Montag, September 28, 2026

Entlang des Drin

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Ich entschloss mich nach dem letzten Tagebucheintrag, dem Drin zu folgen. Für den mazedonischen Abschnitt von Strugar nach Debar gilt wieder einmal: Hier bin ich schon mit dem Rad lang. Das war vor 20 Jahren mit Ralf, wir sind dann hoch nach Mavrovo gestrampelt. Der Grenzübertritt nach Albanien war ohne Probleme, nur der albanische Zöllner im sportlichen Trainingsanzug mit Zollwappen wollte mal hinten rein gucken und ich deshalb aussteigen.
Willkommen in Albanien
Dahinten unten ist der Drin
Nach Peshkopi war die Straße atemberaubend. Sie führte östlich des Drin einige hundert Meter oberhalb des Flusstals nach Norden. So ergaben sich nach jeder Linkskurve grandiose Tiefblicke. Die aber der Auto fahrende Ebs endlich genießen konnte, da es an den Kuppen Plätze zum Parken gab. Diese Route hatte ich mir schon in der Vergangenheit für Radtouren ausgeguckt ... und in der Tat es kamen mir 6 Weltumradler entgegen. Es ist eine äußerst herausfordernde Route, aber lohnend.
Ich habe mich in einem Dorf vor Kukes bei einem kernigen Albaner in seinem "Super Panorama Guesthouse" für drei Nächte eingemietet. Heute feiert er seinen 34. Geburtstag, dazu ist er ein fleißiger Brenner von Raki von der Traube. Er führt seit 5 Jahren das Guesthouse und hat sich ein beeindruckendes Englisch durch seine Gäste angelernt. Da komme ich nicht mit. Er kennt sich touristisch sehr gut aus in seinem Heimatland und konnte uns, einem Päärchen aus Holland und mir viele Tipps geben. Er verstand nur nicht, warum ich nicht noch bei dieser Tour das Alles abfahre. 
Hier war es noch ein lockeres Pedalieren
Einen Tipp habe ich beherzigt und bin durch eine Schlucht hoch in das Land der Goranci nach Topojan gefahren. Die Goranci sind eine südslawische, muslimische Volksgruppe in der Balkanregion Gora im Grenzgebiet zwischen dem Kosovo, Albanien und Nordmazedonien. 
Ich war nie eine Bergziege
Kurz vor Erreichen des Dorfes und im Angesicht einer steilen Serpentine bin ich bei einem Akkustand von 30% umgedreht. War richtig, beim Eintreffen zur Geburtstagsfeier meines Freundes wurde 12% angezeigt. Die Tour führte über 65 km.

Samstag, September 26, 2026

Bis an die Grenzen

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In Ohrid habe ich mir ein kleines Zimmerchen gegönnt. "Appartment in Villa" hat man sich als Marketingname ausgedacht. Es war aber alles sehr einfach, aber die Lage außerhalb vom Ort mit bequemer Zufahrt und Parkmöglichkeit sowie die Gastgeber waren nett. 
Das römische Amphittheater in Ohrid
Er hat früh immer gebacken, so kriegte ich immer ein frisches ofenwarmes Baniza. Mazedonien scheint noch nicht von den deutschen Supermärkten erobert. So gibt es noch schöne Geschäfte mit einheimischen und balkanischen Spezialitäten: Richtig guten Schafskäse, Ljuteniza, dalmatinischen Schinken und T'ga sa jug, DER Rotwein aus Mazedonien. Der Schafskäse und das Baniza rundete mein Frühstück ab, abends gab es den Rotwein und den Schinken. Aufmerksam beobachtet wurden meine Mahlzeiten von drei schreckhaften Bettelmiezen. Die haben tatsächlich den Schafskäse geschleckert und bei dem Schinken gabs Geraufe wie bei einer Löwenmahlzeit. Am letzten Abend ließ ich den angebrochenen Schinken für eine Minute (Pinkelpause) auf dem Tisch. Der Schinken war komplett weg, genau wie Bettelmiezen, diese Sauhunde.
Die Busladungen am Kloster Sv. Naum
Ich bin in zwei Touren die komplette mazedonische Küste des Ohrid abgefahren. Am Dienstag in Richtung Sv.Naum. Ich kam auch an der Straße runter vom Galiciza-Pass (2006 mit Ralf dort runter gekommen) vorbei. Hier wird von einem Nationalparkranger die Zufahrt mit Pylonen zugestellt und offensichtlich bemautet. Eine Bande tschechische Motorradfahrer haben wohl ordentlich bezahlt, sahen nicht so begeistert aus. Mich schien der Ranger aufzufordern dort ohne Maut hochzuradeln. Aber wie hieß es immer wieder auf dieser Tour: Hier ist der Ebs schon mit dem Rad lang. Ich bin bis zum Grenzübergang, der rege von Albanern in fetten Autos frequentiert wird, und dann zum UNESCO-Kulturgut Kloster Sv. Naum. Eine Rotte von Bussen entlud gerade Touristen, auch Muslische, die ins Kloster reinströmten. Ich hatte kurze Hosen an ... ich bin ins Restoran. 
Der Drin entspringt hier
Die zweite Tour an das Westufer führte in etwas wildere Gebiete. In Struga entspringt der Drin als Ausfluss des Ohrid. Der Fluss fließt dann durch ganz Nordalbanien und mündet unterhalb der Festung "Rozafa" in die Bojana aus dem Shkoder-See, die dann bei der FKK-Insel Ada Bojana aus dem Film "Schönheit der Sünde" in die Adria mündet. 
Der Empfang im illyrischen Dorf Radolishta
Dann sind die Ortseingänge mit dem schwarzen Adler der Albaner geschmückt und mehrstufige Kümmelraketen verkünden das Gebet des Imams. Wenn man aber weiter an der Küste bleibt gibt es wieder orthodoxe Klausen und Kirchen. Das Ende der Straße versperrt dann offiziell ein Objekt der mazedonischen Grenzpolizei.
Apfelplantagen am Prespa-See
Im Dorf Nakolec
Heute habe ich wieder eine Grenze angestrebt. Ich bin gestern umgesetzt an den Prespa-See an die Hänge des Pelister. Ein Adriatief mit einem fetten Regengebiet bestimmt für das Wochenende nun das Wetter. In einer Regenlücke am Vormittag konnte ich die griechische Grenze erreichen. Die Mazedonier haben eine ordentliche Straße bis zur Grenze gebaut und basteln auch an einem Grenzübergang. Auf der griechisch-mazedonischen Seite sind keine Aktivitäten zu erkennen. Hier werden sehr erfolgreich Äpfel angebaut. Die Baumreihen erhalten alle Wasser über eine Tröpfchenbewässerung aus sauber verlegten Schläuchen.

Dienstag, September 22, 2026

Ein Ohrid-Album

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Ich radle hier einige Tagestouren zu ca. 60 km. Aber der Akku ist trotzdem leer
 
Auf, auf

Blick von der terasa utarna in Konjsko

Ohrid, die Altstadt

Zum Kloster Sv. Naum

Die Klause des Sv. Atanas

Die Hänge des Galicica-Gebirges

Sundown über Ohrid

Samstag, September 19, 2026

Kratovo in Mazedonien

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Dort im Kloster hätte ich wohl eine pomana platzieren sollen 
Heute wurde ich ich einige hundert Meter auf dem Beifahrersitz meines Singlevans chauffiert. Ich hatte schon immer bei Planungen für Touren durch Mazedonien die alte Bergbaustadt Kratovo im Visier. Es führt nur ein Tal heraus, ansonsten musst Du Buckel von fast 1000 Höhenmeter überwinden. Eine Straße führt nach Stip, die Andere ist eine 30 km lange Sackgasse auf 1500 m ins Gebirge. In der Stadt gibt es kaum zweispurige Straßen und dort hatte ich ein Etno Kuca mit Parkplatz gebucht. Die Gassen haben nie unter 7% Steigung und sind i.d.R. grob gepflastert. Es war ein Alptraum. Die Linkskurve zum Etnohaus war für mich und meine Karre nicht machbar. Also ließ ich mich per mapy.cz von oben zur Unterkunft leiten. Es war ein ständiges Gepiepse der Abstandssensoren. Dort hollte ich mir den ersten Kratzer in Kratovo am hinteren rechte Kotflügel.  Nach weiteren Gassen, die ich nie im Lebbe rückwärts gemeistert hätte, grinste mich von vorne ein VW Sharan an. Nach Navi noch 30 m bis zur Unterkunft.  Nun war mein Alptraum auf dem Höhepunkt.  Links neben mir gab es ein Gittertor zu einem Plateau, wo ein 3-Punkt-U-Turn möglich schien. Da tauchte eine schmunzelnde Frau auf, die sofort die Herkunft dieses Idioten erkannte. Ein deutscher Touuurist! Ich fragte sie, ob sie mir das Gitter aufmachen kann, damit ich wenden und vorwärts meiner Falle entschlüpfen kann. Beim rückwärts reinfahren vorn rechts der zweite Kratzer in Kratovo. Da kam ihr Mann und weitere Nachbarn, denen das Alles ausführlich erläutert wurde. Die Lösung war dann, dass der Mann uns nach ausführlicher Erläuterung der Bedienung eines Automatikautos mit mir als Beifahrer rückwärts ca. 200 m raus bugsierte - ohne Kratzer in Kratovo. Er war mein Held. Ich flüchtete die Sackgasse hoch ins Gebirge, was aber noch nicht die Freiheit bedeutete. Wenden und zurück in den Alptraum. Atemberaubende Tiefsichten hinunter in den Krater habe ich als Fotograf ignoriert. Dort kannste auch nicht anhalten, das ist eine einspurige Straße-. Der Mazedonier und speziell der Kratover an sich nutzt jeden erdenklichen Fleck zum Parken. Weshalb der Vorschlag der Familie unten im Zentrum einen Parkplatz zu finden und zum Etnohaus zu laufen, illusorisch ist.  In einer scharfen Linkskurve im Zentrum parkte Einer seinen 5er BMW im Scheitel der Kurve. Ich opferte mein Auto - der dritte Kratzer in Kratovo. Es gibt Orte, da kommt man trotz Straßen nur mit dem Fahrrad hin.

Donnerstag, September 17, 2026

Hector und ich auf dem Hof

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Es war eine gute Zeit auf dem Hof von Herrn Djurkowitsch. Er hält den Hof seit zwei Jahren für Gäste bereit ... und will mit seiner Frau Deanna (genau wie bei Nick Cave) hier weiter alles für die Gäste verbessern. Er hat mich ausgefragt wie ein Marketingfuchs, ich konnte leider nur meine 100%ige Zufriedenheit darlegen, ich hatte keine Verbesserungsvorschläge, gar nix.
Kloster Vratna
Von hier aus sind mindestens 5 Felsentore "prevast" zu erreichen. Meine Radtour gestern führte mich nach Vratna. Leider haben meine Knie auf dem Weg zum kleinen und großen Felsentor schlapp gemacht, bin nur bis zum Kreuz über dem Kloster Vratna gekommen. Immer wieder kreuzten gemächlich Hirschkälber den Weg. die sind aber wesentlich kleiner als bei uns. Im Fell sind sie dem dunklen Beige der ausgetrockneten Landschaft perfekt angepasst.
Am Mali Deli Jovan
Der Schwager von Herrn Djurkowitsch empfahl mir mit dem Rad den Berg Deli Jovan zu besteigen. Auch hier bin ich gescheitert. Am Mali Deli Jovan bin ich umgekehrt. Der Akku hätte es wohl gemacht, aber zurück die Bremsen über dem extrem rauen Schotterweg wohl nicht. Die haben nach der Umkehr einen recht ranzigen Geruch von sich gegeben. 
Hier wird viel geköhlert
Es wurde noch eine schöne Runde mit einstelligem Akkustand bei der Heimkunft. Ich durfte dann noch mit Deanna und Herrn Djurkowitsch schön Abendbrot essen. Es gab eine Suppe, Rote Beete und Kassler sowie Tomate mit Schafskäse ... mmmh. Außer dem Brot alles domaci, hausgemacht. Hector hat mich großartig auf dem Hof betreut, jeweils einmal nachts gebellt. Ich hoffe wegen einem Schakal.

Dienstag, September 15, 2026

Ein serbischer Tag

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... wie er im Buche steht gestern. Mit zwei Autoetappen bin ich mautfrei bis nach Sombor gefahren. Es war Sonntag am Nachmittag und die Wechselstuben waren nicht geschäftig. Der hiesige Zeltplatz "Sosul" hat hervorragende Bewertungen. Ich beschloss, hier zweimal zu übernachten und am Montag auf einer Radrunde durch das europäische Amazonien "Kopački rit" mir früh die notwendigen Dinare zu beschaffen. Es stellte sich heraus, dass ich diesen Weg durch das unklare Grenzgebiet zwischen Kroatien und Serbien schon gefahren bin. Doch 2023 noch mit dem biologischen Rad mit Gepäck, sodass ich mir damals die Abstecher zur Donau gespart habe. Jetzt wachsen in der Donau die ersten Sanddünen. Selbst der alte Einsiedler in Vagoni hatte so etwas noch nicht erlebt. Er freute sich über meinen Wunsch auf ein Jelen pivo und wir wechselten einige Worte vor den Resten seiner ehemaligen Schänke. 
Sanddünen in der Donau
Nicht weit in Apatin wird das Jelen pivo gebraut. Mit rund 14000 Einwohnern war Apatin in Jugoslawien bis 1945 die größte deutschsprachige Gemeinde. Die Brauerei feiert dieses Jahr das 270-jährige Bestehen. Die Schwaben haben wohl nach ihrer Fahrt in der Ulmer Schachtel Durst gehabt und erstmal eine Brauerei gegründet. Hier hatte ich dann auch den ersten Pleskaviza im Lepinja, dem Fladenbrot mit ordentlich Zwiebel.
Mein Standpunkt, umschwirrt von mittlerweile ein dutzend Hornissen
Heute umgesetzt in das Serbische Erzgebirge auf einen 150-jährigen Bergbauernhof. Mein Gastgeber hat hier aus einer Ruine ein Paradies geschaffen. Hier bin ich jetzt für drei Nächte ganz allein. Sein Schwager, deutsch gelernt als Gastarbeiter, beruhigte mich am Telefon: Wilde Tiere sind nur Hirsche, Wildschweine und ein paar Schakale. Hector, der kleine Hofhund, bewacht mich hier und der Rakija beruhigt mich.

Freitag, September 11, 2026

Ein böhmischer Tag

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... wie er im Buche steht. Das ist nun ein weiterer Versuch von mir, mich für die Autotouristik zu begeistern. Ich bin gestern bis in die Gegend von Pisek in Südböhmen gefahren. Es gibt mittlerweile etliche Stücken Autobahn in Czechland, die gehen aber alle sternförmig von Prag aus. Von Eger in Richtung Budweis ist es eine Fahrt durch die sprichwörtlichen böhmischen Dörfer. Ich fand das schöne "Kemp Važka" in Varvazov. Der Platz wird von einem tschechisch/deutschen Paar geführt, der Kerl stammt aus dem badenschen Schwarzwald. Ich fragte ihn, wie er mit der tschechischen Gramatik zurecht kommt. "Ich bin seit zwanzig Jahren hier. Es geht gut, weil es fast keinen interessiert. Die "blumige" Aussprache ist das Problem." Er gab mir zwei touristische Prospekte mit Karten und empfahl mir u.a. Blatna als Ziel einer Radrunde durch viele böhmische Dörfer. 
In den böhmischen Dörfern
Bei Blatna war in Kadov ein Wackelstein eingezeichnet. Gefunden war damit das Ziel meiner heutigen 80km-Runde. Im Nachbardorf fand ich gleich einen schönen COOP-Markt für die Frühstücksauswahl. Herausragend, der Räucherkäse. In Blatna war die Mittagszeit fast ran. Ich sah die tschechische Arbeiterklasse zufrieden aus dem Restaurant vom Hotel Baranek rauskommen. Draußen hing die Tageskarte für den heutigen Freitag: Madarsky Gulasch mit Houskovy Knedlik! Ruckzuck zauberten die Madlotschka den Gulasch und ein Prazdroj vor mir auf den Tisch. Es schmeckte wie früher. Weiter zum Wackelstein in Kadov. 
Der Viklan von Kadov
Den haben wohl die Kirmesbuben umgeschmissen. Doch man hat mit viel Hebelwerk den Stein wieder auf seinen Platz zurück gekriegt. Der Wackelstein wiegt 29 Tonnen. "Diese Methode, einen enorm schweren Stein zu bewegen, die Ing. Pavel in Kadov erprobte, trug dazu bei, dass der berühmte norwegische Reisende und Entdecker Thor Heyerdahl Ing. Pavel auf die Osterinsel einlud, um bei der Lösung des Problems des Transports großer Steinstatuen zu helfen. Auf der Osterinsel gelang es Ing. Pavel zu beweisen, dass Menschen mit einfachen Werkzeugen immobile Statuen über weite Strecken transportieren können. Er löste damit ein großes historisches Rätsel." (Erklärtafel vor Ort, übersetzt mit GoogleLens)
In den Dörfern hier gibt es noch ab&zu Kneipen, ich besuchte das Obecní hostinec in Čečelovice. Hier wies mich die Muttel auf ihre Tagessuppe hin - Kulasda. Dann hat mir ein Gast erläutert was das für eine Suppe ist: Eine Mehlsuppe mit Kartoffeln, Waldpilzen und Kräutern. Es war köstlich. Dazu hatte ich aus der Brauerei in Strakonice ein hopfiges Pilsner und ein kupferfarbenes Dunkles "Klostermann". Die Runde führte durch eine hucklige und abwechlungsreiche Landschaft mit Fernblicken auf den Böhmerwald am Horizont. Es ist wirklich ein Genuss hier zu pedalieren.

Montag, Juli 27, 2026

Znojmo Znaim

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Znaim an der Thaya
Zugegeben: Dieses Bloggeschreibe ist Kompensation für fehlende Kommunikation bei diesen einsamen Touren. Die Beobachtungen führen oft zu einer Reihe von Gedanken über das Dasein des EbsEls. Ich bin immer noch in Czechland, in Südmähren auf einem großen Naherholungszentrum (Rekreacni areal) Vyr in der Nähe von Znojmo. Die haben hier ein schönes obcerstviny, am Samstag sogar mit Lifemusik. Man kriegt Bier für knapp 2€ die Halbe, bramboracky sowie weitere Snacks. Vor mir am Tisch saß ein Päärchen in der Vorrentenphase, der Kerl mit Oberkörper frei. Ich knipste ein Bild von meinem Bier und dem mächtigen Rücken des Kerls. Das war am Freitag. Ich war kurz davor es auf meinem WA-Status mit diesem Text zu posten: "Sie lieben die Dicken. Vielleicht wäre es doch was geworden mit Eva Cecilova." Eva lernte ich auf einem für die Gruppe Knobelsdorf in Hojsova Straz in den Neunzigern veranstalteten Heiratsmarkt kennen. Gestern saß ich plötzlich am Tisch von echten Recken, denen bin ich am Vortag bereits aufgefallen - als Strong Man. Michael, ein mächtiger Hirte, stellte mich seiner Familie vor, Tochter und Sohn und eine schöne Frau im hautschmeichelnden Schwarzen. Zwischen Haut und Schwarzem war kein Raum für zusätzliche Wäsche. Eva streichelte damals meinen Bauch und meinte, die Frauen in Czechland lieben die starken Typen, die fördern Vertrauen. Was wäre das für ein Dasein geworden?
Keller in Želetice
Die Tour am Sonnabend führte mich bis nach Niederösterreich auf der Suche nach offenen Weinkellern. In Unterretzbach war ich in einer Heurigenkneipe zum Schnitzel und Grünem Veltliner. 
Der Heilige Stein 
Unmittelbar neben der Grenze auf Ösi-Seite befindet sich ein Jahrtausende alter Wallfahrtsort. Ein Stein mit elf schalenförmigen kreisrunden Vertiefungen. Handteller groß. Es konnten rituelle Handlungen bis vor 50000 Jahren nachgewiesen werden. Es ist der Heilige Stein von Retzbach. Zur Christenzeit ist er dann Unserer Lieben Frau geweiht worden. Eine Schautafel gibt Anleitung zum Wünschelruten gehen. Meine Rute ist zu unsensibel. Erst spät am Nachmittag fand ich dann eine Kellerzeile in Mähren, in Chvalovice. Bei einem 80jährigen Op kaufte ich eine Flasche Veltliner. Die Heimfahrt brachte mich auf 2% Akkustand und 88 km. Heute eine kleine Runde nochmal nach Znojmo. Znojmo ist geprägt durch zwei Schluchten, die Thaya und dem ziemlich ausgetrockeneten Granit-Bach. Es ist eine spektakuläre Landschaft. Was noch fehlt? Den Znaimer Gulasch habe ich hier noch in keiner Karte gefunden.

Donnerstag, Juli 23, 2026

Im Schönhengstgau

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Burgenland
Am Dienstag umgesetzt auf einen Zeltplatz in der Nähe von Svitavy (Zwittau). Ein Paradies an einem Teich mit Sandstrand und Sandburgen. Platz ist auf der großen Wiese genug. Einzigstes Manko: Bei den Männern fließt kein Wasser an den elektrisch gesteuerten Waschbecken auf dem Lokus. Man erhält aber einen Schlüssel zu einem großen Bad mit Duschen.
Die erste Runde gestern führte über Koppen und Kulme nach Usti nad Orlici. In Böhm. Trübau rettete ich mich vor einem Schauer in eine Kellerkneipe mit einer schönen Wirtin. Und in der Küche gab es weitere großartige Kompetenz: Die haben kleine Schweinemedallions so zubereitet, dass innen noch das Fleisch ein wenig rosig war, außen mit Bacon umwickelt. Dazu eine Pfeffersoße. Ein Gedicht!
Heute bin ich nach Mähren rüber. Und wenn wir gerade beim Essen sind, einige Worte zur Cesnakova, der Knoblauchsuppe. Mittlerweile habe ich schon vier Suppen verkasematuckelt. Die werden aus einer Brühe zubereitet, ordentlich Knoblauch rein geraspelt, dazu Kochschinkenwürfel und Käse, ggf. Kartoffeln. Immer mit frisch gerösteten Brotwürfel, oft aus Schwarzbrot. Einmal wurden die Krutons extra gereicht, so gehört es sich eigentlich. Das war im Schwejk-Lokal im Walzel-Zentrum. Aber nun der wichtigste Punkt: Wie schon früher im Altvatergebirge (Manne weiß schon) wird der Knobi immer schärfer mit der Reise in den Osten. Heute in Mährisch Trübau war das mährische Niveau erreicht. Es hat sicher auch mit der Jahreszeit zu tun, die haben frischen Knoblauch genutzt.
Mein Weg auf die Kozlovsky Kopec
Die Bahn für den Tontransport an die Öfen
Im Museum: Steuererklärung 1928 
Die Gleise zum Tonbergwerk
Die Grenze zwischen Böhmen und Mähren (und auch die Wasserscheide Elbe-Donau) ist hier eine interessante Hügelkette der Schönhengster Rücken, auf der Ostseite gehts steiler runter. An dieser Kante traten wohl höffige Kohleschichten zu Tage. Die Qualität war aber nicht so wie die Steinkohle aus Ostrava und der Bergbau stellte auf Ton für Schamotte um. Es waren bis zu 104 Öfen im Betrieb, verbunden durch eine 60cm-Schmalspurbahn. In Mladejov nad Morave gibt es dazu ein Museum. Leider haben sie die Dampfloks versteckt. Denn es wird eine Museumsbahn bis Hrebec (Schönhengst) betrieben. Der Radweg von Moravske Trebov hoch nach Hrebec ist leider diesen Monat gesperrt (steht so in mapy). Möglicherweise stehen die Loks im Bahnhof Hrebec-doly direkt im Tonbergwerk. Ich habe deshalb dort nicht den Rücken des Schönhengst überquert.

Samstag, Juli 18, 2026

Borderstories in den Sudeten

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Endlich habe ich mich aufgerafft und bin mit meinen Single-Caravan losgefahren. Die totale Autarkie ist noch nicht gegeben. Die Lokusprozedur ist nur für eine planmäßige Nutzung definiert. Wenn's wirklich pressiert, habe ich den Lokus bestimmt nicht rechtzeitig betriebsbereit. Die mit Sonne betriebene Batterie ist mit 75 Ah zu schmalbrüstig für einen 2000 W Wechselrichter. Mein jetziger Wechselrichter hat 300 W und geht beim Anschluss des eBike-Ladegeräts in die Knie. Für Smartphone&Co. reicht es.
18.7.2026
Ich starte meine Tour in den Sudeten bei den Felsenstädten Adrspach und Weckelsdorf. Bei der Anfahrt gestern gab es paar Schikane: Der Pass bei der Burg Tolstejn war gesperrt, ich musste den Jedlova westlich umfahren. Hinter Trutnov (Trautenau) habe ich mich verfahren und stand plötzlich am Grenzübergang Lubawka-Kralovec. Die schlesisch-polnische Karte hatte ich nicht offline in mapy.com. Aber die EU und die Telekom lässt mich ja mit Flatrate ins Internet und ich habe eine super Route über Chelmko Sl. (Schömberg) und Mieroszow (Friedland) zu meinem Ziel, dem Zeltplatz Autokemp Lodenice direkt auf der Grenze in Zdonow (Merkelsdorf) gefunden. Hier gab es die letzte Schikane, eine Fahrbahnverengung auf 2,2 m. Mein Auto hatte mehr Angst als ich und piepste wie verückt. Ein reicher Pole hat mit seinem fetten Daimler-SUV einen Einweiser gebraucht.
Grenzübergangsschikane
Wie im gesamten Czechischen Grenzgebiet gibt es auch hier "verschwundene Dörfer". Hier ist es Libna (Liebnau). Es gibt noch den Dorfteich mit Nepomuk und ein Kriegerdenkmal. Da sind aber die Menschen ausgelöscht.
Kriegerdenkmal: Die Menschen sind ausgelöscht

Keine Finanzwache da 


Es gab einen Grenzweg nach Schömberg im Schlesischen. Ich bin bis zur Grenze gefahren. Die Grenze zum deutschen Schlesien wurde früher von der tschechischen Finanzwache bewacht, trotzdem fanden die Liebnauer Wege zum Paschen von Waren. Das konnte ich an diversen Erklärtafeln lernen, die tatsächlich in Tschechisch und Deutsch verfasst waren
 
19.7.2026
Es ist Sonntag, es gilt den polnischen Ausflugsautos aus dem Weg zu gehen. Die kommen schon gegen Sieben über diesen klitze kleinen Grenzübergang rüber. Also bin ich dem Radweg #4036 in den Wald gefolgt links weg von der Straße hinunter nach Adrspach. Am Buchberg (Bukova hora) war ein Hinweis zum Kreuz der Versöhnung. 
Kreuz der Versöhnung
9Hier hatten die Tschechen 22 Frauen, Kinder und Männer aus Weckelsdorf (Teplice nad Metuje) als Faschisten indentifiziert und erschossen. Es war schon immer ein spannendes Grenzgebiet zwischen Protestanten und Katholiken, zwischen Polen, Deutschen und Tschechen im Dreieck Schlesien, Glatz und Böhmen.
Das gibt's in echt in der Adrspacher Felsenstadtt
Weiter nach Police nad Metuje, dort hatte mir mapy.com schon bei der Vorbereitung das restaurace Ostaš empfohlen. Ich hatte eine Knoblauchsuppe (cesnacka) und einen großartigen Gulasch mit Knödeln. Klassische böhmische Küche auf höchstem Niveau vom Geschmack, vom Service und Alles ruckzuck.
Walzel Centrum
Überall, in Czechland und in Polen hängt hier Reklame für ein Schwejk-Restaurant. Ich fand es. Eine alte Fabrik hat ein Investor umgebaut zum Eventzentrum (www.walzel.cz) mit Kletterhalle, Schießstand (auch ohne Waffenschein), Restaurant und weitere Touristenfallen. Ich wollte dort nur ein Bier. Der Kellner war aber schwer auf Draht und ein Menschenkenner. Er empfahl mir eine "starke Knoblauchsuppe" und den Schnaps, wo der brave Soldat in Purim von besoffen war - Kontuschowka. Kontuschowka ist lindgrün und schmeckt wie ein Becherovka hoch 10, spektakulär. Über das polnische Friedland bin ich wieder zurück auf meinen Platz auf der Grenze.

20.7.2026
Police nad Metuje 
Heute eine Runde um Police n. M. mit Besuch des Hausbergs Ostaš. Es sind 75 km zusammen gekommen. 

Donnerstag, März 26, 2026

Am Schwarzen Meer

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The Dawn: Kap Kaliakra
Es ist einsam am Schwarzen Meer vor der Vorsaison. Ich bin am Kap Ikantalak unterhalb von Topola. Hier haben diverse Investoren diverse Ressorts, Glamping-Plätze und Appartmenthäuser bauen lassen. Zwei Dutzend Leute aus der arbeitenden Klasse versuchen nun die Saison 2026 vorzubereiten. Mein virtueller Host (ich kenne ihn nur aus WhatsApp), der Herr Dimitrov, hat schon mal sein nobles Appartment bei booking.com frei gegeben, wodurch ich mich hier für drei Nächte einmieten konnte. Die booking-Leute sollten mal angeben, in welchem Stockwerk ihre Horntzschen liegen, der alte Ebs musste bis in den dritten Stock kraxeln. Sicher bin ich hier der erste Gast im Jahr, den Kaffee, die Kaffeekapseln und weitere Reste vom letzten Jahr ignoriere ich mal, aus der Wasserleitung lasse ich es mehrere Minuten rauschen. Die kleinen Supermärkte um die Ecke haben noch Alles in Lewa ausgepreist und geschlossen. Ich bin an den großartigen weißen thrakischen Cliffs der bisher einzigste Tourist.

Die weißen Cliffs
Das Wetter die zwei Tage war super, es war eine sonnige Lust zu pedalieren. Die Crux ist nur, um hier wirklich wegzukommen, muss ich knapp hundert Meter die weißen Wände hoch strampeln. Richtung Baltschik gibt es eine alte Küstenstraße mit mäßigen Anstiegen, die ich mit meinem Bio-Rad noch schaffe. 
Am Kap Ikantalak

Da hinten ist Albena
So komme ich an Verpflegung und Getränke, ohne mein Auto bewegen zu müssen. In Tuzlata haben bereits drei klassische skara bira geöffnet, hier werde ich wohltuend empfangen. Ich kann die ganzen Klassiker durchkosten: Schopski Salat, ribni ciorba, kufteta und Rakia. Ich finde eine Schwefel-Thermalquelle und erinnere mich, dass ich hier vor 49 Jahren schon war. Morgen starte ich die Heimreise.

Montag, März 23, 2026

Plimbare, plimbare

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Es ist kalt im Delta
Plimbare ist das wohlklingende rumänische Wort für spazieren, schlendern, Zeit verplempern. Hier in Murighiol meist verwendet in Verbindung plimbare cu barcu. Das bedeutet mit dem Ausflugsboot durchs Donaudelta schippern. Ich bin wohl hier der erste Tourist dieses Jahr, sicher der Einzigste zur Zeit. Da lohnt es nicht, die Leinen der vielen Barken los zu machen, ich habe garnicht erst gefragt. Am Sonnabend und Sonntag war es kalt, windig und nieslich. Einige reiche Bukarester bringen ihre Boote in den Hafen. Mein plimbare-RADius beschränkte sich nur auf diverse magazin mixt in Murighiol.
Heute war es eine sonnige Lust zu Pedalieren. Ich besuchte die römische Festung Halmyris. Hier beginnt der Limes.
Das Westtor
Dann die entgegengesetzte Richtung nach Mahmudia an den St.Georgs-Strom, der südliche Hauptarm der Donau im Delta.
Sf.Gheorghe in Mahmudia
Morgen gehts nach Bulgarien.

Freitag, März 20, 2026

Ich bin kein Automobilist

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Ich entscheide von Tag zu Tag und Wetter zu Wetter, wo die Reise hingehen soll. Aktuell geht die Sonne über den Măciner Bergen unter, ich bin wieder zurück in Rumänien am Rande des Donaudeltas in Murighiol. Das Auto funktioniert für mich nur als Transportmittel zum Ziel. Unterwegs gibt es nichts zu entdecken, zu besuchen oder sonst einen Anlass zum Halten. Das Lenken fordert meine volle Aufmerksamkeit, selten fällt mir was aus der Umgebung auf. Die letzten zwei Tage bin ich nach Gagausien und dann weiter hierher ins Delta gefahren. Die Hauptstadt Chisinau habe ich auf der LKW-Umgehung westlich umfahren. Die Brummer haben mich bei angewiesenen 50 km/h gejagt. Im Zentrum von Comrat, der Hauptstadt der Gagausen, sah ich ein mit Stacheldraht gesichertes Gebäude, davor ein Wachmann und die türkische Flagge. Leider aber keinen Platz, der mir Nichtautomobilisten ein gefahrloses Ein- und Ausparken zuließ. Zu den ethnischen Wurzeln der Gagausen streiten sich die Gelehrten. Ohne Zweifel ist die Verwandschaft der Sprache der Gagausen zum osmanischen Türkisch. Die können sich wohl tatsächlich verstehen und unterhalten. Ich hätte schon gern dort "boots on the ground" geforscht, was das für ein Gebäude ist. So fuhr ich weiter nach Congaz. Das ist die gagausische Station der DIAMIR-Reisen nach Moldawien. 
Die Gaststube
Hier gibt es Ethno&Eco-Etablissement. Hotel und Restaurant liegen gut 1000 m auseinander, gut dass ich mein Rad mit hatte. Bisher habe ich mit den Gagausen mich sehr gut russisch verständigen können. Bei der gagausischden Gastwirtschaft gab es eine Chefin, die mich in englisch willkommen hieß. Draußen war es schon recht kalt, also schob sie mich in eine kleine Ethno-Stube mit vier Gedecken auf dem Tisch. Diese Stube teilte ich noch mit einer niedlichen Bettelmiez.
Die Bettelmiez
Angebot im Kirchenkiosk
Dann kam die Bedienung als Mädchen in Tracht. Den gagausischen Bortsch und das schweinige Kaurma (beachte die Verwandschaft zum bulgarischen Kawarma) konnte ich aus der köstlich illustrierten Speisekarte darlegen, das gewünschte Bier verstand sie nicht. Später, als ich die gagausischen Köstlichkeiten schon verkasematuckelt hatte, verstand sie meine Bitte "Принесите пожалуйста пиво!"
Später war ich noch an der Kirche in Congaz. Die Gagausen sind orthodoxe Christen. Selbst die jungen Kerle hielten vor der Pforte zum Kirchhof inne und bekreuzigten sich dreimal. Im Kirchenkiosk gibt es kleine Spray-Fläschchen mit der Aufschrift "MYRO". Ist das Weihrauch-Parfum? GoogleLens konnte nicht helfen. Ich bin zu sehr Radreisender. Es wäre Gott gefällig, so etwas als Andenken zu kaufen. Im Auto ist genug Platz.
Hier gibt es auch die Ortseingangsmonumente mit heldenhaften Abbildern der werktätigen Bevölkerung. Auf dem Weg zur Grenze nach Rumänien sah ich ein solches Monument mit der Aufschrift Albasdorf. Das war zwischen Albota de jos und Albota de sus. An der moldawischen GÜST bei Cahul gab es wieder eine Herausforderung vom Wackelkontakt. 3malige Wiederholung führte zum Ziel. Die Grenzer haben nur bissel komisch geguckt. Die nächsten drei Tage dann wieder auf dem Rad, da gibt es auch wieder Bilder.