Montag, Juli 27, 2026

Znojmo Znaim

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Znaim an der Thaya
Zugegeben: Dieses Bloggeschreibe ist Kompensation für fehlende Kommunikation bei diesen einsamen Touren. Die Beobachtungen führen oft zu einer Reihe von Gedanken über das Dasein des EbsEls. Ich bin immer noch in Czechland, in Südmähren auf einem großen Naherholungszentrum (Rekreacni areal) Vyr in der Nähe von Znojmo. Die haben hier ein schönes obcerstviny, am Samstag sogar mit Lifemusik. Man kriegt Bier für knapp 2€ die Halbe, bramboracky sowie weitere Snacks. Vor mir am Tisch saß ein Päärchen in der Vorrentenphase, der Kerl mit Oberkörper frei. Ich knipste ein Bild von meinem Bier und dem mächtigen Rücken des Kerls. Das war am Freitag. Ich war kurz davor es auf meinem WA-Status mit diesem Text zu posten: "Sie lieben die Dicken. Vielleicht wäre es doch was geworden mit Eva Cecilova." Eva lernte ich auf einem für die Gruppe Knobelsdorf in Hojsova Straz in den Neunzigern veranstalteten Heiratsmarkt kennen. Gestern saß ich plötzlich am Tisch von echten Recken, denen bin ich am Vortag bereits aufgefallen - als Strong Man. Michael, ein mächtiger Hirte, stellte mich seiner Familie vor, Tochter und Sohn und eine schöne Frau im hautschmeichelnden Schwarzen. Zwischen Haut und Schwarzem war kein Raum für zusätzliche Wäsche. Eva streichelte damals meinen Bauch und meinte, die Frauen in Czechland lieben die starken Typen, die fördern Vertrauen. Was wäre das für ein Dasein geworden?
Keller in Želetice
Die Tour am Sonnabend führte mich bis nach Niederösterreich auf der Suche nach offenen Weinkellern. In Unterretzbach war ich in einer Heurigenkneipe zum Schnitzel und Grünem Veltliner. 
Der Heilige Stein 
Unmittelbar neben der Grenze auf Ösi-Seite befindet sich ein Jahrtausende alter Wallfahrtsort. Ein Stein mit elf schalenförmigen kreisrunden Vertiefungen. Handteller groß. Es konnten rituelle Handlungen bis vor 50000 Jahren nachgewiesen werden. Es ist der Heilige Stein von Retzbach. Zur Christenzeit ist er dann Unserer Lieben Frau geweiht worden. Eine Schautafel gibt Anleitung zum Wünschelruten gehen. Meine Rute ist zu unsensibel. Erst spät am Nachmittag fand ich dann eine Kellerzeile in Mähren, in Chvalovice. Bei einem 80jährigen Op kaufte ich eine Flasche Veltliner. Die Heimfahrt brachte mich auf 2% Akkustand und 88 km. Heute eine kleine Runde nochmal nach Znojmo. Znojmo ist geprägt durch zwei Schluchten, die Thaya und dem ziemlich ausgetrockeneten Granit-Bach. Es ist eine spektakuläre Landschaft. Was noch fehlt? Den Znaimer Gulasch habe ich hier noch in keiner Karte gefunden.

Donnerstag, Juli 23, 2026

Im Schönhengstgau

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Burgenland
Am Dienstag umgesetzt auf einen Zeltplatz in der Nähe von Svitavy (Zwittau). Ein Paradies an einem Teich mit Sandstrand und Sandburgen. Platz ist auf der großen Wiese genug. Einzigstes Manko: Bei den Männern fließt kein Wasser an den elektrisch gesteuerten Waschbecken auf dem Lokus. Man erhält aber einen Schlüssel zu einem großen Bad mit Duschen.
Die erste Runde gestern führte über Koppen und Kulme nach Usti nad Orlici. In Böhm. Trübau rettete ich mich vor einem Schauer in eine Kellerkneipe mit einer schönen Wirtin. Und in der Küche gab es weitere großartige Kompetenz: Die haben kleine Schweinemedallions so zubereitet, dass innen noch das Fleisch ein wenig rosig war, außen mit Bacon umwickelt. Dazu eine Pfeffersoße. Ein Gedicht!
Heute bin ich nach Mähren rüber. Und wenn wir gerade beim Essen sind, einige Worte zur Cesnakova, der Knoblauchsuppe. Mittlerweile habe ich schon vier Suppen verkasematuckelt. Die werden aus einer Brühe zubereitet, ordentlich Knoblauch rein geraspelt, dazu Kochschinkenwürfel und Käse, ggf. Kartoffeln. Immer mit frisch gerösteten Brotwürfel, oft aus Schwarzbrot. Einmal wurden die Krutons extra gereicht, so gehört es sich eigentlich. Das war im Schwejk-Lokal im Walzel-Zentrum. Aber nun der wichtigste Punkt: Wie schon früher im Altvatergebirge (Manne weiß schon) wird der Knobi immer schärfer mit der Reise in den Osten. Heute in Mährisch Trübau war das mährische Niveau erreicht. Es hat sicher auch mit der Jahreszeit zu tun, die haben frischen Knoblauch genutzt.
Mein Weg auf die Kozlovsky Kopec
Die Bahn für den Tontransport an die Öfen
Im Museum: Steuererklärung 1928 
Die Gleise zum Tonbergwerk
Die Grenze zwischen Böhmen und Mähren (und auch die Wasserscheide Elbe-Donau) ist hier eine interessante Hügelkette der Schönhengster Rücken, auf der Ostseite gehts steiler runter. An dieser Kante traten wohl höffige Kohleschichten zu Tage. Die Qualität war aber nicht so wie die Steinkohle aus Ostrava und der Bergbau stellte auf Ton für Schamotte um. Es waren bis zu 104 Öfen im Betrieb, verbunden durch eine 60cm-Schmalspurbahn. In Mladejov nad Morave gibt es dazu ein Museum. Leider haben sie die Dampfloks versteckt. Denn es wird eine Museumsbahn bis Hrebec (Schönhengst) betrieben. Der Radweg von Moravske Trebov hoch nach Hrebec ist leider diesen Monat gesperrt (steht so in mapy). Möglicherweise stehen die Loks im Bahnhof Hrebec-doly direkt im Tonbergwerk. Ich habe deshalb dort nicht den Rücken des Schönhengst überquert.

Samstag, Juli 18, 2026

Borderstories in den Sudeten

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Endlich habe ich mich aufgerafft und bin mit meinen Single-Caravan losgefahren. Die totale Autarkie ist noch nicht gegeben. Die Lokusprozedur ist nur für eine planmäßige Nutzung definiert. Wenn's wirklich pressiert, habe ich den Lokus bestimmt nicht rechtzeitig betriebsbereit. Die mit Sonne betriebene Batterie ist mit 75 Ah zu schmalbrüstig für einen 2000 W Wechselrichter. Mein jetziger Wechselrichter hat 300 W und geht beim Anschluss des eBike-Ladegeräts in die Knie. Für Smartphone&Co. reicht es.
18.7.2026
Ich starte meine Tour in den Sudeten bei den Felsenstädten Adrspach und Weckelsdorf. Bei der Anfahrt gestern gab es paar Schikane: Der Pass bei der Burg Tolstejn war gesperrt, ich musste den Jedlova westlich umfahren. Hinter Trutnov (Trautenau) habe ich mich verfahren und stand plötzlich am Grenzübergang Lubawka-Kralovec. Die schlesisch-polnische Karte hatte ich nicht offline in mapy.com. Aber die EU und die Telekom lässt mich ja mit Flatrate ins Internet und ich habe eine super Route über Chelmko Sl. (Schömberg) und Mieroszow (Friedland) zu meinem Ziel, dem Zeltplatz Autokemp Lodenice direkt auf der Grenze in Zdonow (Merkelsdorf) gefunden. Hier gab es die letzte Schikane, eine Fahrbahnverengung auf 2,2 m. Mein Auto hatte mehr Angst als ich und piepste wie verückt. Ein reicher Pole hat mit seinem fetten Daimler-SUV einen Einweiser gebraucht.
Grenzübergangsschikane
Wie im gesamten Czechischen Grenzgebiet gibt es auch hier "verschwundene Dörfer". Hier ist es Libna (Liebnau). Es gibt noch den Dorfteich mit Nepomuk und ein Kriegerdenkmal. Da sind aber die Menschen ausgelöscht.
Kriegerdenkmal: Die Menschen sind ausgelöscht

Keine Finanzwache da 


Es gab einen Grenzweg nach Schömberg im Schlesischen. Ich bin bis zur Grenze gefahren. Die Grenze zum deutschen Schlesien wurde früher von der tschechischen Finanzwache bewacht, trotzdem fanden die Liebnauer Wege zum Paschen von Waren. Das konnte ich an diversen Erklärtafeln lernen, die tatsächlich in Tschechisch und Deutsch verfasst waren
 
19.7.2026
Es ist Sonntag, es gilt den polnischen Ausflugsautos aus dem Weg zu gehen. Die kommen schon gegen Sieben über diesen klitze kleinen Grenzübergang rüber. Also bin ich dem Radweg #4036 in den Wald gefolgt links weg von der Straße hinunter nach Adrspach. Am Buchberg (Bukova hora) war ein Hinweis zum Kreuz der Versöhnung. 
Kreuz der Versöhnung
9Hier hatten die Tschechen 22 Frauen, Kinder und Männer aus Weckelsdorf (Teplice nad Metuje) als Faschisten indentifiziert und erschossen. Es war schon immer ein spannendes Grenzgebiet zwischen Protestanten und Katholiken, zwischen Polen, Deutschen und Tschechen im Dreieck Schlesien, Glatz und Böhmen.
Das gibt's in echt in der Adrspacher Felsenstadtt
Weiter nach Police nad Metuje, dort hatte mir mapy.com schon bei der Vorbereitung das restaurace Ostaš empfohlen. Ich hatte eine Knoblauchsuppe (cesnacka) und einen großartigen Gulasch mit Knödeln. Klassische böhmische Küche auf höchstem Niveau vom Geschmack, vom Service und Alles ruckzuck.
Walzel Centrum
Überall, in Czechland und in Polen hängt hier Reklame für ein Schwejk-Restaurant. Ich fand es. Eine alte Fabrik hat ein Investor umgebaut zum Eventzentrum (www.walzel.cz) mit Kletterhalle, Schießstand (auch ohne Waffenschein), Restaurant und weitere Touristenfallen. Ich wollte dort nur ein Bier. Der Kellner war aber schwer auf Draht und ein Menschenkenner. Er empfahl mir eine "starke Knoblauchsuppe" und den Schnaps, wo der brave Soldat in Purim von besoffen war - Kontuschowka. Kontuschowka ist lindgrün und schmeckt wie ein Becherovka hoch 10, spektakulär. Über das polnische Friedland bin ich wieder zurück auf meinen Platz auf der Grenze.

20.7.2026
Police nad Metuje 
Heute eine Runde um Police n. M. mit Besuch des Hausbergs Ostaš. Es sind 75 km zusammen gekommen. 

Donnerstag, März 26, 2026

Am Schwarzen Meer

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The Dawn: Kap Kaliakra
Es ist einsam am Schwarzen Meer vor der Vorsaison. Ich bin am Kap Ikantalak unterhalb von Topola. Hier haben diverse Investoren diverse Ressorts, Glamping-Plätze und Appartmenthäuser bauen lassen. Zwei Dutzend Leute aus der arbeitenden Klasse versuchen nun die Saison 2026 vorzubereiten. Mein virtueller Host (ich kenne ihn nur aus WhatsApp), der Herr Dimitrov, hat schon mal sein nobles Appartment bei booking.com frei gegeben, wodurch ich mich hier für drei Nächte einmieten konnte. Die booking-Leute sollten mal angeben, in welchem Stockwerk ihre Horntzschen liegen, der alte Ebs musste bis in den dritten Stock kraxeln. Sicher bin ich hier der erste Gast im Jahr, den Kaffee, die Kaffeekapseln und weitere Reste vom letzten Jahr ignoriere ich mal, aus der Wasserleitung lasse ich es mehrere Minuten rauschen. Die kleinen Supermärkte um die Ecke haben noch Alles in Lewa ausgepreist und geschlossen. Ich bin an den großartigen weißen thrakischen Cliffs der bisher einzigste Tourist.

Die weißen Cliffs
Das Wetter die zwei Tage war super, es war eine sonnige Lust zu pedalieren. Die Crux ist nur, um hier wirklich wegzukommen, muss ich knapp hundert Meter die weißen Wände hoch strampeln. Richtung Baltschik gibt es eine alte Küstenstraße mit mäßigen Anstiegen, die ich mit meinem Bio-Rad noch schaffe. 
Am Kap Ikantalak

Da hinten ist Albena
So komme ich an Verpflegung und Getränke, ohne mein Auto bewegen zu müssen. In Tuzlata haben bereits drei klassische skara bira geöffnet, hier werde ich wohltuend empfangen. Ich kann die ganzen Klassiker durchkosten: Schopski Salat, ribni ciorba, kufteta und Rakia. Ich finde eine Schwefel-Thermalquelle und erinnere mich, dass ich hier vor 49 Jahren schon war. Morgen starte ich die Heimreise.

Montag, März 23, 2026

Plimbare, plimbare

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Es ist kalt im Delta
Plimbare ist das wohlklingende rumänische Wort für spazieren, schlendern, Zeit verplempern. Hier in Murighiol meist verwendet in Verbindung plimbare cu barcu. Das bedeutet mit dem Ausflugsboot durchs Donaudelta schippern. Ich bin wohl hier der erste Tourist dieses Jahr, sicher der Einzigste zur Zeit. Da lohnt es nicht, die Leinen der vielen Barken los zu machen, ich habe garnicht erst gefragt. Am Sonnabend und Sonntag war es kalt, windig und nieslich. Einige reiche Bukarester bringen ihre Boote in den Hafen. Mein plimbare-RADius beschränkte sich nur auf diverse magazin mixt in Murighiol.
Heute war es eine sonnige Lust zu Pedalieren. Ich besuchte die römische Festung Halmyris. Hier beginnt der Limes.
Das Westtor
Dann die entgegengesetzte Richtung nach Mahmudia an den St.Georgs-Strom, der südliche Hauptarm der Donau im Delta.
Sf.Gheorghe in Mahmudia
Morgen gehts nach Bulgarien.

Freitag, März 20, 2026

Ich bin kein Automobilist

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Ich entscheide von Tag zu Tag und Wetter zu Wetter, wo die Reise hingehen soll. Aktuell geht die Sonne über den Măciner Bergen unter, ich bin wieder zurück in Rumänien am Rande des Donaudeltas in Murighiol. Das Auto funktioniert für mich nur als Transportmittel zum Ziel. Unterwegs gibt es nichts zu entdecken, zu besuchen oder sonst einen Anlass zum Halten. Das Lenken fordert meine volle Aufmerksamkeit, selten fällt mir was aus der Umgebung auf. Die letzten zwei Tage bin ich nach Gagausien und dann weiter hierher ins Delta gefahren. Die Hauptstadt Chisinau habe ich auf der LKW-Umgehung westlich umfahren. Die Brummer haben mich bei angewiesenen 50 km/h gejagt. Im Zentrum von Comrat, der Hauptstadt der Gagausen, sah ich ein mit Stacheldraht gesichertes Gebäude, davor ein Wachmann und die türkische Flagge. Leider aber keinen Platz, der mir Nichtautomobilisten ein gefahrloses Ein- und Ausparken zuließ. Zu den ethnischen Wurzeln der Gagausen streiten sich die Gelehrten. Ohne Zweifel ist die Verwandschaft der Sprache der Gagausen zum osmanischen Türkisch. Die können sich wohl tatsächlich verstehen und unterhalten. Ich hätte schon gern dort "boots on the ground" geforscht, was das für ein Gebäude ist. So fuhr ich weiter nach Congaz. Das ist die gagausische Station der DIAMIR-Reisen nach Moldawien. 
Die Gaststube
Hier gibt es Ethno&Eco-Etablissement. Hotel und Restaurant liegen gut 1000 m auseinander, gut dass ich mein Rad mit hatte. Bisher habe ich mit den Gagausen mich sehr gut russisch verständigen können. Bei der gagausischden Gastwirtschaft gab es eine Chefin, die mich in englisch willkommen hieß. Draußen war es schon recht kalt, also schob sie mich in eine kleine Ethno-Stube mit vier Gedecken auf dem Tisch. Diese Stube teilte ich noch mit einer niedlichen Bettelmiez.
Die Bettelmiez
Angebot im Kirchenkiosk
Dann kam die Bedienung als Mädchen in Tracht. Den gagausischen Bortsch und das schweinige Kaurma (beachte die Verwandschaft zum bulgarischen Kawarma) konnte ich aus der köstlich illustrierten Speisekarte darlegen, das gewünschte Bier verstand sie nicht. Später, als ich die gagausischen Köstlichkeiten schon verkasematuckelt hatte, verstand sie meine Bitte "Принесите пожалуйста пиво!"
Später war ich noch an der Kirche in Congaz. Die Gagausen sind orthodoxe Christen. Selbst die jungen Kerle hielten vor der Pforte zum Kirchhof inne und bekreuzigten sich dreimal. Im Kirchenkiosk gibt es kleine Spray-Fläschchen mit der Aufschrift "MYRO". Ist das Weihrauch-Parfum? GoogleLens konnte nicht helfen. Ich bin zu sehr Radreisender. Es wäre Gott gefällig, so etwas als Andenken zu kaufen. Im Auto ist genug Platz.
Hier gibt es auch die Ortseingangsmonumente mit heldenhaften Abbildern der werktätigen Bevölkerung. Auf dem Weg zur Grenze nach Rumänien sah ich ein solches Monument mit der Aufschrift Albasdorf. Das war zwischen Albota de jos und Albota de sus. An der moldawischen GÜST bei Cahul gab es wieder eine Herausforderung vom Wackelkontakt. 3malige Wiederholung führte zum Ziel. Die Grenzer haben nur bissel komisch geguckt. Die nächsten drei Tage dann wieder auf dem Rad, da gibt es auch wieder Bilder.

Mittwoch, März 18, 2026

Orheiul Vechi

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Damals 2011 auf der Radtour nach Odessa kannte ich als Merkwürdigkeiten in Moldawien nur die beiden seltsamen Autonomien Transnistrien und Gagausien. Ich bin zwar durch Orhei gekommen, wusste aber nichts von der wunderbaren Landschaft Alt Orhei. 
Belvedere
Hier macht das Flüsschen Răut (russisch Ре́ут Reut) in seinem tiefeingeschnittenen Tal zwei Schlingen. Diese formenreich strukturierten tiefen Flusstäler, für die die Schlingen von Orheiul Vechi exemplarisch stehen, heben sich deutlich von den ansonsten in Moldawien vorherrschenden, eher monotonen flachhügeligen Steppengrasflächen und Äckern ab und fordern eine Drohne zur Präsentation. Das war mir schon zu Hause klar, leider habe ich das Gerät nicht ins Fluggepäck gekriegt. An deren Hängen treten zwischen weichen tonigen und sandigen Schichten und Konglomeraten an manchen Stellen ältere Gesteine wie kreidezeitliche Kalke oder noch ältere Granite hervor. In den Schichten der Kreidezeit finden sich viele fossile Muscheln. 
 
Muscheln aus der Kreidezeit

Der Fluss Răut
Dieses Gebiet ist nachweislich schon seit der Steinzeit besiedelt. Seinen zivilisatorischen Höhepunkt hatte es im 14. Jhdt. als tatarische Festung Schehr al-Jadid mit Palast, Karawanserei und einem großen Badehaus.
Das Tartarenbad
Ich habe mich in der Pension Valea Stâncii in Trebujeni für drei Nächte eingemietet, um die Gegend mit dem Rad zu erkunden. In den Nächten hat es noch Frost, im Auto müsste ich die Standheizung laufen lassen. Aber ihr wisst: Ölkrise. Morgen gehts nach Gagausien.
In Trebujeni
 

Sonntag, März 15, 2026

Die Kapitale der Roma

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Heute ein Tag ohne Auto ... scheen war's. Soroca (russisch und ukrainisch Сороки Soroki, „Elster") liegt direkt am Dnistr. Eine fast 300 m hohe Hügelkette reicht hier bis an das Westufer des Dnistr heran. Die habe ich heute bei der "Lampe der Dankbarkeit" erklommen. 
Die Kreideklippe unter der "Lampe der Dankbarkeit"
Bekirow Jar - Die Erimitage in der Mitte der Wand
Gleich unten bevor die Straße ordentlich ansteigt, gibt es den historischen Ort "Bekirow Jar", eine Erimatage in halber Höhe in der Wand. Schon der Haldenweg hat mich abgeschreckt, die 5m hoch Tritte in der bröcklichen Kreidewand hätte ich wohl auch vor 40 Jahren abgewählt. Ich habe mir die Höhe durch Strampeln und Schieben auf der Straße hoch in den Ortsteil Zastinca erkämpft und wurde oben mit einem magazin mixt belohnt. Hier residiert ein uraltes Ömchen. Bei älteren Leuten (also so mein Alter) sollte man russisch sprechen. Das Ömchen erkundigte sich besorgt bei mir, ob wir denn in Deutschland noch Gas haben. Ich trinke draußen zwei Bier aus Chisinau - leidlich. Hier beginnt eine Spur des Menschenhandels.
Die Nummer für Arbeit in Europa
Der Rückweg führte mich durch ein Stadtviertel mit imposanten Villen der Roma-Minderheit, was im Volksmund zum Beinamen „Zigeunerhauptstadt Moldaus" für Soroca führte. Die Bauherren ließen sich von diversen weltberühmten Bauwerken wie dem Petersdom oder dem Spasski-Turm inspirieren. Da ist das Haus mit der goldenen Kuppel, das Zigeuner-Parlament und der Palast des reichsten Zigeunerbaron Europas. Nur wenige Paläste machen einen bewohnten Eindruck, ich sah keinen fertig gebaut. Die Paläste ähneln eher lost places, ich traute mich nicht zu fotografieren.
Nun sitze ich im Restaurant "Salat" bei einer Soljanka und bere Timisoareana. Bisher schlägt die Küche in Moldawien die rumänische Küche locker. Auch gut: Die Speisekarten sind großartig bebildert.

Samstag, März 14, 2026

Die Kunst des Wackelkontakts

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Im Prüffeld in der Elektronik bei Zeiss Saalfeld hieß es es richtig: Fehler so lange halten wie möglich. Nichts ist schlimmer beim Strom als ein Wackelkontakt. Bei meiner Probefahrt am Donnerstag hoch in die Karpaten hatte ich einen "Fehler Kollisionswarner". Man mag denken, nicht so ein Problem, ich bremse in der Regel eher als die Assistenz. Aber beim Peugeot geht dann auch der Tempomat nicht mehr. Ohne Tempomat schaffe ich die geplanten großen Strecken nicht. Am Freitag wollte ich in die Werkstatt reklamieren ... es funzt wieder. Selbst-Reparatur-Taste!
Am Dnistr
Fluss Dnistr in Soroca
Am Sonnabend - Sâmbătă starte ich die Rückreise. Sie beginnt mit einem Bogen nach NO ins Länderdreieck RO-UK-MD zum GÜST Rădăuți-Prut (RO) - Lipcani (MD). Hier ist Schengen-Grenze, die Beamten beider Länder sowohl die Grenzpolizei als auch der Zoll nehmen ihre Aufgabe ernst und prüfen professionell und freundlich. Mein Auto hat so köstlich viele verschiedene Türen (5), die konnte ich bei beiden Grenzposten alle öffnen. Beim Anblick des Fahrrads haben'se dann ihre Visite abgebrochen und mich freundlich verabschiedet. Der junge moldawische Grenzpolizist zeigte mir auch gleich die Tür zur Wechselstube und zum Kauf der "Vignette". Die "Vignette" zeigt sich als anderthalb-seitiger Ausdruck des Datenbankeintrags und kostet für 7 Tage 85 MDL (das müsst ihr durch 20 teilen für den Europreis). Es stellte sich gleich während der Weiterfahrt raus, mehr isses auch nicht wert. Die moldawischen Straßen locken wieder jeden Wackelkontakt hervor. Der ploppte beim Start nach der Mittagspause bei Edinet auf. Beim Start blinkte es kurz, dann gar kein Strom, kein Anlassen. Der Prüfingenieur öffnete die Motorhaube und zuckelte an etlichen Steckverbindern rund um die Batterie ... und in der Tat: Da geht wieder was. Fürs Anlassen reichte es aber nicht aus. Es brauchte 5 Wiederholungen und ich konnte weiterfahren. Na das kann ja was werden! Ich habe mir den Steckverbinder des wirkungsreichsten Zucklers gemerkt ...
Die Trutzburg in Soroca

 

Mittwoch, März 11, 2026

Ich liebe es, wenn ein Plan funktioniert. Ich besitze wieder mein Auto.

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Die am Rande beteiligten Parteien haben die Wiederinbesitznahme zwar ein wenig rau gestaltet, auf die wichtigen Akteure war 100%ig Verlass. Bei der Anreise nach Illertissen zu meinem Bruder war der ICE von Erfurt nach München pünktlich. Die Lokalbahnen in Thüringen und in Bayern haben gehunzt. Aus drei Umstiegen laut Fahrplan wurden fünf, incl. Bahnsteigwechsel in Memmingen 8 min vor der Abfahrt. Für 'nen alten Mann eine Herausforderung. Die Abfertigung des WizzAir-Flugs auf dem Flugplatz Memmingen war wie Krieg ... 90% warten und dauert länger wie geplant. Der Flug selbst (laut Kostenaufstellung knapp 6€) ein Erlebnis. Ich habe mit mapy die Route verfolgt, großartige Sicht auf die Schnee bedeckten Gipfel des Rodna bei Sonnenuntergang. Da war der Flieger schon im Sinkflug nach Suceava. Als ich aus dem Flugplatz raus zum Taxistand bin, zeichneten sich am abendroten Horizont zackig die Karpaten ab ... großartig. Noch rechtzeitig vor Küchenschluss in die pensiunea Meteora eingecheckt.
Auf Probefahrt
Heute Morgen dann perfekt mein Auto von Daniel bei AutoDel in Sučeva übergeben bekommen. Ein Monteur holte es vom Standplatz, rückwärts eingeparkt mit Fußmatte im Fahrerraum wurden mir die erbrachten Reparaturen und Services erläutert und dann los, wieder Fahren lernen zum Tanken. Auch hier in Rumänien sind schon knapp 9 Lei für den Liter Diesel ausgezeichnet. Der Euro kostet ziemlich genau 5 Lei. Der Taxifahrer und Meister Daniel erkundigten sich nach den Kraftstoffpreisen in Deutschland. Mit 2,20 € haben sie nicht gerechnet. Die Probefahrt absolvierte ich auf schmalen Dorfstraßen. Damit kann ich die notwendige Aufmerksamkeit trainieren, die es braucht, östlichen Verkehr zu meistern. Praktisch nur Ortsverkehr, was 50 km/h und an den zahlreichen Fußgängerüberwegen 30 km/h bedeutet. Der Rumäne an sich hinter mir in seinem Auto sieht das ganz anders und überholt mich bei im Tempomat eingestellten 58 Stundenkilometern. Immer beachten die Fuhrwerke, die Fußgänger ohne Bürgersteig und die eRoller, die dir in einer Linkskurve auf deiner Fahrspur entgegen kommen.

Donnerstag, Juli 17, 2025

In der Maramures

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Im Plan für die Maramures stand der CP Babou in Breb. Der Weg stellte in locru heraus, im Bau. Es wäre eh sehr herausfordernd gewesen, von dort aus Radexkursionen zu starten. Zudem verkündete die extrem schwüle Luft einige Gewitter ... und so sollte es sein. Ich habe dann ersteinmal noch einige Schleifen mit dem Mobil gedreht, lauter Wege aus der Großen Rumänien Tour 1986. Es wird viel gebaut auf dem Weg hoch zum Neteda-Pass hinüber nach Cavnic. Unsere Campwiese, die uns Gert anwies, kann ich nicht mehr identifizieren. Dann durch Cavnic hinunter zur Kirche von Surdesti. 
Biserica de lemn in Surdesti
Das beindruckende Innere
Für einen kleinen Obulus konnte ich die prächtig ausgemalte Kirche besichtigen. Die Kirchenbedienerin erläuterte, dass hier nichts an den Farben in den Jahrhunderten restauriert wurde. Wirklich beeindruckend. Die Rückfahrt in das Mara-Iza-Gebiet führte über Baia Sprie und dem Gutii-Pass nach Barsana. Dort hatte ich auch einen Campingplatz Bradova Barsana gefunden. Da hatte ich mir was eingebrockt. 
Am Horizont der Hahnekamm (Creasta gogosului)
Der Platz Badova Barsana mit Weitblick
Eine ausgezeichnete Lage mit weitem Blick zum Creasta Gogosului mit einem Aufstieg in drei Steilstufen (ca. 16% plus) auf 500 m Höhe. Ich überlegte schon, ob ich nochmal runter soll, aber außer einem Tuica zur Begrüßung gab es keine Logistik. Doch ich wagte es ... runter ins magazin mixt war es wert. Als ich zurück kam, hatte sich der Platz leidlich gefüllt mit solchen Offroad-Campern wie die Schweden, diesmal nur aus Bayern und aus Polen, meine netten Nachbarn.
Am folgenden Mittwoch dann der Ausflug mit dem Rad nach Valea Stejarului. Hier stand noch eine offene Aufgabe aus 1986. Gert schwärmte von dem Holzschnitzerdorf im Tal der Eichen und führte uns durch eine Furt im Fluss Iza. Die dort wimmelnden Blutegel vergällten mir dieses Dorf und ich trennte mich von der Truppe, in Oberwischau kamen wir dann nach zwei Tagen wieder zusammen. 
Die Kirche im Dorf

Heute führt eine asphaltierte Straße in das Dorf, wo es in der Tat noch einige schöne Tore gibt. Für ihr Kirchendach hatten sie aber nur Blech über. Überraschenderweise hatten sie auch ein gastliches magazin mixt. Diese ganze Tour war gekennzeichnet von aufmerksamer Wetterbeobachtung wegen der ständigen Gewitterschauer die über die Maramures zogen. Dreimal musste ich eine Bierpause einlegen (i.d.T. immer nur ein Bier), sodass ich oben auf dem CP nur nass vom Schweiß ankam.
Heute nun weiter auf nostalgischen Spuren hinüber in die Moldau. 2010 hatten wir uns die Höhenstraße von Glod über Poienile Izei nach Botiza vorgenommen. Hinter Glod hat uns der raue matschige Weg abgewiesen, heute ist das eine schmale asphaltierte Straße. Dann durch Oberwischau und Borsa hinauf auf den Prislop-Pass und weiter ins Tal der Goldenen Bistritz, wie damals 1986 mit Biorad und zwei Gängen: Pedalieren oder Schieben. 
Schnellader für dein Elektrisches auf dem Prislop-Pass
Auch auf den Rarau kommt man heute locker auf Asphalt von Pojorata aus. Hier oben habe ich abseits einen schönen Stellplatz gefunden ... mit Herz. 
Platz mit Herz
Mit dem Rad bin ich die letzten Höhenmeter zum Hotel Alpin gestrampelt. Das liegt auf 1500 m Höhe und war ein Jahrzehnt mein Fahrradhöhenrekord.

Montag, Juli 14, 2025

Durch die Ländereien derer von Wenckheim

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Im Dschungel der Puszta auf der Suche von Samsons Burg
Samsons Burg
Gestern noch eine Runde durch die Ländereien derer von Wenckheim rechts und links der Fekete Körös (Schwarze Kreisch). Ein Fünftel meiner Follower, der Gert, fragte nach den Preisen aktuell in Ungarn. Leider muss ich sagen, dass ich dazu wenig sagen kann. Mich macht der Forint kirre, immer musst du Hunderte und Tausende davon hinlegen. Wenn du 300 HUF hingibst als Trinkgeld, bist du geizig. Ich sage schon immer vor dem Rausgeben an der Kasse: "No coins!" Die 50- und 100 HUF-Scheiben machen nur die Geldkatze schwer. Die ALDI-Mädels dürfen aber nicht aufrunden, wieder hast du zu schleppen. Heute habe ich noch in Ungarn getankt. Der Beleg wies den Preis auch in € aus, habe genausoviel wie in Deutschland bezahlt. Dann ging es über die Grenze nach Rumänien, Schengen offen. Am alten ungarischen Grenzübergang war 20 km//h angewiesen, da hat mich doch ein Sprinter mit italienischen Nummernschild auf der LKW-Spur überholt. Das war der erste Vorgeschmack auf die rumänische Fahrweise. Es gilt 50 km/h in den Ortschaften. Anfangs habe ich meinen Tempomat auf 55 km/h eingestellt. Da haben mich sogar im Dorf LKW überholt, kein Witz. Die Dörfer können gar lang sein, also habe ich aufgerundet auf 65 km/h. Die Rumänen überholen in den Ortschaften trotzdem. Auch unterwegs sind die nervös wie junge Hengste vor der Rennbahn. 
Der Lustige Friedhof
Ich bin gut in Sapinta angekommen und logiere auf einem CP mit einer Horde Schweden in lauter Landrovern mit Anhänger. Wenn die die Seitenwände der Anhänger aufklappen, haben die dann ihre Küche. Ich kann mir aber nicht vorstellen, dass die mit der Küche auch Offroad unterwegs waren. Die Zugmaschinen waren schwer vom Matsch gekennzeichnet. Die spielen in einer weit höheren Camping-Liga als ich Anfänger.