Platz für ein Nickerchen, wenn man sich nicht mit dem Straßengraben wie die Überlebenden aus Afrika zufrieden geben möchte. Gute und verhältnismäßig günstige Logistik findet sich. In Campagnano di Roma war ich zu Gast bei Herrn Rigghetto. Da noch nicht die italienische Essenszeit heran war, setzte er mich erstmal in die benachbarte Bar (gehört wohl ihm auch) und bestellte mir ein großes kühles Bier Peroni. Dann ludt er mich in seine trattoria antico. Die Bestellung mit einem bruschetto fantasia und der Spezialität des Hauses Rigatoni alla Righetto (seine spezielle Zubereitung von Rigatoni) fand seine Zustimmung. Dazu einen halben Liter Hauswein, ein Roter. Signor Rigghetto war noch vom alten Schlag, er servierte mir eine handgeschriebene Rechnung zu 21€, die er auf 20€ abrundete. Meine Hochachtung dokumentierte ich mit einem Bild des maestro.
Ristorante Hotel Da Righetto
Die Preise für den Kraftstoff des Radlers sind gefallen, in Mazzano Romano kostete das grande Peroni (0,66 l) nur noch zwei Euro in einer Bar.
In Nepi dann ein großes Ereignis, ein Stadtfest, vergleichbar wie man es aus Siena kennt. An den Häusern hängen die Familienflaggen. Aus allen Gassen kommen die Familien hinter ihren Wappen in Renaissancekostümen zu Trommelschlägen marschiert.
Die Familie der Pugliesi
Als letztes kommt die katalanische Familie Borgia aus ihrer Burg. Auf dem Platz vor dem Rathaus nehmen alle Platz, im Mittelpunkt Lukrezia di Borgia.
Die Borgia

Die Flaggen werden in einer beeindruckenden Choreografie durch die Luft gewirbelt und geworfen. Grandios! Ich bin noch bis Civita Castellana gekommen, so um die 60 km geschafft, in das alte gediegene Hotel “Relais Falisco” eingemietet.
Piazza in Civita Castellana

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