Mittwoch, Mai 18, 2022

Wien

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Ich bin mittags in Wien angekommen, mit Heißhunger auf ein Schnitzel. Gleich in einem Beissl gegenüber vom Hauptbahnhof stillen können. Dann ein wenig durch Wien gerollert. Am Arsenal, dem Belvedere und am Karlsplatz.

Es gibt ja so viele Versuchungen für Bauch und Kopf. Eine hieß "Wein und Kunst". Ich fuhr ran und raesonierte rum, wo hier die Kunst sei. "Die Kunst ist, hier zu überleben", sprach der offensichtliche Besitzer mit einer Dame am einzigsten Tisch vor dem Laden. Dann zog er genüsslich an der dicken Zigarre mit einem sehr hellen Deckblatt, wie ich es nur von den
habanas kenne.

Dienstag, Mai 17, 2022

Nun geht es heim

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Den Ruhetag in Szeged habe ich genutzt, um die Heimfahrt zu organisieren. In den letzten Tagen lief der Antrieb des Fahrrads total trocken, die Kette knarzte und quietschte. Manchmal hatte ich schon den Eindruck eines größeren Fehlers. Doch ein Fahrradmechaniker in meinem Alter holte sein Wunderspray, ich sollte das Fahrrad mit gebremstem Hinterrad halten und er ließ behutsam die Kette unterm Spray gleiten. Das Rad "schnurrte wieder wie ein Kätzchen" (Zitat Mechaniker Wenzel aus RU-Cumbach) wie am ersten Tag. "Dafür brauchst Du mir nichts bezahlen", stellte sich heraus, dass der Mann auch ein wenig Deutsch sprach. Es ist nämlich furchtbar, was ich für ein Gestammel hier in Ungarn aufführe, um meine Wünsche artikulieren zu können. Ich vermische alle Sprachen ... und das Gestammel enthält nur 1 1/2 Worte auf Ungarisch. Im Barbershop sprachen die Barbiere englisch, hier war es einfach, meinen Kopf wieder zu zivilisieren. So hätte ich eigentlich die Tour fortsetzen können, aber auch am Bahnhof konnte ich eine Reservierung mit  Fahrradtransport in einem der stündlichen InterCity nach Budapest erstammeln. So waren die Messen gesungen und die Tour endet nach 40 Tagen im Sattel.
Die Kathedrale in Szeged. Für ein angemessenes Abschlussessen fuhr ich vor die Deiche der Theiß, wo die Häuser wegen der regelmäßigen Hochwasser auf Stelzen stehen. 
Übrigens haben Ralf und ich bei unserem Start der Serbientour 2006 diese Überschwemmung gesehen. In einer Csarda hatte ich als Vorspeise mehrere Nacken von Welsen, paniert und spicey. Ich habe das gegessen wie Hähnchenflügel, mit den Fingern. Als Hauptgericht ein Paprikasch vom Wels mit hausgemachten Nudeln. Das war alles so gut, ich brauchte nicht mehr auf das Weinfestval.
Jetzt bin ich in Budapest. Hier kann ich bisher die häufigen Schauer heute gut abwettern. Morgen fahre ich über Wien heim. Bis Wien gibt es eine Fahrradreservierung ... dort muss ich sehen. Die Fahrkarte für 22.000 HUF wird bis Saalfeld gelten und ist ohne Zugbindung ab Wien. 

Sonntag, Mai 15, 2022

Jó estét Magyarországon! (79 km)

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Ich dokumentierte diese Reise auch auf Polarsteps. Das ist eine App, wo man immer mal seinen Standort mit einem Foto und Notizen veröffentlichen kann. Daraus wird die Route auf einer Karte dargestellt. Ist natürlich alles mit den üblichen Datenkraken verbandelt, weshalb ich das auch bisher nicht als Widget auf meiner Webseite eingebaut habe. Die hoffen, dass man dann bei ihnen davon ein Fotobuch bestellt.
Letzter Tag in Rumänien!
Heute morgen habe ich den letzten Standort in Rumänien mit diesem Bild und Text eingegeben und damit wieder mal mein Gefühl offen gelegt, dass ich jedesmal beim Verlassen von Rumänien habe.
Nun bin ich in Szeged. Der Typ, der die FeWo vermietet, ist offensichtlich ein Geek. Elektroauto NISSAN Leaf, für die Haustür musst du dir als Gast die NUKI-App auf dein Handy laden - elektronisches Schloss und zur staatlichen Registrierung wird kein Formular ausgefüllt, sondern ein Video-Ident-Verfahren gestartet. Daran ist er aber gescheitert, meinen Perso hat seine App nicht zu scannen vermocht.
Seit ich in Ungarn bin habe ich noch kein einzigstes Bier getrunken. In Szeged ist Wein-Festival. Die Weinmeile in Naumburg mag ja lang sein, aber soviel pincen wie hier hat Naumburg nicht. Hier sind bestimmt 80% aller ungarischen pincen vorstellig. Dazwischen spektakuläre Fressangebote. Diese Aufgabe habe ich mir aber für morgen Abend aufgehoben. Heute hatte ich nur einen gespritzten Rosé aus Villaný und einen Grünen Veltliner vom Balaton.
Nun gab es doch noch ein Bier ... und das kam so. Ich hatte noch immer nicht das ungarische Essenserlebnis. Von der Weinmeile musste ich weg, zu viele Leute. Ich radelte weg vom Zentrum und fand einen "magic garden". Das war aber eher so ein neumodischer Hipsterladen mit amerikanischen Gerichten und sexuell indifferenter Bedienung. Dort hatte ich nur drei Gespritzte. Ein paar Dutzend Meter weiter, eine Csarda! Ich fragte scheu, ob es noch was zu Essen gibt. Ich war der einzigste/letzte Gast. Der Ober ließ keinen Zweifel, hier gibt es was Ungarisches. Ich hatte ein Bohnengulasch - babgulyás. Umwerfend. Den Abschluss bildet nun ein Pflaumen-Palinka. Es ist 21 Uhr, hoffentlich lässt mich das NUKI-Schloss noch rein.

Samstag, Mai 14, 2022

Auf der Suche nach schwäbischer Tradition (101 km)

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Um es kurz zu machen: Keine gefunden. In dieser Gegend siedeln fast alle Nationalitäten Mitteleuropas. Die Habsburger haben alle als Steuerzahler willkommen geheißen. Nur den Deutschen hat immer wieder Einer eingeredet, dass sie was Besseres verdient hätten. Nun sind sie alle weg. 
Haus in Iohanisfeld. Im ungarischen Nachbardorf Otelec wäre wohl morgen Kirchweih, wo auch einige Deutsche aus dem Westen zu Besuch kämen.
An einem Haus stand am "Zum Verkaufen"-Schild eine deutsche Nummer.
Ein Dorf der natives des Banats am Großen Bega-Kanal. Jetzt in Lovrin hat mich ein Fahrer eines Porsche Cayenne mit deutscher Nummer  angesprochen, der wohl von hier stammt und noch Eigentum pflegt. Während unseres Gesprächs hat er einen Kunden für einen Renault Laguna am Telefon abgewimmelt - ist wohl heute Autohändler. Ich zeigte ihm meine bisherige Reiseroute auf dem Handy. Da fragte er mich, was besser sei: Rumänien oder Bulgarien. Als ich Bulgarien benannte, war er etwas angesäuert. Ich trinke gerade in Lovrin aus einem gefrosteten Plastikkrug bere halba an einem Spielsalon.

Freitag, Mai 13, 2022

Auf der Hecke und in der Heide (64 km)

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Als Prinz Eugen von Savoyen diese Gegend von den Türken zurück eroberte (Schlacht von Zenta an der Theiß), soll hier das Gras so hoch gewachsen sein, dass ein Reiter sich drin verstecken konnte. Es siedelten hier Serben und Walachen. Das reichte aber nicht für ein ordentliches Steueraufkommen aus den Eroberungen. Also warben die Habsburger in ganz Europa Siedler an. In mehreren Schwabenzügen kamen auch viele deutsche Siedler. Sie nannten die flachen Gebiete der Pannonischen Tiefebene die Heide, die weiter östlich liegenden Hügelrippen waren die Hecken.
Der Bahnhof von Oravitz ist ein Ende der Banater Semmering Bahn nach Anina, die täglich von einem Zugpaar bedient werden soll. Die Strecke ist nicht an das rumänische Zugnetz angeschlosseen. Ein Fahrplan konnte ich nicht entdecken, der Kassensaal war verschlossen. Ich glaube nicht an einen Zugverkehr. 
Das war heute also mein Weg: Vom Bahnhof in Oravitz auf den Hecken bis nach Deta in die Heide. Dann hat mich die sengende Hitze madig gemacht und ich bin in das hier überraschend auftauchende Hotel eingecheckt.

Die Radwege in Deta! Von den Banater Schwaben scheint hier nix mehr übrig zu sein. Schon die Wehrmacht hat mehrere 10000 Banater Schwaben aufgefordert zu fliehen. In den 80ern und 90ern sind wohl der Rest gegangen. Die Leute, die ich mit ein paar Worten deutsch hier kennenlernen durfte, hatten ihr Deutsch bei der Arbeit in Deutschland gelernt.