Donnerstag, April 25, 2019

Borderstories

Das Frühstück im kutzscha sa gosti war sehr gut, dazu gab es kleines Näpfchen selbst gemachte Marmelade, handbeschriftet mit der Telefonnummer des Hauses als Souvenir. Schnell war ich an dem kleinen Grenzübergang nach Griechenland.
Gestern habe ich ein wenig mit einem Bulgaren, Inhaber eines kleinen Ladenzentrums, geplaudert. Er war stolz, dass in Ivailovgrad nur Bulgaren wohnen, dazu ein paar Deutsche und Engländer. Es gäbe keine Türken, Griechen und Schwarze. Hitler wäre ein guter Mann gewesen, bis auf die Dummheit, sich mit den Russen anzulegen. Meine Reiseroute nach Burgas über die Türkei wollte er mir ausreden. Dann im ersten größeren griechischen Dorf, in Fylakio, wieder die Warnung vor dem Nachbarn. Es wäre doch viel schöner in Griechenland, und von Igoumenitsa könne man nach “Napoli” und Rom. Die Unterhaltung führten wir in Deutsch. Der Gast forderte immer wieder den Wirt auf, mit mir doch Deutsch zu reden.
In Ritsia fährt die Bundespolizei Streife. Mein Nachbar in der Kneipe, wo ich noch mal ein paar Bier auf Vorrat pichelte, sagte, dass sie hier drei Polizeitruppen haben: Die griechische Grenzpolizei, die deutsche Bundespolizei und die FRONTEX-Polizei. Das seien die im Tarnanzug und Militärfahrzeugen. Die Grenze kündigt sich mit Verbotsschildern zum Fotografieren an. Dann folgen rechts und links ein paar befestigte Militärstellungen. In einem Hain liegt die Kontrollstelle, die Abwicklung mit einem Ausweis, der was gilt, geht reibungslos. Man kann noch schnell einen großen Duty-Free-Shop besuchen. Dann einige hundert Meter eine schmale Stacheldrahtgasse (das ist kein LKW oder Bus-Übergang) zum türkischen Kontrollpunkt, wo alles etwas weniger martialisch aussieht. Ich werde herzlich begrüßt und bin zum ersten Mal in meinem Leben in der Türkei. Wie schon in Griechenland ist das hier eine landwirtschaftlich fruchtbare Gegend bei der Mündung der Arda in den Evros/Mariza/Meric, viel Gemüse und Obstanbau auf beiden Seiten. Dann erreiche ich bald den Vorort von Edirne mit der Thrakischen Universität. Leider ist immer noch nichts von einer Geldwechselstelle zu sehen, obwohl rechts und links es viele gastronomische Angebote gibt. Ich überquere den Evros/Mariza/Meric auf zwei alten türkischen Brücken. Sie verlaufen bis zur Mitte aufwärts, es kommt der Divan, dann rollert es auf Marmorplatten abwärts. Und dann … der orientalische Alptraum, wimmelnde Basargassen. Hinter mir hupen die Autos, vor mir huscht ein Servierer mit einem Tablett mit fünf vollen Caj-Gläsern zum LED-Lampenhändler. Ich versuche dann in einem Bankgebäude der Türkischen Staatsbank mein Glück mit Geldwechsel. Und tatsächlich, der Wärter weist mich zu einem Schalter, wo ich nach umständlichem Prozess und mehrmaligen Zählen meiner drei 50 Euro-Scheine im Automaten einige Hundert türkische Lira (Kurs ca. 1 EUR / 6 TL) erhalte. Ich finde im Internet für zwei Nächte Unterkunft in einem der ältesten Hotels der Stadt, das Tashan Hotel. Hier hat wohl schon der berühmte Architekt des Sultan Selim II., Sinan Pascha übernachtet. Diesen Text schreibe ich in einem schönen Parkrestaurant beim mittlerweile vierten Tee. Neben Tee und weiterne kalten und heißen süßen Getränken kann der Mann sich die Nargileh, die Wasserpfeife bringen lassen. Es weht ein aromatischer Duft von den Tischen. Mir gegenüber sitzt ein Paar. Sie, eine rassige Orientalin, daddelt mit dem Mobile rum, ihr Mann nuckelt an der Nargileh und daddelt mit dem Mobile rum. Ein Cafe&Pub by Jön habe ich gefunden. Dort bekam ich ein in der Türkei gebrautes Tuborg. Ich durfte nur nicht mit dem Bier draußen sitzen.

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