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Samstag, September 26, 2026

Bis an die Grenzen

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In Ohrid habe ich mir ein kleines Zimmerchen gegönnt. "Appartment in Villa" hat man sich als Marketingname ausgedacht. Es war aber alles sehr einfach, aber die Lage außerhalb vom Ort mit bequemer Zufahrt und Parkmöglichkeit sowie die Gastgeber waren nett. 
Das römische Amphittheater in Ohrid
Er hat früh immer gebacken, so kriegte ich immer ein frisches ofenwarmes Baniza. Mazedonien scheint noch nicht von den deutschen Supermärkten erobert. So gibt es noch schöne Geschäfte mit einheimischen und balkanischen Spezialitäten: Richtig guten Schafskäse, Ljuteniza, dalmatinischen Schinken und T'ga sa jug, DER Rotwein aus Mazedonien. Der Schafskäse und das Baniza rundete mein Frühstück ab, abends gab es den Rotwein und den Schinken. Aufmerksam beobachtet wurden meine Mahlzeiten von drei schreckhaften Bettelmiezen. Die haben tatsächlich den Schafskäse geschleckert und bei dem Schinken gabs Geraufe wie bei einer Löwenmahlzeit. Am letzten Abend ließ ich den angebrochenen Schinken für eine Minute (Pinkelpause) auf dem Tisch. Der Schinken war komplett weg, genau wie Bettelmiezen, diese Sauhunde.
Die Busladungen am Kloster Sv. Naum
Ich bin in zwei Touren die komplette mazedonische Küste des Ohrid abgefahren. Am Dienstag in Richtung Sv.Naum. Ich kam auch an der Straße runter vom Galiciza-Pass (2006 mit Ralf dort runter gekommen) vorbei. Hier wird von einem Nationalparkranger die Zufahrt mit Pylonen zugestellt und offensichtlich bemautet. Eine Bande tschechische Motorradfahrer haben wohl ordentlich bezahlt, sahen nicht so begeistert aus. Mich schien der Ranger aufzufordern dort ohne Maut hochzuradeln. Aber wie hieß es immer wieder auf dieser Tour: Hier ist der Ebs schon mit dem Rad lang. Ich bin bis zum Grenzübergang, der rege von Albanern in fetten Autos frequentiert wird, und dann zum UNESCO-Kulturgut Kloster Sv. Naum. Eine Rotte von Bussen entlud gerade Touristen, auch Muslische, die ins Kloster reinströmten. Ich hatte kurze Hosen an ... ich bin ins Restoran. 
Der Drin entspringt hier
Die zweite Tour an das Westufer führte in etwas wildere Gebiete. In Struga entspringt der Drin als Ausfluss des Ohrid. Der Fluss fließt dann durch ganz Nordalbanien und mündet unterhalb der Festung "Rozafa" in die Bojana aus dem Shkoder-See, die dann bei der FKK-Insel Ada Bojana aus dem Film "Schönheit der Sünde" in die Adria mündet. 
Der Empfang im illyrischen Dorf Radolishta
Dann sind die Ortseingänge mit dem schwarzen Adler der Albaner geschmückt und mehrstufige Kümmelraketen verkünden das Gebet des Imams. Wenn man aber weiter an der Küste bleibt gibt es wieder orthodoxe Klausen und Kirchen. Das Ende der Straße versperrt dann offiziell ein Objekt der mazedonischen Grenzpolizei.
Apfelplantagen am Prespa-See
Im Dorf Nakolec
Heute habe ich wieder eine Grenze angestrebt. Ich bin gestern umgesetzt an den Prespa-See an die Hänge des Pelister. Ein Adriatief mit einem fetten Regengebiet bestimmt für das Wochenende nun das Wetter. In einer Regenlücke am Vormittag konnte ich die griechische Grenze erreichen. Die Mazedonier haben eine ordentliche Straße bis zur Grenze gebaut und basteln auch an einem Grenzübergang. Auf der griechisch-mazedonischen Seite sind keine Aktivitäten zu erkennen. Hier werden sehr erfolgreich Äpfel angebaut. Die Baumreihen erhalten alle Wasser über eine Tröpfchenbewässerung aus sauber verlegten Schläuchen.

Dienstag, September 22, 2026

Ein Ohrid-Album

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Ich radle hier einige Tagestouren zu ca. 60 km. Aber der Akku ist trotzdem leer
 
Auf, auf

Blick von der terasa utarna in Konjsko

Ohrid, die Altstadt

Zum Kloster Sv. Naum

Die Klause des Sv. Atanas

Die Hänge des Galicica-Gebirges

Sundown über Ohrid

Samstag, September 19, 2026

Kratovo in Mazedonien

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Dort im Kloster hätte ich wohl eine pomana platzieren sollen 
Heute wurde ich ich einige hundert Meter auf dem Beifahrersitz meines Singlevans chauffiert. Ich hatte schon immer bei Planungen für Touren durch Mazedonien die alte Bergbaustadt Kratovo im Visier. Es führt nur ein Tal heraus, ansonsten musst Du Buckel von fast 1000 Höhenmeter überwinden. Eine Straße führt nach Stip, die Andere ist eine 30 km lange Sackgasse auf 1500 m ins Gebirge. In der Stadt gibt es kaum zweispurige Straßen und dort hatte ich ein Etno Kuca mit Parkplatz gebucht. Die Gassen haben nie unter 7% Steigung und sind i.d.R. grob gepflastert. Es war ein Alptraum. Die Linkskurve zum Etnohaus war für mich und meine Karre nicht machbar. Also ließ ich mich per mapy.cz von oben zur Unterkunft leiten. Es war ein ständiges Gepiepse der Abstandssensoren. Dort hollte ich mir den ersten Kratzer in Kratovo am hinteren rechte Kotflügel.  Nach weiteren Gassen, die ich nie im Lebbe rückwärts gemeistert hätte, grinste mich von vorne ein VW Sharan an. Nach Navi noch 30 m bis zur Unterkunft.  Nun war mein Alptraum auf dem Höhepunkt.  Links neben mir gab es ein Gittertor zu einem Plateau, wo ein 3-Punkt-U-Turn möglich schien. Da tauchte eine schmunzelnde Frau auf, die sofort die Herkunft dieses Idioten erkannte. Ein deutscher Touuurist! Ich fragte sie, ob sie mir das Gitter aufmachen kann, damit ich wenden und vorwärts meiner Falle entschlüpfen kann. Beim rückwärts reinfahren vorn rechts der zweite Kratzer in Kratovo. Da kam ihr Mann und weitere Nachbarn, denen das Alles ausführlich erläutert wurde. Die Lösung war dann, dass der Mann uns nach ausführlicher Erläuterung der Bedienung eines Automatikautos mit mir als Beifahrer rückwärts ca. 200 m raus bugsierte - ohne Kratzer in Kratovo. Er war mein Held. Ich flüchtete die Sackgasse hoch ins Gebirge, was aber noch nicht die Freiheit bedeutete. Wenden und zurück in den Alptraum. Atemberaubende Tiefsichten hinunter in den Krater habe ich als Fotograf ignoriert. Dort kannste auch nicht anhalten, das ist eine einspurige Straße-. Der Mazedonier und speziell der Kratover an sich nutzt jeden erdenklichen Fleck zum Parken. Weshalb der Vorschlag der Familie unten im Zentrum einen Parkplatz zu finden und zum Etnohaus zu laufen, illusorisch ist.  In einer scharfen Linkskurve im Zentrum parkte Einer seinen 5er BMW im Scheitel der Kurve. Ich opferte mein Auto - der dritte Kratzer in Kratovo. Es gibt Orte, da kommt man trotz Straßen nur mit dem Fahrrad hin.

Dienstag, Oktober 08, 2019

Ein freier Tag in Skopje

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Ich erreichte gestern Skopje früh genug, dass ich meine Heimfahrt noch gestern organisieren konnte. Ich benötige den heutigen Tag also nicht, um rüber nach Serbien ins Presevo-Tal zu machen. Ich werde einige Schleifen durch die Hauptstadt Nordmazedoniens ziehen.
Besuch in einer Garagenfirma: Schnapsbrennerei
Die Mazedonischen Revolutionäre von 1893
Skopje hat in den letzten Jahrzehnten ein bewegte Geschichte. Im Juli 1963 wurde durch ein Erdbeben große Teile der Stadt zerstört, über 1000 Menschen starben. Die Uhr am alten durch das Beben zerstörten Bahnhofsgebäude zeigt noch immer die Uhrzeit der ersten Schockwellen an: 5:17 Uhr. Ich kann mich noch erinnern, dass in der Schule (3. Klasse bei mir) zu Spenden aufgerufen wurde. In Skopje leben verschiedene Ethnien. Da sind die slawischen Mazedonier, die Albaner sowie etliche weitere Völkerschaften, wie die Aromunen (in Skopje immerhin 1,6%). In der Regel miteinander, immer mal wieder auch gegeneinander. Auslöser für ein Gegeneinander sind nationale Spalter, wie die Nachfahren der Inneren Mazedonischen Revolutionäre (IMRO) um Goze Deltschew.
Zentrum von Skopje 2014 mit dem Denkmal des Alexander der Große
Mit einer Reihe von monumentalen Bauten, Denkmälern und Kreuzen im Rahmen von „Skopje 2014“ sollte eine mazedonische Identität gestiftet werden.
Die Porta Macedonia
Andererseits wurden aber die Albaner und Muslime damit ausgegrenzt. Das Projekt „Skopje 2014“ war ein Prestigeobjekt der damals regierenden nationalistischen IMRO. Ich habe niemals zuvor so viele Denkmäler von Helden mit Löwen und Pferden in einer Stadt gesehen.
Die aktuellen politischen Diskussionen ergeben sich aus dem sogenannten Prespa-Abkommen, was unter anderen die Umbenennung in Nord-Mazedonien beinhaltet.
Meinungsäußerung am Denkmal der Mazedonischen Revolutionäre
NEIN!
Nein zu Prespa
Nein zur NATO
Nein zur EU
Stop dem Faschismus

Montag, Oktober 07, 2019

Die letzte Etappe von Veles nach Skopje

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7.10.2019
Heute galt es nun die Heimreise zu organisieren. Zwischen Veles verlieren sich die beiden Fahrstreifen des Highways “Freundschaft”, former Alexander Der Große auf gut 50 km. Die Spur nach Süden führt zusammen mit der Eisenbahn unten im Vardar-Tal lang, das hier fast eine Schlucht ist. Der Fahrstreifen nach Skopje geht über einen gut 500 m hohen Bergrücken. Dazwischen wurstelt sich die alte Straße über diese mit Sträuchern bewachsenen Hügel. 
Oberhalb des Sees der Jugend
In Veles wird nur bis zum See der Jugend ausgeschildert, dann muss sich der Radler auf sein Gefühl oder eine OSM-Karte verlassen. Ich bin vor vier Jahren in Gegenrichtung schon an diesem Feldweg verzweifelt. Trotzdem kamen mir auf diesem Weg ein Tandempäärchen wohl aus England auf dem Weg nach Istanbul entgegen. Gegen Mittag habe ich dann den Vorort von Skopje Goze Deltschev erreicht. Der Plan zur Organisation der Heimreise geht wohl auf.

Es tut mittlerweile an etlichen Stellen des Körpers weh. Da ist das Monstrum von blauem Zeh rechts, eine Muskelzerrung links, die mich ganz schön humpeln lässt und das linke Knie, was wohl mit der Zerrung zusammen hängt. Beim Radeln stört das alles nicht, nur beim Laufen sehe ich noch älter aus als ich bin. Mal sehen, was ich morgen mache. Diese Zeilen schreibe ich im alten Basar von Skopje unter Minaretten, was jetzt als gewaltige “Fressgasse” genutzt wird. Überall dubelt der Kebab-Grill. Das Skopsko-Pivo wird vom Fass ausgeschenkt. Jetzt steige ich auf Wein um, T’ga za Jug.
Abfahrt ins Skopsko polje
Im Internet war nicht viel zu Busfahrten von Skopje aus nach Dresden oder Nürnberg zu erfahren. Ich setze meine Hoffnung auf den Busbahnhof in Skopje, eine weitere Option ist am Dienstag ca. 70 km weiter nach Preshovo in Serbien zu radeln. Dort gibt es am Mittwoch zwei Busse nach Fürth. Wie erwartet, gibt es an der Busstation Angebote in die Türkei, ganz ehemals Jugoslawien und Westeuropa, einschließlich Westdeutschland. Ich erhalte eine Fahrkarte für 80 Euro nach München, wo sie mir auch mein Fahrrad mitnehmen. Am Mittwoch 10.30 Uhr gehts heim.

Sonntag, Oktober 06, 2019

Im Tal des Vardar

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Das Eiserne Tor von Mazedonien
Gestern noch durch das Mazedonische Eiserne Tor zu Alex, dem Bergsteiger (Khan Tengri im Tienshan) und Campbetreiber (“Rocklandcamp”) in einem Wettlauf mit der Sonne bis nach Demir Kapija gekommen. Den Wettlauf verlor ich. Das Zelt baute ich bei Sichelmondenschein auf, wodurch ich die Hundescheiße übersah. Sie klebte dann selbst an den Zeltstäben.
Demir Kapija ist ein Bergsteigerzentrum. Es gibt zu beiden Seiten des Vardar-Durchbruchs Schluchten und Wände. Dazwischen klemmt sich die alte Bagdad-Bahn von Wilhelm II., die neue Autobahn der Firma AKTOR (wohl ein großer Player hier auf dem Balkan, die bauen auch die Tunnel bei Pirot) und die alte Fernverkehrsstraße, die so zu einem prächtigen Radweg geworden ist. Der Highway heißt jetzt "Freundschaft", und nicht wie früher “Alexander Der Große”. So sehen die politischen Kompromisse aus, die Mazedonien - FYROM - Nordmazedonien für eine internationale Anerkennung und EU-Beitrittsaussichten eingehen muss.
6.10.2019
Heute ging es schwer gegen Wind weiter den Vardar aufwärts. Die alte Landstraße nach Veles parallel zum Autoput lässt trotzdem ein lockeres Pedalieren zu. Ich komme an der Ausgrabungsstätte Stobi vorbei. Hier war die Hauptstadt von Paionien, das Philipp um 350 v.C. eroberte, um seine Nordgrenzen vor den "Barbaren" zu sichern.
Es ist eine karge und trockene Landschaft
In den Pausen kristallisiert sich das Zlaten DAB als mein makedonischer Favorit heraus. Es ist ein Bier aus der Brauerei in Prilep. Die Dortmunder Aktienbrauerei hat hier wohl noch einen guten Namen mit der Marke DAB. Geht das Alles mit (Marken)rechten Dingen zu? Ich kann mich aus 2015 garnicht an den mazedonischen Rakija erinnern. Am Nachbartisch in Gradsko feierten einige echte mazedonische Helden. Der dicke Wirt ließ immer wieder die 1l-Rakija-Flasche kreisen. Ich bin hier in dem traditionellen Weinanbaugebiet, dem Tikves. Also muss ich doch mal den bernsteinfarbenen Stoff probieren. Daumen hoch!

Samstag, Oktober 05, 2019

Pella

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4.10.2019
Ich besuchte in den letzten drei Tagen die großen makedonischen Königsorte: Aigai, der Hof des Phillipp II. mit dem Theater, dem Ort seiner Ermordung durch seinen Leibwächter und seinem Grab, Mieza, der Ort der Bildung des Alexander und Pella, Philipps und Alexanders Hof. Oder besser ein Hof seiner Vertreter, der künftigen Diadochen. Er war ja unterwegs, um mit seiner Bande, die orientalische Welt zu erkunden und auszubeuten. 
In Pella: Das Haus des "Dionysos"
Mit dem Geld konnte eine große Hauptstadt nahe am Meer und den wichtigsten Handelsstraßen erbaut werden. Die Agora in Pella war wohl eine der größten der hellenischen Welt. Pella, als eine der best erforschten antiken Stätten, und das zugehörige Museum war zu groß für die Auffassungsgabe des radelnden Ebs. Ich muss zu Hause noch einiges nachlesen. Das Museum ist nach Lebensaspekten gegliedert und jeder Aspekt überaus reichhaltig mit Artefakten ausgestattet. Ein interessantes Feld war der Rolle der Frauen gewidmet, die sich stark der Religion und dem Hexentum zugewandt haben. Dort gab es ein beschriftetes Artefakt (die Beschreibung des Materials habe ich nicht verstanden), wo Eine ihre Gedanken in einem nordgriechischen Dialekt nieder gekritzelt hat. Sozusagen ein Tweet. Diese Bildung und die Kenntnisse bedeuteten natürlich dann auch viel Respekt in der Gesellschaft, denn welcher hellenische Held (“Die hat Dinge gekannt!”) wollte es sich mit einer Hexe des Dionysos verscherzen. 
Die Agora (Markt) von Pella
Keine Rolle in der Beschreibung im Museum spielten die Sklaven. Fast muss man glauben, dass es hier nur den Rat der Stadt am nördlichen Rand der Agora, die Handwerker und die Hexen gab. Aber vielleicht war es mit der Ausbeutung des Menschen durch den Menschen schon damals in der Antike etwas komplexer.
5.10.2019
Der Fluss Axiós (der Vardar) bei Polykastro
Ich bin im Grenzort Gevgelija, Nordmazedonien. Die Nordmazedonier haben politisch korrekt die Kennzeichnungen am Grenzübergang sauber überklebt, während unten in Griechenland noch in kleinen Nebenschildern “FYROM” angegeben ist. Gevgelija ist so einer Art Reno des Balkans, für Las Vegas fehlt das Spektakuläre. Mir gegenüber läuft an einem Casino der Jackpot-Zähler: 1.625.144. Die Maßeinheit ist nicht angegeben. Der Kurs des Mazedonischen Denar zum Euro steht bei knapp über 60:1.

Donnerstag, Juni 25, 2015

1977 - 1993 - 2015

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23.6.2015 Der Weg nach Bulgarien
Die Gemüsetafel Mazedoniens, im Hintergrund Strumica
Heute nur eine kleine Etappe von Strumiza über die Grenze nach Petritsch in Bulgarien. Ich habe versucht heraus zu bekommen, wann das mit dem nickenden Verneinen und dem zustimmenden Kopfschütteln kommt. Es muss wirklich an der Grenze liegen.
"Dobro slika", meinten die Einheimischen: Solche Fahnenmasten stehen an vielen zentralen Plätzen im Land
Die Festung des Samuil, wo er gegen die Byzantiner verloren hat, war nicht so spektakulär, wie auch die gesamte Etappe heute durch die Gemüsetafel Mazedoniens und Bulgariens.

24.6.2015 1977 - 1993 - 2015: 3mal Melnik
Bisher waren es immer neue Wege, wenn ich auch mal eine Route von früher gekreuzt habe (2006 mit Ralf in Mazedonien). Jetzt bin ich auf alten Wegen nach Melnik! Ein Moment der Erinnerung unter dem Motto "Früher war Alles besser!"
Damals
Ich sitze in der Kneipe ganz unten in der Stadt an der alten Platane, man sagt, sie steht da seit ca. 800 Jahren. Es ist gegenüber dem Lebensmittelladen, wo Schlottek damals den Joghurt holte, der so erfrischte. Dieses Melnik war für mich damals der Inbegriff des Orient. Die heutige Zeit tut dem Karma von Melnik nicht gut. Heute könnte ich mir den Orient kaufen, ab 20.250€ verkauft hier der Entwickler des Château Melnik Apartments in einem 5*-Hotel.
Soll ich?
Ich habe mein Rad der scharfen Wirtin der Kneipe anvertraut und einen Fotospaziergang durch das heutige Melnik gemacht. Es sind die meisten Gebäude sehr gut hergerichtet. Ich kann nicht erkennen, was alte Substanz oder was nachempfundener Neubau ist. Ich steige hoch zur Ruine der Burg und komme auf dem Weg zum repräsentativen Kordupulov-Haus an einem Weinkeller vorbei. Nach den zwei Dezi verkosteten Roten werde ich sentimental und verrate dem Wirt, dass ich schon 1977 hier war. Darauf stoßen wir zusammen mit seinem speziellen Hauswein an.
Kirche Sweta Nikola Mirlikijski
Sie war die älteste christliche Kirche der Stadt und wurde während der Balkankriege 1912/1913 verwüstet. Im Südwesten der Kirche wurde ein frei stehender hoher Glockenturm errichtet. Der Glockenturm war viereckig, 4 mal 4,5 Meter, mit 1 Meter dicken Wänden.
Fachwerk in Melnik
So kommt es, dass ich mich vom Wirt der mechana und Pension "Vodenizata" in Karlanovo überzeugen lasse, hier mein Lager auf zu schlagen. Petr beschreibt den Weg nach Roshen sehr einprägsam als mächtig steil. Er vergleicht es mit dem Anstieg ab Chotovo, er muss mich wohl beim Quälen vom Auto aus beobachtet haben. Dieses Roshen, mein eigentliches Ziel ist auf dem Weg zur Slavjanka mit dem Alibotusch über den Parilski pereval wohl eher eine Sackgasse für den Radler mit Gepäck. Ich werde morgen ohne Gepäck eine Runde um Roshen und zum Kloster machen und mich am Freitag der letzten Herausforderung stellen. Nach dem nahrhaften Kavarma aus Schweinefleisch habe ich mir zur gepflegten Verdauung einen rakija bestellt. Er empfahl mir seinen domaschno rakija, das ist wieder ein klarer Tresterschnaps, aber angenehm mild.

25.6.2015 Der Tunnel
Heute also der Knoten in die Hügel von Roshen. Der Bulgare an sich ist kein Frühaufsteher.
In Lyubovishte: Der Hirtenhund ruht noch, die Tiere sind noch im Pferch
Niemand ist gegen 8 Uhr schon auf der Straße von Karlanovo zu sehen. Nach dem kleinen Buckel hinüber nach Roshen sieht es genauso aus, nix mit einem Kaffee zum Start des Tages. Der Himmel hat sich über Nacht total bezogen.
Portal des Kloster Roshen
Zuerst schiebe ich mein Rad hoch zum Kloster. Ich bin für den Besuch des Klosters Roshenski manastir dummerweise schlecht gekleidet, kurze Hosen. Ich traue mich nicht rein. Draußen gibt es auch keine richtige Stelle, um das Rad zurück lassen zu können und einen Spaziergang zu dem Pyramidy zu machen.
Unten im Dorf ist immer noch nichts los. Außer zwei jungen Familien, die ein altes Haus fit machen für die Saison. Ich breche auf zum Ausflug hoch in die Sandhügel dieser Gegend nach Ljubovishte und drüber hinaus. Schnell komme ich zu dem vom Abt entdeckten Sandtunnel.
Der Tunnel
Die Straße wird aber immer buckliger, mit Gepäck werde ich diesen Weg nicht leisten können. Das wird mir nun klar.
Wegweiser?
Auf dem Rückweg winken mich drei Leutchen hinein zum Camping von Lyubovishte, es gibt ein kaltes Bier und einen domaschno rakija. Der ist echt der Hammer, der Eine will mich locken, dass ich nach einem Zweiten umfallen würde. Es ist erst Mittag, ich habe bisher nix gegessen, vorsichtshalber lasse ich mich diesmal auf diese Wette nicht ein. Diese Zeilen schreibe ich bei Blagoj.
Bei Blagoj
Es ist die Kneipe, wo sich 2012 die Freunde nach dem Abstieg von der Pirin-Hütte wieder trafen. Hier gab es dann ein zünftiges Mahl. Blagoj macht in seiner Pracht aber auch eine gute Reklame für seine Küche. Jetzt werde ich unten in Melnik noch ein wenig elektronische Post erledigen und relaxen. Morgen muss ich stark sein, die letzte Herausforderung wartet.

Montag, Juni 22, 2015

Strauchsteppe

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Strauchsteppe
Auf den Hügeln hier im Süden Mazedoniens im Tikves wächst es nicht hoch. Es sind eine Vielzahl von blühenden Kräutern, Disteln und kratziges Gesträuch, weiter oben in günstigen Lagen ein paar Kiefern. Ich muss ja öfters halten, denn es geht wieder zünftig bergauf, ich kann man mich ein wenig der Botanik und dem was drauf rum kräucht widmen. Größere Säugetiere wird es wohl wenig geben, in den Erosionsrinnen  fließt nur Wasser nach den Regenfällen wie gestern, dann ist alles wieder weg und trocken. Es gibt hier auch viel weniger Greifvögel wie bei uns, einen Milan habe ich heute kreisen sehen. Bleiben die Kriechtiere und die Insekten. Die Eidechsen sind immer so schnell weg, die kriege ich nicht auf die Linse. Schlangen und Schildkröten habe bisher nicht gesehen, muss man wohl früh raus.
Vor dem Serta-Pass
Es war ein länger Abschnitt ohne Logistik von Negotino bis hier her nach Radovish über den Serta-Pass. Entgegen meiner sonstigen Vorgehensweise bin ich gleich beim ersten Kneiper ran, ist ein Guter, sitzen viele einheimische Gäste hier. Es ist interessant die Eigenschaften des rakija zu beobachten, von Belgrad bis hierher. Im Norden war es immer ein Obstler, dann fragten sie häufig nach: Slivovitz oder von der Traube. Bei den Muslimen war es immer ein klarer Tresterschnaps, hier in Radovish ist es ein Weinbrand, gelagert, golden. Bald bin ich in Bulgarien.
Verkehsgeschehen in Podaresh, bei Radovish
Heute habe ich meinen ersten verifizierten Hunderter geschafft, in Negotino war Strumiza mit 107km ausgeschildert. Nach Radovish habe ich noch eine Schleife auf einer Nebenstraße durch eine Gegend mit dem Stand von 1990 gefahren, mal von den Handies der Teenies abgesehen. Die Anzahl der Autos und Pferdefuhrwerke hielten sich die Waage.
In Podaresh
Deutlich ist der abgestorbene Tabakanbau, nur langsam werden die alten Darren für die Tabakpflanzen durch Foliengewächshäuser ersetzt. Das Polje zwischen Radovish und Strumiza ist sehr fruchtbar, da werden sich doch Alternativen finden lassen. Der Boden ist durch die Verwitterung der weiter vorn beschriebenen Landschaft sehr Mineralien reich. Vom Ograshden-Gebirge herunter kommende Bäche werden geschickt aufgefangen und über zahlreiche Kanäle verteilt, sehr interessant.
Vom Dach meines Hotels in Strumica - Die Baba Wanga (1911–1996), bulgarische Prophetin ist hier geboren
Jetzt hier in Strumica ist die Kluft zwichen Dorf und Stadt schon bemerkenswert. Strumica ist bei Karl May als Ostromdscha bekannt. Im Amtsgebäude des Ortsrichters Kodscha Bascha findet eine Verhandlung statt
Der Hof war außerordentlich schmutzig. Nur der Teil längs des Hauses war einige Meter breit mit einer Vorrichtung versehen, welche jedenfalls ein Pflaster vorstellen sollte. Doch sah dieses Trottoir grad so aus, als ob es aufgerissen worden sei, um als Material zu einem Barrikadenbau zu dienen. Vor der Türe stand ein alter Lehnstuhl, welchen ein vorweltliches Polsterkissen zierte.

Heute ist das ganz anders. Das Zentrum von Strumica ist praktisch zweistöckig, unten die Autos, oben die Leute, spektakulär!

 

Sonntag, Juni 21, 2015

Ein Weinwochenende

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20.6.2015 Eine Verbindungsetappe bis Negotino
Heute bin ich dem größten Fluss Mazedoniens dem Vardar abwärts gefolgt. Diese Route nimmt auch der Highway Alexander von Mazedonien, wo ein Radler nix zu suchen hat.
An der alten Straße hoch über dem Vardar-Tal zwischen Shkopje und Veles
Aber es gibt ja noch die alte Straße. Es gab aber vor Veles eine Einlage, ein ordentlicher Anstieg mit zahlreichen Kurven auf einer fast zugewachsenen Straße. Ich habe sicherheitshalber zweimal geguckt, ob ich richtig bin. Die Wegweiser zeigten nur noch zu diversen Klöstern und Kirchlein.
Im Tal des Vardar: Kirche St. Nikolai
Nach Veles war dann die alte Straße neben der Autobahn in einem ordentlichen Zustand. Ich kam an einen Hügel mit einer großer mazedonischen Flagge, erst dachte ich, da auch Mauern zu sehen waren an eine Festung. Es war die antike hellenische Stadt Shtobi. Ein alter Mann bewachte aber nur ein paar Fundamente und einige zerbröckelte Säulen in einem riesigen eingezäunten Gelände.
Vardar bei Negotino
Erreicht habe ich die Stadt Negotino. Hier war ich schon mit Ralf 2006. Ich werde morgen die hier ausgewiesene Straße nach Strumiza nehmen, um nicht in alte Furchen zu geraten. Damit wird es wieder in die Berge gehen.
In mitten eines großen Kindergeburtstags bei einem ordentlichen Gewitter gab es gerade eines meiner balkanischen Lieblingsgerichte: Gegrillten Schafskäse, petschene siren.

21.6.2015 Ein regnerischer Sonntag
Es ist nix geworden mit dem Weg über die Berge, bin hier geblieben im "Kraichgau" Mazedoniens.
Weinland Tikves
Das ist hier das Weinanbaugebiet Tikves, also auch eine Gegend für einen relaxten Sonntag. Gegen Mittag hatte es sich ausgreregnet, jetzt gegen 17 Uhr ist es genau richtig zum Draußen sitzen und die Weine des hiesigen Gutes "Rovin" zu verkosten.
Frühschoppen, ein Sonntag in Negotino, Backgammon
Sie spielen hier enthusiastisch Backgammon. Dieses Spiel wurde mir 1977 in Bulgarien auch beigebracht. Durch setzen, würfeln und gegnerische Steine blockieren muss man in einem so mit Spitzen illustriertem Spielfeld als Erster die andere Seite besetzen. Es wird mit zwei Würfeln gespielt, so dass man die Augenzahl taktisch klug aufteilen muss, was für die zahlreichen Kiebitze leidenschaftlichen Gesprächsstoff ergibt.

Freitag, Juni 19, 2015

Ramadan

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Gestern wollte ich an der Eckkneipe, wo ich vorgestern mein Gute-Nacht-Bier getrunken habe, das wiederholen. Der gleiche Kellner, ein pfiffiger Internet-Experte, entschuldigte sich: "Ramadan". Ich habe mich schon immer gefragt, was machst Du auf Tour und es ist Ramadan.
„Koran (erstmals) als Rechtleitung für die Menschen herabgesandt worden ist, und (die einzelnen Koranverse) als klare Beweise der Rechtleitung und der Rettung (?). Wer nun von euch während des Monats anwesend (d. h. nicht unterwegs) ist, soll in ihm fasten.“
– Koran: Sure 2, Vers 185
Also Ebs, Du bist unterwegs, sei aufmerksam und navigiere dich geschickt durch die Nationalitäten! Mein Plan war entlang des Vardar nach Shkopje zu fahren. Meine Freunde aus Tetovo beteuerten immer, dass neben der Autobahn die alte Straße verlaufen würde. Das ist der kürzeste Weg. Darin besteht aber eben die Herausforderung, ich will nicht nach Shkopje, ich will einen coolen Weg nach Shkopje finden, dann eben auch einen Umweg.
Derventska klisura des Vardar
Gemeiner Bienenkäfer (Trichodes apiarius)
Segelfalter (Iphiclides podalirius)
Die Straße durch die Derventska klisura war dann auch große Klasse, führte aber direkt wieder in das Feiertagsgebiet des Ramadan im Norden von Shkopje. In einer Dorfkneipe ließ mich der Wirt meinen Schweppes nicht draußen sitzend trinken. Da war es eine gute Idee, dass mein Frühstück bei den Arbeitern der Jugochrom-Hütte in Jegunovce zu deren Freude etwas mächtiger ausfiel. Ein Pleskavica Makedonka, gefüllt mit Käse. ...und das frische Brot, gewürzt mit vegeta und Paprika. Einer befragte mich nach der Religion, zum besseren Verständnis bekreuzigte er sich. Ich antwortete: " No Ramadan!" Ich glaube, darüber hat zur Mittagspause noch die ganze Frühschicht der Chromhütte gelacht.
Die Matka-Schlucht
Eine große Sehenswürdigkeit ist die Schlucht Matka. Mit der letzten Staustufe hat sich Mazedonien so eine Art Königssee geschaffen. Weiter geht es auf einem Saumpfad, ca. 6km, oder mit dem Boot. Es besteht eine sehr gute touristische Infrastruktur, die bis zum Angebot des Gleitschirmfliegen reicht. Das muss unglaublich beeindruckend sein.
Nun habe ich Shkopje erreicht, und zwar in dem Stadtviertel, wo der Ramadan nur im Fernsehen stattfindet. Ich feiere mit einem Tikves-Wein T'ga za jug.
T'ga za jug