Dienstag, April 21, 2009

Auf der Heimfahrt

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19.4.09, Zlate piesky, Bratislava, bis hier 86 km
Es gibt zu diesem Tag nicht viel zu sagen. Ich war auf einem ganz tollen
Bofplatz zwischen brandneuen Thermalbad, dass scheinbar noch gar keinen
Besucher hatte, und einem Erotikklub. Dann mit vielen Umwegen, u.a. fast
bis zum Kamm der Maly karpaty, der Kleinen Karpaten, rein nach
Bratislava zum alten Camping Zlaty piesky, der erste mit Bezahlung.


20.4.09, Schönau in der Donauau bei Wien, bisher 68 km, bis Wien
Westbahnhof 104km
Ich bin bei der Herml, der offiziellen Beichtmutter der Radler am
Donauradweg. Das ist hier im Nationalpark Donau-Auen, eine faszinierende
Landschaft. Sicherlich braucht man dazu mehr Zeit als locker auf dem
Damm lang zu pedalieren. Trotzdem entdeckte ich das Aufblitzen eines
Eisvogels an einem Altarm bei Eckartsau. Man muss sich mal das
vorstellen, die Hirsche hier kommen auf eine viertel Tonne
Lebendgewicht. Dazu kommt diese relaxte Mentalität der Ösis, speziell
der "Wieaner", was den Radler zum Phlegmatiker werden lässt. Hier könnt
i mia niaderloassn!
Aber: Gerade ist ein Radler gekommen, der hier Führer's Geburtstag feiert.
Die Heimfahrt wird preiswert: Am Schalter der ÖBB will man mir für den
Euro-City-Night bis Passau keine Fahrkarte verkaufen, weil das Radabteil
zur Kompetenz der DB, aber bis Passau ÖBB-Verkehr ist. Ich soll es doch
beim Zugchef probieren. Vorsichtshalber lasse ich mir ein kleines
Herzchen auf auf den Ausdruck malen, als Gruß vom Schalter. Der erste
Schaffner, ein DB-Mann mit vielen Zetteln in der Hand: "Da müssen Sie
den ÖBB-Zugchef fragen, aber ich glaube das Radabteil ist ausgebucht."
Eine ÖBB-Schaffnerin, Fr. Mai: "Ja,ja, ich mach' Ihnen das Radabteil
auf. Bitte nutzen Sie aber den Sitzwagen." Die Fahrkarte soll ich beim
Zugchef kaufen. Wir fahren, nach zwei Stationen werde ich unruhig. Ich
treffe einen Schaffner. "Sind Sie der Zugchef?" "Ja, Sie wünschen
bitte!". Nach dem Fahrkartenkauf gefragt. "Ich habe jetzt viel mit den
Schlafwagen zu tun. Ich komme nachher kontrollieren, und dann hab ich
das Abrechnungsgerät dabei." Er kommt kontrollieren. "Ich komme nachher
noch mal mit dem Gerät." Wir sind in Linz, jetzt ist es nicht mehr weit
bis Passau. Er hat das Abrechnungsgerät dabei: "Achso, nur nach Passau.
Da kann ich Ihnen keine Fahrkarte verkaufen. Ich bin der DB-Zugchef. Bis
Passau ist ÖBB-Tarif. Da müssen Sie zum ÖBB-Zugchef gehen." Ich bin
gegangen, in Passau aus dem Zug. Danke! Es ist kurz vor Mitternacht. Ich
rolle hinunter in die Stadt zum "Weißen Hasen", wo ich schon oft nach
solchen Touren übernachtet habe.
--

Viele Grüße aus Thüringen (oder von Sonstwo)
Eberhard Elsner

Sonntag, April 19, 2009

Osterweiterung

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16.4.09, in einem Wellness-Hotel bei Zvolen, nach 101 km
Heute war nun der letzte große Karpatenpass über das Slov. Rudohorie dran. Geadelt mit drei Steigungswinkel. Klar viel Naseputzen und Schlücke vom guten Tisovecer Mineralwasser, aber immer im Sattel vorwärts. Das hätte ich vor einer Woche nie geschafft. Diese Tour hat es also gebracht. Die Abfahrt war ganz smart und lang, ja gegen den Wind musste oft gestrampelt werden.
Mancher wird sich schon gewundert haben, er schreibt garnix übers Essen. Da gab es auch nichts, es gab nur kalte Küche. Heute nun dier ersten haluskis, die slowakischen Spätzle ohne Eier. Diesmal in einer Version mit kapusta, Kraut - lecker. Später noch im Laufe des Tages ein Schnitzel im motorest.
Jetzt zum Bier nach dem Schwimmen im Pool eine Knoblauch-Suppe, wie in einem solchen Laden zu erwarten, mit drei Zehen zu wenig.
Ich habe mir heute ordentliche Fahrradkarten in Banska Bystrica gekauft. Bisher hatte ich eine Autokarte der gesamten Slowakei von der Tanke. Es war schon immer schwer um größere Städte wie Presov und Kosice rumzukommen. Bei der Suche nach Alternativen zu Hauptstraßen hat mich mein Orientierungsglück im Stich gelassen, wie oft ich wieder umkehren musste, passt diesesmal auf keine Kuhhaut. Das Ziel soll nun Wien sein, zuvor werde ich in Marchegg kampieren. Dort war der Gastgarten und die Küche so gut, bei unserer March-Thaya-Krems-Tour mit Gerd Herrmann aus Löbau.

17.4.09, in Topolcianky, nach 97 km
Osterweiterung, was wäre aus dem Kapitalismus geworden, wenn nicht dieser Markt hätte erobert werden können. Heute muss ich mal meinen Ärger über diese modernen Zeiten loswerden. Ich sitze vor einer Kneipe in Bzenica Hron-abwärts bei Ziar n.Hr. Es drascht, genauso kontinuierlich rauscht der Verkehr vertreten durch die deutsche Automobilindustrie mit ein paar koreanischen KIA-Tupfern. Hier ist die Straße noch keine Autobahn, aber 300m hinter mir baut die Strabag. Fertig heißt dann auch die letzte lebensgefährliche Möglichkeit der Straßenbenutzung als Radler ist weg. Heute früh endete ein Feldweg am Zaun von CONTINENTAL. Alle Wege in Kovacova führten ins Nichts oder auf eine der beiden Autobahnen. Dort kommt wirklich kein Einwohner mit dem Rad nach Zvolen - no way. Hier wird auch Evonik seinem Zweitnamen gerecht - industries. Ein großes Werk aus der Stalinzeit gehört zu Evonik, der Werkseingang sieht repräsentativer aus als das hässliche Hauptgebäude in Essen. Ein Gutes hat diese Entwicklung natürlich, jeder hat seinen Anteil. In der Slowakei geht es aufwärts, was mir immer am hohen Anteil an Jugendlichen in den Städten auffällt. Oben in den Dörfern sind die Alten zurückgeblieben, im wahrsten Sinne des Wortes. Ich bin im Gebirge in Mala Lehota. Ein Op, dessen Alkleber an seiner Nase zum Vorschein kommt, wollte unbedingt mit mir sein Hörnchen mit brincu teilen, damit ich ihm noch einen Schnapps ausgebe.
18.4.09, in Galanta, bisher 87km
Gerade noch machte der Nebentisch alle Ehre für die Stadt Galanta. Die "Minipresse" hatte zum Betriebsvergnügen geladen und am Nebentisch saßen die Sekretärinnen, erhitzt vom Tanz mit den Chefs. Aber eben "Geschlossene Gesellschaft", also weiter.
Es gibt nun kaum noch Berge und andere aufregende Dinge. Beim Essen bin ich von Knoblauchsuppe auf placky, Kartoffelpuffer umgestiegen. Sogar zum Frühstück hab ich einen verputzt. Jetzt sind es noch knapp 10km bis zu einem Teich, der in der Karte als Thermalbad bei Sladkovicevo eingezeichnet ist, garniert mit zwei Zeltplatzzeichen.
Viele Grüße von unterwegs
Eberhard Elsner

Donnerstag, April 16, 2009

Das richtige Timing, wenn auch nicht die geplante Route

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12.4.09, Nachtrag, 71 Tageskilometer
Als ich aus der Stadt Hummene rausfuhr, es war so gegen 4 Uhr nachmittags, drohte wieder Gewitter. Ich kehrte um, ein Vorteil des allein Reisens. Eine kurze Entscheidung und wie richtig die war, zeigte sich nur 15 min nach Bezug des 2-Zimmer-Appartments in der ubytovna Hummene für 15 Euro. Ein massives Gewitter mit schweren Regen dauerte dann bis Mitternacht an.

13.4.09, Ostermontag, 85km
Ich habe mich entschieden, ich bleibe in der Euro-Zone, wo immer die Sonne scheint. Es wird sicher heute nicht mehr gewittern. Ich bin heute anfangs ein paar alte nostalgische Punkte abhaken gefahren: Den Brückenheiligen Nepomuk bei Vranov n.T. und Herlany beim Geisir. Der will es aber erst heute spät abends um 22.24 Uhr wissen. Ja so genau wird es angegeben, aber ich weiiß aus eigener Erfahrung, er hält sich nicht dran.
Es war eine lange Durststrecke, die Kneipen sind alle geschlossen. Die Madlotschkas wollen alle vom Osterwasser bespritzt werden, also keine Bedienung. Mich bespritzten nur die kleinen Zigeunermädels, die sehr kleinen. Erst spät nachmittags so gegen drei Uhr machte eine Zu-spät- gekommene aus dem Land des schadhaften Lächelns in einem Zigeunerdorf auf. Das Bier vom Fass war ganz schlimm, also wie Helmut Flaschenbier bestellt. Dann zwei Dorfschenken weiter wurde gerade ganz frisch angestochen. Der Wirt meinte das Bier dauert wohl 5 min. Also Zeit für meinen ersten Borovicka.
Jetzt sitze ich in einer Klasseschenke mit einem Quetschkomödianten beim zweiten Bier, ein bissel habe ich den Stecker drin. Ich habe gerade fast alle meine Reserven zum Abendbrot verputzt. Noch eine kleine Abfahrt, und ich bin im Tal des Hornad bei Margecany.
14.4.09, in Dedinky, 90 km
Gestern sind noch die magischen drei Stellen bei den Tageskilometern gefallen. Es lief aber auch, ich erreichte den Stausee des Hornad bei Margecany, wo uns damals mit Loth und Andraes das schlechte Wetter überwältigt hatte. Das ist nun schon zwanzig Jahre her.
Auf der heutige Etappe musste ich praktisch immer bergauf radeln. Gleich früh zur Frühstücksvorbereitung ein Pass auf knapp 5 km. Am Ende der Abfahrt dann das Frühstück aus dem potraviny. Es gibt hier kein Frühstückskultur, sicherheitshalber scheinen die Kneipen erstmal geschlossen zu sein, damit die Dauergäste wenigsten ein paar Arbeitsstunden verrichten können. Der Slowake an sich ist ein sehr sauberer Zeitgenosse und ärgert sich sehr über die vielen Plastikflaschen am Wegesrand, die er weggeschmissen hat. Da helfen die modernen Zeiten: Es gibt viele die auf Arbeit angewiesen sind, so lange die Kneipen noch zu sind. So hängt eben alles mit allen zusammen und ich kriege keinen Kaffee. Dann lebe ich eben ländlich sittlich und trinke gegen 14 Uhr mein erstes Bier und mache gleich mittag. Denn was Warmes gibt es in den pivnicen nicht. Heute in Nalepkovo war ich wieder auf der Suche nach einem restaurace. Das ausgewiesene Bistro war zu. Ein Zigeunerjunge mit leerem Kinderwagen war sofort hilfreich zur Stelle, mit rennend den Weg zu einem Restaurant zu zeigen. Ich gab mein letztes um ihm zu entkommen. Ich fand ein Bier in einer anderen pivnice später auch das restaurace. Dort durfte ich mir zum Bier mein eigenes Essen zubereiten, der etwas tuntige ältere Kellner (War es eine Frau?) schenkte mir das Bier.
Anders als vor zwanzig Jahren habe ich mittlerweile bestes Wetter. Es ist eine Lust zu pedalieren, wenn auch nur auf dem mittleren Kettenblatt, es geht ja bergauf. Die Dörfer sind hier mehrere Kilometer lang, endlich erreiche ich die Kreuzung nach Sp. Nova Ves, aber da will ich nicht hin. Also weiter bergauf bis auf über 1000 m. So gegen 19 Uhr erreiche ich Dedinky, Zelt aufbauen und eine Kneipe für den Absacker einen Borovicka suchen. Wenn ich das alles erzählen würde, bemerktet ihr meine lockerer Zunge, beim Schreiben scheints zu helfen.
15.4.09, Muranske planina, bisher 64 km
Ja, bisschen rumräsoniert und schon kriegt er früh seinen Kaffee. Ein schönes Mädchen macht früh um 7 Uhr sein Lädchen auf. Es gibt ein reichhaltiges Frühstück vor dem Pass.
Ich habe ein unwahrscheinliches Glück mit dem Wetter, mittlerweile ist die Luft glockenklar und nurt ganz wenig Fotowolken zeigen sich. In Stratena habe ich den Jensens-Schwächeminuten- Tunnel durch den Canon umfahren. Auch die weitere Landschaft auf unseren damaligen Nachtmarsch ist einzigartig. Über den Felsen an der Dobschiner Eishöhle ragte der Königsberg auf (Kralova hora), ganz in weiß. Das ist das östliche Ende der Niederen Tatra.
Nun bin ich in Muran, am Muranske planina. Eine Entdeckung, alte Coburger Besitzung, unberührte Natur, Karstlandschaft. Noch 1941 erhielt der bulgarische König, ein Sachsen-Coburger-Gothaer, ein Zertifikat der Stadt Muran. Die Straße führt ständig auf und ab, mit Höhenunterschieden von bis zu 400 m. Für den Radler schwer, aber atemberaubend die Ausblicke.
Also heute trafen drei Dinge zusammen, dass es einer der besten Tage bei allen meiner Touren wurde: Tolles Wetter, atemberaubende Gegend und das Timing der Tour, Frühling. Den letzten Puckel werde ich heute nicht mehr schaffen. Ich bin jetzt in Tisovec, ein Städtchen mit freiem Mineralbrunnen. Ein Op hat bald zwanzig Liter abgefüllt und weggeschleppt.
Viele Grüße von unterwegs
Eberhard Elsner

Sonntag, April 12, 2009

Durch die Karpaten, aber nicht so weit wie geplant

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8.4.09, Tageskilometer 79
Gegen Mitternacht an einem Vorortbahnhof in Przemysl angekommen. Aber es war nicht weit bis ins Zentrum. Von der Brücke über den San sah ich eine Hotel-Leuchtschrift. Dort war die Rezeption von einem unsicheren jungen Mann besetzt. Er gab mir noch ein Zimmer. Am Morgen sah ich aus dem Fenster und bemerkte, dass dahinter gleich der Zeltplatz ist, selbstverständlich die Rezeption nicht besetzt. Ich hätte mir 186 Zl sparen können.

Waldkarpaten-2.jpg
Auf dem Marktplatz sitzt der "brave Soldat Schwejk". In Polen trinkt er aber eigenartigerweise Tyskie piwo, ein Bier aus Oberschlesien. Es sei ihm gegönnt, denn er muss sich Ausruhen nach seinem Abenteuer beim glorreichen Zusammenbruch, Teil drei & vier des unvollendeten, antimilitaristischen und satirischen Schelmenromans von Jaroslav Hašek (1883–1923).
Wie erwartet, sind mir die ersten km sehr schwer gefallen. Nach dem ersten Abhaken des sehr schönen Schlosses in Krasiczyn versuchte ich einige Abkürzungen über Forstwege, die aber alle in Bächen endeten.
Schloss Krasiczyn
Das Schloss Krasiczyn wurde immer wieder in seiner Geschichte von den Russen beschossen, geplündert und verwüstet.
aus der Geschichte des Schlosses
Der Weg führte zwar nach einigen Metern wieder raus aus dem Bachbett, aber wer weiß, was noch alles kommt. Also weiter die Str. Nr. 28 bis Bircza. Dort zeigte der Wegweiser noch 25km zu meinem Ziel Huwniki.
Kirche in Posada Rybotycka
Diese Kirche in Posada Rybotycka ist wohl die einzigste ehemalige ruthenische Kirche, die aus Steinen gemauert ist. Hier befinden sich orthodoxe Wandmalereien aus dem 15. Jhd. (Dzieje konserwacji malowideł w cerkwi św. Onufrego w Posadzie Rybotyckiej von Agnieszka Gronek).
Mein Platz am Kalvarienberg
Dort in der Nähe will ich einen Kalvarienberg mit Kloster besteigen, gehört sich so zu Ostern. Aber noch sind alle Hügel für mich Kreuzwege.

9.4.09, Gründonnerstag, 61 km
Nothing ever goes as planned. Früh lief alles sehr gut an, ich hatte noch ein Bier zum Frühstück. Dann mein Passionsweg, wirklich. Die Straße war mit 17 Prozent ausgepreist. So schob ich eben die drei km. Noch heute Abend gibt es den ersten Teil der Passionsgeschichte. Die Stationen sind schon hergerichtet. Eine Station hieß piwnice, ich gleich rein. Doch es führte der Weg nur durch einen Keller mit einem Brunnen.
Am Kloster besuchte ich das Haus der Pilger in der Hoffnung auf einen Lokus. Nach der Erleichterung konnte ich noch eine gute Tat vollbringen. Eine alte Pilgerin fand nicht das neumodische Schloss, um ihre Stube abzuschließen.
Nun so gegen 11 Uhr ging es auf Strecke, die mir wieder sehr schwer gefallen ist. Die Kultur der kleinen Lädchen in jeder Siedlung scheint auszusterben. Alle haben neue Häuser und Autos und fahren zum Großeinkauf in den Supermarkt. So wurde es eine durstige Strecke bis zum Ort Kroscienko an der Grenze zur Ukraine. Der Weg war hier als Schwejk-Radweg auch über die Grenze ausgeschildert.
Die Verblüffung war riesig, als mir das Madlotschka an der Grenze eröffnete, dass dieser Grenzübergang nur mit Auto zu passieren ist. Ich zeigte ihr den Radweg auf meiner Karte, da verwies sie mich zu einem anderen Häuschen. Die sagten aber auch nix anderes, konnten ja ihre Kollegin nicht dumm aussehen lassen. Aber sogar der Hinweis auf den Radwegweiser neben ihren Posten änderte nichts. Also gibt es eine Planänderung, die ich mir bei zwei Bier zusammengebastelt habe: Ich fahre ins Bieszady und weiter erstmal in die Slowakei.
Wieder habe ich mir einen Radweg in meiner Karte rausgesucht, der auf Forstwegen parallel zur Grenze langgeht. Da kommen doch zwei Grenzer auf Enduro-Maschinen entgegen, den einen kenne ich schon. Nun wollen sie mir diesen Weg wegen Bären und Wölfen madig machen. Sie glauben wohl, dass ich nun über die grüne Grenze will. Nach einigen Walkie-Talking wünschen sie mir einen guten Weg. Aber für verrückt halten sie mich auch, ich kriege noch den Polizeinotruf mit auf den Weg.
Nun habe ich eine schöne Bofstelle gefunden, nicht sehr weit weg vom Dorf wegen des Bären. Dass es regnet stört nicht, hier gibt mit Folie überdachte Sitzplätze und eine Kleterwand, wohl ein Ubungsplatz für die Grenzer.
10.4.09, Karfreitag 61 km
Ja, wo feiern denn die Polen. Viel Verkehr, die Straße wird gebaut, die Kirchen geschlossen. Ein Gutes hat es, die Lädchen sind geöffnet.
Im Laufe der Nacht kamen noch zweimal die Grenzer, um zu schauen, dass den verrückten Deutschen nicht der Bär gefressen hat. Zum Einschlafen und früh zum Wecken. Ich setzte aber eisern meinen Weg fort, like a strong man, wie der weckende Grenzer meinte. Am Ende des Weges war ein kleines Dörfchen mit einer feinen Sitzgruppe zum frühstücken. Nach einer schönen Abfahrt landete ich auf einer viel befahrenen Landstraße. Da aber auch die vielen alternativen markierten Radwege auch nur bergauf führten, wählte ich die Straße wegen des geringen Rollwiderstands. Es gibt hier hinten also noch paar Wege zu machen. Unterwegs gab es einen magischen Ort: Die Mündung des Wokowaty in den San. Der San hat schon einigen Lehm aufgenommen. der Woiowaty ein klarer Gebirgsfluss. An der Mündung gab es wegen einiger kleinen Felsstufen schönes Weißwasser. Nun sitze ich in einer Kneipe in Ustrcz. Gorn. und muss aufpassen, dass der Gewitterregen nicht zu viele Bier dauert, zumindest blitzt und donnert es sehr.
11.4.09, 64 km
Zum Glück gab es Pausen im Regen, das polnische Bier hat in der Regel 6 Prozent Alkohol.
Noch heute Morgen hat es zünftig gewittert. Ich kam erst gegen 9 Uhr los und es war kalt. Es standen heute drei Pässe mit mehr als 800m im Weg. Damit ist der Tag zusammengefasst. Mein Zelt steht heute in Roztoky gorn. Auf dem Weg sieht man schon auch einigermaßen frische Bärenscheiße. Hier oben gibt es einen Touristengrenzübergang in die Slowakei, da geht es morgen hin.
12.4.09, Ostersonntag
Ich habe bis jetzt nicht viel von den Feierlichkeiten gesehen: Den Papst beim Weltsegen in einer Kneipe in Stakcin per Television und viel Straßenverkehr nach dem Ende der Feier in der Kirche von Snina. Zuvor war ich wahrscheinlich in einem Gebiet 30 Quadratkilometern der einzigste Mensch. Bis zur Grenze hat die EU auf polnischer Seite eine schöne Rollbahn gebaut, danke. Auf slowakkischer Seite suchte ich immer den Bach auf dem Weg, das war der am wenigsten glitschige Teil des Wegs hinunter in das Ruska dolina. Es gab dort nur verlassene Dorfstätten, die Gräber auf den alten Friedhöfen waren aber geschmückt. Eine wilde Gegend, ganz unten schrieben sie an einer Tafel, dass über die polonys, die Grassteppen über der Baumgrenze auch Bisons aus Polen eingewandert sind.
Zum Ostersonntag ist es schwer eine Essensausgabe zu finden. Nun bin ich im rest. Dukla in Hummene, hier gibts WLAN. Mal sehen, ob ich deren WEP-Schlüssel kriege.
Viele Grüße von unterwegs
Eberhard Elsner