Freitag, Oktober 02, 2026

Die Barfrau

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Es war ein herzlicher Abschied von Labi und seiner Familie. Ich bin am Grenzposten Shishtavec/Krusevo auf 1400 m Höhe rüber nach Kosovo gemacht. Das ist hier das Land der Goranzi. Deswegen die slawischen Ortsnamen in Albanien und Kosovo. In der Hauptstadt der Goranzi Dragash habe ich mich verfranst, kein Wegweiser war für mich erkennbar. Der Alptraum von Kratovo erwachte, doch es ging gut, den Weg nach einigen U-Turns hinunter nach Prizren gefunden. Nach Montenegro folgte ich dem Weg von 2015 in entgegen gesetzter Richtung. Dort wo ich mein erstes Peja-Bier getrunken habe unterhalb am Kulla-Pass, habe ich mir als Autofahrer ein Kleines gegönnt. Die beiden Grenzkontrollen waren ohne Aussteigen und ich erreichte wie mit dem Gastgeber vereinbart gegen 16 Uhr die gebuchte Campnighütte in Rozaje. Ich habe wieder einen Freund gefunden, Kokan. Er ist Hans Dampf in allen Gassen von Rozaje und Hüttenwirt des Paninarski dom Štedim. Er freute sich über meine Pläne, die Stichstraßen in die Berge zu beradeln.
In Rozaje befinde ich mich im Sandschak. Hier leben Slawen, die einem eher strengen sunnitischen Islam folgen. In der ersten Kneipe wollten die mir nur 0-Komma-Josef-Bier ausschenken. Ich wählte dieses Lokal wegen seiner Becks-Schirme. Da habe ich höflicherweise nur einen Kaffee genommen und bin weiter. In den kleinen Lebensmittelmärkten sah es auch nicht hoffnungsvoller aus, lauter Kopftuchmädchen. Einige wandelten sogar total verschleiert durch die Fußgängerzone. Die Bars und Lounges machten auch nicht den Eindruck, meine Gelüste zu erfüllen. Dann etwas außerhalb saß einer vor einer Flasche Jelen-Pivo. Das machte mir Hoffnung. Da waren einige Kerle drinne und die Barfrau.  Ihr Dekolleté sowie ihr Röckchen entsprachen ganz und gar nicht dem rechten Glauben. Sie bestätigte: Pivo? Moshe! Ich bin dort dann jeden Tag zu zwei kleinen Jelen pivo eingekehrt.

Montag, September 28, 2026

Entlang des Drin

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Ich entschloss mich nach dem letzten Tagebucheintrag, dem Drin zu folgen. Für den mazedonischen Abschnitt von Strugar nach Debar gilt wieder einmal: Hier bin ich schon mit dem Rad lang. Das war vor 20 Jahren mit Ralf, wir sind dann hoch nach Mavrovo gestrampelt. Der Grenzübertritt nach Albanien war ohne Probleme, nur der albanische Zöllner im sportlichen Trainingsanzug mit Zollwappen wollte mal hinten rein gucken und ich deshalb aussteigen.
Willkommen in Albanien
Dahinten unten ist der Drin
Nach Peshkopi war die Straße atemberaubend. Sie führte östlich des Drin einige hundert Meter oberhalb des Flusstals nach Norden. So ergaben sich nach jeder Linkskurve grandiose Tiefblicke. Die aber der Auto fahrende Ebs endlich genießen konnte, da es an den Kuppen Plätze zum Parken gab. Diese Route hatte ich mir schon in der Vergangenheit für Radtouren ausgeguckt ... und in der Tat es kamen mir 6 Weltumradler entgegen. Es ist eine äußerst herausfordernde Route, aber lohnend.
Ich habe mich in einem Dorf vor Kukes bei einem kernigen Albaner in seinem "Super Panorama Guesthouse" für drei Nächte eingemietet. Heute feiert er seinen 34. Geburtstag, dazu ist er ein fleißiger Brenner von Raki von der Traube. Er führt seit 5 Jahren das Guesthouse und hat sich ein beeindruckendes Englisch durch seine Gäste angelernt. Da komme ich nicht mit. Er kennt sich touristisch sehr gut aus in seinem Heimatland und konnte uns, einem Päärchen aus Holland und mir viele Tipps geben. Er verstand nur nicht, warum ich nicht noch bei dieser Tour das Alles abfahre. 
Hier war es noch ein lockeres Pedalieren
Einen Tipp habe ich beherzigt und bin durch eine Schlucht hoch in das Land der Goranci nach Topojan gefahren. Die Goranci sind eine südslawische, muslimische Volksgruppe in der Balkanregion Gora im Grenzgebiet zwischen dem Kosovo, Albanien und Nordmazedonien. 
Ich war nie eine Bergziege
Kurz vor Erreichen des Dorfes und im Angesicht einer steilen Serpentine bin ich bei einem Akkustand von 30% umgedreht. War richtig, beim Eintreffen zur Geburtstagsfeier meines Freundes wurde 12% angezeigt. Die Tour führte über 65 km.

Samstag, September 26, 2026

Bis an die Grenzen

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In Ohrid habe ich mir ein kleines Zimmerchen gegönnt. "Appartment in Villa" hat man sich als Marketingname ausgedacht. Es war aber alles sehr einfach, aber die Lage außerhalb vom Ort mit bequemer Zufahrt und Parkmöglichkeit sowie die Gastgeber waren nett. 
Das römische Amphittheater in Ohrid
Er hat früh immer gebacken, so kriegte ich immer ein frisches ofenwarmes Baniza. Mazedonien scheint noch nicht von den deutschen Supermärkten erobert. So gibt es noch schöne Geschäfte mit einheimischen und balkanischen Spezialitäten: Richtig guten Schafskäse, Ljuteniza, dalmatinischen Schinken und T'ga sa jug, DER Rotwein aus Mazedonien. Der Schafskäse und das Baniza rundete mein Frühstück ab, abends gab es den Rotwein und den Schinken. Aufmerksam beobachtet wurden meine Mahlzeiten von drei schreckhaften Bettelmiezen. Die haben tatsächlich den Schafskäse geschleckert und bei dem Schinken gabs Geraufe wie bei einer Löwenmahlzeit. Am letzten Abend ließ ich den angebrochenen Schinken für eine Minute (Pinkelpause) auf dem Tisch. Der Schinken war komplett weg, genau wie Bettelmiezen, diese Sauhunde.
Die Busladungen am Kloster Sv. Naum
Ich bin in zwei Touren die komplette mazedonische Küste des Ohrid abgefahren. Am Dienstag in Richtung Sv.Naum. Ich kam auch an der Straße runter vom Galiciza-Pass (2006 mit Ralf dort runter gekommen) vorbei. Hier wird von einem Nationalparkranger die Zufahrt mit Pylonen zugestellt und offensichtlich bemautet. Eine Bande tschechische Motorradfahrer haben wohl ordentlich bezahlt, sahen nicht so begeistert aus. Mich schien der Ranger aufzufordern dort ohne Maut hochzuradeln. Aber wie hieß es immer wieder auf dieser Tour: Hier ist der Ebs schon mit dem Rad lang. Ich bin bis zum Grenzübergang, der rege von Albanern in fetten Autos frequentiert wird, und dann zum UNESCO-Kulturgut Kloster Sv. Naum. Eine Rotte von Bussen entlud gerade Touristen, auch Muslische, die ins Kloster reinströmten. Ich hatte kurze Hosen an ... ich bin ins Restoran. 
Der Drin entspringt hier
Die zweite Tour an das Westufer führte in etwas wildere Gebiete. In Struga entspringt der Drin als Ausfluss des Ohrid. Der Fluss fließt dann durch ganz Nordalbanien und mündet unterhalb der Festung "Rozafa" in die Bojana aus dem Shkoder-See, die dann bei der FKK-Insel Ada Bojana aus dem Film "Schönheit der Sünde" in die Adria mündet. 
Der Empfang im illyrischen Dorf Radolishta
Dann sind die Ortseingänge mit dem schwarzen Adler der Albaner geschmückt und mehrstufige Kümmelraketen verkünden das Gebet des Imams. Wenn man aber weiter an der Küste bleibt gibt es wieder orthodoxe Klausen und Kirchen. Das Ende der Straße versperrt dann offiziell ein Objekt der mazedonischen Grenzpolizei.
Apfelplantagen am Prespa-See
Im Dorf Nakolec
Heute habe ich wieder eine Grenze angestrebt. Ich bin gestern umgesetzt an den Prespa-See an die Hänge des Pelister. Ein Adriatief mit einem fetten Regengebiet bestimmt für das Wochenende nun das Wetter. In einer Regenlücke am Vormittag konnte ich die griechische Grenze erreichen. Die Mazedonier haben eine ordentliche Straße bis zur Grenze gebaut und basteln auch an einem Grenzübergang. Auf der griechisch-mazedonischen Seite sind keine Aktivitäten zu erkennen. Hier werden sehr erfolgreich Äpfel angebaut. Die Baumreihen erhalten alle Wasser über eine Tröpfchenbewässerung aus sauber verlegten Schläuchen.

Dienstag, September 22, 2026

Ein Ohrid-Album

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Ich radle hier einige Tagestouren zu ca. 60 km. Aber der Akku ist trotzdem leer
 
Auf, auf

Blick von der terasa utarna in Konjsko

Ohrid, die Altstadt

Zum Kloster Sv. Naum

Die Klause des Sv. Atanas

Die Hänge des Galicica-Gebirges

Sundown über Ohrid

Samstag, September 19, 2026

Kratovo in Mazedonien

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Dort im Kloster hätte ich wohl eine pomana platzieren sollen 
Heute wurde ich ich einige hundert Meter auf dem Beifahrersitz meines Singlevans chauffiert. Ich hatte schon immer bei Planungen für Touren durch Mazedonien die alte Bergbaustadt Kratovo im Visier. Es führt nur ein Tal heraus, ansonsten musst Du Buckel von fast 1000 Höhenmeter überwinden. Eine Straße führt nach Stip, die Andere ist eine 30 km lange Sackgasse auf 1500 m ins Gebirge. In der Stadt gibt es kaum zweispurige Straßen und dort hatte ich ein Etno Kuca mit Parkplatz gebucht. Die Gassen haben nie unter 7% Steigung und sind i.d.R. grob gepflastert. Es war ein Alptraum. Die Linkskurve zum Etnohaus war für mich und meine Karre nicht machbar. Also ließ ich mich per mapy.cz von oben zur Unterkunft leiten. Es war ein ständiges Gepiepse der Abstandssensoren. Dort hollte ich mir den ersten Kratzer in Kratovo am hinteren rechte Kotflügel.  Nach weiteren Gassen, die ich nie im Lebbe rückwärts gemeistert hätte, grinste mich von vorne ein VW Sharan an. Nach Navi noch 30 m bis zur Unterkunft.  Nun war mein Alptraum auf dem Höhepunkt.  Links neben mir gab es ein Gittertor zu einem Plateau, wo ein 3-Punkt-U-Turn möglich schien. Da tauchte eine schmunzelnde Frau auf, die sofort die Herkunft dieses Idioten erkannte. Ein deutscher Touuurist! Ich fragte sie, ob sie mir das Gitter aufmachen kann, damit ich wenden und vorwärts meiner Falle entschlüpfen kann. Beim rückwärts reinfahren vorn rechts der zweite Kratzer in Kratovo. Da kam ihr Mann und weitere Nachbarn, denen das Alles ausführlich erläutert wurde. Die Lösung war dann, dass der Mann uns nach ausführlicher Erläuterung der Bedienung eines Automatikautos mit mir als Beifahrer rückwärts ca. 200 m raus bugsierte - ohne Kratzer in Kratovo. Er war mein Held. Ich flüchtete die Sackgasse hoch ins Gebirge, was aber noch nicht die Freiheit bedeutete. Wenden und zurück in den Alptraum. Atemberaubende Tiefsichten hinunter in den Krater habe ich als Fotograf ignoriert. Dort kannste auch nicht anhalten, das ist eine einspurige Straße-. Der Mazedonier und speziell der Kratover an sich nutzt jeden erdenklichen Fleck zum Parken. Weshalb der Vorschlag der Familie unten im Zentrum einen Parkplatz zu finden und zum Etnohaus zu laufen, illusorisch ist.  In einer scharfen Linkskurve im Zentrum parkte Einer seinen 5er BMW im Scheitel der Kurve. Ich opferte mein Auto - der dritte Kratzer in Kratovo. Es gibt Orte, da kommt man trotz Straßen nur mit dem Fahrrad hin.