Freitag, Juni 26, 2015

Im Banne des Alibotusch

Das ist sie nun, die letzte Aufgabe der BalkanTotal-Tour, die südliche Überquerung des Pirin auf dem Iron Curtain Trail. Ich hatte vom Abt einige Bilder im Kopf, er hat ja damals hier das ganze Gebiet intensiv erforscht. Kein Wunder: Damals ließ er sich noch Alibotusch nennen. Die höchste Erhebung des Slavjanka-Massivs ist der Gotsev Vrach (2212 m), oder der türkische Name Alibotusch, der Stiefel des Ali. Dieser Abschnitt ist tatsächlich Teil des EuroVelo 13, des Iron Curtain Trail. Aber der Reihe nach.
Karlanovo: Bei Petr (GSM 0878 70 71 09)
Früh bei Petr in Karlanovo los gefahren, da ging es ja erst mal runter nach Melnik, wo noch alles in der Morgenstarre war. Den Weg nach Katunzi auch gefunden, das war mit hoher Sicherheit auch unser Weg nach Kulata damals 1993 mit Mu.
Letzter Blick zum Pirin: Winogradi (bulg. Виногради)
Dann ging es los, ein längerer stetiger Aufstieg nach Petrovo. Die Leute in der Kneipe dort wunderten sich, dass ich in die Berge wollte. Sie boten mir eine Fahrt mit dem "Ökonomen" an. Petrovo liegt am Rande des Gebirges. Es ist aber alles noch eine hoffnungsvolle Asphaltstraße.
Im Banne des Alibotusch
Bald bin ich an der Hütte Isvora, es ist gegen 14 Uhr Ortszeit. Ich klinke behutsam und in der Tat, ein Frau führt die Hütte, ich bekomme ein Bier und bald stellt sie mir einen großen Teller ihrer eigenen Käsespezialitäten hin. Das ist, wenn man von einigen Plätzchen aus meinem bescheidenen Vorrat absieht, die einzigste Mahlzeit des Tages. Sie warnt mich vor meinen Plänen, noch bis nach dem Dorf Paril zu fahren. Aber hier an der Hütte bin ich ja noch nicht mal über dem Pass. Also weiter immer noch auf Asphalt. Dann erreiche ich den Pass und nach einer kurzen Abfahrt das Dorf am Ende der Welt Goleshovo.
Brunnen in Goleshovo
Hier versuche ich durch meine Anwesenheit jemanden zu veranlassen, das Geschäft zu öffnen. Es stehen nämlich drei leere Flaschen Pirinsko auf dem Tisch vor dem Laden. Das Haus, wie die meisten der Anderen, ist schon verfallen, im Erdgeschoss scheint es aber noch trocken genug für ein Lädchen zu sein.
Nun kommt der Abschnitt bis zum nächsten Dorf Paril auf dem EuroVelo 13, der nur ein Attribut verdient: Unfahrbar. Es sind ungefähr ein Dutzend Kilometer.
Parilski pereval
Dazwischen der Pass auf ca. 1450 m. Wer behauptet, den EuroVelo komplett gefahren zu sein, muss mir das durch das Foto des Passes beweisen können. Auch abwärts muss ich meistens schieben, zu steil, zu hulprig, mit Auswaschungen so tief, dass ich mein ganzes Rad reinstellen kann. Im Dorf Paril ist nichts, außer wohl ein paar Liebhaberobjekte für das Wochenende, aber am Dorfende beginnt eine schöne asphaltierte Rollbahn bergab. Es ist schon weit nach 20 Uhr, ich nutze den Abzweig nach Nova Lovtscha in der Hoffnung, dass hier einige Einheimische für den Freitagabend eine Kneipe haben. Dort kaufe ich mir zwei Bier, eines zum Mitnehmen.
Zelten am Rand des Reservats Alibotusch: Dorf Nova Lovtscha
Vor dem Dorf finde ich eine Stelle für das Zelt. Das größte Radabenteuer meines Lebens hat ein gutes Ende genommen.

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