Donnerstag, April 25, 2019

In Hadrianopel

Ich sitze beim türkischen Kaffee im Ottomanischen Garten des Jahrhunderte alten Tashan Hotels in Edirne, einst die Stadt Hadrians, Sohn des Trajan, einem römischen Imperator geboren 76 A.D. Leise klingelt Musik eines orientalischen Saiteninstruments, neben mir plätschert ein Brunnen. Dazu gibt es baklava, das Honiggebäck des Morgenlandes. Die 72 Jungfrauen sind außer Haus.
Vielleicht bin ich etwas zu früh aufgestanden, noch nicht viel los auf den Straßen und in den Gassen. Ich besuche die große Selimiye-Moschee. Diese Moschee wurde vom Baumeister Sinan in den Jahren 1568 bis 1575 entworfen und unter seiner Leitung erbaut. Das Bauwerk bezeichnete Sinan selbst als „sein Meisterwerk“. Es ist heute Weltkulturerbe. Verbesserungspotenzial ergibt sich im Vergleich mit anderen Moscheen: Die Bunte Moschee in Tetovo stellt Schuhlöffel für die Besucher zur Verfügung. Überall finden sich in der Stadt Flächen mit vernachlässigten Ausgrabungsgebieten. Gleich neben meinem Hotel der mächtige “makedonische” Hadriansturm und daran angrenzend etliche römische Töpferöfen und die Fundamente einer byzantinischen Kirche aus dem 10. Jhdt. Der mazedonische Turm ist das einzige erhaltenen Gebäude aus der Stadtmauer, die vom römischen König Hadrian erbaut wurde. Durch die vielen Moschee-Besuche sind mir die Schnürsenkel gerissen. Doch der Fachhändler im Großen Basar (seit 1571) schenkte mir ein Paar neue Senkel, nach fachmännischem Blick genau passend.
Nun aber zu den weltlichen Dingen, dem Essen. Schon am Morgen konnte mich ein mächtiger Suppenkoch überzeugen. Freundlich ließ er mich in seine Töpfe gucken. Seine Ishkembe, eine beige Suppe, ausgekocht aus den Mägen der Rindviecher. Dazu lüftete er die Beigabe, fein geschnittener gekochter Pansen, schneeweiß. Das gehört zu den wenigen Dingen, die ich nicht esse. Im anderen Topf war eine orangefarbene Suppe, mezerlük oder so ähnlich (noch recherchieren). Dazu serviert er mir knusprig frittierte scharfe Paprika-Schoten. Auf dem Tischchen steht großzügig Brot und eine umfangreiche Menagerie Gewürze. Ein wirklich leckeres Frühstück. Zum Mittag was Gesundes: Sirloin und viel Gemüse. He, das ist kein Witz: Ja, nicht so saftig wie bei Mario zu Weihnachten, aber günstig und lecker. Jetzt sitze ich beim türkischen TUBORG im Kendine Has.

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