Samstag, Juli 18, 2026

Grenzwertig

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Endlich habe ich mich aufgerafft und bin mit meinen Single-Caravan losgefahren. Die totale Autarkie ist noch nicht gegeben. Die Lokusprozedur ist nur für eine planmäßige Nutzung definiert. Wenn's wirklich pressiert, habe ich den Lokus bestimmt nicht rechtzeitig betriebsbereit. Die mit Sonne betriebene Batterie ist mit 75 Ah zu schmalbrüstig für einen 2000 W Wechselrichter. Mein jetziger Wechselrichter hat 300 W und geht beim Anschluss des eBike-Ladegeräts in die Knie. Für Smartphone&Co. reicht es.
Ich starte meine Tour in den Sudeten bei den Felsenstädten Adrspach und Weckelsdorf. Bei der Anfahrt gestern gab es paar Schikane: Der Pass bei der Burg Tolstejn war gesperrt, ich musste den Jedlova westlich umfahren. Hinter Trutnov (Trautenau) habe ich mich verfahren und stand plötzlich am Grenzübergang Lubawka-Kralovec. Die schlesisch-polnische Karte hatte ich nicht offline in mapy.com. Aber die EU und die Telekom lässt mich ja mit Flatrate ins Internet und ich habe eine super Route über Chelmko Sl. (Schömberg) und Mieroszow (Friedland) zu meinem Ziel, dem Zeltplatz Autokemp Lodenice direkt auf der Grenze in Zdonow (Merkelsdorf) gefunden. Hier gab es die letzte Schikane, eine Fahrbahnverengung auf 2,2 m. Mein Auto hatte mehr Angst als ich und piepste wie verückt. Ein reicher Pole hat mit seinem fetten Daimler-SUV einen Einweiser gebraucht.
Grenzübergangsschikane
Wie im gesamten Czechischen Grenzgebiet gibt es auch hier "verschwundene Dörfer". Hier ist es Libna (Liebnau). Es gibt noch den Dorfteich mit Nepomuk und ein Kriegerdenkmal. Da sind aber die Menschen ausgelöscht.
Kriegerdenkmal: Die Menschen sind ausgelöscht


Keine Finanzwache da 
Es gab einen Grenzweg nach Schömberg im Schlesischen. Ich bin bis zur Grenze gefahren. Die Grenze zum deutschen Schlesien wurde früher von der tschechischen Finanzwache bewacht, trotzdem fanden die Liebnauer Wege zum Paschen von Waren. Das konnte ich an diversen Erklärtafeln lernen, die tatsächlich in Tschechisch und Deutsch verfasst waren.

Donnerstag, März 26, 2026

Am Schwarzen Meer

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The Dawn: Kap Kaliakra
Es ist einsam am Schwarzen Meer vor der Vorsaison. Ich bin am Kap Ikantalak unterhalb von Topola. Hier haben diverse Investoren diverse Ressorts, Glamping-Plätze und Appartmenthäuser bauen lassen. Zwei Dutzend Leute aus der arbeitenden Klasse versuchen nun die Saison 2026 vorzubereiten. Mein virtueller Host (ich kenne ihn nur aus WhatsApp), der Herr Dimitrov, hat schon mal sein nobles Appartment bei booking.com frei gegeben, wodurch ich mich hier für drei Nächte einmieten konnte. Die booking-Leute sollten mal angeben, in welchem Stockwerk ihre Horntzschen liegen, der alte Ebs musste bis in den dritten Stock kraxeln. Sicher bin ich hier der erste Gast im Jahr, den Kaffee, die Kaffeekapseln und weitere Reste vom letzten Jahr ignoriere ich mal, aus der Wasserleitung lasse ich es mehrere Minuten rauschen. Die kleinen Supermärkte um die Ecke haben noch Alles in Lewa ausgepreist und geschlossen. Ich bin an den großartigen weißen thrakischen Cliffs der bisher einzigste Tourist.

Die weißen Cliffs
Das Wetter die zwei Tage war super, es war eine sonnige Lust zu pedalieren. Die Crux ist nur, um hier wirklich wegzukommen, muss ich knapp hundert Meter die weißen Wände hoch strampeln. Richtung Baltschik gibt es eine alte Küstenstraße mit mäßigen Anstiegen, die ich mit meinem Bio-Rad noch schaffe. 
Am Kap Ikantalak

Da hinten ist Albena
So komme ich an Verpflegung und Getränke, ohne mein Auto bewegen zu müssen. In Tuzlata haben bereits drei klassische skara bira geöffnet, hier werde ich wohltuend empfangen. Ich kann die ganzen Klassiker durchkosten: Schopski Salat, ribni ciorba, kufteta und Rakia. Ich finde eine Schwefel-Thermalquelle und erinnere mich, dass ich hier vor 49 Jahren schon war. Morgen starte ich die Heimreise.

Montag, März 23, 2026

Plimbare, plimbare

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Es ist kalt im Delta
Plimbare ist das wohlklingende rumänische Wort für spazieren, schlendern, Zeit verplempern. Hier in Murighiol meist verwendet in Verbindung plimbare cu barcu. Das bedeutet mit dem Ausflugsboot durchs Donaudelta schippern. Ich bin wohl hier der erste Tourist dieses Jahr, sicher der Einzigste zur Zeit. Da lohnt es nicht, die Leinen der vielen Barken los zu machen, ich habe garnicht erst gefragt. Am Sonnabend und Sonntag war es kalt, windig und nieslich. Einige reiche Bukarester bringen ihre Boote in den Hafen. Mein plimbare-RADius beschränkte sich nur auf diverse magazin mixt in Murighiol.
Heute war es eine sonnige Lust zu Pedalieren. Ich besuchte die römische Festung Halmyris. Hier beginnt der Limes.
Das Westtor
Dann die entgegengesetzte Richtung nach Mahmudia an den St.Georgs-Strom, der südliche Hauptarm der Donau im Delta.
Sf.Gheorghe in Mahmudia
Morgen gehts nach Bulgarien.

Freitag, März 20, 2026

Ich bin kein Automobilist

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Ich entscheide von Tag zu Tag und Wetter zu Wetter, wo die Reise hingehen soll. Aktuell geht die Sonne über den Măciner Bergen unter, ich bin wieder zurück in Rumänien am Rande des Donaudeltas in Murighiol. Das Auto funktioniert für mich nur als Transportmittel zum Ziel. Unterwegs gibt es nichts zu entdecken, zu besuchen oder sonst einen Anlass zum Halten. Das Lenken fordert meine volle Aufmerksamkeit, selten fällt mir was aus der Umgebung auf. Die letzten zwei Tage bin ich nach Gagausien und dann weiter hierher ins Delta gefahren. Die Hauptstadt Chisinau habe ich auf der LKW-Umgehung westlich umfahren. Die Brummer haben mich bei angewiesenen 50 km/h gejagt. Im Zentrum von Comrat, der Hauptstadt der Gagausen, sah ich ein mit Stacheldraht gesichertes Gebäude, davor ein Wachmann und die türkische Flagge. Leider aber keinen Platz, der mir Nichtautomobilisten ein gefahrloses Ein- und Ausparken zuließ. Zu den ethnischen Wurzeln der Gagausen streiten sich die Gelehrten. Ohne Zweifel ist die Verwandschaft der Sprache der Gagausen zum osmanischen Türkisch. Die können sich wohl tatsächlich verstehen und unterhalten. Ich hätte schon gern dort "boots on the ground" geforscht, was das für ein Gebäude ist. So fuhr ich weiter nach Congaz. Das ist die gagausische Station der DIAMIR-Reisen nach Moldawien. 
Die Gaststube
Hier gibt es Ethno&Eco-Etablissement. Hotel und Restaurant liegen gut 1000 m auseinander, gut dass ich mein Rad mit hatte. Bisher habe ich mit den Gagausen mich sehr gut russisch verständigen können. Bei der gagausischden Gastwirtschaft gab es eine Chefin, die mich in englisch willkommen hieß. Draußen war es schon recht kalt, also schob sie mich in eine kleine Ethno-Stube mit vier Gedecken auf dem Tisch. Diese Stube teilte ich noch mit einer niedlichen Bettelmiez.
Die Bettelmiez
Angebot im Kirchenkiosk
Dann kam die Bedienung als Mädchen in Tracht. Den gagausischen Bortsch und das schweinige Kaurma (beachte die Verwandschaft zum bulgarischen Kawarma) konnte ich aus der köstlich illustrierten Speisekarte darlegen, das gewünschte Bier verstand sie nicht. Später, als ich die gagausischen Köstlichkeiten schon verkasematuckelt hatte, verstand sie meine Bitte "Принесите пожалуйста пиво!"
Später war ich noch an der Kirche in Congaz. Die Gagausen sind orthodoxe Christen. Selbst die jungen Kerle hielten vor der Pforte zum Kirchhof inne und bekreuzigten sich dreimal. Im Kirchenkiosk gibt es kleine Spray-Fläschchen mit der Aufschrift "MYRO". Ist das Weihrauch-Parfum? GoogleLens konnte nicht helfen. Ich bin zu sehr Radreisender. Es wäre Gott gefällig, so etwas als Andenken zu kaufen. Im Auto ist genug Platz.
Hier gibt es auch die Ortseingangsmonumente mit heldenhaften Abbildern der werktätigen Bevölkerung. Auf dem Weg zur Grenze nach Rumänien sah ich ein solches Monument mit der Aufschrift Albasdorf. Das war zwischen Albota de jos und Albota de sus. An der moldawischen GÜST bei Cahul gab es wieder eine Herausforderung vom Wackelkontakt. 3malige Wiederholung führte zum Ziel. Die Grenzer haben nur bissel komisch geguckt. Die nächsten drei Tage dann wieder auf dem Rad, da gibt es auch wieder Bilder.

Mittwoch, März 18, 2026

Orheiul Vechi

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Damals 2011 auf der Radtour nach Odessa kannte ich als Merkwürdigkeiten in Moldawien nur die beiden seltsamen Autonomien Transnistrien und Gagausien. Ich bin zwar durch Orhei gekommen, wusste aber nichts von der wunderbaren Landschaft Alt Orhei. 
Belvedere
Hier macht das Flüsschen Răut (russisch Ре́ут Reut) in seinem tiefeingeschnittenen Tal zwei Schlingen. Diese formenreich strukturierten tiefen Flusstäler, für die die Schlingen von Orheiul Vechi exemplarisch stehen, heben sich deutlich von den ansonsten in Moldawien vorherrschenden, eher monotonen flachhügeligen Steppengrasflächen und Äckern ab und fordern eine Drohne zur Präsentation. Das war mir schon zu Hause klar, leider habe ich das Gerät nicht ins Fluggepäck gekriegt. An deren Hängen treten zwischen weichen tonigen und sandigen Schichten und Konglomeraten an manchen Stellen ältere Gesteine wie kreidezeitliche Kalke oder noch ältere Granite hervor. In den Schichten der Kreidezeit finden sich viele fossile Muscheln. 
 
Muscheln aus der Kreidezeit

Der Fluss Răut
Dieses Gebiet ist nachweislich schon seit der Steinzeit besiedelt. Seinen zivilisatorischen Höhepunkt hatte es im 14. Jhdt. als tatarische Festung Schehr al-Jadid mit Palast, Karawanserei und einem großen Badehaus.
Das Tartarenbad
Ich habe mich in der Pension Valea Stâncii in Trebujeni für drei Nächte eingemietet, um die Gegend mit dem Rad zu erkunden. In den Nächten hat es noch Frost, im Auto müsste ich die Standheizung laufen lassen. Aber ihr wisst: Ölkrise. Morgen gehts nach Gagausien.
In Trebujeni