Samstag, April 13, 2019

Im Gebirge der sterbenden Dörfer

Das Batschkovo Kloster beeindruckte mich mit seinen farbenreichen Fresken und einem weißbärtigen Ehrwürdigen. Er beobachtete mich streng, dass ich in seiner Kirche auch keine Bilder mache. Ich habe den Heiligen drei Kerzen gespendet, als pomana für meine Tour. Den Ehrwürdigen wegen einer persönlichen pomana anzusprechen, traute ich mir nicht. Drumherum ums Kloster blüht der Kommerz für die Touristen. Es gibt neben viel Tinnef aber auch sehr gesunde Kräuter für Tee und Honig aus den Rhodopen.

Im Tal der Tschepelarska reka verläuft eine Hauptstraße (#86) mit reichlich Verkehr, aber tolerabel. An meiner morgigen Abzweigung, die Straße #861 steht das Jugower Wirtshaus. Der Besuch am Kamin verleitet mich schon etwas früher in der Tour von den Spezialitäten des Landes und zwar im speziellen Parlenka zu probieren. Sonst wird das Parlenka in Pizzaform serviert, hier richtig als kleiner Brotlaib, gefüllt mit Kaschkaval und mit Knoblauchcreme bestrichen. Dazu gibt es hier nalivna shiva bira - lebendes Bier vom Fass im Jugowskijat Han.

In dem Kurbad Narechenski bani habe ich das Hotel RELAX zum Ziel der ersten Etappe erklärt. Das Abendbrot gibt es auf einer Terasse über der Tschepelarska reka wie einst der river Swat in Kalaam.

Für die nun in den nächsten Tagen folgenden schweren Bergetappen habe ich einen kleinen Abstecher hinauf auf ca 900m in das Dorf Kosovo gemacht. Dieses Dorf wird nur noch durch einige Enthusiasten mit Ferienhäusern am Leben erhalten. Die schweren Pläner, mit denen hier die Häuser früher gedeckt wurden, drücken die morschen hölzernen Dachfirsten ein. Das sieht aus, als hätte das Haus einen Artillerietreffer abgekriegt. Das Haus verfällt.

Ich bin gerade wieder im Jugower Wirtshaus, es gab “Snjeshanka”, Joghurt-Bällchen mit Zwiebeln, Knoblauch und Walnusssplittern.

Das Dorf Jugovo liegt 5km vom Wirtshaus steil im Hang. Die Straße führt mit 10% Steigung hoch über einer wilden Schlucht. Oben im Tal zeigt sich Regen, ich muss eine trockene Stelle finden. Vorhin das Kapellchen (Paraklis) war offen, aber ich habe ja die Fürsprache der Heiligen und finde auf der OSM-Karte eine Schutzhütte eingezeichnet. Als ich die Hütte gegen 17 Uhr erreiche, beginnt der Regen, der die ganze Nacht über nicht ablassen wird. Kann man Glück erzwingen? Glück planen? Ja, geht, dank OSM.  

Morgen beginnt der schwerste Abschnitt der Tour, 1000 m Aufstieg, werde wohl 3...4 Tage brauchen bis ins Tal der Arda.

Kommentare :

  1. Hallo Ebs,
    wir wünschen Dir alles Gute auf Deiner Tour.
    Jetzt kann ich wieder jeden Tag Deinen Berichten folgen. So beginnt der Arbeitstag viel besser.

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  2. Hallo Eberhard,

    ich werde an die Zentrale täglich berichten bzw. deine Berichte weiterleiten.

    Gruß Helmut

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