Sonntag, September 10, 2023

Es geht bergab

Nach dem Alten Testament hat sich Gott zum Shabbat einen ruhigen Tag gegönnt, ich tat es ihm gleich. Die Route führte den Fluss Pliva abwärts nach Jajce. Es wird wieder mehr ein Gebiet mit Muselfrauen & -männer. In Jezero betreuten Zwei im Schatten der Moschee liebevoll einen Drehspieß mit einem Schäfchen. Natürlich freundete ich mich mit den Leuten an, es waren gute serbische Männer, die ein Jelen pivo ausschenkten und für sich einen Rakija zapften. Im Restoran zeigt der Wandkalender auf dem Blatt für den September/Oktober 2023 ein Porträt von Josip Broz Tito. Nach einer Runde im Dorf kam ich noch richtig zum Zerlegen des Grillgutes und einer Kostprobe der knusprigen dünnen Schwarte. Dann kam noch ein Typ wie Action Bronson zum Verkosten.
Die Kaskaden des Flusses Pliva
Der finale Fall in den Vrbas
Vom Dorf Jezero führte ein alter Bahndamm am See zum Dorf Ćusine. Der Fluss fällt über mehrere Kaskaden hinunter nach Jajce. Dort ist dann der finale große Fall in den Fluss Vrbas.
Das Vrbas-Tal bin ich dann wieder hinauf nach Donji Vakuf. Noch etliche Drehspieße wollten mich verführen, doch meine reichhaltige Burekjause mit Sremska Kobasica (einer Paprika-Knacker) und Joghurt am Vormittag hatte mich ausreichend gesättigt. Erst jetzt hier im muselmanischen Hotel "Orchidee", wo kein Bier ausgeschenkt wird, habe ich mich zu Kalbsrippchen und Kartoffeln aus dem sač überreden lassen. Man kann sagen: Ein bosnisches Schäuffele! Arbeit beim Essen wegen der Knochen, aber köstlich.
Das Ende der Lebensreise Balkan
Nach einem inclusiven Suppenfrühstück im Hotel "Orchidee" bin ich im Morgennebel aufgebrochen. Auf einer Nebenstraße nach Prusac will ich die Stadt Bugojno umfahren. Bald wird eine Steigung von 10% angezeigt. Ich quäle mich, die zwei größten Ritzel sind nicht zu gebrauchen, die Kette rutscht ständig, ich muss schieben. So soll ich heute 1200 Höhenmter schaffen? Und wenn ich drüber bin über das Kupreska vrata, was habe ich da geschafft? Auf dem Weg nach Montenegro gibt es noch etliche solcher Pässe ... oder eine teure und verkehrsreiche Küstenstraße in Dalmatien.
Ich beende hier meine Lebensreise Balkan. Ich unterdrücke mit dem Fahrtwind bergab ein paar Tränen. Ich gebe auf. The way against the wind macht keinen Spaß mehr. In Poriče trinke ich im Schatten der Moschee ein paar Bier. Dann brettere ich hinunter nach Jajce. Das ist hier die Entität der Bosniaken. Die Ortsschilder haben oben die lateinische Schreibweise des Ortes, unten in kyrillisch. Das aber meistens überklebt oder schwarz überspüht. In der Repuklika Serpska ist das umgekehrt. In Jajce sehe ich in einer Kneipe die letzten zwei Viertel des Finales der Basketball-WM zwischen Deutschland und Serbien. Keiner der Gäste hält für Serbien. 

2 Kommentare :

  1. Fährst du jetzt heim, oder geht deine Reise weiter? Ich wünsche dir jedenfalls alles Gute. Und komme Mal wieder nach Jena zu einer Fahrradtour!

    AntwortenLöschen
  2. Es heißt unterwegs@lebensreise, es geht als weiter ... aber noch langsamer.
    Nu musste erstmal nach Saalfeld kommen ;-)

    AntwortenLöschen