Donnerstag, September 17, 2026

Hector und ich auf dem Hof

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Es war eine gute Zeit auf dem Hof von Herrn Djurkowitsch. Er hält den Hof seit zwei Jahren für Gäste bereit ... und will mit seiner Frau Deanna (genau wie bei Nick Cave) hier weiter alles für die Gäste verbessern. Er hat mich ausgefragt wie ein Marketingfuchs, ich konnte leider nur meine 100%ige Zufriedenheit darlegen, ich hatte keine Verbesserungsvorschläge, gar nix.
Kloster Vratna
Von hier aus sind mindestens 5 Felsentore "prevast" zu erreichen. Meine Radtour gestern führte mich nach Vratna. Leider haben meine Knie auf dem Weg zum kleinen und großen Felsentor schlapp gemacht, bin nur bis zum Kreuz über dem Kloster Vratna gekommen. Immer wieder kreuzten gemächlich Hirschkälber den Weg. die sind aber wesentlich kleiner als bei uns. Im Fell sind sie dem dunklen Beige der ausgetrockneten Landschaft perfekt angepasst.
Am Mali Deli Jovan
Der Schwager von Herrn Djurkowitsch empfahl mir mit dem Rad den Berg Deli Jovan zu besteigen. Auch hier bin ich gescheitert. Am Mali Deli Jovan bin ich umgekehrt. Der Akku hätte es wohl gemacht, aber zurück die Bremsen über dem extrem rauen Schotterweg wohl nicht. Die haben nach der Umkehr einen recht ranzigen Geruch von sich gegeben. 
Hier wird viel geköhlert
Es wurde noch eine schöne Runde mit einstelligem Akkustand bei der Heimkunft. Ich durfte dann noch mit Deanna und Herrn Djurkowitsch schön Abendbrot essen. Es gab eine Suppe, Rote Beete und Kassler sowie Tomate mit Schafskäse ... mmmh. Außer dem Brot alles domaci, hausgemacht. Hector hat mich großartig auf dem Hof betreut, jeweils einmal nachts gebellt. Ich hoffe wegen einem Schakal.

Dienstag, September 15, 2026

Ein serbischer Tag

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... wie er im Buche steht gestern. Mit zwei Autoetappen bin ich mautfrei bis nach Sombor gefahren. Es war Sonntag am Nachmittag und die Wechselstuben waren nicht geschäftig. Der hiesige Zeltplatz "Sosul" hat hervorragende Bewertungen. Ich beschloss, hier zweimal zu übernachten und am Montag auf einer Radrunde durch das europäische Amazonien "Kopački rit" mir früh die notwendigen Dinare zu beschaffen. Es stellte sich heraus, dass ich diesen Weg durch das unklare Grenzgebiet zwischen Kroatien und Serbien schon gefahren bin. Doch 2023 noch mit dem biologischen Rad mit Gepäck, sodass ich mir damals die Abstecher zur Donau gespart habe. Jetzt wachsen in der Donau die ersten Sanddünen. Selbst der alte Einsiedler in Vagoni hatte so etwas noch nicht erlebt. Er freute sich über meinen Wunsch auf ein Jelen pivo und wir wechselten einige Worte vor den Resten seiner ehemaligen Schänke. 
Sanddünen in der Donau
Nicht weit in Apatin wird das Jelen pivo gebraut. Mit rund 14000 Einwohnern war Apatin in Jugoslawien bis 1945 die größte deutschsprachige Gemeinde. Die Brauerei feiert dieses Jahr das 270-jährige Bestehen. Die Schwaben haben wohl nach ihrer Fahrt in der Ulmer Schachtel Durst gehabt und erstmal eine Brauerei gegründet. Hier hatte ich dann auch den ersten Pleskaviza im Lepinja, dem Fladenbrot mit ordentlich Zwiebel.
Mein Standpunkt, umschwirrt von mittlerweile ein dutzend Hornissen
Heute umgesetzt in das Serbische Erzgebirge auf einen 150-jährigen Bergbauernhof. Mein Gastgeber hat hier aus einer Ruine ein Paradies geschaffen. Hier bin ich jetzt für drei Nächte ganz allein. Sein Schwager, deutsch gelernt als Gastarbeiter, beruhigte mich am Telefon: Wilde Tiere sind nur Hirsche, Wildschweine und ein paar Schakale. Hector, der kleine Hofhund, bewacht mich hier und der Rakija beruhigt mich.

Freitag, September 11, 2026

Ein böhmischer Tag

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... wie er im Buche steht. Das ist nun ein weiterer Versuch von mir, mich für die Autotouristik zu begeistern. Ich bin gestern bis in die Gegend von Pisek in Südböhmen gefahren. Es gibt mittlerweile etliche Stücken Autobahn in Czechland, die gehen aber alle sternförmig von Prag aus. Von Eger in Richtung Budweis ist es eine Fahrt durch die sprichwörtlichen böhmischen Dörfer. Ich fand das schöne "Kemp Važka" in Varvazov. Der Platz wird von einem tschechisch/deutschen Paar geführt, der Kerl stammt aus dem badenschen Schwarzwald. Ich fragte ihn, wie er mit der tschechischen Gramatik zurecht kommt. "Ich bin seit zwanzig Jahren hier. Es geht gut, weil es fast keinen interessiert. Die "blumige" Aussprache ist das Problem." Er gab mir zwei touristische Prospekte mit Karten und empfahl mir u.a. Blatna als Ziel einer Radrunde durch viele böhmische Dörfer. 
In den böhmischen Dörfern
Bei Blatna war in Kadov ein Wackelstein eingezeichnet. Gefunden war damit das Ziel meiner heutigen 80km-Runde. Im Nachbardorf fand ich gleich einen schönen COOP-Markt für die Frühstücksauswahl. Herausragend, der Räucherkäse. In Blatna war die Mittagszeit fast ran. Ich sah die tschechische Arbeiterklasse zufrieden aus dem Restaurant vom Hotel Baranek rauskommen. Draußen hing die Tageskarte für den heutigen Freitag: Madarsky Gulasch mit Houskovy Knedlik! Ruckzuck zauberten die Madlotschka den Gulasch und ein Prazdroj vor mir auf den Tisch. Es schmeckte wie früher. Weiter zum Wackelstein in Kadov. 
Der Viklan von Kadov
Den haben wohl die Kirmesbuben umgeschmissen. Doch man hat mit viel Hebelwerk den Stein wieder auf seinen Platz zurück gekriegt. Der Wackelstein wiegt 29 Tonnen. "Diese Methode, einen enorm schweren Stein zu bewegen, die Ing. Pavel in Kadov erprobte, trug dazu bei, dass der berühmte norwegische Reisende und Entdecker Thor Heyerdahl Ing. Pavel auf die Osterinsel einlud, um bei der Lösung des Problems des Transports großer Steinstatuen zu helfen. Auf der Osterinsel gelang es Ing. Pavel zu beweisen, dass Menschen mit einfachen Werkzeugen immobile Statuen über weite Strecken transportieren können. Er löste damit ein großes historisches Rätsel." (Erklärtafel vor Ort, übersetzt mit GoogleLens)
In den Dörfern hier gibt es noch ab&zu Kneipen, ich besuchte das Obecní hostinec in Čečelovice. Hier wies mich die Muttel auf ihre Tagessuppe hin - Kulasda. Dann hat mir ein Gast erläutert was das für eine Suppe ist: Eine Mehlsuppe mit Kartoffeln, Waldpilzen und Kräutern. Es war köstlich. Dazu hatte ich aus der Brauerei in Strakonice ein hopfiges Pilsner und ein kupferfarbenes Dunkles "Klostermann". Die Runde führte durch eine hucklige und abwechlungsreiche Landschaft mit Fernblicken auf den Böhmerwald am Horizont. Es ist wirklich ein Genuss hier zu pedalieren.

Montag, Juli 27, 2026

Znojmo Znaim

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Znaim an der Thaya
Zugegeben: Dieses Bloggeschreibe ist Kompensation für fehlende Kommunikation bei diesen einsamen Touren. Die Beobachtungen führen oft zu einer Reihe von Gedanken über das Dasein des EbsEls. Ich bin immer noch in Czechland, in Südmähren auf einem großen Naherholungszentrum (Rekreacni areal) Vyr in der Nähe von Znojmo. Die haben hier ein schönes obcerstviny, am Samstag sogar mit Lifemusik. Man kriegt Bier für knapp 2€ die Halbe, bramboracky sowie weitere Snacks. Vor mir am Tisch saß ein Päärchen in der Vorrentenphase, der Kerl mit Oberkörper frei. Ich knipste ein Bild von meinem Bier und dem mächtigen Rücken des Kerls. Das war am Freitag. Ich war kurz davor es auf meinem WA-Status mit diesem Text zu posten: "Sie lieben die Dicken. Vielleicht wäre es doch was geworden mit Eva Cecilova." Eva lernte ich auf einem für die Gruppe Knobelsdorf in Hojsova Straz in den Neunzigern veranstalteten Heiratsmarkt kennen. Gestern saß ich plötzlich am Tisch von echten Recken, denen bin ich am Vortag bereits aufgefallen - als Strong Man. Michael, ein mächtiger Hirte, stellte mich seiner Familie vor, Tochter und Sohn und eine schöne Frau im hautschmeichelnden Schwarzen. Zwischen Haut und Schwarzem war kein Raum für zusätzliche Wäsche. Eva streichelte damals meinen Bauch und meinte, die Frauen in Czechland lieben die starken Typen, die fördern Vertrauen. Was wäre das für ein Dasein geworden?
Keller in Želetice
Die Tour am Sonnabend führte mich bis nach Niederösterreich auf der Suche nach offenen Weinkellern. In Unterretzbach war ich in einer Heurigenkneipe zum Schnitzel und Grünem Veltliner. 
Der Heilige Stein 
Unmittelbar neben der Grenze auf Ösi-Seite befindet sich ein Jahrtausende alter Wallfahrtsort. Ein Stein mit elf schalenförmigen kreisrunden Vertiefungen. Handteller groß. Es konnten rituelle Handlungen bis vor 50000 Jahren nachgewiesen werden. Es ist der Heilige Stein von Retzbach. Zur Christenzeit ist er dann Unserer Lieben Frau geweiht worden. Eine Schautafel gibt Anleitung zum Wünschelruten gehen. Meine Rute ist zu unsensibel. Erst spät am Nachmittag fand ich dann eine Kellerzeile in Mähren, in Chvalovice. Bei einem 80jährigen Op kaufte ich eine Flasche Veltliner. Die Heimfahrt brachte mich auf 2% Akkustand und 88 km. Heute eine kleine Runde nochmal nach Znojmo. Znojmo ist geprägt durch zwei Schluchten, die Thaya und dem ziemlich ausgetrockeneten Granit-Bach. Es ist eine spektakuläre Landschaft. Was noch fehlt? Den Znaimer Gulasch habe ich hier noch in keiner Karte gefunden.

Donnerstag, Juli 23, 2026

Im Schönhengstgau

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Burgenland
Am Dienstag umgesetzt auf einen Zeltplatz in der Nähe von Svitavy (Zwittau). Ein Paradies an einem Teich mit Sandstrand und Sandburgen. Platz ist auf der großen Wiese genug. Einzigstes Manko: Bei den Männern fließt kein Wasser an den elektrisch gesteuerten Waschbecken auf dem Lokus. Man erhält aber einen Schlüssel zu einem großen Bad mit Duschen.
Die erste Runde gestern führte über Koppen und Kulme nach Usti nad Orlici. In Böhm. Trübau rettete ich mich vor einem Schauer in eine Kellerkneipe mit einer schönen Wirtin. Und in der Küche gab es weitere großartige Kompetenz: Die haben kleine Schweinemedallions so zubereitet, dass innen noch das Fleisch ein wenig rosig war, außen mit Bacon umwickelt. Dazu eine Pfeffersoße. Ein Gedicht!
Heute bin ich nach Mähren rüber. Und wenn wir gerade beim Essen sind, einige Worte zur Cesnakova, der Knoblauchsuppe. Mittlerweile habe ich schon vier Suppen verkasematuckelt. Die werden aus einer Brühe zubereitet, ordentlich Knoblauch rein geraspelt, dazu Kochschinkenwürfel und Käse, ggf. Kartoffeln. Immer mit frisch gerösteten Brotwürfel, oft aus Schwarzbrot. Einmal wurden die Krutons extra gereicht, so gehört es sich eigentlich. Das war im Schwejk-Lokal im Walzel-Zentrum. Aber nun der wichtigste Punkt: Wie schon früher im Altvatergebirge (Manne weiß schon) wird der Knobi immer schärfer mit der Reise in den Osten. Heute in Mährisch Trübau war das mährische Niveau erreicht. Es hat sicher auch mit der Jahreszeit zu tun, die haben frischen Knoblauch genutzt.
Mein Weg auf die Kozlovsky Kopec
Die Bahn für den Tontransport an die Öfen
Im Museum: Steuererklärung 1928 
Die Gleise zum Tonbergwerk
Die Grenze zwischen Böhmen und Mähren (und auch die Wasserscheide Elbe-Donau) ist hier eine interessante Hügelkette der Schönhengster Rücken, auf der Ostseite gehts steiler runter. An dieser Kante traten wohl höffige Kohleschichten zu Tage. Die Qualität war aber nicht so wie die Steinkohle aus Ostrava und der Bergbau stellte auf Ton für Schamotte um. Es waren bis zu 104 Öfen im Betrieb, verbunden durch eine 60cm-Schmalspurbahn. In Mladejov nad Morave gibt es dazu ein Museum. Leider haben sie die Dampfloks versteckt. Denn es wird eine Museumsbahn bis Hrebec (Schönhengst) betrieben. Der Radweg von Moravske Trebov hoch nach Hrebec ist leider diesen Monat gesperrt (steht so in mapy). Möglicherweise stehen die Loks im Bahnhof Hrebec-doly direkt im Tonbergwerk. Ich habe deshalb dort nicht den Rücken des Schönhengst überquert.