Mittwoch, Oktober 05, 2011

Fünf Tage goldener Herbst

0 Kommentare
Goldener Herbst
Roswitha, Helmut und ich nutzten die Chance des tollen Wetters für eine Tour auf die Kuppen des Český les, des Böhmischen Waldes. Dieses Gebirge heißt auf bayrischer Seite Oberpfälzer Wald. Ein Thüringen-Ticket bringt uns nach Cheb.
Egerländer Fachwerk
Auf den ersten Kilometern finden wir beeindruckende Höfe im Egerländer Fachwerk.
Wegweiser bei Zdar











Unser Weg führt entlang des Radweg #36. Ich bin ganz begeistert von der logischen und durchgängigen Ausschilderung des Radwegnetzes in Czech-Land. Mit ein- und zweistellige Nummern werden überregionale Wege bezeichnet, dreistellig steht für Tagestouren, vierstellig sind Verbindungen und Abstecher zu Sehenswürdigkeiten. Unterwegs findet man Hinweise auf den Weg immer an den erwarteten Stellen.

Nein, nicht Siebenbürgen: Tachov
In Tachov finden wir eine schöne Altstadt. Dann folgt der Weg #36 fast nur noch den alten Kolonnenwegen des ehemaligen Grenzstreifens. Die sind mehr oder weniger grob aphaltiert.


Die alten Kolonnenwege








Viele der Dörfer im Grenzstreifen waren überwiegend durch Deutsche besiedelt. Das sind seit '46 nur noch Wüstungen. Auf den Schildern wird Das euphemistisch "die verlorenen Dörfer" genannt.

Zelt nass vom Tau einpacken




Für unsere Zelte fanden wir immer schöne Plätze: In Broumov direkt im Dorf auf der Allmende neben dem Tennisplatz. Auf einer schönen Waldwiese mit röhrenden Hirschen ringsum und auf einem Biwakplatz am Berg Čerchov.

Am Fluss Regen




Bei Furth im Wald sind wir dann rüber nach Bayern.

In Regensburg reicht es noch für den Besuch der mittelalterlichen Wurstkuchl bevor die Regenwolken übernehmen.

Sonntag, Juli 10, 2011

Auf der Heimreise

0 Kommentare
Blaj / Blasendorf: Vor den Sachsen waren schon die Römer da
8.7.11 Nach Alba Julia radeln
Hallo Detlef, soweit schaffe ich es nicht mehr bis Kosice ... obwohl ich das schon ein wenig ins Auge gefasst hatte. Ich bin bis die Nähe von Teius unseren Weg über Mediasch/Medias, Kleinkopisch/Copsa Mica und Blasendorf/Blaj geradelt. Praktisch wird kein Wein mehr angebaut im Kokeltal, nur noch privat bei ein paar Leutchen im Garten. Der Kokeltaler Altschloss ist also damit auch Geschichte. Aber er scheint 1996 auch schon nicht mehr geschmeckt zu haben.

Kneipe am Bahnhof in Alba: Mancher wird's kennen
9.7.11 Die Heimreise beginnt
Ich war noch kurz bei Costel im Geschäft in Alba Julia. Doch nur Monica, seine Frau, angetroffen. Er war zu irgendeinem Orientierungslaufen-Wettbewerb. Ich will mal hoffen, Schuhe verkaufen. Aber der Zug fuhr 11.30 Uhr am Sonnabend ab.



10.7.11 Wie ein Hai, immer in Bewegung
Ich bin jetzt in Budapest und habe für morgen einen Platz für mein Fahrrad in einem Zug nach Dresden bekommen. Ich will nicht weiter die Korruption bei unseren ehemaligen Bruderländern in der EU unterstützen. Bei den Rumänen hat das Fahrrad im Zug 50, bei den Ungarn dann nochmal 100 Lei Kaffeegeld gekostet, aber was soll's. Das Radl hatte eigentlich einen ganz ordentlichen Platz am Ende des Zuges mit vier Waggons. Doch wie immer, die Klimaanlage fiel ab Simeria aus, in Curtici haben sie sich nicht getraut den Wagen den Ungarn zu überlassen. Also Radl umladen, wieder guten Platz gefunden und nach dem Zugwechsel bei den Ungarn, fiel auch dort die Klimaanlage aus, eine Katastrophe.
Weinschorle an der Kleinen Donau
Hier in Budapest ist eine Affenhitze, 42°C zeigt die Anzeige am Gellert-Hotel. Da hat sich der Ebs wie der Hai verhalten, ständig in Bewegung bleiben und pedalieren. Ich war auf der großen Donauinsel im Süden der Stadt. Dort gibt es an der Kleinen Donau viele schőne Anglerkneipen.
Also, morgen sollte der Zug nach Fahrplan gegen 14 Uhr in Dresden sein.

Viele Grüße (bereits in Rückfahrklamotten)

Donnerstag, Juli 07, 2011

In Schässburg

2 Kommentare
Mehburg / Beia
7.7.11 In Schässburg
Es hätte ein leichte Tour werden können. Doch wieder galt es, mich zu entscheiden zwischen einer Hauptstraße mit vielen LKW oder der siebenbürgischen Landschaft, mit einer Logistik auf Ceaucescu-Niveau. So habe ich einige weitere Kirchenburgen auf einer Nebenstrecke östlich der Europa-Straße nach Schässburg abgehakt und bin nach Merburg/Beia gekommen. Normalerweise gibt es aus diesem Dorf kein zurück. Ich bin mir sicher den Einzigsten mit Einkommen nach dem Weg heraus gefragt zu haben, er fuhr einen uralten Roller. Er wies mir den Weg nach Roades/Radeln, alle anderen Wege wären noch schlechter.
Auf dem Weg nach Radeln / Roades
Ich habe mich bestimmt durch 100 Schlammlöcher gekämpft, bis ich auf eine gute Forststraße gekommen bin. Diese Wanderung dauerte 3 Stunden. In Radeln dann die letzte Kirchenburg abgehakt. Die Erkundung im Dorf führte mich zu einem dieser zigeunerbunten Häuser, ein Fenster mit Brandmalen. Dort heraus schaute plötzlich eine Frau und ich glaubte, jetzt Hänsel und Gretel retten zu müssen. Ich traute mich nicht zu fotografieren.
Den Weg nach Bunesti zu Herrn Wagner gesucht. Der ist heute noch als Kirchenbeschließer in einem Prospekt aus dem Jahr 2005 ausgewiesen. Leider kannte den niemand von den Befragten in Bunesti. Seine Kneipe scheint es nicht mehr zu geben. Dann in Saschiz konnte ich aber mit einem ganz relaxten Herrn aus Nürnberg schwätzen, der jeden Sommer nach Saschiz in seinem Haus zurückkehrt. Dann wieder mit den LKW um die Wette bis Schässburg und mit großem Respekt mein Fahrrad auch die Schülertreppe hochgetrage, nun schon die zweite berühmte Treppe.
Die Küsterwohnung an der Bergkirche
Einige Fotos im letzten Büchsenlicht von der Küsterwohnung geschossen. Leider konnte ich den Namen auf dem Klingelschild nicht erkennen. Ein kleiner Zaun versperrt heute den Zugang. Aber sonst noch alles so wie damals, schluchz.
Ich bin im Hostel Nathans Villa untergekommen. Nathan ist ein '96er Schüler vom Haltrich/Gymnasium und ich kann mich mit ihm sehr gut auf deutsch unterhalten. Wir haben zwei Bier lang miteinander geschwätzt, sehr aufschlussreich.

Mittwoch, Juli 06, 2011

Im Burzenland

1 Kommentare
2.7.2011 Wieder die Karpaten im Blick (115 km)
Heute steht eine Verbindungsetappe von Galati zu den Vorbergen der Karpaten an. Für eine Rumänien-Durchquerung bin ich bezüglich Karten nicht richtig vorbereitet. Ich muss erstmal eine vernünftige Straßenkarte kaufen. Gestern beim Abendspaziergang habe ich keine librarie (Buchhandlung) gefunden. Also suche ich jetzt die hier überall ausgezeichnete OMV-Tankstelle auf. Dort gibt es eine sehr gute Karte von ganz Rumänien (aufgeteilt auf vor und Rückseite, mit reichlicher Überlappung). Ein Tankstellenkunde weist mir auch gleich den rechten Weg Richtung Focsani, nachdem ich ihm auf meiner neuen Karte meinen Tourenplan erläutert habe.
Wieder die Karpaten im Blick
Bis nach Hanu Conachi folge ich der Hauptstraße nach Focsani, um dann links Richtung jud. Buzau (Râmnicu Sărat) abzubiegen. Der Name Hanu Conachi täuscht nicht, es gibt tatsächlich an dieser Abzweigung zwei schöne Gasthäuser. Ich setze mich in das hanul mit den meisten einheimischen Gästen. Es gibt ein schönes tocanita, mmmh. Das ist eine Art Bratkartoffel-Pfanne mit viel Zwiebel und Paprika, hier mal ohne Fleisch.
Jetzt bin ich endlich auf verkehrsarmen Straßen. Beim nächsten Bier in Tătăranu komme ich mit einem Maurer ins Gespräch, der sich schon in vielen Ländern Europas verdingt hat. Er gibt mir dann auch sehr eindringliche Ratschläge für die korrekte Wegführung nach Râmnicu Sărat. Es wird eine schöne Landpartie und nach wenigen Stunden kommen auch die ersten Berge der Karpaten in Sicht.
Ich komme mit vielen guten Leuten ins Gespräch, soweit eben meine paar Worte Rumänisch reichen. Mich beeindruckt die burschikose Wirtin mit dem flotten Kurz­haarschnitt, wie sie die ganzen angetüterten Kerle in Schach hält. Ich bin in einem Weingebiet, hier erhalte ich gespritzten Wein vom Hahn. In Râmnicu Sărat kündigt sich wieder ein Regen an, es ist Abend und ich nehme das Angebot der ausgezeichneten pensiunea an. Dort ist gerade eine Hochzeitsfeier im Gange, ich darf einen Kognak auf das Wohl des Brautpaars trinken, dann lässt man mich in Ruhe.


3.7.2011 Eine Sonntagstour
Ich erreiche gerade wieder von der Pension aus die Straße als der Regen einsetzt. Ich hoffe, dass das schnell vorüber ist und gehe in die Eckkneipe. Hier gibt es wieder eine gehaltvolle Weinschorle. Das war so gegen halb Neun. Der Regen hört erst kurz vor Elf auf. Wieviel Wein ich für die Überbrückung verkasematuckelte, bleibt mein Geheimnis.
raul Slanic
Gestern habe ich mich, auch hier im Tagebuch, über die Straßenkarte gefreut. Heute erkenne ich den wahren Wert dieser Karte. Ich suche mir die Straße DJ 203A und DJ 203K nach Nehoiu aus. Diese Strecke führt in das Gebiet, wo ich den Salzkarst vermute, den Karpaten-Willi so begeistert geschildert hat. Ab Mărgăriteşti hat der Regen den Weg ziemlich aufgelöst. Wenn auch mein Zelt wieder aufbaubereit ist, ich habe wieder einen Grund für eine pensiunea: Ich bin völlig vom aufgespritzten Dreck des Feldwegs mit der Nummer DJ 203A eingesaut. … und was für ein Glück: Bei Niculești finde ich das Werbeschild der Pension Gabriela in Vintila Voda. Hier liegt ein Tourismus-Prospekt des jud. Buzău aus und bestätigt, dass ich nicht mehr weit weg bin vom Salzkarst. Ich miete mich für zwei Nächte ein.


4.7.2011 Platoul Meledic
Der heutige Tag war der Erkundung des Salzkarsts auf dem Plateau Meledic gewidmet. Sozusagen ein Ruhetag, denn ich fahre nur mit der Lenkertasche am Rad in Richtung Săreni. Doch als ich gerade starte werde ich vom Wirt der Pension wieder zurückgeholt, es gibt erst ein tolles Frühstück țărănésc, nach Landessitte.
Ausgangs der comuna Mânzălești sehe ich die Salzberge „muntele de sare“. Nach dem reichlichen Regen gestern treten aber nur wenig weiße Salzflächen hervor.
Mein Höhlenführer
Ich folge den Wegweisern zur Pension „Meledic“ auf das Plateau. Hier gibt es eine reiche touristische Infrastruktur, die Pension und ein Zeltplatz mit Festwiese rund um den See Meledic. Leider musste ich erkennen, dass ich einen Tag zu spät gekommen bin. Eine ganze Schar Leute ist gerade mit dem Aufräumen nach dem gestrigen Folkfestival „Festivalul Slánicului" beschäftigt. Ein Mann zeigt mir den Weg zu einer großen Doline mit einer Salzhöhle. 
Höhle im Salzkarst
Er will mit mir dort durch kriechen, man käme auf einer anderen Seite wieder raus. Aber das ist mir zu fett, es sieht extrem schlammig aus am Eingang des Loches. Ich sehe mir die andere Seite an, indem ich über eine bunte Blütenwiese zur Nachbardoline gehe. Eine spektakuläre Landschaft! Unten im Tal des Slanic traue ich mir auch mal, das Salz zu kosten.
Salzkristalle



Abends in der Kneipe von Vintila Voda erlebe ich dann doch noch ein bisschen Volksmusik. Ein Op' kommt mit seinem HOHNER-Akkordeon vorbei und wird von meinem Tischnachbarn herangeholt. Kurz darauf trifft auch der Sohn der Kneiperin ein. Ihm gehört der KORG-Synthesizer im Thekenraum. Es beginnt ein ungleiches battle, der Op' kommt mit der unplugged Quetschkommode nicht gegen die Elektronik an. Er kommt wieder raus an unseren Tisch, ich spendiere ihm ein Cuicas-Bier und er spielt für mich „Sus sus sus, la munte sus“.


5.7.2011 Den Kartendichter verklagen
Für solche Wege ist das Rad gemacht
Heute will ich nun endlich den zweiten Teil nach Nehoiu im Tal des Buzau-Flusses schaffen, in meiner Karte als gelbe Straße DJ 203K eingezeichnet. Bis nach Lopotari ist auch alles o.k., bergauf, aber Asphalt. Die Abfahrt dann schon auf drum nemodernizat, nicht modernisierter Weg. Aber dafür ist mein Rad ja gebaut, immer noch nicht bedenklich. Doch dann die Abfahrt vom Ort Plaiu Nucului hinunter nach Gura Teghii ist nur noch von den Waldmaschinen zerwühlter Forstweg. Ein Autotourist, von dieser Karte dorthin gelockt, hat das Recht, den Kartendichter zu verklagen. Dass ich diesen Weg überhaupt gefunden habe, verdanke ich dem Bimmeln einer Herde. So konnte ich an einer Wegkreuzung auf die Hirten warten und nach dem rechtem Weg fragen. 
Durch die tiefen Schlammlöcher musste ich bergab schieben, einmal riss sich eine der Fronttaschen los und kullerte in eine 20cm tiefe Pfütze. War ich froh, als ich die ersten Häuser und eine vernünftige Straße wieder sah.
Mit einigen Bierhalts war es ein lockeres Pedalieren bis hinunter zur Nationalstraße #10 bei Nehoiu. Einsetzender Regen ließ mich in den Ort reinfahren, ich fand ein nettes Restarant, wo gerade eine kleine Brigadefeier stattfand. Nach den üblichen Fragen&Antworten zum Woher&Wohin ließ sich der Chef von seinem Sekretär mit mir fotografieren. An diesem Tag waren es wohl nur knappe 40 km.


6.7.2011 Das Burzenland erreicht
Vor gar nicht langer Zeit: Ein gewaltiger Erdrutsch
Heute galt es, die Karpaten endgültig zu überqueren. Das ist hier entlang des Buzau-Flusses hinüber ins Burzenland relativ leicht. Es gab nur am Siriu-Stausee einige kleine Anstiege. Mich hat jedoch viel mehr beschäftigt, dass das hier das seismisch aktivste Gebiet von Rumänien ist. Meine Pension letzte Nacht lag direkt unter dem Damm. Dass es hier einige Erdrutsche gegeben hat, war offensichtlich.
Kirchenburg in Tartlau: Die Fruchtkammern
Hinunter ins Burzenland (Țara Bârsei, das Binnenbecken um Brasov / Kronstadt) rollerte es durch eine schöne Abfahrt. Für den Schutz dieses Randes des ungarischen Königreiches vor den Tataren hat der König den Deutschen Ritterorden gerufen. Aber anders als in Ostpreußen erkannte er schnell den Expansionsdrang und schmiss ihn wieder raus. Die deutschen Siedler blieben und schützten sich durch den Bau von Burgen rund um ihre Kirche. Die wohl größte Kirchenburg finde ich gleich in Preijmer / Tartlau. An der Ringmauer weisen nach innen bis zu vier Stockwerke hoch die Pforten zu den Fruchtkammern. Jeder Hof von Tartlau fand bei Belagerung hier in seiner Kammer Zuflucht mit Vieh und Vorräten.
Harman / Honigberg: Hinten der Cuicas
Auch im Nachbarort Harman / Honigberg gibt es eine schöne Kirchenburg. Ich bin überrascht, dass noch so viele Gebetsbücher ausliegen. Denn praktisch sind zu den Wendezeiten alle Siebenbürgener Deutschen raus aus Rumänien. Ich frage einen Besucher, den ich für einen Burzenländer halte, wieviele Deutsche noch im Dorf leben: Siebenundsiebzig. So komme ich mit einem alten Honigberger ins Gespräch, der gerade aus Haßfurt zu Besuch ist. Er erläutert mir, weshalb an den Bänken, wo die Frauen sitzen, keine Lehnen dran sind – dies würde die Tracht zerstören. Zum Schluss zeigt er mir noch die alte Schule, die immer zu einer Siebenbürgischen Kirche dazu gehört. 
Die Völkerzüge im Mittelalter
Dort hängt eine alte rumänische Karte aus den Dreißigern. Darauf sind die Völkerzüge und Besiedelungen Rumäniens im Mittelalter dargestellt. Im Burzenland steht: cavalerii teutoni 1211 – 1225. Das war die Herrschaftszeit des Deutschen Ritterordens. Höggscht interessant.
Für den weiteren Weg wählte ich eine Nebenstraße am Olt entlang, die mich wieder ins jud. Covasna führte. Dieser Weg zeichnete sich dadurch aus, dass ich den Ciucas auch in echt am Horizont sah, nicht nur auf den braunen Flaschen. In einer Kneipe in Araci kam ich in Englisch mit dem Wirt ins Gespräch. Er stellte mir seinen Kumpel vor, Kandidat für das Bürgermeisteramt. Er kandidiere „für die Armen“. Wir diskutierten die Grundstückspreise in Deutschland und hier, sowie über das Renteneintrittsalter. Auf dem „Gebiet der Sachsen“ (jud. Brasov) kostet ein Haus ab 100.000€ aufwärts, hier im jud. Covasna nur die Hälfte. Bei Bod / Brenndorf bin ich an einem großen Investment in eine Eigenhaussiedlung vorbei gekommen. Plan und Preise auf der Bautafel hatten wirklich das Niveau von Jena in Thüringen. Nach dem Thema „Renteneintrittsalter“, wo Deutschland auch nicht besser als Rumänien abschnitt, fragte mich der Wirt, ob ich Kommunist wäre. Verunsichert verneinte ich. „Aber wir!“ freute sich der Kandidat für das Bürgermeisteramt. Ich habe noch zwei weitere bere Ciucas lang aufschlussreiche politische Gespräche geführt. Bei Măieruș fand ich wieder ein schönes Motel an der Europastraße E13.

Freitag, Juli 01, 2011

Der Fisch will schwimmen

0 Kommentare
Deltalandschaft
1.7.11 Bine atvenite in Rumänien, EbsEls
Es gab heute morgen wieder die üblichen Probleme aus einer mittleren Stadt der Ukraine, hier Izmail, heraus zu kommen. Nach einigen Schleifen und Nachfragen lag der Weg ohne gescheites Frühstück vor mir. Eine Muttel öffnete gerade ihr magazin, es gab Kaffe und den großen Snickers. Bis zur Grenze liegen knapp 70 km vor mir, die Karte zeigt nur ein Dorf bis Reni am Weg. Aber es wird noch einmal sehr wässrig, will sagen, es geht noch einmal an den Rand des Deltas. Die Donau hat hier scheinbar einige Flüsse aus dem Norden mit einer Art Seitenmoränen abgeschlossen, so entstanden riesige Seen in Besarabien.
Das Wappentier des Deltas
Hier konnte ich auch einen Pelikan fotografieren. Nun sind die Big Two des Deltas abgehakt. Die Schilfflächen sind unvorstellbar groß und laut. Zu vorderst quaken die Frösche, dann diverse Vögel.
Im vorletzten Dorf der Ukraine gab es dann alles für mich: Einen achtziger Nagel als Innenschiene für mein Zeltgestänge und eine letzte große Spezialität aus der Ukraine.
Ich liebe ja mehr das Essen als das Arbeiten, und arbeiten beim Essen ist gar nicht mein Ding. Beim Fisch muss man meist arbeiten, weshalb Fisch eher selten auf meinem Speiseplan steht. Aber siehe vorgestern: Wir sind im Delta. In einem magazin in Reni gab es wieder jede Menge Fisch an der Kasse. Die Auswahl war groß, ich nahm 100 gr vom Teuersten, eine goldene Seite vom Brustteil eines mir unbekannten Fisches. Dass es das Brustteil war, sah man an der Flosse, die an jedem Teil dran war. Die Verkäuferin sortierte mir die Teile von ganz unten in die Tüte. Dazu nahm ich Brot und ein Bier, raslivnoe, heißt vom Fass. Hmmm, es war eine Köstlichkeit ersten Ranges. Das Ganze noch mal ... dann wollte der Fisch nur noch schwimmen. Was diese Spezerei für einen Durst macht, hätte ich nicht gedacht.
Transdnistrische Rubel - die nimmt einem keiner mehr ab
Um hier aus der Ukraine zu kommen, muss man nochmal für einige 100 Meter in  Moldawien einreisen. Die beiden Grenzstationen sind in Sichtweite. Dazwischen gibt es eine Kneipe mit Wechselstube. Dort holte ich mir für meine Grieven die ersten Lei für Rumänien. Den Rest moldawische Lei gab ich für Bier der dicken Kneiperin. Nur meine transdnistrischen Rubel nimmt mir keiner mehr ab. Die moldawische Grenzabfertigung macht mich erstmal ratlos, bis eine Grenzerin mir eine Stube zeigt, wo man einen kleinen Zettel erhält, auf dem man dann vier Stempel aus den anderen Stuben einsammeln muss. Das ist so wie in den frühen Computer-Abenteuerspielen. Ich bekam nur drei Stempel zusammen, da half mir wieder die Grenzerin und gab den Zettel dem Herausgeber, woraufhin sie meinen Pass erhielt. Dann bat sie mich in ihr Zimmer und fragte nach einem present. Nun hatte ich keinen transdnistrischen Wein mehr, und  das sprichwörtliche "mein Geschenk auspacken" schien mir auch unpassend. Ich stellte mich so lange dumm, bis sie mir meinen Pass gab und mich fortschickte.
Ich bin jetzt in Rumänien, in Galati, und habe immer noch großen Durst. Aber glaubt mir, Leute, Bier hilft bei Fischdurst garnicht. Selbst hier in Galati, bei den immer durstigen Hochöfnern von Arcelor Mittal gibt es für mich nicht genug. Es ist Freitagabend in Galati: Schöne Zigeunerinnen in langen glitzernden Röcken.
Jetzt nutze ich den Laptop im Hotel für diese Geschichte und kann mit der letzten Flasche Ciuc und einer Tüte Waffeln hoffentlich den Fisch besänftigen.

Donnerstag, Juni 30, 2011

Besarabien

0 Kommentare
Regentag
26.6.11 Regentag in Odessa

27.6.11 Burevestnik
Ich sah Bäume vom Sturm gefällt, doch der Sturmvogel erreicht sein Ziel.
Die haben hier unglaublich viele Fernsehkanäle, ihre eigenen und dann noch die zig russischen dazu. Einen gescheiten Wetterbericht habe ich gestern den ganzen Tag nicht gesehen. Aber heute wird das Thema pagoda, das Wetter wohl im odessitischen Fernsehen eine bedeutende Rolle spielen. Heute morgen war auf der Ausfallstraße nach Süden nur für Radler ein Durchkommen. Ich konnte einen sehr optimistischen LADA-Fahrer beobachten, der sich auf dem löchrigen Gehweg zwischen Mauer und Laternenpfahl durchzwängen wollte. Es fehlten ein paar Zentimeter, hörbar. Und warum die alle große SUV's fahren, ist mir nun auch klar: Die brauchen die Wattiefe wegen der unermesslichen Luschen (Pfütze ist hier völlig fehl am Platz als Vokabel). Der Regen hatte am Montagmorgen aufgehört, der Wind nicht.
Hubbrücke bei Satoka im Sturm
Bei Satoka, einer knapp 100 m breiten und 11 km langen Landzunge, war er wieder stark genug, um armdicke Äste vom Baum zu reißen. Auf der Hubbrücke, wo ich zum 4. und letztenmal den Dnistr überquerte, wollten mich die Böhen von der Straße fegen. Nun folgte der korrekte Weg des Radlers: "Der Wind kommt immer von vorn." Dieser Wind zerstäubt den Regen als Aerosol, da brauchst du keinen Kwas mehr zur Erfrischung. Das erste Hotel hat wegen Stromausfall die Aufnahme verweigert, hier in der Kneipe nutze ich nun das letzte Tageslicht für diesen Bericht und hoffe, mich nimmt noch einer auf.

28.6.11 Burevestnik in Besarabien
Eine Autorally beschlagnahmte alle Hoteplätze in Belgorod. Ich nahm den letzten Rohbau des Orts Richtung Izmail und es war eine gute Wahl. Ein Blech zum Zementmischen über die Mulde, wie zu Hause im Bettchen geformt und ich schlief wie ein Murmeltier bis früh mich ein kleines Hündchen weckte. Der neue Schlafsack hat seine Feuertaufe bestanden.
Burevestniks Labung
Dann begann der Kampf gegen den Wind auf gut 40 km bis Sarate. Unterwegs erläuterte mir eine Kneiperin, deren Großmutter noch deutsch sprach, die heutige Situation der besarabischen Deutschen. Ich muss noch recherchieren, unter welchen Umständen diese Besiedlung erfolgte. Meine derzeitige Theorie: Auch hier musste nach dem Abzug der Türken ein Vakuum gefüllt werden. Ein Zentrum sei wieder Sarate, wo es eine deutsche Kirche gäbe, weder katholisch noch evangelisch. O-Ton der Kneiperin: Nach den Kommunisten entwickelt sich wieder die deutsche Kultur. Ich würde leicht an der Breite der Gehöfteinfahrt erkennen, wo eine deutsche Familie lebe. Ich habe bei meiner halbstündigen Rundfahrt durchs Dorf keine Unterschiede feststellen können. Aber ich hatte auch Hunger, was mich ein wenig ablenkte. Gleichzeitig mit den Deutschen leben hier auch Gagausen, sicher schon seit vor der Osmanenzeit. Und ein Schild heute scheint meine Interpretation der Speisekarte in Kishinjow zu bestätigen: Ein Zentrum der bulgarischen Volkskultur war ausgezeichnet.
Liegengebliebene Reserven
Ich schrieb schon einmal in diesem Blog von der Zeitung der Deutschen in Kasachstan "Freundschaft" aus den 80iger Jahren. Dort belustigte uns die Erfolgsmeldung über die 50% des Getreides, das aus Kasachstan mit der Eisenbahn in der Ukraine angekommen sei. So sieht es wohl noch heute aus. Wenn man die Weizenkörner am Wegesrand zusammen kehren würde, könnte man die Neger eines ganzen Landes in Afrika ernähren.
Ich bin gerade in eine Runde eingeladen worden, wo es einen sehr guten Wodka "Grüne Marke" für mich gab, weshalb ich die Gelegenheit nutze, diese Zeilen zu Computer zu geben, sowas inspiriert mich immer und weckt auch mein Gedächtnis des Tages.
In einer Runde mit Bulgaren
Nun, nach der zweiten, der Abschiedsrunde, muss ich einige Dinge klarstellen. Das Rätsel der Gagausen ist noch nicht geklärt. Die Runde hat sich ganz klar selbst als Bulgaren bezeichnet und sich auf Nachfrage von den Gagausen im Norden distanziert. Das Dorf Sarja ist ein bulgarisches Dorf, mit entsprechendem extra ausgezeichneten Kulturzentrum.
Nun bin ich am Ziel in Tatarbunari und habe auch schon bei einer ganzen Bande von Muttels eingecheckt. Eine führt das Regime und wies eine untergebene Muttel an, mir eine Reihe von Zimmern zu zeigen, wobei sie bereits den Preis auf einen kleinen Zettel mitgab. Ich nahm das Erste, was präsentiert wurde. Als mir auffiel, dass es gar keine Kopfkissen gab, ging ich nochmal runter. Die Bande umringte die Geld zählende Chefin. Mein Wunsch löste einige Belustigung aus, das Zeug sei doch im Schrank und sie seien doch hier keine Stewardessen. Nun, auf den Gedanken bin ich auch garnicht gekommen und für den Preis von knapp 10 Euro auch nicht erwartet. Technisch kann man am Standard nicht meckern, Klimaanlage, ordentliche Dusche und Fernseher. Gute Nacht!

29.6.11 Im Delta
Nach langer Anfahrt erreichte ich Wilikowe an der Mündung der alten Donau ins Schwarze Meer. Das ist hier wie ein Spreewalddorf, durchzogen von Kanälen und Kanälchen. Das sind dann aber eher Kloaken, nun, es riecht aber nicht. Einige Kahnfahrer erkennen den Touristen und bieten ihre Dienste an. Nach meiner Ausrede, ich will mir hier erst alles angucken, ich käme erst in einer Stunde, kontert der Mann korrekt: "Alles? Das kann man nur vom Boot aus sehen!" Ja, so geht es mir auch immer mit meiner sozialistischen Erziehung. Da geht man mit einem unschlagbaren Angebot auf die Leute zu, und wenn es dann eine Absage gibt, ist mann sauer und zieht sich für den Rest des Tages zu den Kumpels und dem Wodka auf das Boot zurück. Ich war aber auf was ganz anders aus als eine stundenlange Kahnfahrt, ich hatte Hunger.
Köchin und Bufeteuse
Nach einer großen Runde kehrte ich zu dem Schild "Domaschnije kuchnje" (hier kocht die Muttel) am Anfang des Dorfes zurück. Es gab keine Speisekarte, sondern die Muttel von der Theke wusste ganz genau, was ich brauchte: Gesunde Kost vom Fisch, eine ucha (Fischsuppe) und als zweiten Gang eine weitere Zubereitungsart, die ich aber nicht verstand. Oft hörte ich schon, eine ucha sind eigentlich die Reste für die Katze. Ich sollte eine halbe Stunde warten, es wird alles frisch zubereitet. Da habe ich mir ein Bier bestellt und Musik auf die Ohren gesetzt.
Und dann kam die ucha: Ein Teller mit drei großen Stücken eines noch größeren Fisches mit Kartoffeln, gekochten Zwiebeln und Möhren, eine Tasse mit Suppe und ein Schälchen Soße. Mit zwitschernder Stimme und vielen, schnellen Worten erklärte mir das Muttel die Zubereitung. Ich bin eigentlich ganz sicher, dass ich das Wesentliche verstanden habe. Das alles wurde in einem Topf aus frischen Zutaten gekocht und dann wieder alles separat aufgetischt. Vom Sud (ein Koch würde wohl Font sagen) wurde ein Teil mit Gewürzen als Soße zum drüber löffeln aufbereitet. Und so habe ich das dann auch genossen, viel Arbeit wegen einiger Gräten, aber köstlich. Dazu gab es noch ein viertes Stück des noch größeren Fisches, ich glaub schon - Wels, an Bratkartoffeln gebraten. Auch dafür hatte ich noch von der guten Soße übrig. Wieder konnte ich meine Zufriedenheit mit einem Foto ausdrücken, wofür extra die Küchenmuttel gerufen wurde. Ich muss sagen, die Thekenmuttel mit der zwitschernden Stimme hat das prima serviert und verkauft. Auch wenn der Gast nicht alles verstanden haben dürfte, hat sie sich ins Zeug gelegt, dass die Küchenleistung deutlich und gewürdigt wird. Was ich dann auch tat, 50 Grieven extra für die Küche. Preis des Menues: 88 Grieven.
Ein pfundiges Exemplar
Heute Nachmittag habe ich noch zwei Schildkrötenseelen gerettet und über den Rest der Straße getragen. Die eine war bestimmt fast ein Pfund schwer. Nun bin ich Kilja, einem recht üblen Flusshafennest, dem der N. Ceaucescu mit seinem Sulina-Arm in den Siebzigern wohl den Schiffsverkehr abgedreht hat.

30.6.11 Besarabische Landpartie
Dieses Kilja zeigt dem Fremden in keiner Weise, wo es lang geht. Die Hauptstraße mit dem Namen Lenins beginnt an seinem Denkmal am Hafen. Dort liegt auch noch ein altes Flusskreuzfahrtschiff aus Boizenburg, das aber seine letzten Jahre an der Kette als Restaurant auch schon hinter sich hat und nun nur noch Schrott ist. Dann gibt es einige Caffees, Kneipen und Märkte, die sich in einem Bereich bei der Kirche häufen, woran man merkt, dass man im Zentrum ist. Alles reich mit Reklameschildern bestückt, die man aber als Radler von der Straße aus wegen der reichen Schatten spendenden Bäume nicht sieht. Die Leninstraße endet dann als Feldweg.
Die reich geschmückten Giebel der Häuser faszinieren
Ich konnte dann einem über die Betonplatten holpernden Kleinbus folgen, der fuhr laut Schild nach Ismail. Nach ein paar Schlenkern war ich dann auf einer Ausfallstraße, asphaltiert zwar, aber mit ein paar mächtigen Löchern. Die führen dazu, dass Autos u.U. auch nicht schneller als ich vorankommen.
Ich landete an einem See, wo ein Mann an einer Brücke was an einem Strick ins Wasser ließ. "Ich arbeite" sagte er nach einer Begrüßung. Er ist Metereologe und misst die Wassertemperatur. Auch weitere Werte werden von ihm hier aufgenommen. Ich war beeindruckt, wieviel Goldzähne er sich von dem Job leisten konnte. Aber er erläuterte mir auch, dass ich nicht auf meinem Wunschweg war. Er schickte mich zwar zur Hauptstraße, aber die kleinen Landstraßen sind hier alle teilweise ordentlich asphaltiert, so dass eine schöne Landpartie herauskam. Kurz vor Ismail konnte ich sogar noch Pelikane in Formation über meine Kneipe ziehen sehen, ca. 20 hoch.
Hier in Ismail versuche ich endlich, mein Zelt zu reparieren. Es macht mich nervös, immer auf ein Hotel angewiesen zu sein.

Sonntag, Juni 26, 2011

In Odessa

1 Kommentare
23.6.11 Transnistrien II
Das mit dem Schalke-Fan nach Tiraspol fahren, jetzt wo sie in der Euro-League die aufstrebende Fußballprovinz abtingeln dürfen, muss ich wohl echt verwirklichen. Ich habe nämlich Freunde gefunde, echte Freunde, dorogije druzja. Und das kam so. Ausgangs von Tiraspol gab es noch eine schöne Gartenkneipe mit der liebreizenden Ira. Der folgende Weg bis zur Grenze ist eine fast schnurgerade an sich locker zu pedalierende Straße, verkehrsarm. Aber es ist eben auch ein gar durstiger Anblick so eine von der Sonne verwöhnte Straße bis zum Horizont. Also nutzt der Radler mal eine Abzweigung, deren Hinweisschild anfangs für mich keinen Sinn ergab.
Meine Freunde
Ich landete an einer soldatskaja stolowaja, Mensa für Soldaten. Um die Ecke wies ein ungelenkes Schild auf ein magasin hin. Dort fragte ich nach Kwas und kriegte eine 1,5 l-Flasche, leidlich kalt. Die Geschäftsfrau bereitet gerade ein paar Teller mit blinies, Huhn, diverse Salate u.ä. für eine kleine Feier vor. Mein Nachfragen nach den blinies löste die Aufforderung zum Zugreifen aus. Ein junger Kerl fragte, ob wir zusammen Einen trinken und schwups war ich Teil der Feier. Komischerweise erregte ich besonders die Aufmerksamkeit der Mädels und Frauen.
Es wurde ein schönes Fest. Auf meine Frage "Was ist der Grund der Feier?" antwortete Taras, der Mann meiner liebsten Freundin aus der Runde: "Jest djengie, es gab Geld." Der Wein der mächtigsten Mutter hat mir heute vormittag auf dem Weg nach Odesa den Durst gelöscht und die Birne weich gemacht. Nun gilt es den guten Freunden die Bilder zu bringen, auf geht's Schalke.
PS zu den transnistrischen Grenzern: Sie wurden ihrem Ruf noch gerecht. Nachdem mein Pass am beeindruckenden Grenzübergang in Perwomaiskje durch viele Hände mit angemessener Wartezeit gegangen ist, wurde ich in eine Ecke gewiesen, der Chef hätte mir noch was zusagen. Der kam, wies mir einen Platz auf einem lehnenlosen Bürostuhl an, zeigte auf seinen Kollegen und fragte, ob ich denn nicht ein podarok, ein Geschenk für den Chef hätte. Die Schulterstücken der Beiden machten nicht viel her, deshalb bot ich ihnen vom guten transnistrischen Wein an. Da gaben sie mir meinen Pass und wünschten guten Weg. An der ukrainischen Grenze wurde ich dann von einem Typen, der in Großenhain geboren ist, durchgewunken. Da stand die Sonne schon sehr tief.

24.6.11 Ziel erreicht: Odessa
Es ist zwar friday night und die bekannte vom Laptop playbackte Lifemusik läuft schon. Hier in einer Karpatenkoliba ist es ein singendes Paar. Für mich wird es aber nicht lange gehen, ich bin müde.
Meine Bofe letzte Nacht war etwas missglückt. Beim Zelt aufbauen knackte ein Teil des Gestänges wie Glas, aber der Art, dass es selbst mit einer Rep-Hülse nicht zu richten ist. Wegen der Mücken habe ich mich trotzdem ins Zelt gelegt, wie in einen Schlafsack. Nach zwei guten Schlafsessions bin ich dann im frühesten Morgengrauen auf die Piste gegangen, meiner Lichtanlage sei dank.
Eingang Odessa
Erst in Odessa wurde es dann mit dem Verkehr eng. Die fahren hier noch nach Faustrecht, mit viel Hupe. Aber einige kleine Scharmützel habe ich mir gegönnt. Nach einem großartigen Mittagessen in einem Keller musste ich mir nun mein Hotel suchen. Ich habe via HRS in Orhei aus einem Internetcafé heraus bereits gebucht. Mit einheimischer Hilfe finde ich eine Stelle, wo es einen gescheiten Stadtplan zu kaufen gibt. Mit dessen Hife die Gegend, doch das Gebäude trotz benannter Hausnummer zu finden, eine Katastrophe. Erster Versuch: Ich lande in einer gated area. Zweiter Versuch: Ich lande in einer Schönheitsklinik. Die gucken tatsächlich in ihrer Lobby, ob ich eine Reservierung habe. Die hinzugerufene Chefin (oh Mann, sieht die teuer aus, aber nett und freundlich) kann mir dann wirklich helfen und zeigt mir das Gebäude. Ich kann meine komplette Dreckwäsche hier im Hotel zum Waschen abgeben, damit sind die Aufgaben des Tages gelöst. Ich erkunde nun nur noch die nähere Umgebung im Süden Odessas, weit zum Strand ist es nicht.
Friday Night in Odessa: Das sind auch solche Sternchen am Nachbartisch. Mein T-Shirt ist unten rum länger und oben rum viel höher geschlossen als deren himmelblaues Kleidchen.

Denkmal "Den Gründern von Odessa"
25.6.11 Die Gründung der Katerina
Wenn ich alles gestern Abend im Fernsehen verstanden habe, hat ein wissenschaftlich aussehender Talkgast bestritten, dass es eine eigene odessitische Sprache gebe. Aber diese Stadt unterscheidet sich dann doch von den anderen zugegeben wenigen Orten, die ich in der Ukraine kennenlernen durfte. Heute Morgen gegen 8 Uhr: Beachtlich viele Leute sind auf dem Radweg oberhalb der Küste unterwegs. Allen Alters und derer unterschiedlichen sportlichen Betätigungen: Eine mittelalterliche Gruppe macht Yoga, an diversen Sportwiesen üben Einzelkämpfer am Reck und Barren, praktisch alle Radler überhohlen mich und an den Anstiegen sogar die zahlreichen Jogger. Die Stadt ist von schönen Menschen bevölkert. Ich begründe hier mal eine These: Rio und eben auch Odessa zeigen, dass in Städten mit Stränden die Körperkultur, ja der Körperkult blüht.
Mein Quartier liegt tief im Süden, es sind ca. 7 km bis zur berühmten Treppe, dem Hafen und dem Zentrum. Es ist angenehm gelassen in den schattigen Straßen. Ich finde einen Friseur und tue etwas für meinen Körper. Alle Haare rund um den Kopf ordentlich getrimmt kostet umgerechnet 5 Euro. Dann bin ich durch Stadt und deren Hinterhöfe geturnt.
Bierschule
Zum Beispiel fand ich eine Schule des Bieres, dort konnte ich ein Honigbier kosten. Ich lernte in dieser Schule nicht dessen Alkoholgehalt, aber ich kann mir dieses Getränk auch unterwegs als interessante Durstlöscheralternative zum Kwas vorstellen. Nun gönne ich mir gerade meinen Zielwein, einen 2009er Zinandali. Dass das nicht umkreist von Lämmergeiern in Dartlo, sondern im "Kängeruh" bei Diskomusik geschieht, passt scho'. Ich konnte mir nämlich heute eine sehr ordentliche Karte vom obl. Odessa kaufen (1:150.000), wo der weitere Weg ins Donaudelta gut auf Nebenstraßen vorgezeichnet ist. Aber morgen werde ich nochmal durch Odessa cruisen. Vielleicht auch mal baden?
Ein Bild muss ich jetzt noch ausbreiten: Es regnet wie'd Sau im Kängeruh, einem Gartenrestaurant mit vielen Plätzen in Pavillons und Zelten. Die Musik ist laut und romatisch. Mir gegenüber tanzt ein Paar in seinem Zelt. Ich habe gespeist und brauche nur noch ein Mintblättchen.
Viele Grüße von unterwegs
Eberhard Elsner

Donnerstag, Juni 23, 2011

Neue Länder abgehakt

1 Kommentare
Pedalieren über ruhige breite Straßen
20.6.11 Pedalieren
Der Morgen zeigte sich wieder von der besten Seite, glockenklares Himmelsblau garniert mit ein paar Fotowolken. Die Strecke, ohne den freundlichen Moldawiern nahe zu treten, und wohl auch das ganze Land bieten keine wirklichen Sehenswürdigkeiten. Es ist ein großer fruchtbarer Garten, hügelig. Die Dörfer liegen alle an einem Südhang eines der kleinen Tälchen. Meist ist ein Stausee dabei, damit die fruchtbare Erde stets bewässert werden kann. So kann man auf der verkehsarmen Hauptstraße mit drei Fahrstreifen locker pedalieren. Ich hätte viel mehr LKW-Verkehr erwartet, schließlich ist das die einzigste Verbindung in den Norden. In Balti hat mich wieder starker Regen in ein Hotel getrieben, danke.

Typische Raststätte an der Straße
21.6.11 Sich einen raufhohlen
Einen Eimer frisches Brunnenwasser ist die Essenz einer jeden Raststätte, auch in the middle of nowhere. Der Grundwasserspiegel ist nur ein paar Meter unten. Das macht zusammen mit der Schwarzerde die Fruchtbarkeit von Moldova aus. Und da es keine weiteren Sehenswürdigkeiten gibt, wird eben der Geschmackssinn angesprochen, der bekanntlich bei mir ein große Bedeutung hat. Es gibt diverse Weine. Doch wo ich an der Straße gekostet habe, waren die entsprechend dem russischen Geschmack mir zu süß. Das Obst, besonders die Kirschen, sind Spitze und eine Labung bei der heutigen Etappe nach Orhei. Denn es sticht bei leichter Brise der Planet. An der Straße gibt es einige richtige Gasthäuser, jedes Dritte hat aber meist schon den Geschäftsbetrieb eingestellt. Dort kochen die Matkas mit lustigen Kopftüchern noch richtige Hausmannskost. Bei mir gab es heute ciorba de vacute (Rindfleichsuppe) und Kiftel... moldovanesc (Fleichbällchen mit Kartoffelbrei), großartig. Und ... wichtig wegen des Dursts, es gibt auch Kwas. Zum Mittag heute sogar mal aus der Flasche.

Luxusrad und Luxusmobile vor dem "Gük Oguz"
22.6.11 Die Hauptstadt
Sobald ich in die Nähe der Hauptstadt komme, werden die wirklich gastlichen Stätten des Landes immer mondäner. Nach einigen Kaffees zum Frühstück bin ich nun in der Hauptstadt Chisinau (former Kishinjow, wie ich es bei Herrn Dr. Bruno Weese, der wohl aus der Gegend hier stammte, lernte). Und gleich, noch in der Vorstadtzone der Autowerkstätten und Baumärkte, bemerkte ich das "Gük oguz", das gagausische Küche versprach. Die Gagausen haben hier im Süden von Moldova ihre eigene autonome Republik (damit meine ich nicht Transnistrien, das sind die Russen). Nach dem Studium der Speisekarte sind die Gagausen eine Art Bulgaren mit türkischem Einschlag, das ist aber noch zu recherchieren und die Ergebnisse findet ihr in einem Kommentar unten. Vor der Tür alles große und edle Karossen, weswegen ich mich als Radler über die Aufmerksamkeit des Chefs des Hauses besonders geehrt fühlte. Und es gab auch was Feines:
Der Maitre
Für den Durst ein Tuborg (keine Bange Gert, aus der Ukraine). Als Vorspeise ein Tarator, der Bulgarienkenner genießt es kalt. Intermezzo: Salat, schön mit Dill in der Vinaigrette. Dann ist mein Bier ausgetrunken. Da ich eine Grillspezialität vom Huhn erwarte, bringt mir der Chef einen wohltemperierten Traminer. Das Filet vom Huhn als Roulade gegrillt, wird in einer Sauce mit guter Peperoni-Note getunkt, genossen. Den Abschluss bildet ein türkischer Kaffee mit einer Punschkugel. Das Foto vom Maitre dokumentiert meine vollständige Begeisterung.
Nun bin ich knapp 20 km von Transnistrien entfernt. Ein Kneiper hat mich schon vor dem sprichwörtlich einnehmenden Wesen der transnistrischen Pseudozöllner gewarnt. Aber davon morgen.
Ich schrieb schon einmal, dass die Routenführung immer sehr zwiespältig ist. Zum einen die Infrastruktur, es gibt nicht viele akzeptable Nebenstraßen und dort ist die Versorgung des ewig durstigen Radlers nicht optimal. Denn vom Brunnenwasser können ausschließlich die "lebensbejahenden Asketen" des Waldsassener Zisternsienserorden leben. Auf den Hauptstraßen sieht das schon erheblich besser aus. Doch dort plagen den lebensbejahenden Radler zum einen die lahmen alten SIL, i.d.R. überladen und die Marschrutki, diese an sich soziale Art eines Nahverkehrs. All diese Worte sind nun nur Einleitung für eine Portion Kapitalismuskritik.
Vor ein paar Stunden in Chisinau habe ich in meinem Gesichtskreis bestimmt 100 Mercedes Benz Sprinterbusse als Marschrutki taksi sehen können. Diese Dinger sind für den Radler unberechenbar, immer auf der Jagd nach zahlenden Kunden überholen die dich, um in 3 Metern wegen einer Oma vor dir wieder einzuscheren. Nun, das ist deren Existenz, aber was sich allein da für ein Markt 1990 auftat. Ich schätze, in Chisinau laufen 5000 von den Dingern. Der deutsche Produktivitätsüberschuss macht mir hier auf eine so besondere Art das Leben schwer. Es ist leicht in Deutschland über die Schulden an der Peripherie herzuziehen, wenn man es nicht schafft einen eigenen ausgewogenen Binnenmarkt zu etablieren. Offensichtlich wird der Sprinter hier erschwinglich gemacht. Wie? Mit Krediten.

In Tiraspol
23.6.11 Beim Köstritzer in Tiraspol
Heute morgen das Einreisezeremonium in das Land Transnistrien hinter mich gebracht. Es wird hier eine vergleichbare Bürokratie entwickelt, wie letztes Jahr beim Übergang in Kroczienko. Nur hier sitzt eine niedliche Tanja am Schalter und ich gebe mir von Anfang an Mühe beim Ausfüllen der immigration card. So klappt der Eintritt in den Staat, den ich in einem Tag durchradeln will, problemlos.
Am Eingang von Tiraspol lässt der Chef der Firma "Sheriff" (Geschäfte aller Art vom Supermarkt bis zum Autohaus, "Mercedes Benz"-Generalvertretung) einen Fußballkomplex hochziehen. Ich bekomme ein Führung: 43.000 Leute Arena, dazu ein zweites Stadion, eine Fußballhalle, Akademie für Kids von 7 bis 17, ein 50m-Schwimmstadion und ein 5-Sterne-Hotel, 18 Trainingsplätze. Dazu wird noch ein Aquapark kommen. Hier wird geklotzt. Mein Guide spricht vom Ziel Championsleague, wenn ich an Uriczani denke, werden sie es sicher auch mal haben. Jetzt die Meisterschaft haben sie aber vergeigt. So hat eben jeder seinen Dietmar Hopp.
"Café Eilenburg
Nun sitze ich im "Café Eilenburg" beim Koestritzer Schwarzbier. Das ist im Zentrum, direkt neben den Regierungsgebäuden, wo sich der aktuelle russische Praesident mit dem Hiesigen handschüttelt. Wenigstens Einer der Anerkennung zeugt, aber auch ich werde die fußballerische Entwicklung des FC Sheriff Tiraspol aufmerksam verfolgen und, wenn je Schalke hier mal spielt, mit dem Themarer herfahren. Auf Herrn Schneeloch werde ich gleich noch ein Warsteiner trinken. Die Biere kommen hier mit Gläsern aus dem Tiefkühlfach, bereift. Hinter mir versucht gerade ein deutscher User seine Internetbekanntschaft von der Flirtplattform in echt zu bezircen. Sie ist eine wirklich adrette Enddreißigerin, er der Prototyp (was ich so höre) des deuuuutschen Touristen. Hätte nicht geglaubt, daß es sowas in echt gibt, real comedy.

Dienstag, Juni 21, 2011

Nicht mehr weit bis Odesa

0 Kommentare
Melde mich aus Orhei in Moldawien. Es sind wohl nur noch drei Tage bis nach Odesa. Ich habe mich zu einer Reiseänderung schweren Herzens entschlossen, der Zenit meines Lebens ist nicht der Abano-Pass, ich traue mich nicht nach Georgien, die Hitze hier genügt völlig. Ich werde nach Babadag fahren, der Ort - und Gert weiß, wovon ich rede - der solche Reisen inspiriert und verkörpert. Weiter geht es durch Rumänien, lasst Euch überraschen.

Gruß EbsEls
von unterwegs

Montag, Juni 20, 2011

In Moldova

1 Kommentare
Kurzer Gruß aus Edinet in Nordmoldawien. Leider können die hier im Internetcafé nicht meine SD-Karte einlesen. Dort sind die vorbereiteten Tagebücher drauf. Also nur schnell eingetippt die Fakten:
Fruchtbare Moldau
Gut über die Karpaten gekommen und die spektakuläre Stadt Kamanets-Podhylsk besucht, einmalig. Die Altstadt wird komplett von einem durchschnittlich 40 m tiefen Canon umschlossen, wie ein Omega. Die Strecke bis zur Omega-Stadt war geprägt von großer Hitze, bis gestern ein mächtiger Regen mit Gewitter niederkam. Nun ist wieder alles gut, blauer Himmel und leichte Brise.

Gruss aus Edinet Eberhard Elsner