Montag, Oktober 07, 2019

Die letzte Etappe von Veles nach Skopje

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Heute galt es nun die Heimreise zu organisieren. Zwischen Veles verlieren sich die beiden Fahrstreifen des Highways “Freundschaft”, former Alexander Der Große auf gut 50 km. Die Spur nach Süden führt zusammen mit der Eisenbahn unten im Vardar-Tal, das hier fast eine Schlucht ist. Der Fahrstreifen nach Skopje geht über einen gut 500 m hohen Bergrücken. Dazwischen wurstelt sich die alte Straße über diese mit Sträuchern bewachsenen Hügel. In Veles wird nur bis zum See der Jugend ausgeschildert, dann muss sich der Radler auf sein Gefühl oder eine OSM-Karte verlassen. Ich bin vor vier Jahren in Gegenrichtung schon an diesem Feldweg verzweifelt. Trotzdem kamen mir auf diesem Weg ein Tandempäärchen wohl aus England auf dem Weg nach Istanbul entgegen. Gegen Mittag habe ich dann den Vorort von Skopje Goze Deltschev erreicht. Der Plan zur Organisation der Heimreise geht wohl auf.
Im Internet war nicht viel zu Busfahrten von Skopje aus nach Dresden oder Nürnberg zu erfahren. Ich setze meine Hoffnung auf den Busbahnhof in Skopje, eine weitere Option ist am Dienstag ca. 70 km weiter nach Preshovo in Serbien zu radeln. Dort gibt es am Mittwoch zwei Busse nach Fürth. Wie erwartet, gibt es an der Busstation Angebote in die Türkei, ganz ehemals Jugoslawien und Westeuropa, einschließlich Westdeutschland. Ich erhalte eine Fahrkarte für 80 Euro nach München, wo sie mir auch mein Fahrrad mitnehmen. Am Mittwoch 10.30 Uhr gehts heim.
Es tut mittlerweile an etlichen Stellen des Körpers weh. Da ist das Monstrum von blauem Zeh rechts, eine Muskelzerrung links, die mich ganz schön humpeln lässt und das linke Knie, was wohl mit der Zerrung zusammen hängt. Beim Radeln stört das alles nicht, nur beim Laufen sehe ich noch älter aus als ich bin. Mal sehen, was ich morgen mache. Diese Zeilen schreibe ich im alten Basar unter Minaretten, was jetzt als gewaltige “Fressgasse” genutzt wird. Überall dubelt der Kebab-Grill. Das Skopsko-Pivo wird vom Fass ausgeschenkt. Jetzt steige ich auf Wein um, T’ga za Jug.

Sonntag, Oktober 06, 2019

Im Tal des Vardar

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Das Eiserne Tor von Mazedonien
Gestern noch durch das Mazedonische Eiserne Tor zu Alex, dem Bergsteiger (Khan Tengri im Tienshan) und Campbetreiber (“Rocklandcamp”) in einem Wettlauf mit der Sonne bis nach Demir Kapija gekommen. Den Wettlauf verlor ich. Das Zelt baute ich bei Sichelmondenschein auf, wodurch ich die Hundescheiße übersah. Sie klebte dann selbst an den Zeltstäben.
Demir Kapija ist ein Bergsteigerzentrum. Es gibt zu beiden Seiten des Vardar-Durchbruchs Schluchten und Wände. Dazwischen klemmt sich die alte Bagdad-Bahn von Wilhelm II., die neue Autobahn der Firma AKTOR (wohl ein großer Player hier auf dem Balkan, die bauen auch die Tunnel bei Pirot) und die alte Fernverkehrsstraße, die so zu einem prächtigen Radweg geworden ist. Der Highway heißt jetzt "Freundschaft", und nicht wie früher “Alexander Der Große”. So sehen die politischen Kompromisse aus, die Mazedonien - FYROM - Nordmazedonien für eine internationale Anerkennung und EU-Beitrittsaussichten eingehen muss.
Heute ging es schwer gegen Wind weiter den Vardar aufwärts. In den Pausen kristallisiert sich das Zlaten DAB als mein makedonischer Favorit heraus. Es ist ein Bier aus der Brauerei in Prilep. Die Dortmunder Aktienbrauerei hat hier wohl noch einen guten Namen mit der Marke DAB. Geht das Alles mit (Marken)rechten zu? Ich kann mich aus 2015 garnicht an den mazedonischen Rakija erinnern. Am Nachbartisch in Gradsko feierten einige echte mazedonische Helden. Der dicke Wirt ließ immer wieder die 1l-Rakija-Flasche kreisen. Ich bin hier in dem traditionellen Weinanbaugebiet, dem Tikves. Also muss ich doch mal den bernsteinfarbenen Stoff probieren. Daumen hoch!

Samstag, Oktober 05, 2019

Pella

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Ich besuchte in den letzten drei Tagen die großen makedonischen Königsorte: Aigai, der Hof des Phillip II. mit seinem Grab, Mieza, der Ort der Bildung des Alexander und Pella, Alexanders Hof. Oder besser ein Hof seiner Vertreter, der künftigen Diadochen. Er war ja unterwegs, um mit seiner Bande, die orientalische Welt zu erkunden und auszubeuten. Mit dem Geld konnte eine große Hauptstadt nahe am Meer und den wichtigsten Handelsstraßen erbaut werden. Die Agora in Pella war wohl eine der größten der hellenischen Welt. Pella, als eine der best erforschten antiken Stätten, und das zugehörige Museum war zu groß für die Auffassungsgabe des radelnden Ebs. Ich muss zu Hause noch einiges nachlesen. Das Museum ist nach Lebensaspekten gegliedert und jeder Aspekt überaus reichhaltig mit Artefakten ausgestattet. Ein interessantes Feld war der Rolle der Frauen gewidmet, die sich stark der Religion und dem Hexentum zugewandt haben. Dort gab es ein beschriftetes Artefakt (die Beschreibung des Materials habe ich nicht verstanden), wo Eine ihre Gedanken in einem nordgriechischen Dialekt nieder gekritzelt hat. Sozusagen ein Tweet. Diese Bildung und die Kenntnisse bedeuteten natürlich dann auch viel Respekt in der Gesellschaft, denn welcher hellenische Held (“Die hat Dinge gekannt!”) wollte es sich mit einer Hexe des Dionysos verscherzen. Keine Rolle in der Beschreibung im Museum spielten die Sklaven. Fast muss man glauben, dass es hier nur den Rat der Stadt am nördlichen Rand der Agora, die Handwerker und die Hexen gab. Aber vielleicht war es mit der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen schon damals in der Antike etwas komplexer.

Ich bin im Grenzort Gevgelija, Nordmazedonien. Die Nordmazedonier haben politisch korrekt die Kennzeichnungen am Grenzübergang sauber überklebt, während unten in Griechenland noch in kleinen Nebenschildern “FYROM” angegeben ist. Gevgelija ist so einer Art Reno des Balkans, für Las Vegas fehlt das Spektakuläre. Mir gegenüber läuft an einem Casino der Jackpot-Zähler: 1.625.144. Die Maßeinheit ist nicht angegeben. Der Kurs des Mazedonischen Denar zum Euro steht bei knapp über 60:1.

Donnerstag, Oktober 03, 2019

Die Schule des Aristoteles

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Die Ouzo-Spur ist abgebrochen und wird wohl nicht mehr aufgenommen. Die 400 ml aus dem wundersamen Hinterhof in Thessaloniki hatten mir den Mund früh mit Filz ausgelegt. Aber das nur nebenbei.
Gestern war ich im Großen Tumulus in Vergina. Es ist wohl das Grabmal von Philipp II., Vater von Alexander dem Großen. Dieses Königsgrab konnte 1977 in großen Teilen unversehrt ausgegraben werden. Das Hügelgrab besteht aus vier Grabkammern, von denen die Grabkammern II und III bis zur Ausgrabung intakt waren, Grabkammer I war schon in der Antike geplündert worden. Weiterhin befinden sich im Grabhügel die Überreste eines Tempels, das heroon als Tempel für den Grabkomplex. Die zwei unversehrten Gräber sind die einer Frau, eventuell die Thrakerin Meda, und die eines Mannes, eines Königs, wohl Philipp II., König von Makedonien. Man betritt das Hügelgrab durch einen Gang, nachempfunden den Grabeingängen makedonischer Gräber. Drinnen ist es dunkel, nur die Vitrinen leuchten. Und natürlich die Zugänge zu den Grabkammern. Blitzlichtaufnahmen oder Videos sind verboten. Eine faszinierende museale Installation.
Alexander war sich des Erbes von Philipp bewusst: Laut Arrian von Nikomedien motivierte er seine Truppen mit folgender Rede. „Philipp übernahm euch als Stromer und Arme; viele von euch weideten, in Felle gekleidet, ihre wenigen Schafe in den Bergen und kämpften ohne viel Erfolg gegen die Illyrer, Triballer und ihre Nachbarn, die Thraker. Er hat euch anstatt der Felle Mäntel gegeben, euch aus den rauhen Bergen in die Ebenen hinabgeführt, hat euch den benachbarten Barbaren im Kampf ebenbürtig gemacht, so daß ihr auf die Festigkeit von Forts nicht mehr vertrautet als auf eure eigene Tapferkeit und euch behaupten konntet. Er hat euch zu Bauherrn von Städten gemacht und euch gute Gesetze und Sitten gebracht.“ Diese Ebenen Makedoniens ist noch heute eine reiche Schatzkammer. Ich weiß jetzt, wie Kiwis angebaut werden. In dieser Gegend gibt es noch weitere viele Stätten des Königreichs von Makedoniens, wie Mieza. Bekannt ist die Stadt für ihr Nymphäum sowie dafür, dass Aristoteles hier von 343/342 bis 340/339 den späteren makedonischen König Alexander den Großen unterrichtete.
Aristoteles setzt sich erschöpft auf seine Säule im Nymphäum. Die Nymphen und der noch kleine Alexander sind zur Hofpause. Hoffentlich kommt der nicht gleich wieder mit seinem Knoten. Der alte Lehrer will seine Ruhe haben. Aristoteles hat ihm schon mehrfach erläutert, dass er das anders lösen muss. Die ewige Knobbelei an diesem Knoten führt zu nix. Und die Nymphen mit ihren neumodischen Scherben in der Hand, besonders diese Meda. Naja, dieser Schlampe hat er das Ding jetzt weggenommen. Philipp hat ihr das wohl geschenkt. Auch egal. Er nimmt die Scherbe in die Hand, in Gedanken verloren. Er hält es hoch: Aristoteles hat ein Selfie in seiner Schule gemacht.
Aristoteles macht ein Selfie

Mittwoch, Oktober 02, 2019

Thessaloniki

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Thessaloniki
Die Anfahrt war hügelig und in platter Sonne, aber doch leicht. Es waren nur knappe 50 km, bis zu meiner vorher reservierten “Premium Suite”. Da konnte ich viele Pausen machen und mich mit Bernd, dem Flugsimulator-Pilot, über den Start am Flughafen Thessaloniki austauschen. Die Flieger starten mir auf meiner schönen Restaurant-Terrasse genau in die Augen, bevor sie eine Linkskurve fliegen, vorbei am Olymp. Die “Premium Suite” im 5. Stock mitten in der Stadt ist ganz mein Stil: Man kriegt per Messenger zwei Zahlencodes für die Haus- und die Wohnungstür gesendet, man trifft keinen und muss mit keinem Menschen reden.
Thessaloniki
Ein Tag Großstadt. Diese Stadt hat eine abwechslungsreiche Geschichte. Einige der Spuren dieser Geschichte findet man in Löchern im Häusermeer. In der Tat, immer wieder gibt es Stellen zwischen den Häusern, wo man 2 bis 3 Meter hinab auf die gemauerten Spuren dieser Geschichte schaut. Der markante Galerius-Bogen als Teil der alten römischen Stadtmauer ragt natürlich weit heraus. Genauso wie die Rotunde, eine Art Engelsburg, wohl auch ein römisches Grabmal. Den Weißen Turm direkt am Kolpos Thermaikos hat der türkische Baumeister Sinan gebaut, ja genau der in Edirne mein Hotel baute.
Strudel von Musik und Lampen und wunderschönen Frauen
Jetzt gilt es noch die Ouzo-Spur zu erhalten. Ich befinde mich in einem Hinterhof, wo ein orientalisches Lokal ins andere übergeht. Es ist ein Strudel von Musik und Lampen und wunderschönen Frauen.

Sonntag, September 29, 2019

Chalkidiki

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Die von booking.com haben jetzt auch so eine Art Messaging-System. Am Vorabend dem Vermieter eine kurze Nachricht geschickt, fünf Minuten später kam er auf seinem Moped angesägt. Alles freundlich und problemlos abgewickelt. So konnte ich kurz nach dem Sonnenaufgang starten. In Ierissos gab es ein kleines Ouzo-Frühstück. Der Mann der Wirtin des Kaffenions, gegürtet mit jede Menge Patronen, kam gerade von der Jagd. Stolz wurde mir ein Feldhase mit blutigem Kopf im Plastikbeutel präsentiert. Der Hase machte große Augen.
An diesem Tag sind es nicht viele Kilometer geworden. Die Route nach Polygyros stellte sich als ausgesprochen hügelig heraus. Immer wieder sind Ketten mit ca. 300 Höhenmeter zu überwinden, mehr hoch als danach runter. Es gibt auch sehr wenig Dörfer mit Versorgung, eigentlich nur das Dorf Gomati. In den Hügeln ist gerade die Olivenernte im Gange, die großen Grünen. Beim Dorf Keli fand ich einen tollen Platz zum Zelten, ein kleiner Pavillon gab Sitzgelegenheit, nur 5 Meter hin in einem Pinienhain kriegte ich sogar die Häringe für das Zelt in den Boden.
Der Morgen weckte mich mit einem unfassbaren Licht, orange-golden kündigte sich am östlichen Horizont über dem Berg Athos der Sonnenaufgang an. Endlich mal eine Bofstelle nach den Regeln des Karpatenwilli, eine Stelle mit Weitsicht. Aber die Straße führte trotzdem weiter aufwärts. Im Dorf Vrastama auf gut 500 m Seehöhe wurde eine asphaltierte Straße nach Ormylia angezeigt. Laut mapy.cz geht es dorthin 11 km bergab und es gibt eine Verbindung zur Küstenstraße. Die angezeigte Größe von Ormylia verspricht auch eine Versorgung für ein Frühstück am Sonntag. Ich habe diesen kleinen Umweg gewählt, den landwirtschaftlichen Teil von Chalkidiki verlassen und mich im touristischen Teil an der Küste in Kalyves Polygorou mit Bier, Gyros und Feta-Salat verwöhnen lassen. Ich werde erst morgen Thessaloniki erreichen.

Noch ein Nachtrag:

Ich bin in Nea Kallikratia. Der geneigte Leser dieses kleinen Reisetagebuchs hat sich sicher schon gewundert: Er hat noch nix zum Essen geschrieben. Nun, ich möchte mich überraschen lassen und ein großer Teller voller Gyros ist in Griechenland keine Überraschung, nichts desto trotz eine leckere Delikatesse. Gestern fuhr ich an einer Ziegenkäserei vorbei, die sich mit einem Weltrekord rühmte, der größte Ziegenkäse wurde von der Guinness-Kommission mit knapp einer Tonne vermessen. Es galt also mal einen Ziegenkäse aus der Chalkidiki zu kosten. Hier im Restaurant “Ela Do Kollas” wird ein Talagani in der Karte angeboten. Ein Ziegenkäse an einer hausgemachten Zwiebelmarmelade. Dazu bestellte ich mir πιπεριές, scharfe Paprikaschoten. Der Ziegenkäse kam auf einem Teller, so übersichtlich und grafisch drapiert wie in einem x-Sterne-Restaurant. Es war keine Zwiebelmarmelade, eher eine Konfitüre, tatsächlich süß wie eine Konfitüre mit Zwiebel. Das passte natürlich gut zu den scharfen Paprika. Der Käse war köstlich mit all den Tunken aus Marmelade, Olivenöl und Paprika. Mir scheint, ich habe eine gewisse Aufmerksamkeit mit dieser Wahl und dem Schreiben jetzt auf mich gelenkt. Alles zu einem Retsina Limited Edition Κεχριμπαρι.

Freitag, September 27, 2019

Vor dem Heiligen Berg Athos

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Es hält sich in Grenzen, Ende September ist in Ouraoupoli der Tourismus praktisch abgeflaut. Das ist nämlich hier ein Paradies. Der Spruch “Zu Hause sei es doch auch schön” wirkt hier im höchsten Grade lächerlich. Ouraoupoli ist der Abgangshafen für die Mönchsrepublik am Berg Athos. Gegen 9 Uhr kommen sie alle aus ihren Hotels und Pensionen, die männlichen Pilger und etliche Ehrwürdige. Es sind in der Mehrzahl Serben, Bulgaren, Russen und Rumänen. Unter den Rumänen gibt es besonders viele junge Männer als Ehrwürdige. Die Russen bilden da eher zivile Himmelfahrtsausflüge. Die Fähre mit dem Kreuz über der griechischen Flagge verlässt in dreißig Minuten den Hafen. Ich habe genau hingeschaut, die Polizei verlässt sich darauf, dass bei der Visaerteilung das Geschlecht geprüft wurde. Ich nehme am Frauenprogramm teil und kaufe mir für 20 Euro ein Ticket für eine drei stündige Kreuzfahrt vor dem Heiligen Berg. Es ist eine ähnlich gute Entscheidung, wie damals die Fahrt nach Helgoland. Man kriegt in vielen Sprachen Europas die Geschichte von Athos und die der Klöster, die vom Boot aus gerade zu sehen sind, erläutert. Die Mönchsrepublik entstand praktisch als Ergebnis der 3. und 4. Kreuzzüge, als die fränkischen Ritter das christliche Konstantinopel erobert haben. Einige der Reliquien konnten vor den Plünderungen auf die Mönchsrepublik gerettet werden. Zum Beispiel das größte Stück des Kreuzes weltweit, woran der Jesus angenagelt wurde. Heute befindet sich diese mit Diamanten besetzte Kostbarkeit in einem der Klöster. Oder das Kloster des Hl. Pantaleon (griechisch Άγιος Παντελεήμων, Aghios Panteleimon, bekannter als Ρωσσικόν, Rossikon). 2005 pilgerte Putin dorthin. Solche Geheimnisse werden dem Touristen verraten, wenn er an dieser Kreuzfahrt teilnimmt. Immer wieder begleiten Delphine unser Schiff. Dann geht der Kapitän auf Schleichfahrt, um genügend Bilder und Videos zu ermöglichen.
Heute bin ich zu einer Radrunde gestartet, um mal an die Grenze der Republik heranzukommen. Es gibt einen Landweg parallel zur Grenze über die Halbinsel. Leider ist auf mapy.cz die Grenze nicht eingezeichnet. Hinterher auf OSMAND konnte ich erkennen, dass ich selbst auf meinen Abwegen nie näher als 1 km an die Grenze herangekommen bin. Trotzdem war diese Route durch die Reste der Pinienwälder ein Erlebnis. Drüben in Nea Roda habe ich dann den Mazedonier diesmal mit seiner richtigen deutschen Freundin wieder getroffen. Ich konnte ihm leider nicht mit seinem aus diversen Leitungen tropfenden Automobil helfen. Er scheint nicht nur die Weiber, sondern auch die Probleme aufzusammeln.

Mittwoch, September 25, 2019

Immer mehr in das griechische Leben eintauchen.

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Die Retsina-Spur erhält eine Schwester. Im nächsten Dorf an der Ostküste von Chalkidiki in Olympiada war die Zeit des Frühstücks gekommen. In einer Bäckerei fand ich ein gutes würziges Burek, am Strand war ein Kaffee offen. Der Wirt hat wohl meine neu- & gierigen Augen bemerkt, als er einem würdigen Op’ sein Frühstück servierte. Er war der Einzigste aus der Runde der Pensionäre, der schon gegen 9 Uhr einen Ouzo zu seinem Gedeck erhielt. Nach dem Kaffee und dem würzigen Burek verspürte ich noch ein wenig Durst. Ich bestellte mir einen Ouzo. Der Wirt hatte viele Fragen an mich, ich beantwortete sie all mit ja. Ich erhielt das gleiche Frühstück wie der Op’. Einen Ouzo, noch glockenklar, kaltes Wasser und einen Teller mit Leckereien: Sardinen, Oliven, Feta, Bohnen, manches davon in scharfer Tunke, eingemachte Gurken. 
Das wird mein künftiges Ouzo-Frühstück, großartig.
Der Kanal des Xerxes
Ich bin jetzt in Ouranoupoli auf Athos. Ich habe mir eine Ferienwohnung für 36 Euro pro Nacht für die nächsten zwei Tage gemietet. Ich komme gerade vom Abendbrot. Dort hatte ich zwei 80-jährige Tischnachbarn: Eine österreichische Pensionärin und ein (Nord)-mazedonisches Schlitzohr, der uns die Ohren fusselig gequasselt hat. Der Typ war Hans Dampf in allen europäischen Gassen und hatte zum wirklich letzten politischen Thema eine Meinung zum Kund tun. Und das alles in einer Rede ohne Pause und Übergang. Wir haben die gesamte balkanische Geschichte seit Alexander dem Großen bis zu den Jugoslawienkriegen durchgekaut. Spektakulär!

Dienstag, September 24, 2019

In der Ägäis gebadet

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Eine Nacht im Zelt zu dieser Jahreszeit ist lang. Ich bin gegen 20 Uhr auf die Iso-Matte. Acht Stunden später ist immer noch nachts und dunkel. Ich wälze mich hin&her. Dann beginne ich zu zählen, noch drei Autos und ich stehe auf. Es ist gegen 6 Uhr. Ich schaue aufmerksam in meine Schuhe, eine Schlange hat sich nicht rein getraut. Bald ist Alles abgebaut und am Rad verpackt. Nach 5 km erreiche ich das Dorf Mavrothalassa. Worauf ich in der Bäckerei zeige, wird leider mit Zucker&Zimt vergällt und mit einem Wiegemesser klitzeklein zerstückelt. Ich muss mir meinen Göffel aus dem Gepäck klauben. Mittlerweile bin ich wieder unten im Struma-Tal. Es gibt erste Hinweisschilder zu antiken Siedlungen. Dann erscheint der Löwe von Amfipoli. Es ist eine riesige Statue eines Löwen aus dem 5 Jhdt. v.C., gewidmet dem Trieren-Flotten-Admiral Laomedon aus Lesbos, einem engen Freund von Alexander dem Großen. Es ist aus Fundstücken in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts am vermutlichen Originalstandplatz wiederaufgebaut worden. Während der Balkankriege und später haben griechische und englische Soldaten bei einem Camp immer wieder Stücken des Löwens gefunden. So konnte man das Denkmal mit vielen Originalstücken rekonstruieren. Oh, jetzt kommt ein Bus, der spuckt Dutzende US-amerikanische Touristen aus. Sie wimmeln mit ihren Mobiles um den Löwen. Ich konnte noch in Ruhe auf den Erklärtafeln einige weitere Standorte von mazedonischen Stätten indentifizieren und mache mich schnell auf den Weg zum antiken Amfipoli.
Endlich sehe ich das Meer. Es mangelt heute an Sonnenlicht, es ist diesig, man kann den Horizont über dem Meer kaum erkennen. Die Straße ist gigantisch breit, parallel führt eine Autobahn, praktisch kaum Verkehr, es ist eine Lust zu Pedalieren direkt neben dem Strand. Es gibt hier viele Grundstücke zu kaufen, mit “seafront” ausgezeichnet. In den anderen Grundstücken stehen Autos mit bulgarischen Nummerschildern.
Ich bin jetzt in Stavros. Meine Vermieter eines reizenden Apartments für 35 Euro die Nacht sprechen russisch. Die Anlage heißt “Stefanides Appartments & Beach”. Nachdem ich eingecheckt habe, bin ich ins Meer gehupft, eine Wohltat.

Montag, September 23, 2019

Ein Sonntag auf der Plaka

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Ein Sonntag auf der Plaka.
Am Grenzübergang Ilinden in das Gebiet des Schengener Abkommens nach Griechenland wird noch fleißig kontrolliert. Die Grenze überquert man in einem 500 m langen Tunnel. Der liegt auf Niemandsland zwischen den beiden GÜSt’s, der bulgarischen und der griechischen. In K. Nevrokopi wurde gerade der sonntägliche Gottesdienst per Lautsprecher im Glockenturm ins Städtchen übertragen. Ich bin mal hoch zur Kirche, mein erster Eindruck täuschte mich nicht, meist nur Frauen kamen aus der Kirche. Die Männer saßen unten in und vor den Kaffenions. Meine weitere Route auf Nebenstraßen ins Dorf Perithori führte mich noch einmal unter den Alibotusch, der letzte 2000er des Pirin auf der Grenze.
Hier ist gerade große Kartoffel-Kampagne. Auch Sonntags gibt es Trupps von Frauen und Männern, die die Erdäpfel einsammeln.
Im Dorf Kato Vrondou beginnt der Aufstieg auf die südlichen Ausläufer des Alibotusch, dieser Gebirgszug trennt das Mesta-Tal vom Struma-Tal. Der Anstieg im Dorf ist gleich der steilste Abschnitt, den muss ich noch schieben. Doch dann wirkt mein neuer Antrieb mit dem kleinsten Blatt vorn. Ein Kaffegast zweifelte, dass ich es noch am Tag (gerade 16 Uhr) bis Serres schaffen würde. Er übernahm meine Rechnung des Kaffee Frappee und betonte die Wichtigkeit von Wasser unterwegs. Nach 10 km käme links eine Stell mit “gutem Wasser”. Dieser Mann teilt seine Rente zwischen Deutschland (Stuttgart) und seinem Dorf Kato Vrondou auf. Aber immer öfter in seinem Dorf, zwinkerte er. Damit war mein Ziel festgelegt, an dieser Wasserstelle eine schöne Zeltstelle finden. Für das Abendbrot hatte ich einen halben Liter Retsina und einige leckere Gebäckstangen mit Nuss und Mohn paniert. Tja Mu, damit ist die Retsina-Spur von 1993 wieder aufgenommen. Wir haben damals ja auch mit halben Litern angefangen, bis zum legendären Glasballon auf der Adria-Fähre.
Die Wasserstelle war verbunden mit einer kleinen Kapelle. Es kam noch der Pfleger dieser heiligen Stelle vorbei, er zündete die Ewige Lampe wieder an, richtete einige Blumen und sammelte den Unrat ein. Er warnte mich vor der Kälte, wir sind noch auf knapp 1000m Höhe. Es war eine gute Nacht, früh war aber alles vom Tau sehr feucht.
Die Straße führte lange immer auf dem Kamm lang. Die Abfahrt wurde noch von einigen Huckeln unterbrochen, bescherte aber eine grandiose Weitsicht. In Serres erhielt ich dann in einer Bäckerei ein wunderbares Frühstück: Kaffee griechisch, Aijran und zwei Burek mit Spinat und weißem Hirtenkäse. Die griechischen Vokabeln dafür werde ich wohl nicht mehr lernen.
Im unteren Struma-Tal wird auf etlichen Feldern Baumwolle angebaut. Vorhin sah ich den Landlord die Qualität prüfen. Es ist wirklich extrem feine Watte, die da an den Bein hohen Sträuchern aus Walnuß großen Knospen herausplatzt. Heute werde ich noch an den letzten Hügelkamm vor dem Meer heranfahren. Irgendwo in der Gegend eines Dorfes will ich was für die Nacht finden.
Gerade habe ich das Zelt neben einer Kneipe aufgebaut. Einer warnte, es sei ein Schlangenfeld. Macht nix, die Logistik zählt. Ich liebe diese griechische Tradition, dass zum Bier was zum Knabbern gibt, die mezes.

Samstag, September 21, 2019

Es rollert ...

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Es rollert, den Fluss Mesta abwärts. Alles was ich erzählen könnte, zeigt ein (zukünftig hier eingestelltes) Video meiner ActionCam. In meiner persönlichen Auffassung bin ich hier an der Grenze der antiken Landschaften Mazedonien und östlich der Mesta in den Rhodopen die Länder der Thraker. Heute ist diese Gegend von Pomaken bevölkert. In den Dörfern dominieren die Moscheen und die bunten Röcke und Kopftücher der Pomaken-Frauen. Am Wege steht ein Hinweisschild zur antiken Stadt Nikopolis ad Nestum. Dort wird eine befestigte Stadt aus dem 4. bis 6. Jhdt. ausgegraben. Eine der Ausgrabungen ist ein großes Badehaus mit Säuleneingang (die liegen aber noch rum). Auf kleinen Täfelchen wird das Heizsystem des spätantiken Bades erläutert: Das Hypocaust.
Auch in Bulgarien fehlen die Fachkräfte
Im nächsten Dorf bietet eine Firma mittels eines Banners an der Straße 2100 Euro monatlich für Fernfahrer. Auch in Bulgarien fehlen die Fachkräfte. Jetzt schaue ich über meinen ½ l Krug mit rotem Hauswein auf den Alibotusch. Etwas nervös für den nächsten Tag muss den Radler das linde Abendrot machen. Dann geht es über den Grenzübergang Ilinden nach Griechenland.

Freitag, September 20, 2019

48

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18.9.2019
Meine letzte Radtour in Bulgarien endete damit, dass, obwohl an meinem Rad ebsels geschrieben steht, es seiner Einzigartigkeit beraubt wurde. Ich musste meine 40-Loch-Nabe wegen des kaputten Freilaufs durch ein simples 6-Gang-Hinterrad mit 36 Speichen tauschen. Das war im Mai nach einer großartigen Runde durch Thrakien mit den vielfältigen Spuren dieser historischen Kulturlandschaft.
Vor genau einer Woche brachte mir der Herr Nöthling aus Jena mein repariertes Reiserad nach einer 10-wöchigen Reparatur. Nun trägt das Reiserad wieder zurecht meinen Namen. Hinten ist ein Tandemhinterrad mit 48-Speichen montiert. Der Antrieb ist erneuert. Meine Beinkraft überträgt eine hoch belastbare e-Bike-Kette auf die 9 Ritzel, präzise schaltbar. Es ist eine Freude zu pedalieren. Es hat sich außerdem gezeigt, dass der eco-Modus, den ich meistens mit dem e-Bike inzwischen gefahren bin, mich keineswegs verpimpelt hat.
Im Bus von Arda Tur in Brno
So konnte ich also gestern kurz vor 14 Uhr einen Bus von Arda Tur mit dem Ziel Pazardshik besteigen. Wie immer hat mich Gert würdig verabschiedet. Nach 13 Stunden Busfahrt mit bemerkenswert kurzen Stopps an den EU-Außengrenzen startete ich sofort meine Tour durch das historische Mazedonien. Ich will über Velingrad das Mestia-Tal erreichen, dann abwärts bis an die Küste der Ägäis zum östlichen Finger von Chalkididiki an die Grenze zum Kirchenstaat Athos. Weiter über Saloniki zur Schule des Aristoteles und nach Nord-Mazedonien in die Landschaft Tikves.
Vor den Rhodopen
Ich bin jetzt in Varvarski Bani. Überraschenderweise habe ich ein kleines Hotel für die erste Übernachtung gefunden.
20.9.2019
Der Nachtschlaf in einem Bett nach der Busfahrt hat mir gut getan. Draußen hat es ordentlich gedrascht. Ich steige auf die Rhodopen nach Velingrad in dem Tal auf, wo auch die berühmte Schmalspurbahn entlang führt. Viermal fährt das Bähnle zwischen Dobrinishte und Septemvri im Marizatal hin&her. Ich hoffe, dass ich in Velingrad hinauf nach Avramovo mitgenommen werde (mit dem Rad).
Fahrplan der Rhodopenplan
Ich habe mich dann gegen 9.19 Uhr an den Straßenrand postiert, um die Rhodopen-Bahn zu fotografieren, schön in einer Kurve. Leider ist der Fahrplan nur eine grobe zeitliche Leitlinie, es kam nichts. Erst eine halbe Stunde später, der Bahndamm führte schon 20 m höher als die Straße, konnte ich die Bahn hören. Sie fährt also. Die Straße #84 wird jedenfalls bis Velingrad sehr stark befahren. Da würde ich gern den nächsten Aufstieg auf 1300 m Höhe durch das Bähnle geschenkt erhalten. Der Aufstieg hierher an den Stadtrand von Velingrad auf 850 m Höhe war schon zünftig. Als langsam fahrender Verkehrsteilnehmer ist man auch in Bulgarien nicht beliebt. In Rechtskurven war es schon manchmal unbehaglich, wenn die Trucks eng ums Eck brummten.
Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert. Ich konnte tatsächlich nach 29 Jahren mal wieder mit der Rhodopen-Bahn fahren. Der Bahnhofsvorsteher bestätigte, dass ich mit Rad mitgenommen werde. Ich habe noch ein paar Schleifen durch die Spa-Hauptstadt des Balkan, wie die örtliche Abteilung für Tourismusmarketing für die Stadt Velingrad gefunden hat, mit diversen Einkehren gedreht. Einen richtigen Gepäckwagen hat das Bähnle nicht, ich habe mein Rad an das Zugende gestellt, arretiert mittels des gebogenen Lenkers am Griff der Wagenabschlusstür.
Dann ging es los, es rumpelte wie in alten Zeiten über echte Schienenstöße. Nach dem Jundola-Pass am höchsten Bahnhof der Strecke in Avramovo bin ich ausgestiegen, auf knapp 1300 m Höhe. Sofort begann die Abfahrt bei recht kalter Luft. Es dunkelt, wo kann ich schlafen? Ich fand einen schönen Platz. Aber schon 19 Uhr in den Schlafsack? Eine lange kalte Nacht. Ich bin noch bis Jakoruda in das Hotel Helier gerollert. Hier erhielt ich eine Übernachtung mit Frühstück, Mineralwasser-Spa und Yacuzzi für 40 Lv.

Donnerstag, Juni 20, 2019

Rhodopen nachgekartet

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Zwei Freunde & ich sind zu den Orten und Sehenswürdigkeiten spaziert, wo ich mit Fahrrad auf den letzten Touren nicht hinkam.
Дяволския мост – Teufelsbrücke bei Jagodina
Einstieg zur Schlucht von der Straße nach Jagodina und Buinovo aus
Aufstieg
Die Teufelsbrücke
Reservat Kasanite bei Gyovren, Trigrad
Wegweiser bei Gjovren, bis zum Dorf Mugla sind es 18 km
Erstmal furten. Früher gab es mal eine Brücke ...
... denn es war mal eine Straße
Im Reservat: Als der Weg verschüttet war sind wir umgekehrt.
Die Turlata, eine Festung der Thraker, Gela, Rhodopen
Der geheimnisvolle Berg Turlata
Höhle und antike Festung Kaleto bei Koshnitsa im oberen Arda-Tal
Kaleto bei Koshnitsa
Der Aufstieg zur antiken Festung führt durch den Berg
Auf der Festung
Höhle Uhlovitsa im oberen Arda-Tal
Während der Höhlenführung exclusiv für uns
Höhle Utrobata bei Kardshali
Aufstieg zur Höhle Utrobata
Das Genital der Mutter Erde
Grab des thrakischen Sängers Orpheus bei Tatul
Ein thrakisches Heiligtum bei Tatul, das Grab des Sängers Orpheus

Mittwoch, Mai 01, 2019

Zur Heimreise

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Olivennase (Kap Maslen Nos)
Ich habe im Angesicht der Olivennase (Kap Maslen Nos) in Primorsko übernachtet. Damit ist die heutige Etappe nach Burgas die letzte Etappe der Tour. Ich fahre nicht die ausgebaute Küstenstraße über Sosopol, sondern die Landpartie über Jasna Poljana. Der Weg führt am Rande des Ropotamo-Naturschutzgebiets lang. Ein Verkehrszeichen warnt vor Wild auf 9 km. Hinter Jasna Poljana habe ich dann Glück. 
Die Rotte
In ca. 100 m latscht ein Keiler über die Straße. Als ich absteige, sehe ich, dass die ganze Rotte neben mir im Eichenwald ist. Die Toppsau sieht den Eberhard auch dann gleich lüstern an - Angriffs lüstern. Um sie herum wimmeln etliche Überläufer und Frischlinge. Ich stelle erstmal das Rad zwischen uns, um dann die Kamera zu zücken.
Burgas
Gegen Mittag bin ich in Burgas, am Avtogara Sapad. Ich hatte vor Tagen im Internet versucht ein Busticket bei ARDA TUR nach Dresden für den Donnerstag, den 2.5. zu kriegen, doch der Bezahlprozess ist mit einem technischen Fehler abgebrochen. Am ARDA TUR-Büro kriege ich meine Fahrkarte. Morgen 8 Uhr check-in, Abfahrt 8.30 Uhr, nach voraussichtlich 30 Stunden bin ich in Dresden. Nun lasse ich Bulgarien ausklingen ...

Dienstag, April 30, 2019

Ich bin sie los

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Bei meinen Versuchen, was zu organisieren, erfuhr ich erstmal, dass es hier auch einen zweiten Osterfeiertag gibt. Es wird also erst am Dienstag einen Fahrradmechaniker in seiner rabotilnizata sich meines Rades annehmen wollen. Ich bin also als Wanderer und Tretrollerfahrer die reichlich 30 km bis Tsarevo am Montag angegangen. Das Höhenprofil aus mapy.cz zeigt sich hoffnungsvoll, 345 m aufwärts, 685 m abwärts, es gibt aber auch etliche Abschnitte ohne wesentliches Gefälle. Aber es fügt sich, ich habe sogar Muße mir Bulgari, das Dorf der nestinarki, der Feuertänzer, anzuschauen. 
Hier tanzen zum Namenstag von St. Elena & St. Konstantin die Nestinarki - die Feuertänzer
Endlich in Isgrev der letzte kleine Huckel, und dann kann ich mit ein paar Tretrollereinlagen bis fast an Schwarze Meer rollern. Nervös macht mich aber, dass keine Anzeichen für Fahrradgeschäft oder -werkstatt an den von GoogleMaps ausgewiesenen Plätzen zu sehen sind. Warten wir also auf den Dienstag, einem Arbeitstag, und gehen in das schöne Familienhotel “4 Seasons”. Burgasko bira.
Die Immobilienblase ist geplatzt
Der zweite Osterfeiertag zeigt sich in Tsarevo sehr ruhig, so ruhig wie eine mitteldeutsche Kleinstadt gegen halb Acht abends. Ich finde nur mit Mühe eine Kneipe mit einem ordentlichen Bier. Denn jeder Bierfreund weiß, die in Hafenstädten können kein ordentliches Bier brauen, so auch das
Nun heute der Versuch eine rabotilnizata, eine Werkstatt für mein Rad zu finden. Die Adressen zeigen auch heute keinerlei Anzeichen einer Geschäftstätigkeit. TrueRiders will erst laut Google gegen 12 Uhr aufmachen, ich gehe zu Carbonbikes. Google sagt hier, dass es schon seit 8 Uhr am arbeiten ist. Ich rufe die angegebene Rufnummer an, während unseres Radebrechens auf Englisch kommt ein junger Mann mit Telefon am Ohr auf die Straße. “I’m not a professional!” Zu seiner großen Verwunderung zeige ich ihm die Google-Anzeige. Er macht seine Garage auf, dort hängen ca. 20 brandneue Räder aller Coleur, aber kein Carbonbike. Sein Vater, der Bäcker, ist gerade zu einem Radwettbewerb auf einer griechischen Insel. Der hat wohl das Carbonbike mit. Ich baue mein Hinterrad aus, er holt ordentliches Bikewerkzeug aus der Wohnung drüber. “I will fix it!”. Er wird mich zurückrufen, wenn er eine Lösung vorschlagen kann. Das dauert nur knapp 20 Minuten. Er schlägt mir ein komplett neues Hinterrad vor. Die Aufnahme für die Ritzelkasette ist komplett in zwei Hälften zerbrochen, die Innereien des Freilaufs liegen zermatscht auf dem Boden seiner Garage. In der Tat, da ist nichts mehr zu machen. Wir diskutieren noch einige Lösungsmöglichkeiten, deren Lösungen sich alle aber auf das 70 km entfernte Burgas konzentrieren. Wir wechseln meine Bereifung auf das Ersatzrad mit einem 6fach Ritzel. Alles wird montiert und ich mache eine kleine Proberunde, ich kann schalten. Ein Risiko bleibt, weil ich nicht mehr meine Schnellspannachse montieren kann. Für die klassischen Hutmuttern werde ich keinen Schlüssel haben, dieser Schuss muss bis Burgas sitzen. Was wird aus meiner 40Loch-Sputnik-Felge … die bin ich los. Ich lasse die Altteile alle da. Ich gebe Stojan 30 Leva für seine Arbeit.
Frohen Mutes, dass ich wieder pedalieren kann, gönne ich mir eine Enttäuschung - Arapija. Es war vor 37 Jahren:
1982: Camping Arapija, die Zeit der "Sandalen"
Detlef und ich kommen gerade von einem Ausflug auf dem Ropotamo-Fluss zurück, da erzählt uns Wuschel: “Der Lothar ist krank!” Er hat unsägliche Unterleibsschmerzen, wir diagnostizieren Entzündung des Blinddarms und suchen einen der DDR-Touristen, der Loth ins Krankenhaus nach Mitschurin fahren könnte. Viele Absagen, erst Dietmar Richter-Reinick aus dem Fernsehen startet sofort seinen Warti und fährt Loth ins Krankenhaus.
Hier standen einst unsere Zelte
Dietmar Richter-Reinick würde sich im Grabe rumdrehen, wenn er seinen Zeltplatz heute sehen könnte. Chaos zwischen vergammelten Wohnwagen, Betonlieferanten für eine weitere Investruine und einigen Heimwerkern, die sich an ihren Dauercamperplätzen einrichten.
Drehort für das "Miesmuschelmassaker" und das "Messerdrama"
Ich bin zur Insel runter, dem Drehplatz für das “Miesmuschelmassaker” und dem “Messerdrama” in unserem ersten Unterwasserfilm. Die Kneipe, wo ich gerade mein zweites Kamenitsa verkasematuckle, steht wohl am selben Platz, wo früher das skara bira war. Dort, wo wir zum Kartenspiel jeder eine Flasche Rotwein und zusammen eine Flasche Sljantschev Brjag tranken. Dazu lief abwechselnd bulgarische Folklore und Rod Stewart, der Soundtrack unseres Filmes.

Sonntag, April 28, 2019

Der Hohe Tag - Velikdjen

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An der Kreuzung nach Malko Tarnovo wähle ich zu beginn einen anderen Weg. Eine der Wandertafeln weist einen Weg zu diversen heiligen Stellen, einer Mineralquelle und einer alten Brücke. Aber bald wird der Weg mit Gepäck nicht mehr befahrbar. Interessant ist, dass hier hinten scheinbar halb wild Pferde leben. Wie Rehe beäugen sie den radelnden Störenfried, um dann in den Wald abzuhauen. 
Das Pferdchen war besonders nervös - hat die ganze Herde in den Wald gehtzt

Ich wende und fahre in die Stadt hinein. Die Familien streben dem zentralen Platz mit zwei Kirchen zu, einer orthodoxen und einer griechisch-katholischen. Ich kann sie nicht auseinanderhalten, es steht auf einer Infotafel zur Geschichte der Stadt Malko Tarnovo anläßlich des hundertsten Jahrestag der “Befreiung 1913 vom osmanischen Joch” - Textzitat in meiner eigenen Übersetzung. 
Ostern in Malko Tarnovo
Ich setze mich mit einem Osterbier vor ein Bistro und beobachte das feierliche Treiben. Nach und nach kommen einige Damen und ein Herr in Tracht, sie werden wohl nachher ein wenig Programm tanzen. Es ist ein grün umranktes Karussell und zwei Schaukeln aufgebaut. Das Karussell wird von einem drahtigen Grauhaarigen angeschoben. Eine Karussellfahrt der Kinder wird mit einem geweihtem Ei bezahlt - oder einem halben Leva.

Das Eier-Karussell
Ich schrieb mal in diesem Blog: Mit jedem Kilometer nach Osten auf dem Balkan wird der Rakija milder. Nun bin ich im Gebiet Burgas. Der Burgasko Rakija ist die Krone.
Es hat schon immer mal geknarzt in meinem Freilauf am Fahrrad, nun ist er völlig im Arsch. Noch pedaliert es sich, ich komme über den kleinen Pass vor der langen Abfaht in das Tal des größten Flusses des Strandsha - der Veleka. Während der Abfahrt rasselt es immer wieder, unten ist alles kaputt, es hakt nicht mehr ein zum Trampeln, freier Lauf nach hinten und nach vorne, vom Fleck komme ich nicht. Mit Schieben und Rollern komme ich noch bis Grammatikovo. Hier gibt es ein tolles Jagdhotel mit großartiger Küche, wo ich mein Malheur vergessen kann. Die Juniorchefin kann Deutsch, mal sehen, ob ich morgen was organisieren kann. Bis Tsarevo sind es 30 km, leider nicht nur Berg ab.

Samstag, April 27, 2019

Aufstieg ins Strandsha-Gebirge

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Obwohl ich gestern noch zu etlichen Bier in den Kneipen von Kirklareli war, habe ich heute früh den Hotelportier aus seinem Nachtschichtschlaf geweckt. Für den Aufstieg habe ich mich mal wieder von mapy.cz inspierieren lassen, um die E87-Autobahn zu meiden. 
Aufstieg in Strandscha-Gebirge

Wollsack-verwitterte Granitfelsen
My way
Die Nebenstraße über Kuzulu führte mich in eine großartige Landschaft voller Wollsack-verwitterter Granitfelsen. 
Das Hirtendorf Kuzulu
Kuzulu stellte sich als wirklich urtümliches Hirtendörfchen heraus, “Kuzu” ist das Lamm. Endlich erreichte ich nach einem steilen Aufstieg auf Makadam-Straße den Highway.
Auf dem Highway zur Grenze
Bis auf wenige hundert Meter war vom Verkehr nichts zu hören. In der Tat, wenig Verkehr, breiter Randstreifen und es rollert sogar gut bergauf. Ich werde die CZ-Radweg-Empfehlungen wieder ignorieren. Dann ein Wegweiser zu einem Restaurant links rein in die Wildnis des Strandsha. Welch eine Entdeckung: Ein rothaariger Türke aus Bulgarien wies mir sofort in Englisch einen Platz an und protzte mit der Küche aus einheimischen Fisch und Fleisch. Ich wähle eine Lammfleisch-Pfanne (gjuvetsch) und Salat. Das ist mal eine Idee für die lausigen Bosnier mit ihren kalten gegrillten überteuerten Lamm. Das gegrillte Lammfleisch ist im gjuvetsch noch mal scharf angebraten worden und siedend heiß serviert, ein Leckerbissen.
Ich mache eine 3-Bier-Pause, es sind wohl nur noch 12 km bis Bulgaristan. Jetzt sind gerade noch drei mächtige Osmanen gekommen. Hier in der Strandsha-Wildnis kriegen sie eine Flasche Yeni Raki und Bier auf den Tisch. Der Aufstieg zieht sich, es gibt immer mal wieder ein paar Abfahrten, die muss ich dann aber wieder rauf. Für den türkischen Grenzübergang ist dann eine Höhe von 685 Meter ausgewiesen. Die Straßenbreite wird vor dem Grenztor auf ein Viertel minimiert. Die Abwicklung ist zügig und für mich als bisikletçiler problemlos. Noch vor der bulgarischen Passkontrolle gibt es wieder die Desinfektionswanne wie 1993. Jetzt wird das Fahrzeug aber zusätzlich besprüht, Kostenpunkt 3 EUR für einen polnischen Touristen. Die Begründung für die Desinfektionsanlage steht auch in deutsch dran: Hier wird die EU seit 2014 vor der Afrikanischen Schweinepest geschützt. Auf türkischer Seite sind mir kurz vor der Grenze Achtungsschilder vor Wildschweinen aufgefallen. Möge uns der außerordentlich hohe Grenzzaun, der sich links im Wald bei der Anfahrt zum türkischen Übergang entlang zieht, auch vor der türkischen Wildsau schützen.
Der Weg zur "Großen Anlage"
Die einst Geheimnis umwitterte “Große Anlage, Goljamo gradishte” ist heute auf einem Wanderweg zu erreichen, dazu weitere thrakische Kultstätten. Was einst strenger Eiserner Vorhang war, ist heute der Naturpark Strandsha, find’ ich gut. Ich bin mir noch nicht so richtig im Klaren, wie es morgen weiter geht. Auf der Hauptstraße ist es bis Burgas nur noch 85 km. Ich bin jetzt in einem Motel an der Straße nach Tsarevo (former Mitschurin). Da waren wir in den Achtzigern auf dem Campingplatz “Arapija” zum Tauchen.

Freitag, April 26, 2019

Landpartie

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Nach dem Ruhetag zum Eingewöhnen in die Gepflogenheiten des Morgenlandes bin ich zu einer Landpartie aufgebrochen. Früh habe ich mich noch von meinem Frühstücksuppenkoch verabschiedet und wieder seine würzige Suppe verkasematuckelt. Die frittierten Tschuschkis verschmähe ich diesmal, haben früh doch noch am Ärchlein arg gebrannt. Die Etappe soll mich nach Kirklareli unter dem Strandscha-Gebirge bringen, ca. 65 km. Es ist eine Gegend ähnlich dem Thüringer Becken. Die Straßen führen in der Regel schnur gerade quer zu den Tälern, huckelig. Ringsum mittelgroße Getreide- und Rapsfelder, zwischendurch mickrige Weiden. 
Das Dorf Habiller
Im kleinen Dörfchen Habiller werde ich sehr freundlich in die Tee-Runde der Herren eingeladen. Einer ist vor ein paar Monaten nach zehn Jahren Nürnberg wieder heimgekehrt und hat sich einige Kühe und 7 Kälber gekauft. Nach Jahren auf dem Bock eines LKW, der Kartonagen durch Thüringen gefahren hat, ist er wieder Bauer geworden. Es ist schon schwer für mich, immer diese süßen Getränke, das Wasser ohne Gas. Da macht das Durstlöschen gar keinen Spaß. Aber jetzt in einem kleinen Wäldchen vor Inece gibt es kleines Restaurant, wo ich mein Fahrrad an TUBORG-Kästen anlehnen kann. Und in der Tat, der freundlich Köfte-Wirt hat einen großen Kühlschrank voll TUBORG. Ich erhalte eine ordentliche Portion der kleinen Köfte-Klöpse, gut gewürzt ein Leckerbissen zum liebsten Getränk des radelnden EbsEls. Dann kann ich noch helfen, ein Iglu-Zelt aufzubauen. Mein Beitrag: Die Zeltstäbe müssen gekreuzt werden. Ich habe den Muselmännern das Kreuz beigebracht. Von dieser wunderbaren Pausenstelle war es nur noch ein Katzensprung bis Kirklareli. Schnell ein Hotel gefunden, direkt neben der Kneipengasse. 
Meine Kneipe in Kirklareli
Hier gibt es zur Begrüßung im Pub eine gegarte Miesmuschel mit Reis, es ist nicht mehr weit bis zum Schwarzen Meer.

Donnerstag, April 25, 2019

In Hadrianopel

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Ich sitze beim türkischen Kaffee im Ottomanischen Garten des Jahrhunderte alten Tashan Hotels in Edirne, einst die Stadt Hadrians, Sohn des Trajan, einem römischen Imperator geboren 76 A.D. Leise klingelt Musik eines orientalischen Saiteninstruments, neben mir plätschert ein Brunnen. Dazu gibt es baklava, das Honiggebäck des Morgenlandes. Die 72 Jungfrauen sind außer Haus.
Nun aber zu den weltlichen Dingen, dem Essen. Schon am Morgen konnte mich ein mächtiger Suppenkoch überzeugen. Freundlich ließ er mich in seine Töpfe gucken. Seine Ishkembe, eine beige Suppe, ausgekocht aus den Mägen der Rindviecher. Dazu lüftete er die Beigabe, fein geschnittener gekochter Pansen, schneeweiß. Das gehört zu den wenigen Dingen, die ich nicht esse. Im anderen Topf war eine orangefarbene Suppe. Mercimek Corbas, eine Suppe aus roten Linsen. Dazu serviert er mir knusprig frittierte scharfe Paprika-Schoten. Auf dem Tischchen steht großzügig Brot und eine umfangreiche Menagerie Gewürze. Ein wirklich leckeres Frühstück. Zum Mittag was Gesundes: Ein Sirloin-Steak und viel Gemüse. Hey, das ist kein Witz! Ja, nicht so saftig wie bei Mario zu Weihnachten, aber günstig und lecker. Jetzt sitze ich beim türkischen TUBORG im Kendine Has.
Eingang in den Hof der großen Selimiye-Moschee
Vielleicht bin ich etwas zu früh aufgestanden, noch nicht viel los auf den Straßen und in den Gassen. Ich besuche die große Selimiye-Moschee. Diese Moschee wurde vom Baumeister Sinan in den Jahren 1568 bis 1575 entworfen und unter seiner Leitung erbaut. Das Bauwerk bezeichnete Sinan selbst als „sein Meisterwerk“. Es ist heute Weltkulturerbe. Verbesserungspotenzial ergibt sich im Vergleich mit anderen Moscheen: Die Bunte Moschee in Tetovo stellt Schuhlöffel für die Besucher zur Verfügung. Überall finden sich in der Stadt Flächen mit vernachlässigten Ausgrabungsgebieten.
Der "mazedonische" Turm
Gleich neben meinem Hotel der mächtige “makedonische” Hadriansturm und daran angrenzend etliche römische Töpferöfen und die Fundamente einer byzantinischen Kirche aus dem 10. Jhdt. Der mazedonische Turm ist das einzige erhaltenen Gebäude aus der Stadtmauer, die vom römischen König Hadrian erbaut wurde. Durch die vielen Moschee-Besuche sind mir die Schnürsenkel gerissen. Doch der Fachhändler im Großen Basar (seit 1571) schenkte mir ein Paar neue Senkel, nach fachmännischem Blick genau passend.

Borderstories

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Das Frühstück im kutzscha sa gosti war sehr gut, dazu gab es kleines Näpfchen selbst gemachte Marmelade, handbeschriftet mit der Telefonnummer des Hauses als Souvenir. Schnell war ich an dem kleinen Grenzübergang nach Griechenland.
Gestern habe ich ein wenig mit einem Bulgaren, Inhaber eines kleinen Ladenzentrums, geplaudert. Er war stolz, dass in Ivailovgrad nur Bulgaren wohnen, dazu ein paar Deutsche und Engländer. Es gäbe keine Türken, Griechen und Schwarze. Hitler wäre ein guter Mann gewesen, bis auf die Dummheit, sich mit den Russen anzulegen. Meine Reiseroute nach Burgas über die Türkei wollte er mir ausreden. Dann im ersten größeren griechischen Dorf, in Fylakio, wieder die Warnung vor dem Nachbarn. Es wäre doch viel schöner in Griechenland, und von Igoumenitsa könne man nach “Napoli” und Rom. Die Unterhaltung führten wir in Deutsch. Der Gast forderte immer wieder den Wirt auf, mit mir doch Deutsch zu reden.
Eine Radelstunde durch Griechenland
In Ritsia fährt die Bundespolizei Streife. Mein Nachbar in der Kneipe, wo ich noch mal ein paar Bier auf Vorrat pichelte, sagte, dass sie hier drei Polizeitruppen haben: Die griechische Grenzpolizei, die deutsche Bundespolizei und die FRONTEX-Polizei. Das seien die im Tarnanzug und Militärfahrzeugen. Die Grenze kündigt sich mit Verbotsschildern zum Fotografieren an. Dann folgen rechts und links ein paar befestigte Militärstellungen. In einem Hain liegt die Kontrollstelle, die Abwicklung mit einem Ausweis, der was gilt, geht reibungslos. Man kann noch schnell einen großen Duty-Free-Shop besuchen. Dann einige hundert Meter eine schmale Stacheldrahtgasse (das ist kein LKW oder Bus-Übergang) zum türkischen Kontrollpunkt, wo alles etwas weniger martialisch aussieht. Ich werde herzlich begrüßt und bin zum ersten Mal in meinem Leben in der Türkei. Wie schon in Griechenland ist das hier eine landwirtschaftlich fruchtbare Gegend bei der Mündung der Arda in den Evros/Mariza/Meric, viel Gemüse und Obstanbau auf beiden Seiten. Dann erreiche ich bald den Vorort von Edirne mit der Thrakischen Universität. Leider ist immer noch nichts von einer Geldwechselstelle zu sehen, obwohl rechts und links es viele gastronomische Angebote gibt.
Die Brücken vor Edirne
Ich überquere den Evros/Mariza/Meric auf zwei alten türkischen Brücken. Sie verlaufen bis zur Mitte aufwärts, es kommt der Divan, dann rollert es auf Marmorplatten abwärts. Und dann … der orientalische Alptraum, wimmelnde Basargassen. Hinter mir hupen die Autos, vor mir huscht ein Servierer mit einem Tablett mit fünf vollen Caj-Gläsern zum LED-Lampenhändler.
Saraçlar Caddesi
Ich versuche dann in einem Bankgebäude der Türkischen Staatsbank mein Glück mit Geldwechsel. Und tatsächlich, der Wärter weist mich zu einem Schalter, wo ich nach umständlichem Prozess und mehrmaligen Zählen meiner drei 50 Euro-Scheine im Automaten einige Hundert türkische Lira (Kurs ca. 1 EUR / 6 TL) erhalte.
Im alten Tashan-Hotel
Ich finde im Internet für zwei Nächte Unterkunft in einem der ältesten Hotels der Stadt, das Tashan Hotel. Hier hat wohl schon der berühmte Architekt des Sultan Selim II., Sinan Pascha übernachtet. Diesen Text schreibe ich in einem schönen Parkrestaurant beim mittlerweile vierten Tee. Neben Tee und weiterne kalten und heißen süßen Getränken kann der Mann sich die Nargileh, die Wasserpfeife bringen lassen. Es weht ein aromatischer Duft von den Tischen. Mir gegenüber sitzt ein Paar. Sie, eine rassige Orientalin, daddelt mit dem Mobile rum, ihr Mann nuckelt an der Nargileh und daddelt mit dem Mobile rum. Ein Cafe&Pub by Jön habe ich gefunden. Dort bekam ich ein in der Türkei gebrautes Tuborg. Ich durfte nur nicht mit dem Bier draußen sitzen.