Donnerstag, Juli 23, 2026

Im Schönhengstgau

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Burgenland
Am Dienstag umgesetzt auf einen Zeltplatz in der Nähe von Svitavy (Zwittau). Ein Paradies an einem Teich mit Sandstrand und Sandburgen. Platz ist auf der großen Wiese genug. Einzigstes Manko: Bei den Männern fließt kein Wasser an den elektrisch gesteuerten Waschbecken auf dem Lokus. Man erhält aber einen Schlüssel zu einem großen Bad mit Duschen.
Die erste Runde gestern führte über Koppen und Kulme nach Usti nad Orlici. In Böhm. Trübau rettete ich mich vor einem Schauer in eine Kellerkneipe mit einer schönen Wirtin. Und in der Küche gab es weitere großartige Kompetenz: Die haben kleine Schweinemedallions so zubereitet, dass innen noch das Fleisch ein wenig rosig war, außen mit Bacon umwickelt. Dazu eine Pfeffersoße. Ein Gedicht!
Heute bin ich nach Mähren rüber. Und wenn wir gerade beim Essen sind, einige Worte zur Cesnakova, der Knoblauchsuppe. Mittlerweile habe ich schon vier Suppen verkasematuckelt. Die werden aus einer Brühe zubereitet, ordentlich Knoblauch rein geraspelt, dazu Kochschinkenwürfel und Käse, ggf. Kartoffeln. Immer mit frisch gerösteten Brotwürfel, oft aus Schwarzbrot. Einmal wurden die Krutons extra gereicht, so gehört es sich eigentlich. Das war im Schwejk-Lokal im Walzel-Zentrum. Aber nun der wichtigste Punkt: Wie schon früher im Altvatergebirge (Manne weiß schon) wird der Knobi immer schärfer mit der Reise in den Osten. Heute in Mährisch Trübau war das mährische Niveau erreicht. Es hat sicher auch mit der Jahreszeit zu tun, die haben frischen Knoblauch genutzt.
Mein Weg auf die Kozlovsky Kopec
Die Bahn für den Tontransport an die Öfen
Im Museum: Steuererklärung 1928 
Die Gleise zum Tonbergwerk
Die Grenze zwischen Böhmen und Mähren (und auch die Wasserscheide Elbe-Donau) ist hier eine interessante Hügelkette der Schönhengster Rücken, auf der Ostseite gehts steiler runter. An dieser Kante traten wohl höffige Kohleschichten zu Tage. Die Qualität war aber nicht so wie die Steinkohle aus Ostrava und der Bergbau stellte auf Ton für Schamotte um. Es waren bis zu 104 Öfen im Betrieb, verbunden durch eine 60cm-Schmalspurbahn. In Mladejov nad Morave gibt es dazu ein Museum. Leider haben sie die Dampfloks versteckt. Denn es wird eine Museumsbahn bis Hrebec (Schönhengst) betrieben. Der Radweg von Moravske Trebov hoch nach Hrebec ist leider diesen Monat gesperrt (steht so in mapy). Möglicherweise stehen die Loks im Bahnhof Hrebec-doly direkt im Tonbergwerk. Ich habe deshalb dort nicht den Rücken des Schönhengst überquert.

Samstag, Juli 18, 2026

Borderstories in den Sudeten

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Endlich habe ich mich aufgerafft und bin mit meinen Single-Caravan losgefahren. Die totale Autarkie ist noch nicht gegeben. Die Lokusprozedur ist nur für eine planmäßige Nutzung definiert. Wenn's wirklich pressiert, habe ich den Lokus bestimmt nicht rechtzeitig betriebsbereit. Die mit Sonne betriebene Batterie ist mit 75 Ah zu schmalbrüstig für einen 2000 W Wechselrichter. Mein jetziger Wechselrichter hat 300 W und geht beim Anschluss des eBike-Ladegeräts in die Knie. Für Smartphone&Co. reicht es.
18.7.2026
Ich starte meine Tour in den Sudeten bei den Felsenstädten Adrspach und Weckelsdorf. Bei der Anfahrt gestern gab es paar Schikane: Der Pass bei der Burg Tolstejn war gesperrt, ich musste den Jedlova westlich umfahren. Hinter Trutnov (Trautenau) habe ich mich verfahren und stand plötzlich am Grenzübergang Lubawka-Kralovec. Die schlesisch-polnische Karte hatte ich nicht offline in mapy.com. Aber die EU und die Telekom lässt mich ja mit Flatrate ins Internet und ich habe eine super Route über Chelmko Sl. (Schömberg) und Mieroszow (Friedland) zu meinem Ziel, dem Zeltplatz Autokemp Lodenice direkt auf der Grenze in Zdonow (Merkelsdorf) gefunden. Hier gab es die letzte Schikane, eine Fahrbahnverengung auf 2,2 m. Mein Auto hatte mehr Angst als ich und piepste wie verückt. Ein reicher Pole hat mit seinem fetten Daimler-SUV einen Einweiser gebraucht.
Grenzübergangsschikane
Wie im gesamten Czechischen Grenzgebiet gibt es auch hier "verschwundene Dörfer". Hier ist es Libna (Liebnau). Es gibt noch den Dorfteich mit Nepomuk und ein Kriegerdenkmal. Da sind aber die Menschen ausgelöscht.
Kriegerdenkmal: Die Menschen sind ausgelöscht


Keine Finanzwache da 
Es gab einen Grenzweg nach Schömberg im Schlesischen. Ich bin bis zur Grenze gefahren. Die Grenze zum deutschen Schlesien wurde früher von der tschechischen Finanzwache bewacht, trotzdem fanden die Liebnauer Wege zum Paschen von Waren. Das konnte ich an diversen Erklärtafeln lernen, die tatsächlich in Tschechisch und Deutsch verfasst waren
 
19.7.2026
Es ist Sonntag, es gilt den polnischen Ausflugsautos aus dem Weg zu gehen. Die kommen schon gegen Sieben über diesen klitze kleinen Grenzübergang rüber. Also bin ich dem Radweg #4036 in den Wald gefolgt links weg von der Straße hinunter nach Adrspach. Am Buchberg (Bukova hora) war ein Hinweis zum Kreuz der Versöhnung. 
Kreuz der Versöhnung
9Hier hatten die Tschechen 22 Frauen, Kinder und Männer aus Weckelsdorf (Teplice nad Metuje) als Faschisten indentifiziert und erschossen. Es war schon immer ein spannendes Grenzgebiet zwischen Protestanten und Katholiken, zwischen Polen, Deutschen und Tschechen im Dreieck Schlesien, Glatz und Böhmen.
Das gibt's in echt in der Adrspacher Felsenstadtt
Weiter nach Police nad Metuje, dort hatte mir mapy.com schon bei der Vorbereitung das restaurace Ostaš empfohlen. Ich hatte eine Knoblauchsuppe (cesnacka) und einen großartigen Gulasch mit Knödeln. Klassische böhmische Küche auf höchstem Niveau vom Geschmack, vom Service und Alles ruckzuck.
Walzel Centrum
Überall, in Czechland und in Polen hängt hier Reklame für ein Schwejk-Restaurant. Ich fand es. Eine alte Fabrik hat ein Investor umgebaut zum Eventzentrum (www.walzel.cz) mit Kletterhalle, Schießstand (auch ohne Waffenschein), Restaurant und weitere Touristenfallen. Ich wollte dort nur ein Bier. Der Kellner war aber schwer auf Draht und ein Menschenkenner. Er empfahl mir eine "starke Knoblauchsuppe" und den Schnaps, wo der brave Soldat in Purim von besoffen war - Kontuschowka. Kontuschowka ist lindgrün und schmeckt wie ein Becherovka hoch 10, spektakulär. Über das polnische Friedland bin ich wieder zurück auf meinen Platz auf der Grenze.

20.7.2026
Police nach Metuje 
Heute eine Runde um Police n. M. mit Besuch des Hausbergs Ostaš. Es sind 75 km zusammen gekommen. 

Donnerstag, März 26, 2026

Am Schwarzen Meer

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The Dawn: Kap Kaliakra
Es ist einsam am Schwarzen Meer vor der Vorsaison. Ich bin am Kap Ikantalak unterhalb von Topola. Hier haben diverse Investoren diverse Ressorts, Glamping-Plätze und Appartmenthäuser bauen lassen. Zwei Dutzend Leute aus der arbeitenden Klasse versuchen nun die Saison 2026 vorzubereiten. Mein virtueller Host (ich kenne ihn nur aus WhatsApp), der Herr Dimitrov, hat schon mal sein nobles Appartment bei booking.com frei gegeben, wodurch ich mich hier für drei Nächte einmieten konnte. Die booking-Leute sollten mal angeben, in welchem Stockwerk ihre Horntzschen liegen, der alte Ebs musste bis in den dritten Stock kraxeln. Sicher bin ich hier der erste Gast im Jahr, den Kaffee, die Kaffeekapseln und weitere Reste vom letzten Jahr ignoriere ich mal, aus der Wasserleitung lasse ich es mehrere Minuten rauschen. Die kleinen Supermärkte um die Ecke haben noch Alles in Lewa ausgepreist und geschlossen. Ich bin an den großartigen weißen thrakischen Cliffs der bisher einzigste Tourist.

Die weißen Cliffs
Das Wetter die zwei Tage war super, es war eine sonnige Lust zu pedalieren. Die Crux ist nur, um hier wirklich wegzukommen, muss ich knapp hundert Meter die weißen Wände hoch strampeln. Richtung Baltschik gibt es eine alte Küstenstraße mit mäßigen Anstiegen, die ich mit meinem Bio-Rad noch schaffe. 
Am Kap Ikantalak

Da hinten ist Albena
So komme ich an Verpflegung und Getränke, ohne mein Auto bewegen zu müssen. In Tuzlata haben bereits drei klassische skara bira geöffnet, hier werde ich wohltuend empfangen. Ich kann die ganzen Klassiker durchkosten: Schopski Salat, ribni ciorba, kufteta und Rakia. Ich finde eine Schwefel-Thermalquelle und erinnere mich, dass ich hier vor 49 Jahren schon war. Morgen starte ich die Heimreise.

Montag, März 23, 2026

Plimbare, plimbare

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Es ist kalt im Delta
Plimbare ist das wohlklingende rumänische Wort für spazieren, schlendern, Zeit verplempern. Hier in Murighiol meist verwendet in Verbindung plimbare cu barcu. Das bedeutet mit dem Ausflugsboot durchs Donaudelta schippern. Ich bin wohl hier der erste Tourist dieses Jahr, sicher der Einzigste zur Zeit. Da lohnt es nicht, die Leinen der vielen Barken los zu machen, ich habe garnicht erst gefragt. Am Sonnabend und Sonntag war es kalt, windig und nieslich. Einige reiche Bukarester bringen ihre Boote in den Hafen. Mein plimbare-RADius beschränkte sich nur auf diverse magazin mixt in Murighiol.
Heute war es eine sonnige Lust zu Pedalieren. Ich besuchte die römische Festung Halmyris. Hier beginnt der Limes.
Das Westtor
Dann die entgegengesetzte Richtung nach Mahmudia an den St.Georgs-Strom, der südliche Hauptarm der Donau im Delta.
Sf.Gheorghe in Mahmudia
Morgen gehts nach Bulgarien.

Freitag, März 20, 2026

Ich bin kein Automobilist

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Ich entscheide von Tag zu Tag und Wetter zu Wetter, wo die Reise hingehen soll. Aktuell geht die Sonne über den Măciner Bergen unter, ich bin wieder zurück in Rumänien am Rande des Donaudeltas in Murighiol. Das Auto funktioniert für mich nur als Transportmittel zum Ziel. Unterwegs gibt es nichts zu entdecken, zu besuchen oder sonst einen Anlass zum Halten. Das Lenken fordert meine volle Aufmerksamkeit, selten fällt mir was aus der Umgebung auf. Die letzten zwei Tage bin ich nach Gagausien und dann weiter hierher ins Delta gefahren. Die Hauptstadt Chisinau habe ich auf der LKW-Umgehung westlich umfahren. Die Brummer haben mich bei angewiesenen 50 km/h gejagt. Im Zentrum von Comrat, der Hauptstadt der Gagausen, sah ich ein mit Stacheldraht gesichertes Gebäude, davor ein Wachmann und die türkische Flagge. Leider aber keinen Platz, der mir Nichtautomobilisten ein gefahrloses Ein- und Ausparken zuließ. Zu den ethnischen Wurzeln der Gagausen streiten sich die Gelehrten. Ohne Zweifel ist die Verwandschaft der Sprache der Gagausen zum osmanischen Türkisch. Die können sich wohl tatsächlich verstehen und unterhalten. Ich hätte schon gern dort "boots on the ground" geforscht, was das für ein Gebäude ist. So fuhr ich weiter nach Congaz. Das ist die gagausische Station der DIAMIR-Reisen nach Moldawien. 
Die Gaststube
Hier gibt es Ethno&Eco-Etablissement. Hotel und Restaurant liegen gut 1000 m auseinander, gut dass ich mein Rad mit hatte. Bisher habe ich mit den Gagausen mich sehr gut russisch verständigen können. Bei der gagausischden Gastwirtschaft gab es eine Chefin, die mich in englisch willkommen hieß. Draußen war es schon recht kalt, also schob sie mich in eine kleine Ethno-Stube mit vier Gedecken auf dem Tisch. Diese Stube teilte ich noch mit einer niedlichen Bettelmiez.
Die Bettelmiez
Angebot im Kirchenkiosk
Dann kam die Bedienung als Mädchen in Tracht. Den gagausischen Bortsch und das schweinige Kaurma (beachte die Verwandschaft zum bulgarischen Kawarma) konnte ich aus der köstlich illustrierten Speisekarte darlegen, das gewünschte Bier verstand sie nicht. Später, als ich die gagausischen Köstlichkeiten schon verkasematuckelt hatte, verstand sie meine Bitte "Принесите пожалуйста пиво!"
Später war ich noch an der Kirche in Congaz. Die Gagausen sind orthodoxe Christen. Selbst die jungen Kerle hielten vor der Pforte zum Kirchhof inne und bekreuzigten sich dreimal. Im Kirchenkiosk gibt es kleine Spray-Fläschchen mit der Aufschrift "MYRO". Ist das Weihrauch-Parfum? GoogleLens konnte nicht helfen. Ich bin zu sehr Radreisender. Es wäre Gott gefällig, so etwas als Andenken zu kaufen. Im Auto ist genug Platz.
Hier gibt es auch die Ortseingangsmonumente mit heldenhaften Abbildern der werktätigen Bevölkerung. Auf dem Weg zur Grenze nach Rumänien sah ich ein solches Monument mit der Aufschrift Albasdorf. Das war zwischen Albota de jos und Albota de sus. An der moldawischen GÜST bei Cahul gab es wieder eine Herausforderung vom Wackelkontakt. 3malige Wiederholung führte zum Ziel. Die Grenzer haben nur bissel komisch geguckt. Die nächsten drei Tage dann wieder auf dem Rad, da gibt es auch wieder Bilder.