Sonntag, März 15, 2026

Die Kapitale der Roma

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Heute ein Tag ohne Auto ... scheen war's. Soroca (russisch und ukrainisch Сороки Soroki, „Elster") liegt direkt am Dnistr. Eine fast 300 m hohe Hügelkette reicht hier bis an das Westufer des Dnistr heran. Die habe ich heute bei der "Lampe der Dankbarkeit" erklommen. 
Die Kreideklippe unter der "Lampe der Dankbarkeit"
Bekirow Jar - Die Erimitage in der Mitte der Wand
Gleich unten bevor die Straße ordentlich ansteigt, gibt es den historischen Ort "Bekirow Jar", eine Erimatage in halber Höhe in der Wand. Schon der Haldenweg hat mich abgeschreckt, die 5m hoch Tritte in der bröcklichen Kreidewand hätte ich wohl auch vor 40 Jahren abgewählt. Ich habe mir die Höhe durch Strampeln und Schieben auf der Straße hoch in den Ortsteil Zastinca erkämpft und wurde oben mit einem magazin mixt belohnt. Hier residiert ein uraltes Ömchen. Bei älteren Leuten (also so mein Alter) sollte man russisch sprechen. Das Ömchen erkundigte sich besorgt bei mir, ob wir denn in Deutschland noch Gas haben. Ich trinke draußen zwei Bier aus Chisinau - leidlich. Hier beginnt eine Spur des Menschenhandels.
Die Nummer für Arbeit in Europa
Der Rückweg führte mich durch ein Stadtviertel mit imposanten Villen der Roma-Minderheit, was im Volksmund zum Beinamen „Zigeunerhauptstadt Moldaus" für Soroca führte. Die Architekten ließen sich von diversen weltberühmten Bauwerken wie dem Petersdom oder dem Spasski-Turm inspirieren. Da ist das Haus mit der goldenen Kuppel, das Zigeuner-Parlament und der Palast des reichsten Zigeunerbaron Europas. Nur wenige Paläste machten einen bewohnten Eindruck, ich sah keinen fertig gebaut. Die Paläste ähnelten eher lost places, ich traute mich nicht zu fotografieren.
Nun sitze ich im Restaurant "Salat" bei einer Soljanka und bere Timisoareana. Bisher schlägt die Küche in Moldawien die rumänische Küche locker. Auch gut: Die Speisekarten sind großartig bebildert.

Samstag, März 14, 2026

Die Kunst des Wackelkontakts

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Im Prüffeld in der Elektronik bei Zeiss Saalfeld hieß es es richtig: Fehler so lange halten wie möglich. Nichts ist schlimmer beim Strom als ein Wackelkontakt. Bei meiner Probefahrt am Donnerstag hoch in die Karpaten hatte ich einen "Fehler Kollisionswarner". Man mag denken, nicht so ein Problem, ich bremse in der Regel eher als die Assistenz. Aber beim Peugeot geht dann auch der Tempomat nicht mehr. Ohne Tempomat schaffe ich die geplanten großen Strecken nicht. Am Freitag wollte ich in die Werkstatt reklamieren ... es funzt wieder. Selbst-Reparatur-Taste!
Am Dnistr
Fluss Dnistr in Soroca
Am Sonnabend - Sâmbătă starte ich die Rückreise. Sie beginnt mit einem Bogen nach NO ins Länderdreieck RO-UK-MD zum GÜST Rădăuți-Prut (RO) - Lipcani (MD). Hier ist Schengen-Grenze, die Beamten beider Länder sowohl die Grenzpolizei als auch der Zoll nehmen ihre Aufgabe ernst und prüfen professionell und freundlich. Mein Auto hat so köstlich viele verschiedene Türen (5), die konnte ich bei beiden Grenzposten alle öffnen. Beim Anblick des Fahrrads haben'se dann ihre Visite abgebrochen und mich freundlich verabschiedet. Der junge moldawische Grenzpolizist zeigte mir auch gleich die Tür zur Wechselstube und zum Kauf der "Vignette". Die "Vignette" zeigt sich als anderthalb-seitiger Ausdruck des Datenbankeintrags und kostet für 7 Tage 85 MDL (das müsst ihr durch 20 teilen für den Europreis). Es stellte sich gleich während der Weiterfahrt raus, mehr isses auch nicht wert. Die moldawischen Straßen locken wieder jeden Wackelkontakt hervor. Der ploppte beim Start nach der Mittagspause bei Edinet auf. Beim Start blinkte es kurz, dann gar kein Strom, kein Anlassen. Der Prüfingenieur öffnete die Motorhaube und zuckelte an etlichen Steckverbindern rund um die Batterie ... und in der Tat: Da geht wieder was. Fürs Anlassen reichte es aber nicht aus. Es brauchte 5 Wiederholungen und ich konnte weiterfahren. Na das kann ja was werden! Ich habe mir den Steckverbinder des wirkungsreichsten Zucklers gemerkt ...
Die Trutzburg in Soroca

 

Mittwoch, März 11, 2026

Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert. Ich besitze wieder mein Auto.

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Die am Rande beteiligten Parteien haben die Wiederinbesitznahme zwar ein wenig rau gestaltet, auf die wichtigen Akteure war 100%ig Verlass. Bei der Anreise nach Illertissen zu meinem Bruder war der ICE von Erfurt nach München pünktlich. Die Lokalbahnen in Thüringen und in Bayern haben gehunzt. Aus drei Umstiegen laut Fahrplan wurden fünf, incl. Bahnsteigwechsel in Memmingen 8 min vor der Abfahrt. Für 'nen alten Mann eine Herausforderung. Die Abfertigung des WizzAir-Flugs auf dem Flugplatz Memmingen war wie Krieg ... 90% warten und dauert länger wie geplant. Der Flug selbst (laut Kostenaufstellung knapp 6€) ein Erlebnis. Ich habe mit mapy die Route verfolgt, großartige Sicht auf die Schnee bedeckten Gipfel des Rodna bei Sonnenuntergang. Da war der Flieger schon im Sinkflug nach Suceava. Als ich aus dem Flugplatz raus zum Taxistand bin, zeichneten sich am abendroten Horizont zackig die Karpaten ab ... großartig. Noch rechtzeitig vor Küchenschluss in die pensiunea Meteora eingecheckt.
Auf Probefahrt
Heute Morgen dann perfekt mein Auto von Daniel bei AutoDel in Sučeva übergeben bekommen. Ein Monteur holte es vom Standplatz, rückwärts eingeparkt mit Fußmatte im Fahrerraum wurden mir die erbrachten Reparaturen und Services erläutert und dann los, wieder Fahren lernen zum Tanken. Auch hier in Rumänien sind schon knapp 9 Lei für den Liter Diesel ausgezeichnet. Der Euro kostet ziemlich genau 5 Lei. Der Taxifahrer und Meister Daniel erkundigten sich nach den Kraftstoffpreisen in Deutschland. Mit 2,20 € haben sie nicht gerechnet. Die Probefahrt absolvierte ich auf schmalen Dorfstraßen. Damit kann ich die notwendige Aufmerksamkeit trainieren, die es braucht, östlichen Verkehr zu meistern. Praktisch nur Ortsverkehr, was 50 km/h und an den zahlreichen Fußgängerüberwegen 30 km/h bedeutet. Der Rumäne an sich hinter mir in seinem Auto sieht das ganz anders und überholt mich bei im Tempomat eingestellten 58 Stundenkilometern. Immer beachten die Fuhrwerke, die Fußgänger ohne Bürgersteig und die eRoller, die dir in einer Linkskurve auf deiner Fahrspur entgegen kommen.

Donnerstag, Juli 17, 2025

In der Maramures

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Im Plan für die Maramures stand der CP Babou in Breb. Der Weg stellte in locru heraus, im Bau. Es wäre eh sehr herausfordernd gewesen, von dort aus Radexkursionen zu starten. Zudem verkündete die extrem schwüle Luft einige Gewitter ... und so sollte es sein. Ich habe dann ersteinmal noch einige Schleifen mit dem Mobil gedreht, lauter Wege aus der Großen Rumänien Tour 1986. Es wird viel gebaut auf dem Weg hoch zum Neteda-Pass hinüber nach Cavnic. Unsere Campwiese, die uns Gert anwies, kann ich nicht mehr identifizieren. Dann durch Cavnic hinunter zur Kirche von Surdesti. 
Biserica de lemn in Surdesti
Das beindruckende Innere
Für einen kleinen Obulus konnte ich die prächtig ausgemalte Kirche besichtigen. Die Kirchenbedienerin erläuterte, dass hier nichts an den Farben in den Jahrhunderten restauriert wurde. Wirklich beeindruckend. Die Rückfahrt in das Mara-Iza-Gebiet führte über Baia Sprie und dem Gutii-Pass nach Barsana. Dort hatte ich auch einen Campingplatz Bradova Barsana gefunden. Da hatte ich mir was eingebrockt. 
Am Horizont der Hahnekamm (Creasta gogosului)
Der Platz Badova Barsana mit Weitblick
Eine ausgezeichnete Lage mit weitem Blick zum Creasta Gogosului mit einem Aufstieg in drei Steilstufen (ca. 16% plus) auf 500 m Höhe. Ich überlegte schon, ob ich nochmal runter soll, aber außer einem Tuica zur Begrüßung gab es keine Logistik. Doch ich wagte es ... runter ins magazin mixt war es wert. Als ich zurück kam, hatte sich der Platz leidlich gefüllt mit solchen Offroad-Campern wie die Schweden, diesmal nur aus Bayern und aus Polen, meine netten Nachbarn.
Am folgenden Mittwoch dann der Ausflug mit dem Rad nach Valea Stejarului. Hier stand noch eine offene Aufgabe aus 1986. Gert schwärmte von dem Holzschnitzerdorf im Tal der Eichen und führte uns durch eine Furt im Fluss Iza. Die dort wimmelnden Blutegel vergällten mir dieses Dorf und ich trennte mich von der Truppe, in Oberwischau kamen wir dann nach zwei Tagen wieder zusammen. 
Die Kirche im Dorf

Heute führt eine asphaltierte Straße in das Dorf, wo es in der Tat noch einige schöne Tore gibt. Für ihr Kirchendach hatten sie aber nur Blech über. Überraschenderweise hatten sie auch ein gastliches magazin mixt. Diese ganze Tour war gekennzeichnet von aufmerksamer Wetterbeobachtung wegen der ständigen Gewitterschauer die über die Maramures zogen. Dreimal musste ich eine Bierpause einlegen (i.d.T. immer nur ein Bier), sodass ich oben auf dem CP nur nass vom Schweiß ankam.
Heute nun weiter auf nostalgischen Spuren hinüber in die Moldau. 2010 hatten wir uns die Höhenstraße von Glod über Poienile Izei nach Botiza vorgenommen. Hinter Glod hat uns der raue matschige Weg abgewiesen, heute ist das eine schmale asphaltierte Straße. Dann durch Oberwischau und Borsa hinauf auf den Prislop-Pass und weiter ins Tal der Goldenen Bistritz, wie damals 1986 mit Biorad und zwei Gängen: Pedalieren oder Schieben. 
Schnellader für dein Elektrisches auf dem Prislop-Pass
Auch auf den Rarau kommt man heute locker auf Asphalt von Pojorata aus. Hier oben habe ich abseits einen schönen Stellplatz gefunden ... mit Herz. 
Platz mit Herz
Mit dem Rad bin ich die letzten Höhenmeter zum Hotel Alpin gestrampelt. Das liegt auf 1500 m Höhe und war ein Jahrzehnt mein Fahrradhöhenrekord.