Freitag, September 11, 2009

Der Weg der schweren Rucksäcke

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Geprägt waren die ersten Tage für mich von der Last des Rucksacks. Vom Reiseleiter war angeordnet worden genügend Proviant mitzubringen, z.B. auch Spezereien für das Bergfest. Denn außer nach Cerna Sat war auf den ersten 14 Tagen keine Möglichkeit des Einkaufs geplant.
Das erste Biwak am Vf. Arcanu mit feiner Rundumsicht
Vilcan-Gebirge nach Osten
Die ersten Meter - Nach nur einer halben Stunden Marsch
Gerd - gebeugt von der Last, aber auf einem guten Weg
Was soll das nur noch werden? Im Hintergrund das Ziel Oslea
Diese Drei schmieden alternative Pläne
Ich träume den Geschmack von Brathändl und Bier
Gott sei Dank, Frank und Gert haben einen Biwakplatz
Willi ist schon längst auf dem Grat der Oslea
Thomas, Gerd und ich werden die Oslea nur traversieren ... morgen.
Mein Zelt vor Bezug
Ein Enzian
Unsere Pfade auf der Traverse der Oslea
Pause ohne Jause
Ein alter Bekannter - der Piatra Iorgovan
Pasul Jiu-Cerna

Mittwoch, September 09, 2009

Unterwegs mit Willi's Senioren-Karpatenverein

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Eine Bildergeschichte
Auf der Anreise nach Petrosani: Wir erhielten auf dem Bahnhof in Pui eine Lieferung besten Zuica. Es ist alles gerichtet. Willi hat eine pomana (orthodoxes Bittgebet) verfasst und in Pui einem Freund gegeben, damit durch allerhöchster Stelle der Erfolg unserer Tour gesichert wird. Der Senioren-Verein findet sich
Die Ältesten des Vereins
Pension Tedi im Valea de Pesti
Die Ersten ziehen los
Wieder hoch mit den Schweinebraten
Wir hoch, die Rindviecher runter
Der letzte Hirte überwacht unseren Auftrieb

Samstag, Juli 11, 2009

Neun Leute im Lande der Shqipetaren

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13.06.09
Man muss bei einer solch langen Zugfahrt immer mal aufstehen und sich die Beine vertreten. Ich stehe im Gang. Der Zug fährt ganz langsam auf die Weiche mit dem Haltesignal zu. Da zieht der Schaffner neben mir die Notbremse. Der Zug hält. Der Gegenzug fährt auf dem Ausweichgleis an uns vorbei. Er holt seinen Vierkant aus der Tasche, schließt auf und schiebt den Zughebel der Notbremse wieder zurück. Die Plombe ist nicht gerissen. Soll ja beim nächsten Mal wieder klappen. Das schwerste Eisenbahnunglück in der Geschichte Montenegros, die Entgleisung eines Triebwagenzuges am 23. Januar 2006 bei Bioče nördlich von Podgorica mit 47 Todesopfern, war auf einen Bremsdefekt des Zuges zurückzuführen.
Die Anreise

Wir fahren auf einer der spektakulärsten Bahnstrecken Europas, die Strecke Belgrad – Bar, eine Normalspur-Bahnstrecke mit einer Länge von 476 Kilometern und 254 Tunnel mit einer Gesamtlänge von 114,435 Kilometern. Ich führe Strichliste der Tunneldurchfahrten, am Ende werde ich beim Ausstieg in Podgorica 249 Striche auf meinem Zettel haben. Zum Zeitpunkt der vollständigen Inbetriebnahme benötigte ein Zug etwa sieben Stunden von Belgrad bis Bar, während er heute auf Grund von Geschwindigkeitsbeschränkungen üblicherweise etwa neun Stunden unterwegs ist, da der Streckenzustand die einst projektierten Geschwindigkeiten nicht mehr zulässt.
Das Team Eisenbahn ist jetzt schon seit 48 Stunden ab Dresden unterwegs, wir werden mit mehr als 12 Stunden Verspätung beim Hotel „Evropa“ am Bahnhof Podgorica das Team Flugzeug treffen. Es gab noch einige andere merkwürdige Aktionen der beteiligten Bahnunternehmen, sodass wir unseren Anschluss gestern Abend in Belgrad verpasst haben. Der Autozug an die Adria war ausgebucht. Ein Taxi-Fahrer zeigte uns ein Hostel um die Ecke. Für die 20 Euronen pro Nase wird was geboten! Jedes der Mehrbettzimmer hat Klimaanlage, einen großen Flatscreen-TV und einen Computer-Arbeitsplatz mit freiem Internet-Zugang. Wir erhielten jeder ein Geschenk-Set mit Hausschuhen, Schwamm, Kamm, Teebeutel, Neskaffee, Schokolade, Briefpapier … Am Morgen klapperte plötzlich was in unserer „Küche“, das Frühstück wurde gebracht. Eine warme Pizza und Joghurt für jeden. Empfehlenswert!

14.06.09
Heiner und ich sind die letzten, die Trekking noch ernst nehmen. Die anderen Sieben haben eine Mitfahr-gelegenheit zum Grenz-übergang in Hani i Hotit gefunden. Ein guter Op' im traditionellen Mercedes hat drei Kilometer vor der Grenze auch mit uns Erbarmen. Zu Hause während der Vorbereitung der Tour habe ich mich um das Weiterkommen nach Albanien gesorgt. Wie immer, es fügte sich. Unsere Vorausabteilung, das Team Flugzeug, recherchierte die Busnummer nach Tuzi. Mein Tischnachbar im kleinen Straßencafé entpuppte sich als Busfahrer der Linie. Von Tuzi waren es dann noch 14 km Fußmarsch bei ordentlicher Hitze zur Grenze. Der Durst konnte jedoch im Niemandsland zwischen den beiden Grenzkontrollen gestillt werden. 

Touristischer Wegweiser an der Grenze
Die Einreise nach Albanien kostet keinen Eintritt mehr (2005 verschwanden noch 10€ in einer großen Schublade). Ein Kontor zum Geld tauschen gibt es hier nicht. Aber wir haben vorgesorgt, jeder hat einige 5€-Scheine, die nun in die Gemeinschaftskasse wandern. Hier im Grenzgebiet erhält man als Wechselgeld auch noch Euros, später füllt sich so die Kasse mit Lek, der einheimischen Währung (1 EUR = 128,88 ALL). Aber Autofahrer sollten bis zur Ausreise noch eine Neige in der Reisekasse lassen – Straßenbenutzungsgebühr ist fällig, geschätzt aus der Aufenthaltsdauer im Land. Unterbrochen von Besuchen in allen Tavernen am Wegesrand, es waren zwei, tragen wir unsere schweren Rucksackschweinebraten bis unter den Pass. Zwischen Schildkröten und Skorpionen bauen wir unsere Zelte auf.
Beim ersten Lager
Harry und ich gehen noch ein paar Bier holen, wir glauben unten bei der katholischen Kirche einen Laden entdeckt zu haben. Wir sind ganz unsicher. Es ist ein leerer dunkler Raum, nur links an der Wand ist so etwas wie ein Warentresen, nur eben ohne Waren. Doch der freundliche Mann führt uns um die Ecke in einen Nebenraum zu einer Kühltruhe. Dort dürfen wir nach Bier und Limo kramen, auch Eiskaffee in Dosen fördern wir zu Tage. Alle freuen sich über unseren Einkauf.

15.06.09
Weg hoch auf den Pass
Gestern Abend schauten wir immer wieder nach dem Weg hoch auf den Pass in das Gebiet Kelmend im Bezirk Malësie e Madhe. Wir diskutierten über den besten Weg unter Berücksichtigung der noch immer schweren Rucksackschweinebraten und der zu erwartenden Hitze. Dass wir früh losziehen würden, war schnell klar. Aber besser auf der Straße oder auf dem Hirtenpfad?
Die Brücke bei Tamarë
Der Treffpunkt war klar: Die Brücke bei Tamarë. Vier wählten den Pfad durch den makija, fünfe hofften ein Bisschen, auf der Straße eine Mitfahrgelegenheit zu erhaschen. Das klappte auch, Conny, Eva und Harry wurden mitgenommen. Die „echten“ Trekker, Heiner und ich, waren noch ca. 30 Gehminuten vom Pass entfernt, als wir tief unten die Wildnisfraktion die Straße erreichen sahen. Sie kamen querfeldein aus ihrer Schlucht und sie enterten einen LKW. Wir ließen uns dann auch aufsammeln, es war ein Kieslaster. Der Pass war mehr eine Hochebene mit dem Dorf Rraphë. Hier winkten uns auch unsere drei Freunde zu. An einer Kneipe hielt der LKW zu einer Pause, wir tranken ein schönes kaltes Bier, der Fahrer einen raki. Wir fanden alle neun mit unseren Rucksackschweinebraten auf der Ladefläche mit dem Flusskies Platz.
Tal des Flusses Cem
Die Straße führte durch eine kleine Felsenpforte, dahinter gähnte der Abgrund in die Schlucht des Cemit. Der LKW nahm die Serpentinen in den Abgrund nach einer Linkskurve. Conny zwang ihr Adrenalinspiegel, sich erstmal hin zu setzen. Es war atemberaubend. Auf dem Kies sitzend sahen wir oft von der schmalen Straße nichts, nur ganz unten die kleinen Häuschen der Höfe. An der Brücke kletterten wir vom Laster und entrichteten an unseren Fahrer einen kleinen Obulus von 5€ pro Nase. 

Der Weg ins Dorf Tamarë
Wir entschlossen uns, erstmal ins Dorf Tamarë zu laufen. Laut GoogleEarth gibt es dort eine Kneipe. Das Dorf hatte eine richtigen kleinen Marktplatz mit etlichen Cafés und Läden. Vor einem Laden gab es ein schattiges Plätzchen und wir verließen den gastlichen Ort erst, nachdem wir dem Laden alle seine Flaschen Nikšičko weg getrunken hatten. Nachmittag brachen wir auf, um die an der Brücke ausgewiesenen 15 km bis nach Vukël zu absolvieren. Viele Pausen später waren wir äußerst überrascht, dass es hier sogar ein kleines Lädchen gibt. Ein überaus nettes Ömchen freute sich, uns den Inhalt der Kühltruhe wieder nach Bier, Limo, Saft und Eiskaffee durchwühlen zu lassen.

16.06.09
Weg nach Vukël
Auf einer kleinen Weide am Fluss fanden wir einen schönen Zeltplatz. Das ist nicht selbstverständlich, es ist ansonsten eine recht schmale Schlucht, das Cemit-Tal hier.
Der Talabschluss

Wir sind auf dem Holzweg. Der Plan war hier aus der Schlucht auf die karstige Hochfläche aufzusteigen und nach Bogë zu gelangen. Tatsächlich ist die Wand des Talbschlusses aber gewaltig abweisend. Hier sind noch zwei Höfe bewohnt, zumindest jetzt zu dieser Jahreszeit. Ich glaube kaum, dass sich jemand das über den Winter antut. Von dem Weg hofften wir, dass er uns irgendwie hoch führen wird. Aber er endete unter der Wand, wo letztens ein paar Bäume gefällt wurden. Jens lässt sich von einem Jungen den Einstieg in den Weg nach Bogë zeigen. Der Junge ist mit einer Last von geschätzten 40kg flexibler Wasserleitung angeblich von dort gekommen. Ich glaube, wir könnten zwar den Aufstieg finden und leisten, aber oben wird der Pfad nur schwer zu identifizieren sein und wir laufen oft in die Irre. Das frisst dann an der Moral. Soweit die objektiven Gründe.
Einstimmiger Beschluss

Einstimmiger Beschluss
Zurück nach Tamarë, der innere Schweinehund und der auf dem Rücken wiegen zu schwer. Mir dauert Conny, sie quält sich mit ihren Blasen an den Füßen, sie eiert jeden Schritt nach unten. Sie hat schon vom zweiten Tag an die Methoden zum Blasentrockenlegen von Sascha, die sie in Sibirien kennen lernte, angewandt. Es nutzt nichts. Seltsamerweise ist auch der Weg von der Brücke ins Dorf Tamarë doppelt so weit geworden. Unser Freund aus dem Laden hat seine Vorräte aufgefüllt, wir können unseren Durst löschen und Conny die Füße hoch legen. Im Kirchgarten können wir unsere Zelte aufschlagen. Es wird eine sehr schwüle Nacht.

17.06.09
Ich habe einen großen Auftritt. Kurz vor halb sieben früh springe ich vor dem Kirchgarten aus einem Mercedes-Bus und rufe: „Auf geht’s. Euer Bus ist da!“ Wir sind hier im echten Land der Frühaufsteher. Auf dem kleinen Dorfplatz sind schon früh um 6 Uhr die Cafés geöffnet. Unser Freund aus dem Laden winkt mich heran und lädt mich zu einem Kaffee und einem raki ein. Er bietet mir an, uns mit seinem Bus über den Pass nach Koplik zu fahren. Wir haben einen Lift.
Die Kraxen werden auf dem Dach verladen, verschnürt und los geht’s. In Koplik gibt er uns seine Adresse und seine Telefonnummer, falls wir einen Transport brauchen. Schon beim Bummel durch den Ort und vor der Bank, wo wir unsere Gemeinschaftskasse mit albanischen Leki auffüllen, werden uns Fahrgelegenheiten bis nach Tirana angeboten. Wir wollen nur nach Bogë. 

Ein FORD-Transit bringt uns hin, fast ein bisschen zu klein für neun Leut' und neun Kraxen. Der Fahrer versucht ein bisschen mehr Fahrgeld herauszuschlagen. Er fährt uns nur bis zum Ortseingang, denn hier endet auch die von der EU finanzierte neue Asphaltstraße. Er kriegt nur die ausgemachten 5€ pro Nase. Alle schwärmen aus zum Fotografieren. Mich nervt das Geknipse mittlerweile, im Auto, beim Essen, ständig wird mit den neumodischen Digitalknipsen hantiert. Zum Glück stören sich die Albaner daran gar nicht. Die sind immer freundlich und lassen den Gästen alles durchgehen.
Der nächste Pass steht auf dem Plan – hinüber nach Theth. Das ist auf jeden Fall eine Fahrstraße, es sollte also auch für uns eine Fahrt werden. Nach einiger Zeit bietet sich ein junger Kerl mit einem LKW an, uns auf der Ladefläche zu transportieren. Das ist super, so können wir wieder von oben alles bestens sehen. Zwei Ungarn klettern noch vorn ins Führerhaus und ein gutes Wocheneinkommen für den Kerl ist gesichert. Die Ungarn können unseren Fahrer zu Fotohalts überreden. Es ist wieder ein Ritt durch eine großartige alpine Landschaft. Es gibt noch reichliche Schneeflecken. Die unasphaltierte Straße über den 1630 m hohen Terthorja-Pass ist bis ins späte Frühjahr schneebedeckt.
Theth ist eine auf rund 750 bis 950 müA gelegene Streusiedlung, die sich über mehrere Kilometer dem eher flachen Talboden entlang streckt. Da müssen wir aber erst noch hin, er hat uns ziemlich weit oben abgeladen. Wir haben Durst und Fresslust, der erste Versuch schlägt fehl: Nur für angemeldete Gäste. Das war während unserer ganzen Tour die einzigste Abfuhr, die wir erteilt bekamen. Im Rahmen eines Tourismusprojekts sind hier einige Privathäuser als Gästehäuser ausgewiesen. Wir werden von der Familie Terthorja aufgenommen.

18.06.09
Schade, ich lag heute nacht mit dem Kopf zum Fenster. Jens schwärmte heute morgen von dem Schauspiel des Gewitters dieser Nacht. Ich hätte auch aufstehen können, aber der Schweinehund...
Am Morgen war wieder schönes klares Wetter. Bis auf den Kaffee bestand das Frühstück aus den Produkten des Hofes. Frische Milch, Butter, Käse, Eier, Marmelade, der würzige Honig war mein Favorit, frisches Brot. Gestern wurde der Backofen angeheizt, wobei ich mit meiner Säge zum Feuerholz beitragen konnte. Der Op' ließ das aber nicht auf sich sitzen und kam mit einer STIHL-Motorsäge.
Wir bleiben hier in Theth zwei Tage, heute also ein Spaziergang ohne die Rucksackschweinebraten. Der erste Treffpunkt ist das Tourismuszentrum des Ortes, ein Wegweiser und eine Infotafel mit einer Wanderkarte. Der zweite Treffpunkt ist die Café-Bar. Das ist ein Garten mit drei Schatten spendenden Laubhütten, einem Kioskbüdchen und einem Wasserbad, zum Kühlhalten der Erfrischungsgetränke. Die Jungens freuen sich über die vielen Gäste, deren Rechnung – wirklich, es gibt eine exakte Abrechnung – alles wieder rausreißt.
Im Dorf gibt es noch einige der befestigten Häuser – die Kulla. Die albanische Kulla – ein Relikt aus dem 18. und 19. Jahrhundert – kann als „Steinfestung“ bezeichnet werden. Sie dient in erster Linie als Behausung der Großfamilie, aber auch als Wehr- und Schutzbau. Dies war besonders wichtig, wenn ein Mann „ins Blut gefallen“ ist.

„Die Größe und Anzahl der Stockwerke einer Kulla ergab sich jeweils aus der Größe der Familie und deren finanziellen Mitteln. Am häufigsten ist die dreistöckige Kulla auf der Hochebene Dukagjini vertreten. Sie stellt damit das Grundmodell einer Kulla dar: Traditionell befand sich im Erdgeschoss der Stall, in dem das Vieh untergebracht wurde. Das erste Stockwerk wird auch heute noch als Feuerstelle bezeichnet, da hier die Frauen kochen und das Familienleben stattfindet; außerdem befinden sich auf dieser Etage die Schlafräume. Im obersten Stock jeder Kulla liegt das aufwändig verzierte Herrenzimmer, die sogenannte Oda e Burrave, ein großer Raum, der den männlichen Familienmitgliedern und Gästen vorbehalten war. Die Stockwerke sind im Inneren über Holztreppen miteinander verbunden, zusätzlich führt eine separate, außen liegende Holztreppe direkt vom Hof zum obersten Stock. Dieser Zugang diente dazu, Gäste freundlich empfangen zu können, ohne sie in Kontakt zu den (weiblichen) Familienmitgliedern treten zu lassen.“ (Drita Jasiqi: Das Kulla-Projekt)
Genau so ein Haus konnten wir besichtigen, es ist heute als ethnografisches Museum ausgewiesen. Eine Om' zeigte uns das Gebäude, ein pfiffiger Junge übersetzte ins Englische. Der machte uns dann auch auf den fälligen Obolus aufmerksam und nahm das Geld komplett an sich. Ich konnte gerade noch zwei 200-Lek-Scheine ihm entreißen und dem Ömchen geben. Sie hat mich dankbar gedrückt.
In dem oberen Stockwerk, das Zimmer erstreckte sich über das ganze Stockwerk, waren die Fenster eher Schießscharten. Die Frau machte auch während ihrer Erläuterungen die entsprechenden Gesten. Als Hauptinstrument zur Durchführung und Erhaltung des Rechts (kanun) und insbesondere der männlichen Ehre galt die Rache des Geschädigten. Wenn ein männliches Familienmitglied nun Ziel einer solchen Blutrache war - „ins Blut gefallen“ - war es höchstwahrscheinlich, dass er den Rest seines Lebens hinter den Schießscharten verbrachte. Draußen war er vogelfrei für den Beauftragten der blutsverfeindeten Familie. Noch ein kleiner Auszug aus dem Kanun des Lekë Dukagjini, dem Gewohnheitsrecht der Bergstämme:
„Muß ein Mann durch ein Dorf gehen, wo er einen Blutfeind vermutet, und er nimmt eine kleine Beeinträchtigung seiner Manneswürde auf sich; begegnet er einer Frau aus diesem Dorf, so sagt er ihr: “Schwester, führe mich durch dein Dorf”, so muß die Frau ihn führen, geht ihm mit einem Zeichen (z. B. einem grünen Zweig) voraus, und er ist in Sicherheit, auch wenn er am Hause des Blutfeindes vorübergeht; in Begleitung einer Frau darf auch der Vogelfreie nie getötet werden.“
Die Frau hatte einen grünen Zweig in der Hand.

19.06.09
Heute wird es ernst: Es geht über den Pass ins Valbonë-Tal (Qafa e Valbonës). Heute gibt es keine Chance, ein Fahrzeug zu entern. Conny kann wieder schmerzfrei laufen. Das ist die wichtigste Voraussetzung für die Herausforderung – die Rucksackschweinebraten über den Berg zu buckeln. Nach meiner russischen Generalstabskarte werden wir wenigstens zweimal ein Bächlein queren. Ich nehme nur 1,5 l Wasser mit. Nach knapp 5 Stunden sind wir alle oben auf knapp 2000 m Höhe. Mir fällt der Abstieg am schwersten, einmal stürze ich und reiße mir die rechte Hand auf. Rrogam, die höchste Siedlung im Valbonë-Tal, ist heute praktisch unbewohnt. Trotzdem werden wir im ersten Haus von einer Frau eingeladen. Hier soll ich nach der türkischen Kaffeezeremonie uns Kaffee kochen, krieg' ich nicht so richtig hin. Zur Beruhigung gibt es raki. Wir können bei den Leuten unsere Zelte aufschlagen. Aber sind das wirklich Bergbauern, sie wirken so städtisch?

20.06.09
Hier ist der Talboden über einige Kilometer flach und recht breit. Der Weg führt über das fast ausgetrocknete Schotterbett des Flusses Valbonë. Wir pausieren gerade, da kommt mit großen Schritten ein Tourist unseren Weg herunter. Ich habe allergrößten Respekt, ist der heute morgen schon über den Pass gespeicht? Bei den üblichen Fragen „Woher, wohin?“, anfangs noch in Englisch, stellt sich heraus: Ein Landsmann. Er hat gleich um die Ecke hier in einem Hotel zum Preis von 10€ übernachtet. Das ist der Einheitspreis der Gästehäuser im ganzen Tal. In seinen Erläuterungen wird auch klar, dass unsere Gastgeber gestern „Sommerbauern“ sind. In Tirana und Shkoder gibt es keine Arbeit, also bauen sie die Wintervorräte hier oben an, um in der Stadt über die Runden zu kommen. Nachher im Dorf Valbonë werden wir sogar erkennen, dass diese moderne Form der „Transhumanz", eine Form der Fernweidewirtschaft, sich sogar bis nach Deutschland erstreckt. Der Mitsubishi-Van hat ein Lörracher Kennzeichen und der TÜV reicht noch bis 2010. Das ist das Auto der Betreiber der örtlichen Café-Bar.
Auf dem Weg nach Valbonë verlieren wir unseren KaLeu. Unsere immer durstigen Kehlen entdecken ein Hinweisschild zu einem weiteren Hotel, also nix wie hin. Alle im Tross sehen den Vordermann abbiegen, nur KaLeu trottet weiter. Er schimpft, als wir ihn am Dorfrand wieder treffen.
Unser erster Anlaufpunkt ist selbstverständlich die Café-Bar. Uns wird eine weitere lokale Köstlichkeit zubereitet, Forelle frisch aus dem Bassin nebenan gefangen und gegrillt. Wir dürfen im Garten campen. Das ist natürlich super, Bewirtung und dann ab ins Zelt! Die Letzten sind Conny & Benny, sie verkosten den raki bis gegen 0:30 Uhr.

21.06.09
Pünktlich zum Sonnen-aufgang beginnt es zu regnen. Das Wetter ist jetzt endgültig umgeschlagen, das Adria-Tief hat triumphiert. Wir packen unsere sieben Sachen nass zusammen. Zum Glück gibt es im Gastgarten etliche Pavillons zum Unterstellen. Der örtliche öffentliche Nahverkehr wird über private Kleinbusse abgewickelt, die früh nach Bajram Curri reinfahren und talabwärts Alle mitnehmen. Früh heißt früh, gegen 6 Uhr steht der Bus vor der Café-Bar, wir sind angemeldet. Es sitzen schon ein paar Einheimische drin, heute ist Sonntag, also im Sonntagsstaat. Auf der letzten Bank werden unsere Kraxen verstaut. Zwischenzeitlich sind wir 22 Personen, ein Baby und der Fahrer. Ein 70-jähriger knochiger Op' sitzt auf meinem Schoß. Beim Aussteigen bedankt er sich bei mir herzlich für die gute Fahrt.
Bajram Curri ist ein regionales Zentrum und verfügt über zahlreiche Läden, einen Markt, mehrere Hotels und ein Krankenhaus. Es ist nicht weit über einen niedrigen Pass ins Kosovo. Ursprünglich hieß der Ort Kolgeçaj. 1952, als die regionale Verwaltung vom Ort Tropoja hierher verlegt wurde, erhielt er zu Ehren des albanischen Freiheitskämpfers Bajram Curri seinen heutigen Namen.
Bajram Curri (* 1862 in Gjakova; † 29. März 1925) war ein albanischer Freiheitskämpfer. Der Kosovare setzte sich im Osmanischen Reich für die Interessen der Albaner ein und kämpfte 1912 erfolgreich gegen die Jungtürken. Während des Ersten Weltkriegs führte er eine Guerilliatruppe an. Im neu gegründeten Staat Albanien nahm er in verschiedene Regierungen Posten als Minister und als Kommandant in der Armee ein. Als Gegenspieler des späteren Königs Ahmet Zogu, dem die kosovarische Frage weniger wichtig war, wurde er von dessen Truppen verfolgt und dann auch in den nordalbanischen Bergen eingekesselt. Er erschoss sich am 29. März 1925, um der Gefangennahme zu entgehen. (Wikipedia)
Während wir uns das Städtchen anschauen und diverse mehr oder weniger kulinarische Köstlichkeiten probieren, erhalten wir immer wieder Angebote für den Weitertransport. Selbst die Verkehrspolizisten wollen uns behilflich sein, wir wollen aber noch nicht weiter zur Fähre auf dem Stausee Koman fahren. Wir entschließen uns, hier in einem Hotel zu übernachten. Im besten Haus ist aber alles ausgebucht, wir erhalten die Empfehlung zu einem Hotel bei der Schule. Das ist das alte, früher einzigste Haus am Platz. Eva und Harry machen eine Übernachtung für 5€ klar. Sie konnten die Horntzschen mit Klo und Waschraum auf der Etage schon mal betrachten und buchen sicherheitshalber ein Upgrade für 20 €, denn einige Zimmer sind schon auf aktuellen Standard gebracht. Mit einem Haufen Schlüssel in der Hand zeigen uns zwei Männer die Zimmer, immer ganz vorsichtig hineinlugend, ob sich das hinter der Tür befindliche Durcheinander den Gästen anbieten lässt. Bald sind wir aufgeteilt. Heiner und ich machen noch einen kleinen immer wieder vom Regen unterbrochenen Spaziergang zur Moschee und auf den Markt. Wir kaufen Brot und ein auf sein Deutsch stolzer Ladenbesitzer lässt mich alle seine hausgemachten Käsespezialitäten kosten. Wir nehmen was für's Abendbrot mit.

22.06.09
Im Land der Früh-aufsteher – das gilt hier verschärft. Wir bekamen noch gestern raus, dass ein Buss früh um halb Sechs zur Fähre abfährt. Aber wie schon in Valbonë sind wir bekannt wie bunte Hunde. Als wir vom Hotel los stiefeln wollen, kommt ein Kleinbuss und holt uns ab. Nur unser KaLeu kriegt wieder nichts mit, und strebt weiter. Wir können aber seinen Kurs korrigieren.
Wir sind kurz nach 6 Uhr am Fähranlieger. Im kleinen Bufé stehen schon die raki-Gläser auf den Tischen. Einer sagt uns, dass er schon seit drei Uhr hier sitzt. Wir werden auch gleich von einem Besitzer eines Kleinbusses weggefangen und können für die Fahrt nach Shkoder unsere Rucksäcke einladen. Nach Ablegen der Fähre macht auch das Bufé im Schiff auf und es gibt Frühstück: petulla mit Käse und Bier.
Es ist ein großartiges Erlebnis, fast geräuschlos gleitet die Fähre über das Wasser, das anfangs von einer ganz dünnen Schicht Nebel bedeckt ist. Es ist eine Fahrt durch mehrere gewaltige Schluchten. Ein paar mal winken Leute am Ufer, die Fähre lässt die Landeklappe auf die Felsen herab und die Leutchen klettern aufs Boot. Der Koman-Stausee (Liqeni Komanit) dient in der abgelegenen Bergregion auch als Verkehrsweg. Die Fähre verkehrt täglich, unsere Fahrt dauert knapp 4 Stunden. Die Anlegestelle am Damm ist voll gestellt mit Kleinbussen. Die fangen die Fußgänger ab, denn die einzigste Fortsetzung des Weges führt durch einen fast unbeleuchtete Tunnel hinunter an den Fuß der Staumauer.
Während der Fahrt im steilen Flusstal poltert plötzlich was am Auto. Bis unsere Diagnose Platten vorn beim Fahrer auf albanisch ankommt, dauert es ein Weilchen. Er schaut nach und wir sehen, dass er die Radbefestigung nachzieht. Das muss er nach einigen Kilometern wiederholen. Wir sind zum zweiten Mal nach dem der Notbremsung im Zug einem Unfall entkommen, der Wagen wäre einige Dutzend Meter in die Tiefe gepurzelt.
Ja, der Regen ist nun unser ständiger Begleiter. Als wir in Shkoder ankommen, drascht es wie verrückt. Einige flüchten unter das Portal eines Hotels, wir flüchten in die Kneipe, es ist Mittagszeit. Nachdem alle wieder zusammen sind, ist es Zeit, dass endlich die versprochenen Fleischberge auf den Tisch kommen. Unter anderen können wir mit unserem Kauderwelsch-Sprachführer mish miks als Fleichmix übersetzen. Der Kellner will uns unbedingt eine Pizza empfehlen, aber nach einiger Zeit sieht er ein, dass der Grill draußen im Garten anzuheizen ist und wir nach einiger Zeit ein grandioses Fresserchen serviert bekommen. Wir kommen in einem schönen kleinen privaten Hotel im Zentrum unter.

23.06.09
Es bleibt weiter regnerisch, aber es sind immer nur kurze, aber kräftige Schauer. Heute steht die Burg Rozafa auf dem Programm. Nach alldem zeitigen Aufstehen in den vergangenen Tagen, wird heute gebummelt. Wir erreichen die Burg erst nach dem Mittagessen. Der Bereich um die Brücke über die Buna wurde seit 2005 vollständig umgebaut. Ich habe damals in einem neuen Hotel übernachtet, das ist weg. Die alte Straße ist ein Boulevard, eine neue vierspurige Straße ist angelegt. An den Rohbauten wird nicht gebaut, die Finanzkrise hat den Investoren das Geld aus der Tasche gezogen. Auf den Bautafeln habe ich ausschließlich einheimische Investoren und Baufirmen erkennen können.
Auf einem Hügel steil über der Buna zwischen den Flüssen Buna und Drin liegt die Burgruine Rozafa. Bereits im 4. Jahrhundert v. Chr. haben Illyrer auf dem Hügel eine Stadt gegründet. Während der Römerzeit dehnte sich die Stadt bis in die Ebene am Fuße des Hügels aus. Später haben Byzantiner, lokale Fürsten und Venezianer die Anlage genutzt. Letztere haben die Befestigungsanlagen stark ausgebaut. 1479 konnten die Türken die Burg nach zehnmonatiger Belagerung einnehmen. Bis in die zweite Hälfte des 17. Jahrhunderts war die Burg bewohnt. All das erfuhren wir von einem netten Historiker im sehenswerten Museum auf der Burg.
Auf dem Rückweg in die Stadt können wir unsere morgige Fahrt an die Grenze nach Montenegro organisieren. 9 Uhr ist Treffpunkt an der Ausfallstraße nach Europa.

24.06.09
Wie gewohnt klappt wieder alles mit dem Transport. Kurz nach neun kommt unser Fahrer, alles wird verladen und ab geht’s zum Grenzübergang Muriqan. Wir wollen noch einen Tag an die Adria nach Ulcinj. Leider spricht unser Fahrer nur französisch, denn er hat einiges Interessantes über die Geschichte vom Gebiet des Skutari-See im 20. Jh. zu erzählen. In den Wirren der Balkankriege 1912/13 beanspruchten Montenegriner und Serben die Stadt für ihre Staaten (immerhin gab es wirklich eine kleine Minderheit von Slawen in der Region, welche aber heute völlig assimiliert sind). Die montenegrinische Armee hielt Shkodra einige Zeit besetzt. Auf Druck der europäischen Großmächte musste diese 1914 wieder abziehen, und Shkodra wurde dem gerade unabhängig gewordenen Albanien zugerechnet. Im Ersten Weltkrieg von 1916 bis 1918 stand die Stadt unter österreichischer Besatzung. Aus dieser Zeit wird noch heute die alte Militärbrücke über die Buna genutzt. Nach dem Krieg folgten die Franzosen, die Shkodra 1920 an den jungen Staat Albanien übergaben.
Am Grenzübergang war die Fahrt zu Ende. Aber wir wurden schon darauf aufmerksam gemacht, dass hinter uns der Linienbus nach Ulcinj kommt. Den entern wir nach den Grenzübergangsformalitäten.
Am Busbahnhof in Ulcinj ist weit und breit nichts von der Adria oder einem Stadtzentrum zu sehen. Wir machen uns zu Fuß auf den Weg. Ein Glatzkopf kann uns überreden, das wir uns jeweils in Dreierteams von seinem Kumpel in einem kleinen Peugeot zu einem Campingplatz fahren lassen. Die Übernachtung soll dort stattliche 10 € kosten, die Hinfahrt inklusive. Vorsichtshalber bezahle ich an den Chef vom Zeltplatz, soll sich der Typ doch selbst um seine Provision kümmern. Die Fahrt war recht weit, aber der Chef verspricht uns für morgen wieder eine Fahrt zum Busbahnhof zu organisieren. Faulenzen, Baden, Essen und Bier trinken ist angesagt.

25.06.09
Gemeinsamer Antritt zur Abreise, wir fahren noch zusammen im Bus bis Bar, dann wird das Team Flugzeug aussteigen. Sie können noch ein paar Tage hier bleiben. Sie werden nach Kotor weiterfahren.
Unser kosovarischer Bus, wir könnten über Pec – Peje bis nach Pristina fahren. Ein Fahrrad würde bequem unten beim Gepäck unterkommen. Unser Ziel heißt aber Podgorica, wo wir noch abendes weiter nach Belgrad fahren wollen. Das klappt, wir bekommen Liegewagenkarten für den Nachtzug.

27.06.09
Die Rückfahrt lief perfekt. Unser Zug hatte zwar in Belgrad Verspätung, unser geplanter Zug war weg. Ein Taxifahrer versprach („Ich schwöre...“), den Zug noch einzuholen. Aber darauf verließen wir uns nicht, es gab noch einen Tagzug nach Budapest, wieder Platzkarten bekommen und in Budapest erwischten wir einen EuroNight bis Dresden. Früh um halb 7 Uhr standen wir auf dem Hauptbahnhof in Dresden. KaLeu entdeckte Leutchen von „Rad & Wandern“, seiner Truppe, die gerade eine Radtour starteten. Die waren natürlich überrascht, dass er gerade aus Albanien käme. „Mit Schulz-Aktiv-Reisen?“, fragte eine Frau mit einer ROHLOFF-Nabe(!). „Nö!“ Brauchen wir nicht, bei uns klappt Alles auch so.

Dienstag, April 21, 2009

Auf der Heimfahrt

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19.4.09, Zlate piesky, Bratislava, bis hier 86 km
Es gibt zu diesem Tag nicht viel zu sagen. Ich war auf einem ganz tollen
Bofplatz zwischen brandneuen Thermalbad, dass scheinbar noch gar keinen
Besucher hatte, und einem Erotikklub. Dann mit vielen Umwegen, u.a. fast
bis zum Kamm der Maly karpaty, der Kleinen Karpaten, rein nach
Bratislava zum alten Camping Zlaty piesky, der erste mit Bezahlung.


20.4.09, Schönau in der Donauau bei Wien, bisher 68 km, bis Wien
Westbahnhof 104km
Ich bin bei der Herml, der offiziellen Beichtmutter der Radler am
Donauradweg. Das ist hier im Nationalpark Donau-Auen, eine faszinierende
Landschaft. Sicherlich braucht man dazu mehr Zeit als locker auf dem
Damm lang zu pedalieren. Trotzdem entdeckte ich das Aufblitzen eines
Eisvogels an einem Altarm bei Eckartsau. Man muss sich mal das
vorstellen, die Hirsche hier kommen auf eine viertel Tonne
Lebendgewicht. Dazu kommt diese relaxte Mentalität der Ösis, speziell
der "Wieaner", was den Radler zum Phlegmatiker werden lässt. Hier könnt
i mia niaderloassn!
Aber: Gerade ist ein Radler gekommen, der hier Führer's Geburtstag feiert.
Die Heimfahrt wird preiswert: Am Schalter der ÖBB will man mir für den
Euro-City-Night bis Passau keine Fahrkarte verkaufen, weil das Radabteil
zur Kompetenz der DB, aber bis Passau ÖBB-Verkehr ist. Ich soll es doch
beim Zugchef probieren. Vorsichtshalber lasse ich mir ein kleines
Herzchen auf auf den Ausdruck malen, als Gruß vom Schalter. Der erste
Schaffner, ein DB-Mann mit vielen Zetteln in der Hand: "Da müssen Sie
den ÖBB-Zugchef fragen, aber ich glaube das Radabteil ist ausgebucht."
Eine ÖBB-Schaffnerin, Fr. Mai: "Ja,ja, ich mach' Ihnen das Radabteil
auf. Bitte nutzen Sie aber den Sitzwagen." Die Fahrkarte soll ich beim
Zugchef kaufen. Wir fahren, nach zwei Stationen werde ich unruhig. Ich
treffe einen Schaffner. "Sind Sie der Zugchef?" "Ja, Sie wünschen
bitte!". Nach dem Fahrkartenkauf gefragt. "Ich habe jetzt viel mit den
Schlafwagen zu tun. Ich komme nachher kontrollieren, und dann hab ich
das Abrechnungsgerät dabei." Er kommt kontrollieren. "Ich komme nachher
noch mal mit dem Gerät." Wir sind in Linz, jetzt ist es nicht mehr weit
bis Passau. Er hat das Abrechnungsgerät dabei: "Achso, nur nach Passau.
Da kann ich Ihnen keine Fahrkarte verkaufen. Ich bin der DB-Zugchef. Bis
Passau ist ÖBB-Tarif. Da müssen Sie zum ÖBB-Zugchef gehen." Ich bin
gegangen, in Passau aus dem Zug. Danke! Es ist kurz vor Mitternacht. Ich
rolle hinunter in die Stadt zum "Weißen Hasen", wo ich schon oft nach
solchen Touren übernachtet habe.
--

Viele Grüße aus Thüringen (oder von Sonstwo)
Eberhard Elsner

Sonntag, April 19, 2009

Osterweiterung

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16.4.09, in einem Wellness-Hotel bei Zvolen, nach 101 km
Heute war nun der letzte große Karpatenpass über das Slov. Rudohorie dran. Geadelt mit drei Steigungswinkel. Klar viel Naseputzen und Schlücke vom guten Tisovecer Mineralwasser, aber immer im Sattel vorwärts. Das hätte ich vor einer Woche nie geschafft. Diese Tour hat es also gebracht. Die Abfahrt war ganz smart und lang, ja gegen den Wind musste oft gestrampelt werden.
Mancher wird sich schon gewundert haben, er schreibt garnix übers Essen. Da gab es auch nichts, es gab nur kalte Küche. Heute nun dier ersten haluskis, die slowakischen Spätzle ohne Eier. Diesmal in einer Version mit kapusta, Kraut - lecker. Später noch im Laufe des Tages ein Schnitzel im motorest.
Jetzt zum Bier nach dem Schwimmen im Pool eine Knoblauch-Suppe, wie in einem solchen Laden zu erwarten, mit drei Zehen zu wenig.
Ich habe mir heute ordentliche Fahrradkarten in Banska Bystrica gekauft. Bisher hatte ich eine Autokarte der gesamten Slowakei von der Tanke. Es war schon immer schwer um größere Städte wie Presov und Kosice rumzukommen. Bei der Suche nach Alternativen zu Hauptstraßen hat mich mein Orientierungsglück im Stich gelassen, wie oft ich wieder umkehren musste, passt diesesmal auf keine Kuhhaut. Das Ziel soll nun Wien sein, zuvor werde ich in Marchegg kampieren. Dort war der Gastgarten und die Küche so gut, bei unserer March-Thaya-Krems-Tour mit Gerd Herrmann aus Löbau.

17.4.09, in Topolcianky, nach 97 km
Osterweiterung, was wäre aus dem Kapitalismus geworden, wenn nicht dieser Markt hätte erobert werden können. Heute muss ich mal meinen Ärger über diese modernen Zeiten loswerden. Ich sitze vor einer Kneipe in Bzenica Hron-abwärts bei Ziar n.Hr. Es drascht, genauso kontinuierlich rauscht der Verkehr vertreten durch die deutsche Automobilindustrie mit ein paar koreanischen KIA-Tupfern. Hier ist die Straße noch keine Autobahn, aber 300m hinter mir baut die Strabag. Fertig heißt dann auch die letzte lebensgefährliche Möglichkeit der Straßenbenutzung als Radler ist weg. Heute früh endete ein Feldweg am Zaun von CONTINENTAL. Alle Wege in Kovacova führten ins Nichts oder auf eine der beiden Autobahnen. Dort kommt wirklich kein Einwohner mit dem Rad nach Zvolen - no way. Hier wird auch Evonik seinem Zweitnamen gerecht - industries. Ein großes Werk aus der Stalinzeit gehört zu Evonik, der Werkseingang sieht repräsentativer aus als das hässliche Hauptgebäude in Essen. Ein Gutes hat diese Entwicklung natürlich, jeder hat seinen Anteil. In der Slowakei geht es aufwärts, was mir immer am hohen Anteil an Jugendlichen in den Städten auffällt. Oben in den Dörfern sind die Alten zurückgeblieben, im wahrsten Sinne des Wortes. Ich bin im Gebirge in Mala Lehota. Ein Op, dessen Alkleber an seiner Nase zum Vorschein kommt, wollte unbedingt mit mir sein Hörnchen mit brincu teilen, damit ich ihm noch einen Schnapps ausgebe.
18.4.09, in Galanta, bisher 87km
Gerade noch machte der Nebentisch alle Ehre für die Stadt Galanta. Die "Minipresse" hatte zum Betriebsvergnügen geladen und am Nebentisch saßen die Sekretärinnen, erhitzt vom Tanz mit den Chefs. Aber eben "Geschlossene Gesellschaft", also weiter.
Es gibt nun kaum noch Berge und andere aufregende Dinge. Beim Essen bin ich von Knoblauchsuppe auf placky, Kartoffelpuffer umgestiegen. Sogar zum Frühstück hab ich einen verputzt. Jetzt sind es noch knapp 10km bis zu einem Teich, der in der Karte als Thermalbad bei Sladkovicevo eingezeichnet ist, garniert mit zwei Zeltplatzzeichen.
Viele Grüße von unterwegs
Eberhard Elsner

Donnerstag, April 16, 2009

Das richtige Timing, wenn auch nicht die geplante Route

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12.4.09, Nachtrag, 71 Tageskilometer
Als ich aus der Stadt Hummene rausfuhr, es war so gegen 4 Uhr nachmittags, drohte wieder Gewitter. Ich kehrte um, ein Vorteil des allein Reisens. Eine kurze Entscheidung und wie richtig die war, zeigte sich nur 15 min nach Bezug des 2-Zimmer-Appartments in der ubytovna Hummene für 15 Euro. Ein massives Gewitter mit schweren Regen dauerte dann bis Mitternacht an.

13.4.09, Ostermontag, 85km
Ich habe mich entschieden, ich bleibe in der Euro-Zone, wo immer die Sonne scheint. Es wird sicher heute nicht mehr gewittern. Ich bin heute anfangs ein paar alte nostalgische Punkte abhaken gefahren: Den Brückenheiligen Nepomuk bei Vranov n.T. und Herlany beim Geisir. Der will es aber erst heute spät abends um 22.24 Uhr wissen. Ja so genau wird es angegeben, aber ich weiiß aus eigener Erfahrung, er hält sich nicht dran.
Es war eine lange Durststrecke, die Kneipen sind alle geschlossen. Die Madlotschkas wollen alle vom Osterwasser bespritzt werden, also keine Bedienung. Mich bespritzten nur die kleinen Zigeunermädels, die sehr kleinen. Erst spät nachmittags so gegen drei Uhr machte eine Zu-spät- gekommene aus dem Land des schadhaften Lächelns in einem Zigeunerdorf auf. Das Bier vom Fass war ganz schlimm, also wie Helmut Flaschenbier bestellt. Dann zwei Dorfschenken weiter wurde gerade ganz frisch angestochen. Der Wirt meinte das Bier dauert wohl 5 min. Also Zeit für meinen ersten Borovicka.
Jetzt sitze ich in einer Klasseschenke mit einem Quetschkomödianten beim zweiten Bier, ein bissel habe ich den Stecker drin. Ich habe gerade fast alle meine Reserven zum Abendbrot verputzt. Noch eine kleine Abfahrt, und ich bin im Tal des Hornad bei Margecany.
14.4.09, in Dedinky, 90 km
Gestern sind noch die magischen drei Stellen bei den Tageskilometern gefallen. Es lief aber auch, ich erreichte den Stausee des Hornad bei Margecany, wo uns damals mit Loth und Andraes das schlechte Wetter überwältigt hatte. Das ist nun schon zwanzig Jahre her.
Auf der heutige Etappe musste ich praktisch immer bergauf radeln. Gleich früh zur Frühstücksvorbereitung ein Pass auf knapp 5 km. Am Ende der Abfahrt dann das Frühstück aus dem potraviny. Es gibt hier kein Frühstückskultur, sicherheitshalber scheinen die Kneipen erstmal geschlossen zu sein, damit die Dauergäste wenigsten ein paar Arbeitsstunden verrichten können. Der Slowake an sich ist ein sehr sauberer Zeitgenosse und ärgert sich sehr über die vielen Plastikflaschen am Wegesrand, die er weggeschmissen hat. Da helfen die modernen Zeiten: Es gibt viele die auf Arbeit angewiesen sind, so lange die Kneipen noch zu sind. So hängt eben alles mit allen zusammen und ich kriege keinen Kaffee. Dann lebe ich eben ländlich sittlich und trinke gegen 14 Uhr mein erstes Bier und mache gleich mittag. Denn was Warmes gibt es in den pivnicen nicht. Heute in Nalepkovo war ich wieder auf der Suche nach einem restaurace. Das ausgewiesene Bistro war zu. Ein Zigeunerjunge mit leerem Kinderwagen war sofort hilfreich zur Stelle, mit rennend den Weg zu einem Restaurant zu zeigen. Ich gab mein letztes um ihm zu entkommen. Ich fand ein Bier in einer anderen pivnice später auch das restaurace. Dort durfte ich mir zum Bier mein eigenes Essen zubereiten, der etwas tuntige ältere Kellner (War es eine Frau?) schenkte mir das Bier.
Anders als vor zwanzig Jahren habe ich mittlerweile bestes Wetter. Es ist eine Lust zu pedalieren, wenn auch nur auf dem mittleren Kettenblatt, es geht ja bergauf. Die Dörfer sind hier mehrere Kilometer lang, endlich erreiche ich die Kreuzung nach Sp. Nova Ves, aber da will ich nicht hin. Also weiter bergauf bis auf über 1000 m. So gegen 19 Uhr erreiche ich Dedinky, Zelt aufbauen und eine Kneipe für den Absacker einen Borovicka suchen. Wenn ich das alles erzählen würde, bemerktet ihr meine lockerer Zunge, beim Schreiben scheints zu helfen.
15.4.09, Muranske planina, bisher 64 km
Ja, bisschen rumräsoniert und schon kriegt er früh seinen Kaffee. Ein schönes Mädchen macht früh um 7 Uhr sein Lädchen auf. Es gibt ein reichhaltiges Frühstück vor dem Pass.
Ich habe ein unwahrscheinliches Glück mit dem Wetter, mittlerweile ist die Luft glockenklar und nurt ganz wenig Fotowolken zeigen sich. In Stratena habe ich den Jensens-Schwächeminuten- Tunnel durch den Canon umfahren. Auch die weitere Landschaft auf unseren damaligen Nachtmarsch ist einzigartig. Über den Felsen an der Dobschiner Eishöhle ragte der Königsberg auf (Kralova hora), ganz in weiß. Das ist das östliche Ende der Niederen Tatra.
Nun bin ich in Muran, am Muranske planina. Eine Entdeckung, alte Coburger Besitzung, unberührte Natur, Karstlandschaft. Noch 1941 erhielt der bulgarische König, ein Sachsen-Coburger-Gothaer, ein Zertifikat der Stadt Muran. Die Straße führt ständig auf und ab, mit Höhenunterschieden von bis zu 400 m. Für den Radler schwer, aber atemberaubend die Ausblicke.
Also heute trafen drei Dinge zusammen, dass es einer der besten Tage bei allen meiner Touren wurde: Tolles Wetter, atemberaubende Gegend und das Timing der Tour, Frühling. Den letzten Puckel werde ich heute nicht mehr schaffen. Ich bin jetzt in Tisovec, ein Städtchen mit freiem Mineralbrunnen. Ein Op hat bald zwanzig Liter abgefüllt und weggeschleppt.
Viele Grüße von unterwegs
Eberhard Elsner

Sonntag, April 12, 2009

Durch die Karpaten, aber nicht so weit wie geplant

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8.4.09, Tageskilometer 79
Gegen Mitternacht an einem Vorortbahnhof in Przemysl angekommen. Aber es war nicht weit bis ins Zentrum. Von der Brücke über den San sah ich eine Hotel-Leuchtschrift. Dort war die Rezeption von einem unsicheren jungen Mann besetzt. Er gab mir noch ein Zimmer. Am Morgen sah ich aus dem Fenster und bemerkte, dass dahinter gleich der Zeltplatz ist, selbstverständlich die Rezeption nicht besetzt. Ich hätte mir 186 Zl sparen können.

Waldkarpaten-2.jpg
Auf dem Marktplatz sitzt der "brave Soldat Schwejk". In Polen trinkt er aber eigenartigerweise Tyskie piwo, ein Bier aus Oberschlesien. Es sei ihm gegönnt, denn er muss sich Ausruhen nach seinem Abenteuer beim glorreichen Zusammenbruch, Teil drei & vier des unvollendeten, antimilitaristischen und satirischen Schelmenromans von Jaroslav Hašek (1883–1923).
Wie erwartet, sind mir die ersten km sehr schwer gefallen. Nach dem ersten Abhaken des sehr schönen Schlosses in Krasiczyn versuchte ich einige Abkürzungen über Forstwege, die aber alle in Bächen endeten.
Schloss Krasiczyn
Das Schloss Krasiczyn wurde immer wieder in seiner Geschichte von den Russen beschossen, geplündert und verwüstet.
aus der Geschichte des Schlosses
Der Weg führte zwar nach einigen Metern wieder raus aus dem Bachbett, aber wer weiß, was noch alles kommt. Also weiter die Str. Nr. 28 bis Bircza. Dort zeigte der Wegweiser noch 25km zu meinem Ziel Huwniki.
Kirche in Posada Rybotycka
Diese Kirche in Posada Rybotycka ist wohl die einzigste ehemalige ruthenische Kirche, die aus Steinen gemauert ist. Hier befinden sich orthodoxe Wandmalereien aus dem 15. Jhd. (Dzieje konserwacji malowideł w cerkwi św. Onufrego w Posadzie Rybotyckiej von Agnieszka Gronek).


Mein Platz am Kalvarienberg
Dort in der Nähe will ich einen Kalvarienberg mit Kloster besteigen, gehört sich so zu Ostern. Aber noch sind alle Hügel für mich Kreuzwege.

9.4.09, Gründonnerstag, 61 km
Nothing ever goes as planned. Früh lief alles sehr gut an, ich hatte noch ein Bier zum Frühstück. Dann mein Passionsweg, wirklich. Die Straße war mit 17 Prozent ausgepreist. So schob ich eben die drei km. Noch heute Abend gibt es den ersten Teil der Passionsgeschichte. Die Stationen sind schon hergerichtet. Eine Station hieß piwnice, ich gleich rein. Doch es führte der Weg nur durch einen Keller mit einem Brunnen.
Am Kloster besuchte ich das Haus der Pilger in der Hoffnung auf einen Lokus. Nach der Erleichterung konnte ich noch eine gute Tat vollbringen. Eine alte Pilgerin fand nicht das neumodische Schloss, um ihre Stube abzuschließen.
Nun so gegen 11 Uhr ging es auf Strecke, die mir wieder sehr schwer gefallen ist. Die Kultur der kleinen Lädchen in jeder Siedlung scheint auszusterben. Alle haben neue Häuser und Autos und fahren zum Großeinkauf in den Supermarkt. So wurde es eine durstige Strecke bis zum Ort Kroscienko an der Grenze zur Ukraine. Der Weg war hier als Schwejk-Radweg auch über die Grenze ausgeschildert.
Die Verblüffung war riesig, als mir das Madlotschka an der Grenze eröffnete, dass dieser Grenzübergang nur mit Auto zu passieren ist. Ich zeigte ihr den Radweg auf meiner Karte, da verwies sie mich zu einem anderen Häuschen. Die sagten aber auch nix anderes, konnten ja ihre Kollegin nicht dumm aussehen lassen. Aber sogar der Hinweis auf den Radwegweiser neben ihren Posten änderte nichts. Also gibt es eine Planänderung, die ich mir bei zwei Bier zusammengebastelt habe: Ich fahre ins Bieszady und weiter erstmal in die Slowakei.
Wieder habe ich mir einen Radweg in meiner Karte rausgesucht, der auf Forstwegen parallel zur Grenze langgeht. Da kommen doch zwei Grenzer auf Enduro-Maschinen entgegen, den einen kenne ich schon. Nun wollen sie mir diesen Weg wegen Bären und Wölfen madig machen. Sie glauben wohl, dass ich nun über die grüne Grenze will. Nach einigen Walkie-Talking wünschen sie mir einen guten Weg. Aber für verrückt halten sie mich auch, ich kriege noch den Polizeinotruf mit auf den Weg.
Nun habe ich eine schöne Bofstelle gefunden, nicht sehr weit weg vom Dorf wegen des Bären. Dass es regnet stört nicht, hier gibt mit Folie überdachte Sitzplätze und eine Kleterwand, wohl ein Ubungsplatz für die Grenzer.
10.4.09, Karfreitag 61 km
Ja, wo feiern denn die Polen. Viel Verkehr, die Straße wird gebaut, die Kirchen geschlossen. Ein Gutes hat es, die Lädchen sind geöffnet.
Im Laufe der Nacht kamen noch zweimal die Grenzer, um zu schauen, dass den verrückten Deutschen nicht der Bär gefressen hat. Zum Einschlafen und früh zum Wecken. Ich setzte aber eisern meinen Weg fort, like a strong man, wie der weckende Grenzer meinte. Am Ende des Weges war ein kleines Dörfchen mit einer feinen Sitzgruppe zum frühstücken. Nach einer schönen Abfahrt landete ich auf einer viel befahrenen Landstraße. Da aber auch die vielen alternativen markierten Radwege auch nur bergauf führten, wählte ich die Straße wegen des geringen Rollwiderstands. Es gibt hier hinten also noch paar Wege zu machen. Unterwegs gab es einen magischen Ort: Die Mündung des Wokowaty in den San. Der San hat schon einigen Lehm aufgenommen. der Woiowaty ein klarer Gebirgsfluss. An der Mündung gab es wegen einiger kleinen Felsstufen schönes Weißwasser. Nun sitze ich in einer Kneipe in Ustrcz. Gorn. und muss aufpassen, dass der Gewitterregen nicht zu viele Bier dauert, zumindest blitzt und donnert es sehr.
11.4.09, 64 km
Zum Glück gab es Pausen im Regen, das polnische Bier hat in der Regel 6 Prozent Alkohol.
Noch heute Morgen hat es zünftig gewittert. Ich kam erst gegen 9 Uhr los und es war kalt. Es standen heute drei Pässe mit mehr als 800m im Weg. Damit ist der Tag zusammengefasst. Mein Zelt steht heute in Roztoky gorn. Auf dem Weg sieht man schon auch einigermaßen frische Bärenscheiße. Hier oben gibt es einen Touristengrenzübergang in die Slowakei, da geht es morgen hin.
12.4.09, Ostersonntag
Ich habe bis jetzt nicht viel von den Feierlichkeiten gesehen: Den Papst beim Weltsegen in einer Kneipe in Stakcin per Television und viel Straßenverkehr nach dem Ende der Feier in der Kirche von Snina. Zuvor war ich wahrscheinlich in einem Gebiet 30 Quadratkilometern der einzigste Mensch. Bis zur Grenze hat die EU auf polnischer Seite eine schöne Rollbahn gebaut, danke. Auf slowakkischer Seite suchte ich immer den Bach auf dem Weg, das war der am wenigsten glitschige Teil des Wegs hinunter in das Ruska dolina. Es gab dort nur verlassene Dorfstätten, die Gräber auf den alten Friedhöfen waren aber geschmückt. Eine wilde Gegend, ganz unten schrieben sie an einer Tafel, dass über die polonys, die Grassteppen über der Baumgrenze auch Bisons aus Polen eingewandert sind.
Zum Ostersonntag ist es schwer eine Essensausgabe zu finden. Nun bin ich im rest. Dukla in Hummene, hier gibts WLAN. Mal sehen, ob ich deren WEP-Schlüssel kriege.
Viele Grüße von unterwegs
Eberhard Elsner

Samstag, September 27, 2008

Er war 19

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Tagsüber hocken sie im Tunnel am Serchio bei Castelnuovo, die Amerikaner haben schon lange die Lufthoheit. Nachts wird der lange Fußmarsch von Antibes an der französischen Riviera bis hierher als Rückzug fortgesetzt. Der Oberst der Pferde bespannten Artillerie verabschiedet sich mit den lapidaren Worten: "Führen Sie die Truppen über den Cisa-Pass!" von seinem Adjutanten, einem 150%igen Leutnant, steigt in seinen Horch und braust davon. Der 19-jährige Gefr. Elsner kriegt einen italienischen Capitano zugeteilt, den sie gerade aus den Büschen geholt haben. Er hofft, dass der endlich wieder abhaut. Irgendwo in der Nähe des Cisa-Passes ist er dann ganz allein unterwegs in die Emilia-Romagna. Dort steht schon der Ami, und seine Kameraden wundern sich, woher er denn jetzt noch käme. Der lange Marsch ist zu Ende, die Amis haben genug LKW's, um selbst ihre Gefangenen zu transportieren. Für die nächsten zwei Jahre gilt es diese in Livorno und bei Neapel instand zu halten.
Auch nach 64 Jahren ist bei Tage nicht viel zu sehen, wir stecken in den Wolken und es nieselt. Mein Vater, mein Bruder und ich sind auf der Fahrt in die Toscana.









PS: Alle Bilder hier sind von Helmut Elsner.

Ein Optimist nimmt die Dinge nicht so tragisch, wie sie sind.
Karl Valentin.