Montag, September 23, 2019

Ein Sonntag auf der Plaka

Ein Sonntag auf der Plaka.
Am Grenzübergang Ilinden in das Gebiet des Schengener Abkommens nach Griechenland wird noch fleißig kontrolliert. Die Grenze überquert man in einem 500 m langen Tunnel. Der liegt auf Niemandsland zwischen den beiden GÜSt’s, der bulgarischen und der griechischen. In K. Nevrokopi wurde gerade der sonntägliche Gottesdienst per Lautsprecher im Glockenturm ins Städtchen übertragen. Ich bin mal hoch zur Kirche, mein erster Eindruck täuschte mich nicht, meist nur Frauen kamen aus der Kirche. Die Männer saßen unten in und vor den Kaffenions. Meine weitere Route auf Nebenstraßen ins Dorf Perithori führte mich noch einmal unter den Alibotusch, der letzte 2000er des Pirin auf der Grenze.
Hier ist gerade große Kartoffel-Kampagne. Auch Sonntags gibt es Trupps von Frauen und Männern, die die Erdäpfel einsammeln.
Im Dorf Kato Vrondou beginnt der Aufstieg auf die südlichen Ausläufer des Alibotusch, dieser Gebirgszug trennt das Mesta-Tal vom Struma-Tal. Der Anstieg im Dorf ist gleich der steilste Abschnitt, den muss ich noch schieben. Doch dann wirkt mein neuer Antrieb mit dem kleinsten Blatt vorn. Ein Kaffegast zweifelte, dass ich es noch am Tag (gerade 16 Uhr) bis Serres schaffen würde. Er übernahm meine Rechnung des Kaffee Frappee und betonte die Wichtigkeit von Wasser unterwegs. Nach 10 km käme links eine Stell mit “gutem Wasser”. Dieser Mann teilt seine Rente zwischen Deutschland (Stuttgart) und seinem Dorf Kato Vrondou auf. Aber immer öfter in seinem Dorf, zwinkerte er. Damit war mein Ziel festgelegt, an dieser Wasserstelle eine schöne Zeltstelle finden. Für das Abendbrot hatte ich einen halben Liter Retsina und einige leckere Gebäckstangen mit Nuss und Mohn paniert. Tja Mu, damit ist die Retsina-Spur von 1993 wieder aufgenommen. Wir haben damals ja auch mit halben Litern angefangen, bis zum legendären Glasballon auf der Adria-Fähre.
Die Wasserstelle war verbunden mit einer kleinen Kapelle. Es kam noch der Pfleger dieser heiligen Stelle vorbei, er zündete die Ewige Lampe wieder an, richtete einige Blumen und sammelte den Unrat ein. Er warnte mich vor der Kälte, wir sind noch auf knapp 1000m Höhe. Es war eine gute Nacht, früh war aber alles vom Tau sehr feucht.
Die Straße führte lange immer auf dem Kamm lang. Die Abfahrt wurde noch von einigen Huckeln unterbrochen, bescherte aber eine grandiose Weitsicht. In Serres erhielt ich dann in einer Bäckerei ein wunderbares Frühstück: Kaffee griechisch, Aijran und zwei Burek mit Spinat und weißem Hirtenkäse. Die griechischen Vokabeln dafür werde ich wohl nicht mehr lernen.
Im unteren Struma-Tal wird auf etlichen Feldern Baumwolle angebaut. Vorhin sah ich den Landlord die Qualität prüfen. Es ist wirklich extrem feine Watte, die da an den Bein hohen Sträuchern aus Walnuß großen Knospen herausplatzt. Heute werde ich noch an den letzten Hügelkamm vor dem Meer heranfahren. Irgendwo in der Gegend eines Dorfes will ich was für die Nacht finden.
Gerade habe ich das Zelt neben einer Kneipe aufgebaut. Einer warnte, es sei ein Schlangenfeld. Macht nix, die Logistik zählt. Ich liebe diese griechische Tradition, dass zum Bier was zum Knabbern gibt, die mezes.

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