Sonntag, September 29, 2019

Chalkidiki

Die von booking.com haben jetzt auch so eine Art Messaging-System. Am Vorabend dem Vermieter eine kurze Nachricht geschickt, fünf Minuten später kam er auf seinem Moped angesägt. Alles freundlich und problemlos abgewickelt. So konnte ich kurz nach dem Sonnenaufgang starten. In Ierissos gab es ein kleines Ouzo-Frühstück. Der Mann der Wirtin des Kaffenions, gegürtet mit jede Menge Patronen, kam gerade von der Jagd. Stolz wurde mir ein Feldhase mit blutigem Kopf im Plastikbeutel präsentiert. Der Hase machte große Augen.
An diesem Tag sind es nicht viele Kilometer geworden. Die Route nach Polygyros stellte sich als ausgesprochen hügelig heraus. Immer wieder sind Ketten mit ca. 300 Höhenmeter zu überwinden, mehr hoch als danach runter. Es gibt auch sehr wenig Dörfer mit Versorgung, eigentlich nur das Dorf Gomati. In den Hügeln ist gerade die Olivenernte im Gange, die großen Grünen. Beim Dorf Keli fand ich einen tollen Platz zum Zelten, ein kleiner Pavillon gab Sitzgelegenheit, nur 5 Meter hin in einem Pinienhain kriegte ich sogar die Häringe für das Zelt in den Boden.
Der Morgen weckte mich mit einem unfassbaren Licht, orange-golden kündigte sich am östlichen Horizont über dem Berg Athos der Sonnenaufgang an. Endlich mal eine Bofstelle nach den Regeln des Karpatenwilli, eine Stelle mit Weitsicht. Aber die Straße führte trotzdem weiter aufwärts. Im Dorf Vrastama auf gut 500 m Seehöhe wurde eine asphaltierte Straße nach Ormylia angezeigt. Laut mapy.cz geht es dorthin 11 km bergab und es gibt eine Verbindung zur Küstenstraße. Die angezeigte Größe von Ormylia verspricht auch eine Versorgung für ein Frühstück am Sonntag. Ich habe diesen kleinen Umweg gewählt, den landwirtschaftlichen Teil von Chalkidiki verlassen und mich im touristischen Teil an der Küste in Kalyves Polygorou mit Bier, Gyros und Feta-Salat verwöhnen lassen. Ich werde erst morgen Thessaloniki erreichen.

Noch ein Nachtrag:

Ich bin in Nea Kallikratia. Der geneigte Leser dieses kleinen Reisetagebuchs hat sich sicher schon gewundert: Er hat noch nix zum Essen geschrieben. Nun, ich möchte mich überraschen lassen und ein großer Teller voller Gyros ist in Griechenland keine Überraschung, nichts desto trotz eine leckere Delikatesse. Gestern fuhr ich an einer Ziegenkäserei vorbei, die sich mit einem Weltrekord rühmte, der größte Ziegenkäse wurde von der Guinness-Kommission mit knapp einer Tonne vermessen. Es galt also mal einen Ziegenkäse aus der Chalkidiki zu kosten. Hier im Restaurant “Ela Do Kollas” wird ein Talagani in der Karte angeboten. Ein Ziegenkäse an einer hausgemachten Zwiebelmarmelade. Dazu bestellte ich mir πιπεριές, scharfe Paprikaschoten. Der Ziegenkäse kam auf einem Teller, so übersichtlich und grafisch drapiert wie in einem x-Sterne-Restaurant. Es war keine Zwiebelmarmelade, eher eine Konfitüre, tatsächlich süß wie eine Konfitüre mit Zwiebel. Das passte natürlich gut zu den scharfen Paprika. Der Käse war köstlich mit all den Tunken aus Marmelade, Olivenöl und Paprika. Mir scheint, ich habe eine gewisse Aufmerksamkeit mit dieser Wahl und dem Schreiben jetzt auf mich gelenkt. Alles zu einem Retsina Limited Edition Κεχριμπαρι.

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