Mittwoch, März 18, 2026

Orheiul Vechi

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Damals 2011 auf der Radtour nach Odessa kannte ich als Merkwürdigkeiten in Moldawien nur die beiden seltsamen Autonomien Transnistrien und Gagausien. Ich bin zwar durch Orhei gekommen, wusste aber nichts von der wunderbaren Landschaft Alt Orhei. 
Belvedere
Hier macht das Flüsschen Răut (russisch Ре́ут Reut) in seinem tiefeingeschnittenen Tal zwei Schlingen. Diese formenreich strukturierten tiefen Flusstäler, für die die Schlingen von Orheiul Vechi exemplarisch stehen, heben sich deutlich von den ansonsten in Moldawien vorherrschenden, eher monotonen flachhügeligen Steppengrasflächen und Äckern ab und fordern eine Drohne zur Präsentation. Das war mir schon zu Hause klar, leider habe ich das Gerät nicht ins Fluggepäck gekriegt. An deren Hängen treten zwischen weichen tonigen und sandigen Schichten und Konglomeraten an manchen Stellen ältere Gesteine wie kreidezeitliche Kalke oder noch ältere Granite hervor. In den Schichten der Kreidezeit finden sich viele fossile Muscheln. 
 
Muscheln aus der Kreidezeit

Der Fluss Răut
Dieses Gebiet ist nachweislich schon seit der Steinzeit besiedelt. Seinen zivilisatorischen Höhepunkt hatte es im 14. Jhdt. als tatarische Festung Schehr al-Jadid mit Palast, Karawanserei und einem großen Badehaus.
Das Tartarenbad
Ich habe mich in der Pension Valea Stâncii in Trebujeni für drei Nächte eingemietet, um die Gegend mit dem Rad zu erkunden. In den Nächten hat es noch Frost, im Auto müsste ich die Standheizung laufen lassen. Aber ihr wisst: Ölkrise. Morgen gehts nach Gagausien.
In Trebujeni
 

Sonntag, März 15, 2026

Die Kapitale der Roma

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Heute ein Tag ohne Auto ... scheen war's. Soroca (russisch und ukrainisch Сороки Soroki, „Elster") liegt direkt am Dnistr. Eine fast 300 m hohe Hügelkette reicht hier bis an das Westufer des Dnistr heran. Die habe ich heute bei der "Lampe der Dankbarkeit" erklommen. 
Die Kreideklippe unter der "Lampe der Dankbarkeit"
Bekirow Jar - Die Erimitage in der Mitte der Wand
Gleich unten bevor die Straße ordentlich ansteigt, gibt es den historischen Ort "Bekirow Jar", eine Erimatage in halber Höhe in der Wand. Schon der Haldenweg hat mich abgeschreckt, die 5m hoch Tritte in der bröcklichen Kreidewand hätte ich wohl auch vor 40 Jahren abgewählt. Ich habe mir die Höhe durch Strampeln und Schieben auf der Straße hoch in den Ortsteil Zastinca erkämpft und wurde oben mit einem magazin mixt belohnt. Hier residiert ein uraltes Ömchen. Bei älteren Leuten (also so mein Alter) sollte man russisch sprechen. Das Ömchen erkundigte sich besorgt bei mir, ob wir denn in Deutschland noch Gas haben. Ich trinke draußen zwei Bier aus Chisinau - leidlich. Hier beginnt eine Spur des Menschenhandels.
Die Nummer für Arbeit in Europa
Der Rückweg führte mich durch ein Stadtviertel mit imposanten Villen der Roma-Minderheit, was im Volksmund zum Beinamen „Zigeunerhauptstadt Moldaus" für Soroca führte. Die Bauherren ließen sich von diversen weltberühmten Bauwerken wie dem Petersdom oder dem Spasski-Turm inspirieren. Da ist das Haus mit der goldenen Kuppel, das Zigeuner-Parlament und der Palast des reichsten Zigeunerbaron Europas. Nur wenige Paläste machen einen bewohnten Eindruck, ich sah keinen fertig gebaut. Die Paläste ähneln eher lost places, ich traute mich nicht zu fotografieren.
Nun sitze ich im Restaurant "Salat" bei einer Soljanka und bere Timisoareana. Bisher schlägt die Küche in Moldawien die rumänische Küche locker. Auch gut: Die Speisekarten sind großartig bebildert.

Samstag, März 14, 2026

Die Kunst des Wackelkontakts

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Im Prüffeld in der Elektronik bei Zeiss Saalfeld hieß es es richtig: Fehler so lange halten wie möglich. Nichts ist schlimmer beim Strom als ein Wackelkontakt. Bei meiner Probefahrt am Donnerstag hoch in die Karpaten hatte ich einen "Fehler Kollisionswarner". Man mag denken, nicht so ein Problem, ich bremse in der Regel eher als die Assistenz. Aber beim Peugeot geht dann auch der Tempomat nicht mehr. Ohne Tempomat schaffe ich die geplanten großen Strecken nicht. Am Freitag wollte ich in die Werkstatt reklamieren ... es funzt wieder. Selbst-Reparatur-Taste!
Am Dnistr
Fluss Dnistr in Soroca
Am Sonnabend - Sâmbătă starte ich die Rückreise. Sie beginnt mit einem Bogen nach NO ins Länderdreieck RO-UK-MD zum GÜST Rădăuți-Prut (RO) - Lipcani (MD). Hier ist Schengen-Grenze, die Beamten beider Länder sowohl die Grenzpolizei als auch der Zoll nehmen ihre Aufgabe ernst und prüfen professionell und freundlich. Mein Auto hat so köstlich viele verschiedene Türen (5), die konnte ich bei beiden Grenzposten alle öffnen. Beim Anblick des Fahrrads haben'se dann ihre Visite abgebrochen und mich freundlich verabschiedet. Der junge moldawische Grenzpolizist zeigte mir auch gleich die Tür zur Wechselstube und zum Kauf der "Vignette". Die "Vignette" zeigt sich als anderthalb-seitiger Ausdruck des Datenbankeintrags und kostet für 7 Tage 85 MDL (das müsst ihr durch 20 teilen für den Europreis). Es stellte sich gleich während der Weiterfahrt raus, mehr isses auch nicht wert. Die moldawischen Straßen locken wieder jeden Wackelkontakt hervor. Der ploppte beim Start nach der Mittagspause bei Edinet auf. Beim Start blinkte es kurz, dann gar kein Strom, kein Anlassen. Der Prüfingenieur öffnete die Motorhaube und zuckelte an etlichen Steckverbindern rund um die Batterie ... und in der Tat: Da geht wieder was. Fürs Anlassen reichte es aber nicht aus. Es brauchte 5 Wiederholungen und ich konnte weiterfahren. Na das kann ja was werden! Ich habe mir den Steckverbinder des wirkungsreichsten Zucklers gemerkt ...
Die Trutzburg in Soroca

 

Mittwoch, März 11, 2026

Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert. Ich besitze wieder mein Auto.

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Die am Rande beteiligten Parteien haben die Wiederinbesitznahme zwar ein wenig rau gestaltet, auf die wichtigen Akteure war 100%ig Verlass. Bei der Anreise nach Illertissen zu meinem Bruder war der ICE von Erfurt nach München pünktlich. Die Lokalbahnen in Thüringen und in Bayern haben gehunzt. Aus drei Umstiegen laut Fahrplan wurden fünf, incl. Bahnsteigwechsel in Memmingen 8 min vor der Abfahrt. Für 'nen alten Mann eine Herausforderung. Die Abfertigung des WizzAir-Flugs auf dem Flugplatz Memmingen war wie Krieg ... 90% warten und dauert länger wie geplant. Der Flug selbst (laut Kostenaufstellung knapp 6€) ein Erlebnis. Ich habe mit mapy die Route verfolgt, großartige Sicht auf die Schnee bedeckten Gipfel des Rodna bei Sonnenuntergang. Da war der Flieger schon im Sinkflug nach Suceava. Als ich aus dem Flugplatz raus zum Taxistand bin, zeichneten sich am abendroten Horizont zackig die Karpaten ab ... großartig. Noch rechtzeitig vor Küchenschluss in die pensiunea Meteora eingecheckt.
Auf Probefahrt
Heute Morgen dann perfekt mein Auto von Daniel bei AutoDel in Sučeva übergeben bekommen. Ein Monteur holte es vom Standplatz, rückwärts eingeparkt mit Fußmatte im Fahrerraum wurden mir die erbrachten Reparaturen und Services erläutert und dann los, wieder Fahren lernen zum Tanken. Auch hier in Rumänien sind schon knapp 9 Lei für den Liter Diesel ausgezeichnet. Der Euro kostet ziemlich genau 5 Lei. Der Taxifahrer und Meister Daniel erkundigten sich nach den Kraftstoffpreisen in Deutschland. Mit 2,20 € haben sie nicht gerechnet. Die Probefahrt absolvierte ich auf schmalen Dorfstraßen. Damit kann ich die notwendige Aufmerksamkeit trainieren, die es braucht, östlichen Verkehr zu meistern. Praktisch nur Ortsverkehr, was 50 km/h und an den zahlreichen Fußgängerüberwegen 30 km/h bedeutet. Der Rumäne an sich hinter mir in seinem Auto sieht das ganz anders und überholt mich bei im Tempomat eingestellten 58 Stundenkilometern. Immer beachten die Fuhrwerke, die Fußgänger ohne Bürgersteig und die eRoller, die dir in einer Linkskurve auf deiner Fahrspur entgegen kommen.